Europa

Handelskrieg – Deutscher Maschinenbau im Abschwung

Der Maschinenbau war Deutschlands Job-Erschaffer Nummer eins in den letzten Jahren, aber nun hat der Handelskrieg den langjährigen Boom beendet! Heute hat der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) seine Prognose für das Jahr 2020 abgegeben – und der Ausblick auf das nächste Jahr fällt ernüchternd aus! Der VDMA erwartet für 2020 einen Produktionsrückgang von -2% und zieht folgendes Fazit:

„Die globale Konjunkturschwäche, Handelsstreitigkeiten und der industrielle Strukturwandel belasten das Geschäft im Maschinenbau. Ein rascher Aufschwung ist nicht in Sicht. Ein guter Auftragsbestand puffert den Rückgang aber ab.“

Mit anderen Worten: man lebt noch von der in den letzten Jahren angesammelten Substanz der Boom-Jahre, aber das Polster schmilzt langsam ab.

Der zentrale Faktor der Schwäche ist offenkundig der Handelskrieg: die dadurch entstehende Planungs-Unsicherheit läßt die Investitionen einbrechen – und Investitionen sind das Wachstum der Zukunft:

„Die Maschinenbauindustrie in Deutschland muss sich weiterhin auf erhebliche Belastungen einstellen. Der Handelsstreit zwischen den USA und China und ein wachsender Protektionismus rund um den Globus gehen nicht folgenlos am Exportweltmeister Maschinenbau vorbei. Hinzu kommen die weltweite Konjunkturschwäche, der Brexit sowie der Strukturwandel in wichtigen Kundengruppen. „All diese Faktoren führen bereits zu konkreten Belastungen zahlreicher Abnehmer unserer Maschinen und Anlagen weltweit und verunsichern generell Investoren, die sich deshalb mit Investitionen zurückhalten. Eine baldige, nachhaltige Änderung zum Positiven ist nicht absehbar.“

Deutschland als Exportnation ist von dieser durch den Handelskrieg ausgelösten Unsicherheit natuurgemäß stark betroffen – aber auch China leidet stark darunter, und, wie der VDMA nun konstatiert, zunehmend auch die USA selbst:

„Im Inland haben sich Lage und Aussicht in der Industrie zuletzt weiter eingetrübt, das Investitionsklima – vor allem in der Automobilindustrie – hat spürbar gelitten. Und auch im Ausland gibt es auf wichtigen Absatzmärkten des Maschinenbaus keine expansiven Impulse. Selbst in den USA hat die Investitionsdynamik deutlich nachgelassen, und es mehren sich die Zeichen, dass auch die amerikanische Industrie unter dem Handelsstreit mit China leidet. In der Volksrepublik wiederum sind die Auswirkungen des Zollkriegs immer deutlicher spürbar, was neben einem sich ohnehin abschwächenden Wachstum zu stagnierenden, teilweise sogar rückläufigen Umsätzen der nennenswerten Industriesektoren führt. Für die Maschinenlieferungen in die EU, dem größten Absatzmarkt, sind die Aussichten ebenfalls durchwachsen. Viele Länder sind aufgrund ihrer engen Handelsbeziehungen Leidtragende des Handelsstreits zwischen den USA und China. Hinzu kommt die anhaltende Verunsicherung, wann und wie der EU-Austritt Großbritanniens über die Bühne gehen soll.“

Hinzu kommt noch die Schwäche der Schwellenländer, aus jeweils eigenen Gründen:

„Damit nicht genug, muss die Branche Einbußen in wichtigen Schwellenländern verkraften. Ob in Russland, der Türkei, im Iran, in Mexiko oder Argentinien – das Geschäft in diesen ergiebigen Märkten wird uns immer öfter politisch erschwert“.

All das zeigt klar: zwar gibt es in einigen Schwellen-Ländern durchaus eigene Probleme, aber es ist vor allem der Handelskrieg, der den Abschwung forciert. Dieser Abschwung, das zeigen sowohl der Einkaufsmanagerindex der deutschen Industrie als auch der ifo Index, begann Ende 2017 bzw. Anfang 2018, bevor dann Trump im Juni 2018 den Handelskrieg startete, der dann diesen Abschwung nahezu in einen freien Fall hat übergehen lassen. Das zeigt nicht zuletzt der heute veröffentliche Markit PMI Gewerbe für Deutschland, der auf 41,4 kollabierte und damit tief in Rezessions-Terrain angelangt ist (die Schwelle zwischen Expansion und Kontraktion ist die Marke von 50).

Der Handelskrieg beendet den Boom der deutschen Maschinenbauer



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