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Handelskrieg: Die Auswirkungen kommen jetzt mit voller Wucht

Dies wird die Kaufkraft der Verbraucher und oder die Rentabilität der Händler in den nächsten Wochen und Monaten spürbar verringern und sich negativ auf die Anschaffungsneigung der für die US-Wirtschaft so wichtigen Konsumsparte auswirken, sofern es nicht doch noch kurzfristig einen Deal geben sollte.

Die realwirtschaftlichen Warnsignale nehmen zu

Bisher waren die Konsumausgaben der Amerikaner relativ stabil, was dazu beitrug, die negativen Auswirkungen im Handelskrieg in Form von schwachen Investitionen und Exporten nach China auszugleichen. Doch die jüngsten Signale von den amerikanischen Supermarktketten zeigen mit wenigen Ausnahmen bereits eine rückläufige Absatzdynamik. Dies bestätigt auch der wöchentlich erhobene Redbook Index. Dieser misst die flächenbereinigten Umsätze von ca. 9.000 US-Einzelhandelsgeschäften im Vergleich zur Vorjahresperiode. Die Veränderungsraten sind nicht inflationsbereinigt:

Redbook Index

Ab der nächsten Woche starten die Vorbereitungen auf die Rabattschlacht namens „Black Friday“ im US-Einzelhandel, die jedoch nicht, wie der Name suggeriert, nur am Freitag stattfindet, sondern sich bei einer zunehmenden Zahl von Händlern über die gesamte Woche hinzieht. Daher kann es hier im Vorfeld auch zu Zurückhaltung bei den Konsumenten gekommen sein. Somit könnten die jüngsten Schwächesignale vom Redbook Index in der kommenden Woche kompensiert werden, allerdings auf Grund der zum Teil massiven Rabatte dann zulasten der Margen der Einzelhändler.

Je länger der Handelskrieg andauert, je größer der wirtschaftliche Schaden

In Zukunft werden im Handelskrieg die Auswirkungen der US-Zölle auf die US-Verbraucher von mehreren Faktoren abhängen. Dazu gehören der Grad, in dem Einzelhändler ihre höheren Kosten auf die Verbraucher abwälzen, der Grad, in dem die Verbraucherstimmung empfindlich auf Preiserhöhungen reagiert, und der Grad, in dem die Hersteller ihre Produktion von China nach Vietnam und in andere Länder verlagern, was zunächst ebenfalls mit hohen Anlaufkosten verbunden ist.

Die Einfuhren aus China sind bereits stark eingebrochen, während die Einfuhren aus Vietnam stark zunahmen. Die Erwartungshaltung sowohl von Einkäufern, Konsumenten und Finanzmarktteilnehmern, dass die USA bald beginnen würden, die Zölle zu senken, haben sich aktuell deutlich zurückgebildet. Die Chancen auf einen Phase 1 Deal noch in diesem Jahr lagen zuletzt bei nur noch 35 Prozent.

Wie die US-Handelskammer heute Morgen berichtet, wird ein Phase 1 Deal möglicherweise nicht unterzeichnet, bevor zusätzliche Zölle eingeführt werden. Was die ökonomischen Schäden auch für die USA im Zeitverlauf weiter erhöhen würde. Auch die jüngsten Kommentare der US-Regierung, jenseits von Larry Kudlow, deuten darauf hin, dass ein Handelsabkommen, einschließlich Zollsenkungen, noch in diesem Jahr unwahrscheinlich ist. Besonders wichtig wird daher für den Finanzmarkt aber auch für die US-Konsumenten der Termin 15. Dezember. Kommt es Mitte nächsten Monats tatsächlich zu einer weiteren Eskalation in Sachen Strafzöllen, von der dann primär Einzelhandelsgüter betroffen wären, würde die stabilste Säule der US-Wirtschaft, der Konsum, noch weiter wegzubrechen drohen, nachdem bereits die Industrieproduktion und der Transportsektor massiv unter dem Handelskrieg leiden.

Die jüngsten Untersuchungen der Federal Reserve Bank of Atlanta auf Basis verschiedener Konjunkturindikatoren zeigen jedenfalls eine Fortsetzung der Verringerung der US-Wachstumsdynamik auf nur noch 0,4 Prozent im vierten Quartal (annualisiert) nach noch 1,9 Prozent im dritten Quartal. Im Jahresauftaktquartal expandierte die US-Wirtschaft sogar noch mit einer annualisierten Rate von 3,1 Prozent.

Fazit

Der Trump-Administration hätte eigentlich klar sein müssen, dass derartige massive Eingriffe in die Wirtschaft, wie sie über die Strafzölle vollzogen werden, erst mit einer gewissen Zeitverzögerung eintreten. Der Glaube, man könnte einer mittlerweile global so bedeutenden und ökonomisch sowie geostrategisch so weit verzweigten Nation wie China kurzfristig seinen Willen aufzwängen, war eine diplomatische Fehlkalkulation ersten Ranges, für die nun auch die US-Ökonomie von Quartal zu Quartal einen immer höheren Preis zahlen muss.

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2 Kommentare

  1. Ich denke, dass die Margen der Anbieter sinken und die Preise stabil bleiben. Die Anbieter habe die letzten Jahre auch gut verdient und können das gut auffangen.

  2. Das denke ich auch. Wenn Apple bei seinen hohen Verkaufspreisen dann halt mal 10 $ mehr für die Produktion (aus einem ‚teureren‘ Herstellungsland) oder für die Zölle (wenn sie auf China beharren) kalkulieren müssen, werden sie das verkraften ;-)

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