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Handelskrieg: Die leeren Drohungen von Trump

Die Märkte nehmen Trump nicht mehr für voll, weil sie ahnen, dass eine weitere Eskalation im Handelskrieg eine fatale Wirkung auf die USA hätte

Wolfgang Müller

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am

Was für ein gestriges Meldungschaos im Handelskrieg: Erst eine positive Wendung, dass man sich an den Vorschlägen aus dem Mai ausrichten könne, die immerhin eine Rückabwicklung der Zölle beinhalteten – dann plötzlich Zweifel darüber, ob es aufgrund der grundsätzlichen Differenzen überhaupt zu einer Übereinkunft kommen könne. Das Ganze gipfelte dann in der Drohung von Donald Trump in seiner impulsiven und unkoordinierten Art in einem solchen Fall die Zölle umso stärker anheben zu wollen.

Ganz bestimmt, Mister President, das versuchen Sie mal. Jedenfalls nahmen die Märkte Trump nicht mehr Ernst und reagierten kaum auf die Botschaft des US-Präsidenten. Was hätte eine solche Ankündigung noch vor wenigen Monaten für einen Kursrutsch beim Dow Jones in kürzester Zeit ausgelöst? 500 Punkte?

 

Handelskrieg: Die Folgen neuer Zölle

Die große Unerschütterlichkeit der US-Märkte speist sich aus der großen Flut frischen Geldes durch Zinssenkungen, Anleihenaufkäufen der Fed und Finanzspritzen im Repo-Markt, wie schon ausführlich berichtet. Dazu kommt noch der Glaube, dass es mit den Gewinnen der Unternehmen 2020 wieder bergauf gehe, die Schätzungen an der Wall Street betragen derzeit 6 Prozent für das kommende Jahr.

Die weitere große Stütze ist der US-Konsument, der mit seinen Ausgaben das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten oben hält – sein Anteil daran beträgt phänomenale 70 Prozent. Gestern kamen sehr schlechte Daten von den Einzelhändlern Kohl´s und Home Depot, mit dem zarten Hinweis, dass der Handelskrieg langsam auf die Kosten durchschlage. Der US-Präsident hatte aber im August bei seiner letzten Zollanhebung extra die Artikel für das Weihnachtsgeschäft wie Handys, Elektroartikel und Spielsachen ausgenommen, um die Kauflaune seiner Bürger und insbesondere seiner potenziellen Wähler aus der finanzschwachen Schicht nicht zu beeinträchtigen. Allein schon eine Aufhebung dieser Ausnahmen hätte negative Auswirkungen auf das so wichtige Verbrauchervertrauen! Eine verstärkte Anhebung der Zölle würde meiner Meinung nach eine wahre Kaskade an Folgewirkungen erzielen.

 

Das Ende der Rally

Das Börsenjahr 2019 ist bisher außergewöhnlich gut verlaufen: mit seinen 26 Prozent Kursgewinn zählt es zu den 14 besten Jahren der letzen 100 Jahre. Auch die Entwicklung von Anfang Oktober bis Mitte November ist mit über acht Prozent Zuwachs herausragend. Und das, obwohl die Gewinne der US-Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr stagnierten. Was für eine Schere!

Käme es jetzt tatsächlich zu so einer drastischen Wende im Handelskrieg, würden die Märkte nicht nur ganz rasch das Pflänzchen Konjunkturhoffnung begraben. Man würde wohl vielmehr in kürzester Zeit die formidablen Gewinne des Jahres sichern. Trump hätte dann eine Korrektur, die sich gewaschen hätte! Schon allein das euphorische Sentiment und die Indikatoren, die auf Anschlag stehen (VIX, Fear & Greed Index, Put-call-Ratio etc.), würden heftigste Reaktionen auslösen.

Was muss bei diesem „Gezwitscher“ von Donald Trump im Kopf von Finanzminister Mnuchin vorgegangen sein, einem ehemaligen Goldman Sachs-Direktor und Hedgefondsmanager, der die Reaktionen der Märkte im Kabinett Trumps am besten abschätzen kann? Das Ganze ist nur dem momentanen Hochgefühl Trumps geschuldet, wegen des Standes seines Lieblingsindex Dow Jones von über 28000 Punkten, der ihn in der Überzeugung stärkt, alles richtig gemacht zu haben: Die Zölle würden den USA nicht weh tun, sie brächten sogar Einahmen, da sie von den Chinesen bezahlt würden.

Unabhängig davon:

Eine Unterbrechung der Jahresendrally (> 2 Prozent) hingegen steht aber an, aus Gründen der überzogenen Euphorie und aus der Betrachtung der Saisonalität in vergleichbaren Jahren.

 

Fazit: Trump hat sein Blatt im Handelskrieg ausgereizt

Der Präsident pokert einmal mehr, aber er hat sein Blatt ausgereizt. Die Märkte nehmen ihn nicht mehr für voll, weil sie ahnen, dass eine weitere Eskalation im Handelskrieg eine fatale Wirkung auf die US-Konsumökonomie entfalten würde. Und gleichzeitig die Chancen auf Trumps Wiederwahl schmälern. Der US-Verbraucher ist bis über beide Ohren verschuldet, seine unentwegte Kauflaune stellt die tragende Säule nicht nur für Amerika, sondern auch für andere Länder, wie zum Beispiel das Exportland Deutschland dar. Der Konsum und dabei die Ausgaben des Durchschnittsamerikaners, das ist die entscheidende Achillesferse der dominierenden Wirtschaftsmacht!

Deshalb war das gestern eine weitere impulsive und leere Drohung des US-Präsidenten, der nach Aussage seiner Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen auf sein Mobilfunkgerät blickt, um die Kurse seines Lieblingsindex zu verfolgen.

Es würde spätestens dann bei der leeren Drohung ohne Umsetzung bleiben.

Allerdings wollte er erst im September in seiner Wut auf die Chinesen, die es wagten Gegenzölle einzuführen, die bestehenden US-Zölle gleich einmal verdoppeln. Er wurde aber von seinen Beratern mit vereinten Kräften davon abgehalten.

Erst kürzlich ist mir ein Spruch von Donald Trump in die Hände geraten, der das Ego des mächtigsten Politikers beschreibt: „Ich finde es großartig, wenn man sich entschuldigt, aber dafür muss man einen Fehler gemacht haben. Ich werde mich natürlich sofort entschuldigen, sollte ich irgendwann in ferner Zukunft jemals einen Fehler machen.“ („The Tonight Show“, September 2015)

Ohne Worte!

Im Hanedelskrieg hat Trump sein Blatt ausgereitzt

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Zimmermann

    20. November 2019 10:54 at 10:54

    Nix Ende der Rally. Gute Gelegenheit bei günstigen Einstiegskursen die Rally mitzumachen, der bis dato nicht dabei ist. Handelskrieg ist doch nicht mehr entscheidend. Die Notenbanken Pumpen weiter Geld in den Markt. Das ist was die Märkte nach oben treibt.

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Rüdiger Born: Die aktuelle Lage am verkürzten US-Handelstag

Rüdiger Born

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Nikkei 225: Das Comeback des japanischen Leitindex

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Nikkei 225 – trotz explodierender Schulden

Wolfgang Müller

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Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Sammelindex Nikkei 225, inmitten der Corona-Krise und bei explodierenden Staatsschulden. Dieser bemüht sich nach Kräften, endlich das Trauma des Immobilien-Crashs von 1989 zu neutralisieren, der Index kletterte jüngst auf ein fast 30-Jahreshoch.

Der japanische Index – auf dem Weg zu alten Höhen?

Immer wieder wird von Aktienpessimisten Japan als Negativbeispiel angeführt. Der unheimliche Aktien-Boom in den 1980-er-Jahren, verbunden mit der Immobilienblase (Hans-Werner Sinn: Für Tokyo hätte man ganz Kanada kaufen können!) führte zu abstrusen Börsenbewertungen:

 

Die Mutter aller Index-Fahnenstangencharts (bis zur Corona-Krise):

Die Aktienmärkte - hier der Nikkei

Der Höchststand des Nikkei 225 vom 29. Dezember 1989 lag auf Schlusskursbasis bei 38.913 Punkten, dann erfolgte ein Absturz ohnegleichen mit vielen erratischen Schwankungen und einem Tief am Ende der Finanzkrise von 7054 Punkten.

Aber wer hat im Jahr 1989 all sein Geld in den Nikkei 225 investiert und nicht vorher und danach? Im Übrigen hätte ein monatlicher Sparplan auf den Index über viele Jahre eine gewaltige Rendite gebracht, durch den Cost-Average-Effekt, nur muss der Index irgendwann einmal kräftig anziehen, dann schießt der Wert mit all den billig erworbenen Anteilen kräftig in die Höhe. So wie es beim Nikkei 225 schon seit geraumer Zeit aufwärts geht.

Ein Vergleich der Marktperformance:

Seit dem Corona-Tief:

S&P 500: plus 60 Prozent
Dax: plus 52 Prozent
Nikkei: plus 50 Prozent

Seit dem Tief in der Finanzkrise 2009:

S&P 500: plus 436 Prozent
Dax: plus 362 Prozent
Nikkei: plus 364 Prozent
Jetzt ist der Index noch weiter gestiegen und erreichte gestern 26.537 Punkte.

Wobei hier wieder einmal festzustellen ist, dass bei unserem Dax als Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet wurden, anders als bei den international üblichen Kursindizes. Was im Jahresvergleich nicht viel ausmacht, verzerrt das Bild bei einem 11-Jahreszeitraum durch den Zinseszinseffekt doch sehr deutlich.

Was also fast nach einem Gleichlauf aussieht, wird im 3-Monatsvergleich nach dem Einstieg von Warren Buffett deutlicher, Japan fiel im Oktober nicht mehr so stark und erholte sich stärker.

S&P 500: plus 4 Prozent
Dax: plus 1 Prozent
Nikkei: plus 13 Prozent

Die Entwicklung der Wirtschaft

Dass die Börse in Japan so stark gestiegen ist, liegt zum einen natürlich an der Bank of Japan, die bereits 53 Prozent der japanischen Staatsanleihen in ihren Büchern hält und immer wieder ETFs auf den Aktienmarkt erwirbt.

Der Nikkei 225 mit seinen über 12 Billionen Euro Marktkapitalisierung hat natürlich noch andere Investoren.

Aber vonseiten der Wirtschaft gibt es auch einige Signale der Hoffnung.

Doch zunächst zum Einstieg von Warren Buffett. Seine Gesellschaft Berkshire Hathaway kaufte im Herbst etwas mehr als fünf Prozent der Aktien der fünf großen japanischen Handelshäuser, die jahrzehntelang Japans Außenhandel bestimmt haben. Für uns relativ unbekannte Namen wie Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. Und seine Gesellschaft sei bereit, den Einsatz auf bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Japan ist verglichen mit den USA erheblich preiswerter. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Dow Jones liegt bei 2,9, jenes des Nikkei 225 hingegen nur mit bei 1,1.

Japans Wirtschaft erholt sich derzeit von einer Rezession, die schon im vierten Quartal 2019 begonnen hatte. Japans Konsumenten erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent, 2,5 Prozent stärker als von Analysten erwartet wurde.

Hinzu kommt, dass die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Tokyo doch vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden sollen, wie IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bei seinem letzen Besuch in Japan angekündigt hat.

Ein Schub durch das Freihandelsabkommen RCEP

Das vor knapp zwei Wochen abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens, gab der Börse einen weiteren Kick. Japan erhält dadurch erstmals bevorzugten Zugang zu China und Südkorea. Die Annäherung der drei Länder gilt als historischer Vorgang. Das Abkommen wird als Wegbereiter für ein künftiges asiatisches Wirtschaftswachstum gesehen, auch zu einer Zeit, in der sich die Region ohnehin aufgrund der Eindämmung der Pandemie konjunkturell besser als der Rest der Welt entwickelt.

Fazit

Was kann man aus der diesjährigen Entwicklung des Nikkei für Lehren ziehen? Staatsschulden, selbst in astronomischer Höhe (über 250 % zum Bruttoinlandsprodukt), führen nicht zwangsläufig zum Einbruch. Nämlich dann, wenn die Bürger an die Stabilität der eigenen Währung glauben und genügend Sparvermögen bilden und natürlich von der Funktionsfähigkeit der eigenen Notenbank überzeugt sind, die viele der Staatssschulden in ihren Büchern hält. Das Vertrauen in das Geld ist Grundvoraussetzung für die Schuldentragfähigkeit.

Dann sollte die eigene Währung eine gewisse Stabilität aufweisen, damit die Exportwirtschaft nicht unter die Räder gerät, aber auch ausländische Produkte für die Bürger erschwinglich bleiben. Ganz besonders wichtig ist natürlich die Stabilität des Geldes im Hinblick auf die Inflation. In Japan lag die Teuerungsrate über 20 Jahre gerade mal bei 0,5 Prozent per annum. Aber aus dieser Argumentation könnte man auch schlussfolgern, dass es dann krachen wird, wenn auch nur einer der drei Faktor nicht mehr gegeben ist, insbesondere wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Inflation, das Thema der nächsten Jahre nach der epochalen Geldschwemme des Corona-Jahres 2020?

 

Der Nikkei in Japan mit zuletzt starker Entwicklung

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Dax mit 40 Aktien – ist die Reform wirklich eine Wende?

33 Jahre nach Einführung des Dax 30 kommt im nächsten Jahr eine Reform – ändert sich dadurch seine Bedeutung in der weltweiten Börsenszene? Zweifel sind angebracht!

Wolfgang Müller

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33 Jahre nach Einführung des Dax 30 kommt im nächsten Jahr eine Reform des deutschen Leitindex, unter anderem mit einer Erweiterung auf 40 Werte. Anstoß war der Skandal um Wirecard, seiner Insolvenz und seinem wochenlangen Verbleib im Index, weil es eben den Regeln so entsprach. Aber wird diese Indexaufstockung wirklich eine gravierende Änderung seiner Bedeutung in der großen Börsenszene einleiten? Zweifel sind angebracht, denn ein Alleinstellungsmerkmal des deutschen Index bleibt bestehen.

Dax 30, der Underperformer unter den großen Börsenindizes

Das Grundproblem unseres Leitindex ist zunächst einmal seine Grundkonstruktion. Es handelt sich bei ihm – im Gegensatz zu den anderen großen internationalen Indizes – um einen Performanceindex, bei dem die jährlichen Dividendenausschüttungen miteingerechnet werden. Der Dax steht in dieser Berechnung mit 13300 Punkten (Stand 26. November) weniger als vier Prozent unter seinem Allzeithoch vom Februar diesen Jahres. In einer Kalkulation als internationaler Kursindex (ohne Dividenden) liegt er mit 5751 Punkten, sogar noch fast 10 Prozent tiefer als bei seinem Hoch vom März 2000 mit 6266 Punkten. Der Dax hatte 15 Jahre gebraucht, bis er dieses Hoch wieder erreichen konnte (2015), seither rennt er immer wieder dagegen an.

Zum Vergleich der S&P 500: Jahreshoch des Jahres 2000 – 1527 Punkte, Jahreshoch 2020 – 3642 Punkte. Und dabei wurde sogar der Extremwert in der Internet-Bubble als Vergleich herangezogen.

Dax 30, das Leichtgewicht unter den Indizes

Das nächste Thema ist die Marktkapitalisierung des deutschen Leitindex. Mit seinen aktuellen 1,2 Billionen Euro Marktbewertung liegt er nur im Mittelfeld der großen Indizes, obwohl er eigentlich die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt repräsentieren sollte. Zum Vergleich der S&P 500, der es umgerechnet bereits auf sagenhafte 27,2 Billionen Euro bringt, auch der japanische Nikkei 225 liegt im zweistelligen Billionenbereich.

Aber selbst kleinere europäischen Volkswirtschaften haben größere Marktkapitalisierungen. FTSE 100 (Großbritannien) 1,92 Billionen Euro, CAC 40 (Frankreich) 1,76 Billionen Euro, die erheblich kleinere Schweiz liegt mit ihrem SMI und 1,15 Billionen Marktkapitalisierung fast gleichauf.

Was bringt die Aufstockung auf 40 Titel?

Zuerst würde man sich den internationalen Indizes bei der Zahl der im Index gelisteten Aktien annähern. Nicht dem S&P mit seinen 500 Titeln, aber Großbritannien (100) und vor allem Frankreich (40). In der Marktkapitalisierung würde man aus jetziger Sicht auf gut 1,35 Billionen Euro steigen, wenn man potenzielle Aufsteiger aus dem MDax hinzu addiert. Die drei größten Titel aus der zweiten Reihe sind derzeit Airbus (25,4 Bio. €), Symrise (13,2 Bio. €) und Zalando (11,3 Bio. €), wobei beim marktschweren Flugzeugbauer schon wieder ein Fragezeichen steht, wegen seines ausländischen Firmensitzes.

Weitere Regeländerungen

Darüber wurde bei FMW schon berichtet deshalb nur kurz die Änderungen: Künftige Dax-Neulinge müssen vor ihrer Aufnahme einen operativen Gewinn in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen. Neuaufnahmen wie die von Delivery Hero wären künftig nicht mehr möglich. Eine Konsequenz aus dem Wirecard-Skandal ist, dass ab März 2021 Firmen nach einer 30-tägigen Warnfrist aus dem Index ausgeschlossen werden können, wenn sie ihre testierten Geschäftsberichte und vierteljährlichen Quartalsmitteilungen nicht fristgerecht veröffentlichen. Außerdem überprüft die deutsche Börse zweimal im Jahr die Aufstellung im Dax. Es geht dann um die Marktkapitalisierung der Unternehmen und nicht mehr um den Börsenumsatz. Der Nachweis einer Mindestliquidität wird ausreichen.

Fazit

Bei allen Bemühungen um eine Steigerung der Attraktivität des deutschen Leitindex bleibt das Grundproblem – die Akzeptanz der Aktie für die Kapitalanlage. Nur 15 Prozent der Deutschen besitzen direkt oder über Fonds Aktien, über 50 Prozent des Dax befinden sich in ausländischen Händen. Zum Vergleich: 2,4 Billionen Euro liegen in Deutschland auf unverzinslichen Konten, das Zweifache der Marktkapitalisierung des deutschen Leitindex. Was mit diesem Geld in Zukunft geschehen wird, in einer sich wahrscheinlich noch verstärkenden „finanziellen Repression“ (Inflation?) ist ziemlich absehbar. Ein Umdenken täte Not, etwas im Stile des norwegischen Staatsfonds.

An der Grundproblematik wird auch eine Erweiterung des DAX auf 40 Werte nichts ändern. Wie hatte Warren Buffett schon vor Jahren Kritikern der „gefährlichen“ Aktienanlage entgegnet: „„Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11497 Punkte.“

Was ändert sich durch die Reform des Dax?

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