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Handelskrieg: Die leeren Drohungen von Trump

Die Märkte nehmen Trump nicht mehr für voll, weil sie ahnen, dass eine weitere Eskalation im Handelskrieg eine fatale Wirkung auf die USA hätte

Was für ein gestriges Meldungschaos im Handelskrieg: Erst eine positive Wendung, dass man sich an den Vorschlägen aus dem Mai ausrichten könne, die immerhin eine Rückabwicklung der Zölle beinhalteten – dann plötzlich Zweifel darüber, ob es aufgrund der grundsätzlichen Differenzen überhaupt zu einer Übereinkunft kommen könne. Das Ganze gipfelte dann in der Drohung von Donald Trump in seiner impulsiven und unkoordinierten Art in einem solchen Fall die Zölle umso stärker anheben zu wollen.

Ganz bestimmt, Mister President, das versuchen Sie mal. Jedenfalls nahmen die Märkte Trump nicht mehr Ernst und reagierten kaum auf die Botschaft des US-Präsidenten. Was hätte eine solche Ankündigung noch vor wenigen Monaten für einen Kursrutsch beim Dow Jones in kürzester Zeit ausgelöst? 500 Punkte?

 

Handelskrieg: Die Folgen neuer Zölle

Die große Unerschütterlichkeit der US-Märkte speist sich aus der großen Flut frischen Geldes durch Zinssenkungen, Anleihenaufkäufen der Fed und Finanzspritzen im Repo-Markt, wie schon ausführlich berichtet. Dazu kommt noch der Glaube, dass es mit den Gewinnen der Unternehmen 2020 wieder bergauf gehe, die Schätzungen an der Wall Street betragen derzeit 6 Prozent für das kommende Jahr.

Die weitere große Stütze ist der US-Konsument, der mit seinen Ausgaben das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten oben hält – sein Anteil daran beträgt phänomenale 70 Prozent. Gestern kamen sehr schlechte Daten von den Einzelhändlern Kohl´s und Home Depot, mit dem zarten Hinweis, dass der Handelskrieg langsam auf die Kosten durchschlage. Der US-Präsident hatte aber im August bei seiner letzten Zollanhebung extra die Artikel für das Weihnachtsgeschäft wie Handys, Elektroartikel und Spielsachen ausgenommen, um die Kauflaune seiner Bürger und insbesondere seiner potenziellen Wähler aus der finanzschwachen Schicht nicht zu beeinträchtigen. Allein schon eine Aufhebung dieser Ausnahmen hätte negative Auswirkungen auf das so wichtige Verbrauchervertrauen! Eine verstärkte Anhebung der Zölle würde meiner Meinung nach eine wahre Kaskade an Folgewirkungen erzielen.

 

Das Ende der Rally

Das Börsenjahr 2019 ist bisher außergewöhnlich gut verlaufen: mit seinen 26 Prozent Kursgewinn zählt es zu den 14 besten Jahren der letzen 100 Jahre. Auch die Entwicklung von Anfang Oktober bis Mitte November ist mit über acht Prozent Zuwachs herausragend. Und das, obwohl die Gewinne der US-Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr stagnierten. Was für eine Schere!

Käme es jetzt tatsächlich zu so einer drastischen Wende im Handelskrieg, würden die Märkte nicht nur ganz rasch das Pflänzchen Konjunkturhoffnung begraben. Man würde wohl vielmehr in kürzester Zeit die formidablen Gewinne des Jahres sichern. Trump hätte dann eine Korrektur, die sich gewaschen hätte! Schon allein das euphorische Sentiment und die Indikatoren, die auf Anschlag stehen (VIX, Fear & Greed Index, Put-call-Ratio etc.), würden heftigste Reaktionen auslösen.

Was muss bei diesem „Gezwitscher“ von Donald Trump im Kopf von Finanzminister Mnuchin vorgegangen sein, einem ehemaligen Goldman Sachs-Direktor und Hedgefondsmanager, der die Reaktionen der Märkte im Kabinett Trumps am besten abschätzen kann? Das Ganze ist nur dem momentanen Hochgefühl Trumps geschuldet, wegen des Standes seines Lieblingsindex Dow Jones von über 28000 Punkten, der ihn in der Überzeugung stärkt, alles richtig gemacht zu haben: Die Zölle würden den USA nicht weh tun, sie brächten sogar Einahmen, da sie von den Chinesen bezahlt würden.

Unabhängig davon:

Eine Unterbrechung der Jahresendrally (> 2 Prozent) hingegen steht aber an, aus Gründen der überzogenen Euphorie und aus der Betrachtung der Saisonalität in vergleichbaren Jahren.

 

Fazit: Trump hat sein Blatt im Handelskrieg ausgereizt

Der Präsident pokert einmal mehr, aber er hat sein Blatt ausgereizt. Die Märkte nehmen ihn nicht mehr für voll, weil sie ahnen, dass eine weitere Eskalation im Handelskrieg eine fatale Wirkung auf die US-Konsumökonomie entfalten würde. Und gleichzeitig die Chancen auf Trumps Wiederwahl schmälern. Der US-Verbraucher ist bis über beide Ohren verschuldet, seine unentwegte Kauflaune stellt die tragende Säule nicht nur für Amerika, sondern auch für andere Länder, wie zum Beispiel das Exportland Deutschland dar. Der Konsum und dabei die Ausgaben des Durchschnittsamerikaners, das ist die entscheidende Achillesferse der dominierenden Wirtschaftsmacht!

Deshalb war das gestern eine weitere impulsive und leere Drohung des US-Präsidenten, der nach Aussage seiner Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen auf sein Mobilfunkgerät blickt, um die Kurse seines Lieblingsindex zu verfolgen.

Es würde spätestens dann bei der leeren Drohung ohne Umsetzung bleiben.

Allerdings wollte er erst im September in seiner Wut auf die Chinesen, die es wagten Gegenzölle einzuführen, die bestehenden US-Zölle gleich einmal verdoppeln. Er wurde aber von seinen Beratern mit vereinten Kräften davon abgehalten.

Erst kürzlich ist mir ein Spruch von Donald Trump in die Hände geraten, der das Ego des mächtigsten Politikers beschreibt: „Ich finde es großartig, wenn man sich entschuldigt, aber dafür muss man einen Fehler gemacht haben. Ich werde mich natürlich sofort entschuldigen, sollte ich irgendwann in ferner Zukunft jemals einen Fehler machen.“ („The Tonight Show“, September 2015)

Ohne Worte!

Im Hanedelskrieg hat Trump sein Blatt ausgereitzt



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1 Kommentar

  1. Nix Ende der Rally. Gute Gelegenheit bei günstigen Einstiegskursen die Rally mitzumachen, der bis dato nicht dabei ist. Handelskrieg ist doch nicht mehr entscheidend. Die Notenbanken Pumpen weiter Geld in den Markt. Das ist was die Märkte nach oben treibt.

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