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Handelskrieg – gute Nachrichten verkaufen oder investiert bleiben?

Hannes Zipfel

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am

Containerschiffe in der San Francisco Bay - entspannt sich der Handelskrieg demnächst?

Die Wahrscheinlichkeit eines Deals im Handelskrieg zwischen den USA und China ist wegen der enormen realwirtschaftlichen Belastungen auf beiden Seiten stark gestiegen. Doch wie geht es an den Märkten weiter, wenn es tatsächlich zu einem Deal kommen sollte?

Handelskrieg – die Vorfreude auf einen Deal

„Sell on Good News“ ist eine der bekanntesten Börsenweisheiten schlecht hin. Sobald ein positives Ereignis, auf das die Marktteilnehmer zuvor bereits spekuliert hatten, eintritt, folgen Gewinnmitnahmen und fallende Kurse – zumindest vorübergehend. Damit ist die Frage, ob man nach dem Abschluss eines Handelsdeals investiert bleiben sollte, schon zum Teil beantwortet: Spekulanten mit kurzfristigem Trading-Horizont werden mit Sicherheit Gewinne realisieren oder sich zumindest stark enthebeln. Für mittel- und langfristig orientierte Investoren macht es aber keinen Sinn, Aktienpositionen zu verkaufen, da ein erheblicher ökonomischer Belastungsfaktor ja teilweise wegfällt. Einige Besonderheiten gilt es in diesem konkreten Fall dennoch zu beachten.

Erster Deal würde neue Hoffnungen auf mehr wecken

Momentan zeichnet sich aus den von mir gestern skizzierten Gründen ein Kompromiss zwischen den USA und China ab. Dadurch könnte es erstmals seit dem Inkrafttreten der ersten Strafzölle im Juni 2018 zum Abbau von Handelshemmnissen kommen. Da nicht damit zu rechnen ist, dass beide Seiten alle Forderungen in Phase 1 erfüllt bekommen, was in Gänze wahrscheinlich niemals passieren wird, darf man die daraus resultierende positive Psychologie nicht unterschätzen. Vor allem in den USA ist der Optimismus in Sachen Ausgang des Handelskriegs ungebrochen. Auch wenn man das als distanzierter Beobachter aus Europa nicht nachvollziehen kann. Das bedeutet aber ebenfalls, dass die angelsächsischen Medien sofort nach dem Erreichen eines ersten Deals neuen Optimismus auf weitere Deals schüren werden. Nicht umsonst gelten Bloomberg TV, CNBC, Fox Business und das Wall Street Journal etc. als die Cheerleader des US-Aktienmarktes.

Die Konjunkturdaten würden sich nach einer Entspannung im Handelskrieg kurzfristig verbessern

Als erste Reaktion würden sich die weichen Konjunkturdaten, also die Stimmungsindikatoren, signifikant aufhellen. So würde in Deutschland z. B. der durch eine Umfrage bei Finanzmarktprofis erhobene ZEW-Index sehr wahrscheinlich aus den Schuhen springen. Gleiches gilt für das Verbrauchervertrauen in den USA und die Stimmung bei den Einkaufsmanagern weltweit. Auch der US-Konsum würde durch die Stimmungsaufhellung und die gestiegenen Aktienkurse neue Impulse fürs Weihnachtsgeschäft erhalten. Man darf den Vermögenseffekt in einer sogenannten Wealth-Driven-Economy wie den USA nicht unterschätzen. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass für die Mehrausgaben die Aktiengewinne nicht realisiert, sondern beliehen werden, was die Verschuldung weiter nach oben treibt.

Die Auftragslage der Exporteure würde sich, abhängig von der Ausgestaltung eines möglichen Deals, sehr schnell und ggf. sehr stark verbessern und mit ihr der gesamte Außenhandel der USA und Chinas. Auch Deutschland als Exportnation würde den Rückenwind spüren, weshalb auch die deutsche Industrie davon profitieren dürfte. Zu guter Letzt würden verloren gegangene Jobs in gut bezahlten Sektoren in den USA und China neu entstehen. Es käme kurzum zu einer realwirtschaftlichen Erholung als natürliche Gegenreaktion auf die vorherigen, politisch bedingten Belastungen. Dies hätte schlussendlich auch positive Auswirkungen auf die Ertragslage der börsennotierten Unternehmen.

Achtung! Wechselwirkungen!

Wie lange ein solcher, die Gewinne der Aktiengesellschaften stützender Erholungsprozess andauern würde, hängt zum einen von der Art des Deals ab und zum anderen von der dann folgenden Entwicklung der Geldpolitik, der Anleihemärkte und des US-Dollars. Besonders in den USA wird nach wie vor der Handelskrieg als wesentlicher Grund für die globale und letztendlich auch amerikanische Wirtschaftsabkühlung betrachtet. Die heillose Überschuldung im In- und Ausland, vor allem in US-Dollar, ist noch nicht sonderlich präsent auf den Radarschirmen der amerikanischen Wirtschaftsanalysten. Doch das würde sich ändern, v. a. allem, wenn im Zuge der graduellen Wirtschaftserholung die Geldpolitik weniger Druck verspürt, die Märkte und die öffentlichen sowie privaten Schuldner zu alimentieren. Zusätzliche Zinssenkungen wären dann erst einmal passé, da die Notenbanken sich primär an den hereinkommenden Daten orientieren, die sich zunächst einmal verbessern würden.

Eine zunächst abwartende Haltung der Zentralbanken würde die Märkte noch nicht belasten, da die bereits beschlossenen Maßnahmen im Falle der Fed bis mindestens Ende Juni 2020 tragen (das „Non-QE“ über 60 Mrd. US$ pro Monat) und durch positive Konjunkturdaten ergänzt würden.
Mehr Aufmerksamkeit sollte man dagegen den Kapitalmarktzinsen schenken, die große Auswirkungen auf die Kreditkosten haben. Bereits im Zuge der jüngsten Vorfreude auf einen möglichen Deal waren die Renditen für langlaufende US-Staatsanleihen angestiegen. Geht dieser Trend einige Monate und einige Basispunkte weiter, würden nicht nur die Refinanzierungen bei US-Immobilien auf null fallen, sondern generell die Neigung zur Neuverschuldung. Zudem würde die Attraktivität von Dividendentiteln leiden, die ja bisher von dem Zinsschwund stark profitiert haben. Aktuell liegt die Dividendenrendite des S&P 500 mit 1,86 Prozent zwar historisch niedrig aber immer noch höher als der Zins für mittelfristige US-Staatsanleihen. Dreht sich dieser Trend um, würde das die hohen Bewertungen der Aktien nicht mehr vollumfänglich rechtfertigen.

Ein ebenfalls wichtiger Faktor ist der US-Dollar. Zwar ist davon auszugehen, dass sich primär der Yuan im Außenwert erholen dürfte, aber gegenüber allen anderen Währungen ist eine temporäre Dollarstärke zu erwarten. Dies wiederum würde die stark in US-Dollar verschuldeten Schwellenländer wie die Türkei, Argentinien oder Brasilien erneut unter Druck setzen, womit die Emerging-Market-Schuldenkrise sehr schnell wieder zurück aufs Tableau käme.

Fazit und mittelfristiger Ausblick

Ein partieller Deal zwischen China und den USA ist kurzfristig sehr wahrscheinlich geworden – alles andere wäre ökonomischer und damit politischer Selbstmord. Diese Erkenntnis reift zunehmend auch in den USA. Aus einem Deal würden sich zunächst starke Entlastungen für die Weltwirtschaft und ein positives Momentum für die Unternehmensgewinne ergeben, wovon die Aktienmärkte profitieren könnten.
Aber: Nimmt man die politischen Belastungen, wie Handelskrieg und Brexit, von den Schultern der Weltwirtschaft, wird diese sich ein stückweit aufrichten, nur um anschließend unter dem zunehmenden Druck der globalen Schulden erneut wieder in die Knie zu gehen. Diesen Zusammenhang könnte dann auch niemand mehr leugnen, was massenpsychologisch durchaus problematisch wäre und die Politik zu unangenehmen Ablenkungsmanövern motivieren könnte.

Ein wie auch immer gearteter Deal ändert rein gar nichts an dem Grundszenario einer anhaltend aggressiven Geldpolitik als alles dominierender Faktor in einer überschuldeten Welt mit extrem ungleicher Vermögensverteilung zwischen Schuldnern und Gläubigern. Dementsprechend sollte man als Anleger auch aufgestellt sein.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Sven

    7. November 2019 17:14 at 17:14

    Ihre Ansichten implizieren meiner Meinung nach eine sehr gute Absicherung gegen fallende Kurse. Nach der Entlastung folgt der Aufschwung. Ein sich selbst tragendes System, bis auf das Damoklesschwert Schulden, das aber noch ziemlich lange mit Geldflutungen aller Art im Zaum zu halten ist. Es kommen ja noch direkte Aktienkäufe durch die Notenbanken. Danke für den Beitrag. War hilfreich, um wieder auf die Long-Seite zu wechseln. Schnelle und konstante Gewinne kann man sich nun mal nicht entgehen lassen.

  2. Avatar

    Beobachter

    7. November 2019 18:06 at 18:06

    Kann man auch do sehen, aber wie schon erwähnt ,bei einem Deal mit Konzessionen verliert Trumpi sein Gesicht u.die Wiederwahl. Herr Zipfel warum kein Wort über die BBB Anleihenbombe? F.Zulauf sieht übrigens den Handelskrieg nicht als Hauptbelastung.Auch ohne Handelskrieg wäre eine Baisse überfällig, denn die Chinesen können auch nicht mehr helfen.
    Beitrag von F.Zulauf Juni 2019 : DIE SCHAUKELBÖRSE BEGINNT BALD

  3. Avatar

    Beobachter

    7. November 2019 18:11 at 18:11

    Korrigenda: Beitrag: Achtung die Achterbahn beginnt bald

  4. Avatar

    Marko

    8. November 2019 00:36 at 00:36

    „Aber: Nimmt man die politischen Belastungen, wie Handelskrieg und Brexit, von den Schultern der Weltwirtschaft“

    Wir leben in einer globalen Welt, den Brexit ,den Harten gibt es nicht, es sei denn die Briten wollen kollektiven Selbstmord begehen.

    Das „British-Empire“ wieder erstehen lassen wollen – na, wer´s glaubt…

    Das könnte mann durchaus auf den USA/China-Konflikt herunterbrechen, dies würde wohl keinen Unterschied bedeuten ?

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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am

Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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