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Handelskrieg: Können beide Seiten weiter eskalieren?

Was für die USA und China jetzt auf dem Spiel steht!

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Während gerade die Verhandlungen im Handelskrieg zwischen der chinesischen Delegation mit der US-Administration laufen – einem Event, dem mit absolut gemischten Gefühlen entgegengefiebert wurde – stellt sich immer mehr die Frage: Können die Kontrahenten eigentlich so weitermachen, mit der Spirale der Eskalation? Jede einzelne Äußerung, jedes Gerücht über das gerade stattfindende Treffen löste Reaktionen an den Märkten aus, ein klares Zeichen, dass nicht nur ein paar Kursgewinne oder -verluste auf dem Spiel stehen. Also: Kann das Spiel mit Zöllen, Gegenzöllen und wechselseitigen Sanktionen einfach so weitergehen, Wochen, Monate?

Hierzu ein paar übergeordnete Fakten.

Das übergeordnete Thema im Handelskrieg

Natürlich geht es nicht nur um den Handelskrieg, sondern um den Kampf um technologische, wirtschaftliche und militärische Vorherrschaft zwischen der bisherigen Nummer eins und dem chinesischen Herausforderer. Aber es geht auch um Regeln, die besonders von der asiatischen Seite nicht eingehalten werden, nach denen sich China nach dem WTO-Beitritt 2001 verpflichtet hat: Exemplarisch sei hier nur der Schutz des geistigen Eigentums genannt, die Subventionspolitik oder der Marktzugang.

Warum wird eigentlich China noch als Entwicklungsland eingestuft, als Volkswirtschaft mit einem Bruttoinlandsprodukt mit 13,4 Billionen Dollar? Natürlich fehlt es für eine Aufstufung an einigen (definitorischen) Voraussetzungen, wie den fairen Handelsbedingungen, der Bildung und Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, der Einhaltung von Arbeitnehmerrechten oder der Einhaltung ökologischer Standards. Aber ist dies nicht auch ein guter Schutz für Protektion und Subventionen, um als Werkbank zu niedrigen Standards den Export auf Kosten anderer weiterentwickeln? Passt dieser Schwellenlandstatus noch für ein Land mit dieser wirtschaftlichen Größe und einem klaren langfristigen Plan?

China will bis 2050 Weltmacht Nummer eins werden. Dieses Ziel wurde zum ersten Mal vom Präsidenten Xi Jinping 2017 auf dem 19. Kongress der chinesischen kommunistischen Partei eindeutig formuliert.

Aber die jetzige Panik vor der Wachablösung? China müsste schon 10 Jahre lang mit sechs Prozent pro Jahr wachsen, um auf das BIP der USA von derzeit 20,4 Billionen Dollar zu kommen – und Amerika dürfte überhaupt nicht zulegen.

Die Schäden der aktuellen Auseinandersetzung

„Jeder wird verlieren“, sagte die neue Chefin der Organisation, Kristalina Georgiewa, bei ihrer Antrittsrede in Washington. Allein der Handelskrieg zwischen Amerika und China werde die globale Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um bis zu 700 Milliarden Dollar kosten. Chinas Wachstum ist im zweiten Quartal 2019 bereits mit 6,2 Prozent auf den tiefsten Wert seit 30 Jahren gesunken. Die Zahlenreihe seit der Finanzkrise: 10,6% – 9,5 – 7,9 – 7,8 – 7,3 – 6,9 – 6,7 – 6,8 – 6,6 – 6,3 mit weiter fallender Tendenz. Die Skepsis nimmt zu, ob Staatschef Xi Jinping das Pro-Kopf-Einkommen so stark wie versprochen steigern kann.

Für die USA hat die New Yorker Federal Reserve Bank berechnet, dass die US-Bürger wegen der Zölle auf chinesische Einfuhren schon jährlich 620 Dollar mehr bezahlen müssen. In Sachen Handelsbilanzdefizit ist die Bilanz des US-Präsidenten erst recht negativ. Dieses hat sich sogar vergrößert, die US-Exporte sanken stärker als die chinesischen Importe, im Verlauf diesen Jahres sanken die US-Ausfuhren sogar um satte 25 Prozent.

Ein Teil der US-Wirtschaft fällt bereits seit geraumer Zeit, insbesondere der verarbeitende Sektor, wie der rezessive ISM Einkaufsmanagerindex mit aktuell 47,8 Punkten unterstreicht. Kommt es jetzt zu der Anhebung der Zölle ab 15. Oktober, weil man sich auf keinen partiellen Deal (in den USA spricht man ständig von truce – Pause, Waffenstillstand) einigen kann, ist der US-Konsum dran. Also das bisherige Bollwerk der US-Wirtschaft, welches die weltweite Konjunkturabkühlung neutralisierte.

Aber das Wichtigste ist nach meiner Auffassung die Psychologie der Konsumenten, deren Stimmung und die weitere Bereitschaft zur Konsumorgie. Ihre Ausgaben allein betragen schon über 13 Billionen Dollar pro Jahr, eine Summe, die dem gesamten chinesischen Bruttoinlandsprodukt entspricht. Wenn die Wall Street im Falle einer weiteren Eskalation mit heftigen Abverkäufen reagiert, hat Donald Trump seinen perfekten Sturm für den kommenden Wahlkampf.

Handelskrieg – auch für China steht viel auf dem Spiel

Die Volksrepublik China kann auf ein Jahrzehnt unglaublichen Wachstums zurückblicken. Von 2009 bis 2018 wuchs das Bruttoinlandsprodukt von 5,121 Billionen Dollar auf zuletzt 13,407 Billionen.

China ist damit die zweitstärkste Volkswirtschaft der Welt geworden, bereits über 400 Millionen Bürger im 1,4 Milliarden-Volk gehören inzwischen der Mittelschicht an. 3,5 Millionen Chinesen haben ein Vermögen von mindestens einer Million Dollar (laut Credit Suisse Wealth Report) und es gibt bereits 370 Milliardäre.

Aber ein Wachstum in dieser Größenordnung ist aus vielerlei Gründen nicht fortsetzbar, wie die Wachstumskurve anzeigt und erst recht die Gesamtschuldenlast von 40 Billionen Dollar – mehr als 300 Prozent zum BIP.

Es gibt zu viele Schattenbanken und Zombie-Staatsunternehmen, die künstlich am Leben bleiben, um Menschen in Lohn und Brot zu halten. Nichts fürchtet Peking mehr als soziale Unruhen. Daher kann sich eine Wirtschaft, bei der so viele verlustbringender Firmen oder ganze Branchen am Leben gehalten werden, künftig nicht mehr so explosiv entwickeln.

80 Prozent der Kredite fließen nach letzten Angaben in staatsnahe und oft unrentable Unternehmen. Die aktuelle Politik von Präsident zeigt eher eine Abkehr von den bisherigen marktwirtschaftlichen Ansätzen, hin zur alten Planwirtschaft. Kann Peking da einfach das Trumpˋsche Spiel der wirtschaftlichen Eskalation mitmachen? Eigentlich nicht. Aber allein die große Einwohnerzahl Chinas von 1,4 Milliarden Menschen gegenüber 332 Millionen Amerikanern, macht es dennoch wahrscheinlich, dass das Ziel Xi Jinpings, mit geplantem Wachstum bis 2050 Weltmacht Nummer eins zu werden, nicht unrealistisch ist. Im Übrigen wäre Donald Trump zu diesem Zeitpunkt dann schon 94 Jahre alt.

Und für die Welt?

Die Organisation der Industrieländer OECD erwartet, dass 2020 allein die bereits in Kraft getretenen gegenseitigen Zölle das weltweite Wachstum um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte verringern. Viele Länder verdanken einen Teil des Aufschwungs der chinesischen Überexpansion. Für 33 Länder ist China der wichtigste Absatzmarkt, zugleich steht China für 66 Länder als Importland an erster Stelle. Eine Rückabwicklung der Globalisierung infolge des wachsenden Protektionismus erscheint daher für die meisten Staaten als sehr schädliche Perspektive.

Fazit

Der Handelskrieg wird jeden Tag teurer. Es können sich weder China noch die USA eine Fortsetzung des Handelskrieges in dieser Form leisten. Die Chinesen werden sich bei einer weiteren Schrumpfung des Wachstums gewaltige soziale Folgen in ihrem Land einfangen. Peking muss versuchen das Wachstum hochzuhalten, um von den Problemen nicht in eine Krise gedrückt zu werden. Die offizielle Wachstumsrate liegt noch über sechs Prozent, Marktbeobachter halten diese Zahl aber für manipuliert. Der wahre Wert soll sich eher bei gut drei Prozent bewegen.

Die USA würden bei Fortsetzung der Handelspolitik mit Zöllen von 25 Prozent und mehr für die gesamten China-Einfuhren und weiteren Sanktionen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in eine Rezession abgleiten und damit die gesamte Weltwirtschaft mit nach unten ziehen. Bei einer solchen käme es in den USA zu Kursverlusten an den Aktienmärkten von mindestens 30 Prozent – und damit zu gewaltigen Einkommenseinbußen in der Bevölkerung, die sich so sehr an den Wohlstand gewöhnt hat. Die 12 Prozent der Bürger, die unterhalb der Armutsschwelle leben, einmal ausgenommen. Wie erwähnt, ein Horrorszenario für einen Präsidenten, der wiedergewählt werden möchte.

Also, kurzfristig sollte ein partieller Deal kommen, die Märkte erwarten ihn.

Mittel- und langfristig kann der Handelsstreit mit den bisherigen Methoden nicht gelöst werden, eine Eskalation des Ganzen wird in einer Welt voller Schulden für alle Seiten fatale Folgen haben,

Aktuell liegt der Druck vermutlich stärker auf Donald Trump. Wegen des bevorstehenden Wahlkampfes und seiner persönlichen Ungeduld. Selbst wenn es heute zu einem Abbruch käme – die Märkte werden den Dealmaker anschließend disziplinieren.

Einige Stimmen sprechen davon, dass der US-Präsident die Wirtschaft derzeit absichtlich belastet, um dann im Wahljahr einen schönen Aufschwung präsentieren zu können. Dies wäre aber ein sehr riskantes Manöver. Die Lawine, die eine beginnende Rezession mit Pleitewelle und Ähnlichem auslöst, könnte auch Mister Universum nicht aufhalten.

Können sich die USA und China eine weitere Eskalation im Handelskrieg wirklich leisten?

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Michael

    11. Oktober 2019 10:08 at 10:08

    Hallo @Wolfgang M., machen Sie Trump nicht jünger, als er ist. Sonst muss ihn die Welt noch 10 Jahre länger ertragen ;)

    • Avatar

      Wolfgang M

      11. Oktober 2019 10:57 at 10:57

      @Michael. Das stimmt. 104 Jahre wäre für den Freund von Fast Food schon ein hohes Ziel.😃
      Grüße

      • Avatar

        Michael

        11. Oktober 2019 12:21 at 12:21

        @Wolfgang, ja, aber wie heißt es so schön: Gute Menschen sterben jung, böse leben länger :(

  2. Avatar

    Jan

    11. Oktober 2019 10:48 at 10:48

    Hallo H. Müller
    Ein Szenario fehlt: die Chinesen wollen Trump los werden und hoffen auf bessere Zeiten mit dem nächsten Presidenten.
    Dafür brauchen die nur ein bisschen stram bleiben und schon läuft’s.
    Grüße
    Jan

  3. Avatar

    Wolfgang M.

    11. Oktober 2019 11:08 at 11:08

    @Jan. Das ist natürlich richtig. Nur wird es mit den Demokraten auch nicht so einfach, nur berechenbarer, weniger erratisch.
    Ich bin echt gespannt auf das Trumpˋsche Statement heute Abend. Superlative in der einen oder anderen Richtung?
    Grüße

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In Bezug auf die jüngste Prognose hat sich der deutsche Leitindex, Dax 30, durch die Weiterführung der Korrektur, nahezu mustergültig verhalten. Auch wenn die Performance vom letzten Handelstag (Freitag letzter Woche) einen positiven Eindruck hinterlassen könnte, konnte auch diese Minirallye noch keine richtungsweisende Entscheidung bewirken. Das Einhalten des Fahrplanes konnte einer Umstellung des Szenarios entgegenwirken, wie der Chart es zeigt. Nach wie vor sehe ich relativ optimistisch in die nähere Zukunft, erwarte ich übergeordnet auch künftig schönes Wetter, für den Dax.

Ausblick für den Dax:

Mit der Fortführung der Korrektur (c) konnte der Dax Welle (c) nahezu mustergültig ausbilden. Aktuell liegt noch kein regelkonformer Abschluss dieser Welle noch nicht vor, doch deutet der Verlauf vom Freitag darauf hin, dass der Dax diesen Schritt begehen möchte. Ein Schlusskurs über dem Widerstand bei 12.704 Punkten (0.62-Retracement) würde Welle (c) abschließen und einen neuen, zunächst sehr begrenzten, Aufwärtstrend ins Leben rufen.

Der Dax und seine entscheidende Unterstützung bei 12290 Punkten

Eine größere Aufwärtsbewegung würde sich indes erst durch ein nachhaltiges Überschreiten der 0.76-Linie (13.096 Punkte) einstellen.
Dieser Schritt würde den Dax mindestens bis zur 1.38-Linie bei 13.914 Punkten steigen lassen. Auf der anderen Seite würde sich die Situation signifikant eintrüben, sollte sich der Aktienindex zum nachhaltigen Bruch der 1.00-Unterstützung (12.290 Punkte) entscheiden. Gesetzt den Fall, schließt sich eine größere Korrektur an, deren erste Anlaufstelle durch das große 0.50 Retracement (11.694 Punkte) gebildet wird.

Fazit:

Momentan befindet sich der Dax noch im Korrekturmodus, sodass ein erneutes auf längere Sicht angelegtes Engagement (noch) nicht zu empfehlen ist.

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