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Handelskrieg: Können beide Seiten weiter eskalieren?

Was für die USA und China jetzt auf dem Spiel steht!

Wolfgang Müller

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Während gerade die Verhandlungen im Handelskrieg zwischen der chinesischen Delegation mit der US-Administration laufen – einem Event, dem mit absolut gemischten Gefühlen entgegengefiebert wurde – stellt sich immer mehr die Frage: Können die Kontrahenten eigentlich so weitermachen, mit der Spirale der Eskalation? Jede einzelne Äußerung, jedes Gerücht über das gerade stattfindende Treffen löste Reaktionen an den Märkten aus, ein klares Zeichen, dass nicht nur ein paar Kursgewinne oder -verluste auf dem Spiel stehen. Also: Kann das Spiel mit Zöllen, Gegenzöllen und wechselseitigen Sanktionen einfach so weitergehen, Wochen, Monate?

Hierzu ein paar übergeordnete Fakten.

Das übergeordnete Thema im Handelskrieg

Natürlich geht es nicht nur um den Handelskrieg, sondern um den Kampf um technologische, wirtschaftliche und militärische Vorherrschaft zwischen der bisherigen Nummer eins und dem chinesischen Herausforderer. Aber es geht auch um Regeln, die besonders von der asiatischen Seite nicht eingehalten werden, nach denen sich China nach dem WTO-Beitritt 2001 verpflichtet hat: Exemplarisch sei hier nur der Schutz des geistigen Eigentums genannt, die Subventionspolitik oder der Marktzugang.

Warum wird eigentlich China noch als Entwicklungsland eingestuft, als Volkswirtschaft mit einem Bruttoinlandsprodukt mit 13,4 Billionen Dollar? Natürlich fehlt es für eine Aufstufung an einigen (definitorischen) Voraussetzungen, wie den fairen Handelsbedingungen, der Bildung und Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, der Einhaltung von Arbeitnehmerrechten oder der Einhaltung ökologischer Standards. Aber ist dies nicht auch ein guter Schutz für Protektion und Subventionen, um als Werkbank zu niedrigen Standards den Export auf Kosten anderer weiterentwickeln? Passt dieser Schwellenlandstatus noch für ein Land mit dieser wirtschaftlichen Größe und einem klaren langfristigen Plan?

China will bis 2050 Weltmacht Nummer eins werden. Dieses Ziel wurde zum ersten Mal vom Präsidenten Xi Jinping 2017 auf dem 19. Kongress der chinesischen kommunistischen Partei eindeutig formuliert.

Aber die jetzige Panik vor der Wachablösung? China müsste schon 10 Jahre lang mit sechs Prozent pro Jahr wachsen, um auf das BIP der USA von derzeit 20,4 Billionen Dollar zu kommen – und Amerika dürfte überhaupt nicht zulegen.

Die Schäden der aktuellen Auseinandersetzung

„Jeder wird verlieren“, sagte die neue Chefin der Organisation, Kristalina Georgiewa, bei ihrer Antrittsrede in Washington. Allein der Handelskrieg zwischen Amerika und China werde die globale Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um bis zu 700 Milliarden Dollar kosten. Chinas Wachstum ist im zweiten Quartal 2019 bereits mit 6,2 Prozent auf den tiefsten Wert seit 30 Jahren gesunken. Die Zahlenreihe seit der Finanzkrise: 10,6% – 9,5 – 7,9 – 7,8 – 7,3 – 6,9 – 6,7 – 6,8 – 6,6 – 6,3 mit weiter fallender Tendenz. Die Skepsis nimmt zu, ob Staatschef Xi Jinping das Pro-Kopf-Einkommen so stark wie versprochen steigern kann.

Für die USA hat die New Yorker Federal Reserve Bank berechnet, dass die US-Bürger wegen der Zölle auf chinesische Einfuhren schon jährlich 620 Dollar mehr bezahlen müssen. In Sachen Handelsbilanzdefizit ist die Bilanz des US-Präsidenten erst recht negativ. Dieses hat sich sogar vergrößert, die US-Exporte sanken stärker als die chinesischen Importe, im Verlauf diesen Jahres sanken die US-Ausfuhren sogar um satte 25 Prozent.

Ein Teil der US-Wirtschaft fällt bereits seit geraumer Zeit, insbesondere der verarbeitende Sektor, wie der rezessive ISM Einkaufsmanagerindex mit aktuell 47,8 Punkten unterstreicht. Kommt es jetzt zu der Anhebung der Zölle ab 15. Oktober, weil man sich auf keinen partiellen Deal (in den USA spricht man ständig von truce – Pause, Waffenstillstand) einigen kann, ist der US-Konsum dran. Also das bisherige Bollwerk der US-Wirtschaft, welches die weltweite Konjunkturabkühlung neutralisierte.

Aber das Wichtigste ist nach meiner Auffassung die Psychologie der Konsumenten, deren Stimmung und die weitere Bereitschaft zur Konsumorgie. Ihre Ausgaben allein betragen schon über 13 Billionen Dollar pro Jahr, eine Summe, die dem gesamten chinesischen Bruttoinlandsprodukt entspricht. Wenn die Wall Street im Falle einer weiteren Eskalation mit heftigen Abverkäufen reagiert, hat Donald Trump seinen perfekten Sturm für den kommenden Wahlkampf.

Handelskrieg – auch für China steht viel auf dem Spiel

Die Volksrepublik China kann auf ein Jahrzehnt unglaublichen Wachstums zurückblicken. Von 2009 bis 2018 wuchs das Bruttoinlandsprodukt von 5,121 Billionen Dollar auf zuletzt 13,407 Billionen.

China ist damit die zweitstärkste Volkswirtschaft der Welt geworden, bereits über 400 Millionen Bürger im 1,4 Milliarden-Volk gehören inzwischen der Mittelschicht an. 3,5 Millionen Chinesen haben ein Vermögen von mindestens einer Million Dollar (laut Credit Suisse Wealth Report) und es gibt bereits 370 Milliardäre.

Aber ein Wachstum in dieser Größenordnung ist aus vielerlei Gründen nicht fortsetzbar, wie die Wachstumskurve anzeigt und erst recht die Gesamtschuldenlast von 40 Billionen Dollar – mehr als 300 Prozent zum BIP.

Es gibt zu viele Schattenbanken und Zombie-Staatsunternehmen, die künstlich am Leben bleiben, um Menschen in Lohn und Brot zu halten. Nichts fürchtet Peking mehr als soziale Unruhen. Daher kann sich eine Wirtschaft, bei der so viele verlustbringender Firmen oder ganze Branchen am Leben gehalten werden, künftig nicht mehr so explosiv entwickeln.

80 Prozent der Kredite fließen nach letzten Angaben in staatsnahe und oft unrentable Unternehmen. Die aktuelle Politik von Präsident zeigt eher eine Abkehr von den bisherigen marktwirtschaftlichen Ansätzen, hin zur alten Planwirtschaft. Kann Peking da einfach das Trumpˋsche Spiel der wirtschaftlichen Eskalation mitmachen? Eigentlich nicht. Aber allein die große Einwohnerzahl Chinas von 1,4 Milliarden Menschen gegenüber 332 Millionen Amerikanern, macht es dennoch wahrscheinlich, dass das Ziel Xi Jinpings, mit geplantem Wachstum bis 2050 Weltmacht Nummer eins zu werden, nicht unrealistisch ist. Im Übrigen wäre Donald Trump zu diesem Zeitpunkt dann schon 94 Jahre alt.

Und für die Welt?

Die Organisation der Industrieländer OECD erwartet, dass 2020 allein die bereits in Kraft getretenen gegenseitigen Zölle das weltweite Wachstum um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte verringern. Viele Länder verdanken einen Teil des Aufschwungs der chinesischen Überexpansion. Für 33 Länder ist China der wichtigste Absatzmarkt, zugleich steht China für 66 Länder als Importland an erster Stelle. Eine Rückabwicklung der Globalisierung infolge des wachsenden Protektionismus erscheint daher für die meisten Staaten als sehr schädliche Perspektive.

Fazit

Der Handelskrieg wird jeden Tag teurer. Es können sich weder China noch die USA eine Fortsetzung des Handelskrieges in dieser Form leisten. Die Chinesen werden sich bei einer weiteren Schrumpfung des Wachstums gewaltige soziale Folgen in ihrem Land einfangen. Peking muss versuchen das Wachstum hochzuhalten, um von den Problemen nicht in eine Krise gedrückt zu werden. Die offizielle Wachstumsrate liegt noch über sechs Prozent, Marktbeobachter halten diese Zahl aber für manipuliert. Der wahre Wert soll sich eher bei gut drei Prozent bewegen.

Die USA würden bei Fortsetzung der Handelspolitik mit Zöllen von 25 Prozent und mehr für die gesamten China-Einfuhren und weiteren Sanktionen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in eine Rezession abgleiten und damit die gesamte Weltwirtschaft mit nach unten ziehen. Bei einer solchen käme es in den USA zu Kursverlusten an den Aktienmärkten von mindestens 30 Prozent – und damit zu gewaltigen Einkommenseinbußen in der Bevölkerung, die sich so sehr an den Wohlstand gewöhnt hat. Die 12 Prozent der Bürger, die unterhalb der Armutsschwelle leben, einmal ausgenommen. Wie erwähnt, ein Horrorszenario für einen Präsidenten, der wiedergewählt werden möchte.

Also, kurzfristig sollte ein partieller Deal kommen, die Märkte erwarten ihn.

Mittel- und langfristig kann der Handelsstreit mit den bisherigen Methoden nicht gelöst werden, eine Eskalation des Ganzen wird in einer Welt voller Schulden für alle Seiten fatale Folgen haben,

Aktuell liegt der Druck vermutlich stärker auf Donald Trump. Wegen des bevorstehenden Wahlkampfes und seiner persönlichen Ungeduld. Selbst wenn es heute zu einem Abbruch käme – die Märkte werden den Dealmaker anschließend disziplinieren.

Einige Stimmen sprechen davon, dass der US-Präsident die Wirtschaft derzeit absichtlich belastet, um dann im Wahljahr einen schönen Aufschwung präsentieren zu können. Dies wäre aber ein sehr riskantes Manöver. Die Lawine, die eine beginnende Rezession mit Pleitewelle und Ähnlichem auslöst, könnte auch Mister Universum nicht aufhalten.

Können sich die USA und China eine weitere Eskalation im Handelskrieg wirklich leisten?

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Michael

    11. Oktober 2019 10:08 at 10:08

    Hallo @Wolfgang M., machen Sie Trump nicht jünger, als er ist. Sonst muss ihn die Welt noch 10 Jahre länger ertragen ;)

    • Avatar

      Wolfgang M

      11. Oktober 2019 10:57 at 10:57

      @Michael. Das stimmt. 104 Jahre wäre für den Freund von Fast Food schon ein hohes Ziel.😃
      Grüße

      • Avatar

        Michael

        11. Oktober 2019 12:21 at 12:21

        @Wolfgang, ja, aber wie heißt es so schön: Gute Menschen sterben jung, böse leben länger :(

  2. Avatar

    Jan

    11. Oktober 2019 10:48 at 10:48

    Hallo H. Müller
    Ein Szenario fehlt: die Chinesen wollen Trump los werden und hoffen auf bessere Zeiten mit dem nächsten Presidenten.
    Dafür brauchen die nur ein bisschen stram bleiben und schon läuft’s.
    Grüße
    Jan

  3. Avatar

    Wolfgang M.

    11. Oktober 2019 11:08 at 11:08

    @Jan. Das ist natürlich richtig. Nur wird es mit den Demokraten auch nicht so einfach, nur berechenbarer, weniger erratisch.
    Ich bin echt gespannt auf das Trumpˋsche Statement heute Abend. Superlative in der einen oder anderen Richtung?
    Grüße

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Aktien

Aktienmärkte 2021: Wie war es vor der Blase im Jahr 2000?

Die Aktienmärkte haben in den letzten Wochen unglaubliche Höhen erreicht, speziell in den USA mit der neuen Generation RobinHood: Das Wort Bubble (Blase) wird bei Google so oft angeklickt wie nie zuvor

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte haben in den letzten Wochen unglaubliche Höhen erreicht, speziell in den USA mit der neuen Generation RobinHood: Das Wort Bubble (Blase) wird bei Google so oft angeklickt wie nie zuvor. Vergleiche mit der Internet-Blase im Jahr 2000 drängen sich auf. Wie war es damals, hatte nicht auch schon Alan Greenspan Jahre zuvor (1996) von einem irrationalen Überschwang (Irrational Excuberance) gesprochen? Hier ein paar interessante Reminiszenzen aus dieser Zeit, zu der die jungen Wilden von heute in der Mehrzahl noch in den Kindergarten oder zur Schule gingen.

Aktienmärkte or dem Jahr 2000: Eine Hausse (Blase), die vieles in den Schatten stellte

Was waren die Endneunziger für eine wilde Zeit! Betrachten wir hier die amerikanischen Aktienmärkte (die Zeit des Neuen Marktes wäre eine weitere Geschichte). Nach einer Kursverdreifachung von 1985 bis 1994 stieg der S&P 500 im Jahr 1995 um weitere 34 Prozent, die Anlegergrößen fingen an, sich über die Indexsteigerungen Gedanken zu machen. So wie Hedgefondsmanager Ray Dalio: „Ich denke, wir nähern uns einer Blow-off-Phase des US-Aktienmarkts“, der diese Bedenken diese gegenüber der Wirtschaftszeitung Pension & Investments äußerte. Sein bekannter Kollege von Fidelity, Peter Lynch, wiederholte diese Einschätzung in einem Artikel im Worth Magazine im Jahr 1995 und sprach von der Sorglosigkeit der Investoren.

Trotz dieser prominenten Warnungen stieg der Leitindex 1996 um weitere 23 Prozent – und in den Medien stand zu lesen: „Jeder Cocktailparty-Gast und Taxifahrer möchte nur über heiße Aktien und Fonds sprechen.“ Und wieder warnte ein bekannter Fondsmanager: „Wir wissen, dass die derzeitige Manie schlecht enden wird, aber wir wissen nicht wann.“

1997 stiegen die Kurse der Aktienmäkte dennoch weiter, der S&P 500 um weitere 33 Prozent und auch der Nasdaq um 22 Prozent. Dies rief den nächsten prominenten Hedgefondsmanager, George Soros, auf den Plan, der beschloss massiv gegen die US-Technologiewerte zu wetten.

Die Kurse stiegen aber auch 1998 weiter, der S&P 500 um weitere 27 Prozent, der Nasdaq 100 kam so richtig ins Laufen mit 85 Prozent plus.

Der Starinvestor, der im gleichen Jahrzehnt die Bank of England in die Knie gezwungen hatte, verlor mit seiner Wette gegen die Internetwerte 700 Millionen Dollar. Amazon und Yahoo begangen zu rennen und ein Sprecher des Quantum-Fonds musste eingestehen, zu früh auf das Platzen der Internetblase gesetzt zu haben.

Im Jahr 1999 erreichte die Spekulation der Aktienmärkte fast ihren Höhepunkt – und der Nasdaq schoss noch einmal um 102 Prozent nach oben.

Hier die gewaltige Performance der Aktienindizes, beim Nasdaq bedeutete diese jährliche Performance eine Steigerung von 407 Punkten (Ende 1994) auf knapp 5000 Punkte im Jahr 2000.

Aktienmärkte: Die Blase Ende der 1990er-Jahre

Selbst ein Warren Buffett lag zu dieser Zeit jährlich um 15 Prozent hinter dem Nasdaq zurück. Er wurde sehr kritisiert und schon abgeschrieben, weil er so starke Zweifel an der Überlebensfähigkeit der Hightech-Titel geäußert hatte – ähnlich wie derzeit.

Der historische Einbruch

Wie immer in Endphasen einer Hausse der Aktienmärkte wurden die Bedenken beiseite gewischt und es wagten überproportional viele Unternehmen den Weg an die Börse. 1999 und in der ersten Phase des Jahres kam es zu 819 Börsengängen, das Daytrading wurde zur Mode, für das nicht wenige ihren Job aufgaben.

Der Auslöser für den großen Einbruch ab März 2000 war börsentypisch: Fedchef Greenspan hatte allein von 1999 auf 2000 die US-Leitzinsen von 5,5 auf 6,5 Prozent angehoben und offen Zweifel an den Bewertungen und der Fähigkeit der Dotcom-Stars geäußert, ihre Schulden zu bedienen. Es kam zu einer Reihe von Bilanzskandalen, vielen Insolvenzen und einem gigantischen Ausverkauf des Marktes. Bis Oktober 2002 war der NASDAQ um 75 Prozent von seinem Höchststand gefallen, er gab alle Gewinne in der Blase ab und der Einbruch brachte den Index wieder auf das Niveau von 1996 zurück.

Dennoch: Die Indizes kollabierten zwar in den Jahren 2000 bis 2002, aber die Renditen von 1994 bis 2002 konnte sich dennoch sehen lassen. Die großen Verluste entstanden bei denjenigen, die spät in die Aktienmärkte eingestiegen waren und natürlich bei denen, mit dem berühmten „Margin Debt“ oder die am Optionsmarkt tätig waren.

Die Verluste der Aktienmärkte nach Platzen der Blase

Was man aus dieser Übersicht auch ablesen kann, dass sich nach jeder Blase immer wieder Value durchgesetzt hat.

Wann ist eine Blase eine Blase?

Star-Fondsmanager Ray Dalio, David Lynch, Howard Marks, Seth Klarman, George Soros und Warren Buffett hatten alle die Blase der Aktienmärkte entdeckt und die Anleger vor den Gefahren gewarnt. Aber ihre Warnungen kamen zu früh. Von 1995 bis zum Höhepunkt im Jahr 2000 lagen Anleger, die internationale Aktien, Value-Aktien, Anleihen oder Rohstoffe in ihren Depots bevorzugten, um mehr als 20 Prozent pro Jahr hinter dem Technologieindex zurück.

Bereits im Jahr 2002 hatte sich das Bild gewandelt, das von mir schon oft erwähnte, weil über Jahrzehnte feststellbare „Reversion to the Mean“ hatte wieder zugeschlagen. Value-Aktien lagen wieder vorne und auch die Anleihen.

Eine ähnliche Situation finden wir auch heute vor: Wer ist nicht schon bei einer Tesla nach deren Durchstarten über 200 Dollar ins Grübeln gekommen, oder bei vielen anderen Tech-Aktien. „Fear of Missing out“ gilt für Privatanleger genauso wie für Institutionelle.

Es dürfte Managern schwerfallen, eine bevorstehende Blase überzeugend darzustellen, wenn Anleger nur einen Markt sehen, der sich ständig nach oben schraubt.

Auf der anderen Seite hat die frühzeitige Vorhersage einer Baisse nachteilige Auswirkungen, wenn der Vermögensverwalter zu vorsichtig agiert. Seine Kunden wollen keine Gebühren zahlen, um ihr Geld jahrelang parken zu lassen (speziell im Umfeld von Negativrenditen), während Privatanleger, wie die RobinHooder sich im Markt tummeln und mit überlegenen Renditen prahlen – selbst wenn man weiß, dass die Blase irgendwann platzen muss.

Die Geschichte zeigt jedoch, dass kein Marktzyklus ewig dauern kann, die Schwerkraft zwingt jeden Bullenmarkt in die Knie. Aber die Preiskomponente gibt keine Sicherheit über das Ende und das Platzen der Bubble, zumal wir eine absolut ungewöhnliche Situation haben, für die es keine Blaupause gibt. Eine (noch) marginalisierte Anleiheklasse als Konkurrenz zu den Aktien (der wohl größte Unterschied zu 2000), Notenbanken, die stets weiter Geld ins System pumpen und eine Wirtschaft, die per Lockdown und nicht aus Nachfragegründen in die Knie gezwungen wird. Wieder einmal wissen heute Investoren, dass Aktienmärkte teuer und in manchen Bereichen sogar irrational teuer sind.

Dieses Verhältnis von Growth zu Value-Aktien hat zumindest bis vor wenigen Wochen bereits das Niveau von 1999 erreicht und tendiert in Richtung Dotcom-Blase. Die Warnzeichen leuchten überall und es wird demnächst wohl eine erste Bereinigung geben, bei einer derart hohen Call-Spekulation genügt bereits ein kleiner Anlass, wie zum Beispiel eine kleine verbale Äußerung durch die Fed heute, durch die US-Börsenaufsichtsbehörde oder durch eine Überraschung in der Berichtssaison. Aber für das Platzen der Gesamtmarktblase bedarf es meiner Meinung nach erst einer Änderung der Konkurrenzsituation Aktien – Anleihen (Aktienmärkte 106 Billionen Dollar, Staatsanleihen über 60 Billionen Dollar plus Unternehmensanleihen), wo über 30 Billionen Dollar an Zinspapieren immer noch mit einer negativen Realrendite notieren. Das war im Jahre 2000 nicht der Fall.

Was bedeutet das für die Gegenwart?

Sollte es wieder einen Mega-Crash für die Tech-Werte à la 2000 bis 2002 geben, würden die Gewinne des Nasdaq gewaltig abschmelzen, von den 1100 Prozent Kurssteigerung bliebe aber noch einiges übrig. Aber sicher nichts für die Späteinsteiger, was die Mehrheit sein dürfte und erst recht nichts für die gehebelten Depots der RobinHooder. Noch ist es nicht soweit und es bestünde auch die Chance rechtzeitig das Risiko zu begrenzen. Aber eines hat bisher fast jede Hausse der Aktienmärkte gezeigt: Wenn es so richtig läuft, wird man nicht bescheiden und kurssichernd, sondern gierig. Wobei wir wieder bei dem wohl bekanntesten Bonmot von Warren Buffett wären..

Fazit

Dieser Rückblick zeigt, wie schwer es ist, in gewissen Marktphasen der Aktienmärkte ruhig zu bleiben und aber auch investiert, „zu tanzen solange die Musik spielt, aber immer in der Nähe des Ausgangs“, wie ein Spruch des Citigroup-Chefs Chuck Prince vor der Finanzkrise lautete. Vor allem nicht den Fehler zu machen zu Zeiten von Euphorie, mit „Options und Margin Debt“ zu operieren. „Leverage kills“, sagen die erfahrenen Hasen.

Außerdem ist es leicht für Außenstehende und Analysten, die kein Depot betreuen, cool zu bleiben und ständig die zweifellos vorhandenen Warnsignale zu verkünden. Aber was heißt das für Fondsmanager, die im Wettbewerb zur Benchmark stehen und daran gemessen werden – heute durch die Exchange Traded Funds mehr denn je? Wo die „Fear of Missing Out“ brutal zuschlägt!

Aufgrund all der beschriebenen Imponderabilien könnte tatsächlich die alte Kostolany-Strategie des „Buy and Hold“ Wiederauferstehung feiern.

Haben wir es doch im Jahr 2020 in brutaler Form erleben müssen: Vom 20. Februar ging es bis zum 23. März im Sturzflug um 33 Prozent beim S&P 500 nach unten, aber bereits am Tag darauf wieder um 9,4 Prozent nach oben, in drei Tagen um 17 Prozent. Wem war es hier gelungen rechtzeitig hinaus aber aber auch wieder in den Markt hinein zu gelangen? Die ganzen Hedgefonds-Strategien mit Einsatz von Algorithmen und künstlicher Intelligenz haben zu einem geführt, zu mehr Umsatz, aber nicht zu mehr Gewinn. „We are in a bubble, but it’s a logical bubble“, (Mohamed-El-Erian: Notenbanken und TINA), oh wie wahr, aber wann wird sie platzen?

Parallelen? Die Aktienmärkte heute und die Blase vor dem Jahr 2000?

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Aktien

Gamestop, Elon Musk und die Fed! Videoausblick

Markus Fugmann

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Gestern war Gamestop die meist gehandlte Aktie an der Wall Street, nachdem nun auch Elon Musk mit einem Tweet den Hype noch einmal hat eskalieren lassen. Nachbörslich explodierte daraufhin die Aktie von Gamestop – und bringt damit Hedgefunds, de die Aktie geshortet haben, in große Schwierigkeiten. All das aber ist Ausdruck dessen, was vor allem die Fed mit ihrer Geldpolitik angerichtet hat: sie befeuert solche exzessiven Spekulationen und behauptet dabei, es gehe ihr mit ihren Interventionen um das reibungslose Funktionieren von Märkten. Wird die US-Notenbank heute vor solchen Exzessen wie bei Gamestop warnen? A propos Exzess: heute die Zahlen von Tesla, Apple und Facebook im Fokus (wir berichten dazu heute Abend ab 22Uhr bei finanzmarktwelt.de)..

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Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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Indizes

DAX daily: Turnaround im Dax – mit Fed und Tech zur 14.000er Marke?

Stefan Jäger

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Am heutigen Handelstag dreht sich alles um die Fed und die Tech-Riesen. Nachdem Turnaround Tuesday könnte das den Dax weiter beflügeln. Im gestrigen Handel legte der deutsche Leitindex bereits eine beeindruckende Rally hin und komplettierte dabei ein V-Reversal. Dementsprechend gelang es ihm auch die Verluste vom Wochenauftakt mehr als wettzumachen. Trotz Pandemiesorgen und Meldungen über Grenzkontrollen und Reisestillstand haben Anleger wieder kräftig bei Aktien zugegriffen. Am Ende des Handelstags stand damit ein Plus von 227 Punkte (+1,66%) zu Buche. Mit einem Schlusskurs bei 13.871 hat der deutsche Leitindex den turnaround letztendlich vollzogen. Dabei erwies sich der Unterstützungsbereich bei 13.600 erneut als eine gute Kaufgelegenheit und diente als Sprungbrett für höhere Kurse. Im Grunde dreht sich im Dax alles um zwei Marken – 13.600 auf der Unterseite und 14.030 auf der Oberseite. Seit vier Wochen spielt sich das Geschehen in dieser Range ab. Ein Ausbruch aus der Seitwärtsbewegung könnte schließlich eine Richtungsentscheidung bringen.

Mit der heutigen Fed-Sitzung und den Quartalszahlen der Tech-Giganten Apple, Facebook und Tesla stehen interessante Trading-Events auf der Agenda, die für Volatilität sorgen können. Die Kaufbereitschaft und Vorfreude der Investoren auf gute Geschäftsberichte und Notenbanken-Geld könnte demnach die Hürde bei 14.000 Punkten wieder in Reichweite bringen. Zwar stellen die Corona-Restriktionen, fehlende Impfstoffe und sportliche Aktienbewertungen Risiken dar, aber das nimmt man derzeit in Kauf, aus Angst eine Rally an den Märkten zu verpassen.

News und fundamentale Daten

Vor wenigen Minuten wurde das GfK Konsumklima veröffentlicht, die Daten sind mit einem Wert von -15,6 deutlich schlechter als erwartet ausgefallen (Prognose -7,9, vorher -7,3), damit trübt sich die Lage weiter ein. Seit April letzten Jahres befindet sich der Wert nun schon im negativen Bereich. Darüber hinaus ist in den letzten fünf Monaten beim Konsumklima ein Abwärtstrend erkennbar. Ab 14:30 Uhr folgen dann noch Wirtschaftsdaten aus den USA. Zuerst erscheinen um 14:30 Uhr die Auftragseingänge für langlebige Güter. Danach werden um 16:30 Uhr die Rohöllagerbestände veröffentlicht. Am Abend steht dann die Fed-Sitzung an. Um 20:00 Uhr gewährt die Fed einen Einblick in das FOMC Statement und der Zinsentscheidung. Schließlich tritt Fed-Chef Jerome Powell um 20:30 Uhr vor die Presse und gibt Auskunft über den zukünftigen geldpolitischen Fahrplan. Ähnlich wie die Europäische Zentralbank werde die Fed erstmal ihre Füße stillhalten.

Nach US-Börsenschluss wird es dann nochmal richtig spannend, wenn Apple, Facebook und Tesla ihre Quartalsberichte veröffentlichen. Die Zahlen könnten nachbörslich für reichlich Bewegung im Nasdaq und S&P500 sorgen, da die drei Unternehmen zusammen eine enorme Marktkapitalisierung auf die Waage bringen. Die Tesla-Jünger werden genau auf die Daten schauen, da sie sich, wie von vielen Analysten prophezeit, einen Aktienkurs von 1.000 USD herbeisehnen. Außerdem öffnen Unternehmen wie Boeing, AT&T und Lam Research ihre Bücher. Auch die beiden deutschen Unternehmen Sartorius und Software AG veröffentlichen ihre Berichte. Bisher verläuft die Bilanzsaison durchweg überzeugend, das ist aber auch nicht überraschend, wenn die Erwartungen immer noch auf einem niedrigen Level liegen.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Durch eine rasante Rally hat sich der Dax im gestrigen Handel wieder zur Marke von 13.900 zurückgekämpft. Im Bereich von 13.920 wurde er allerdings ausgebremst. Um wieder zur 14.000er Marke zu gelangen, muss er zwei Widerstände bei 13.925 und 13.950/960 überwinden. Erst dann könnte ein erneuter Test der Hürde bei 14.030 anstehen. Ein Anstieg über 14.030 wäre ein starkes Signal und könnte weiteres Aufwärtspotenzial bis 14.115 und 14.131 eröffnen.

Zuvor könnte nach dem kräftigen Anstieg von gestern eine Konsolidierung anstehen. Dann würde es zunächst zum Nachttief bei 13.830 gehen. Dort könnte der Dax bereits wieder die Aufwärtsbewegung aufnehmen. Fällt er jedoch daruntern, dann dürfte es noch zum Unterstützungsbereich bei 13.800 laufen, dort liegt auch das 38,2% Retracement des gestrigen Anstiegs. Hier sollte der Dax spätestens drehen, ansonsten droht ein Abrutschen bis 13.745 oder sogar 13.700. Das gestrige Tagestief bei 13.670 sollte aus Sicht der Bullen nicht mehr unterschritten werden.

Der Börsen Jäger

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Dax daily: Ausblick 27.01. - H1-Chart - Fed & Tech Quartalszahlen im Fokus

Dax Unterstützungen (US):

13.874 – Schlusskurs 22.01.

13.804 – Punkt 1 Topbildung (H4)

13.700 – mehrfache US/WS (H4)

13.670 – Tagestief 26.01.

13.600 – US-Zone

13.566 – Tagestief 05.01.

Dax Widerstände (WS):

13.925 – Tageshoch 26.01.

13.958 – 61,8% Retracement (14.131 – 13.672)

14.000 – psychologische Marke

14.029 – Doppeltop

14.049 – Gap 08.01.

14.115 – 127,5 % Extension

14.131 – Tageshoch 08.01.

Disclaimer

Die hier angewandte fundamentale und technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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