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Handelskrieg-Prognose – eine abweichende Meinung

Vorhin hatte der „Börsennörgler“ seine Meinung zum Handelskrieg zwischen China und den USA veröffentlicht (hier nachzulesen). An dieser Stelle möchte ich darauf eingehen. Einer Meinung bin ich mit dem Börsennörgler in seiner These, dass die Chinesen den Handelsstreit weiter eskalieren lassen werden, aber vorerst in dem Bemühen eine richtige Korrektur an der Wall Street auszulösen. Dann hätten sie eine Chance, dass Donald Trump den Huawei-Bann in einigen Punkten lockert.

Anderer Meinung bin ich mit der Dimension möglicher Eskalationsmaßnahmen von Seiten der Asiaten. China wird nicht den Plan 2025 aufs Spiel setzen und das Vorhaben der Großen Seidenstraße. Zuviel Kredite hat China schon vergeben, um hier einen Stopp zu riskieren. Auch andere Maßnahmen wie ein größerer Abverkauf von US-Staatsanleihen wäre sehr schädlich, nicht nur wegen der eigenen Wertverluste, sondern wegen der Auswirkungen auf das Zinsniveau und damit für verschuldete Emerging Markets. Ein kapitaler Einbruch bei den wichtigen Geschäftspartnern Chinas hätte auch für das Reich der Mitte große negative Implikationen. Auch wird meines Erachtens unterschätzt, dass die chinesischen Unternehmen mit 160 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt verschuldet sind, lockere 20 Billionen Dollar. Ein Wohnungsbestand in der Größenordnung Deutschlands, der leersteht, aber immense Kosten verursacht. Wo soll China das Geld hernehmen, um die Zombiefirmen weiter am Leben zu halten, ohne eine Rieseninflation zu erzeugen? China steht doch nur nach außen so gut da, viele Statistiken dürften stark geschönt sein.

Mein Fazit

China wird weiter gegenhalten, bis die Wall Street einknickt. Dies wird dann geschehen, wenn sich die Wirtschaftsdaten in den USA weiter verschlechtern – hat denn Trump nicht monatelang vor den Kameras von der besten US-Konjunktur seit Menschengedenken geschwärmt, wegen seiner Wirtschaftspolitik? Der Einbruch kann auch von ihm ausgelöst werden, dazu braucht er nur die Zölle auf die restlichen 325 Milliarden Dollar Chinaeinfuhren erhöhen, Ende Juni. Deshalb bleibe ich bei meiner These des Deals in Form eines „Waffenstillstandes“, für mich liegt nur der Zeitpunkt im Dunklen.



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3 Kommentare

  1. Vielen Dank.
    Klare und präzise Worte.

  2. Lieber Wolfgang, in den von dir aufgeführten Dissenspunkten und in deinem Fazit sind wir gar nicht anderer Meinung :-).
    Eine meiner spekulativen Annahmen war, dass durch historisch einmalige „Schräglagen“ (siehe z.B. meine Artikelserie „Manipulationsskandale als Kurstreiber der Aktienmärkte“) in den nächsten Jahren eine Weltwirtschaftskriese schlimmer als 2008 ausgelöst werden könnte, dessen konkreter Zeitpunkt und Auslöser nicht vorhersehbar ist. Es gibt natürlich auch gute Gründe, weshalb man wie Janet Yellen sagt, dass es praktisch nicht mehr zu großen Wirtschaftskriesen wie 2008 kommt. Wenn es aber doch zu einer Krise kommt, könnte der Auslöser z.B. einer der von dir angeschnittenen großen Problemfelder Chinas sein oder auch aus einer ganz anderen Ecke kommen. In meiner Prognose spielen nur in dem Szenario einer großen Krise, solche Dinge wie China 2025, Seidenstraße oder Konkurs von Zombiefirmen keine große Rolle mehr, weil es dann nur noch um das Überleben des eigenen Wirtschaftssystems geht. China könnte so eine Weltwirtschaftskrise noch mal verstärken und sich auch damit massiv selbst schädigen, um seinen Vorteil der größeren Leidensfähigkeit ausspielen zu können und als Sieger aus dieser Krise hervorgehen zu können. Alles sehr spekulativ und hoffentlich wird es so auch nicht kommen, aber eben nicht ausgeschlossen. In verhältnismäßig normalen Zeiten wie jetzt, wird sich natürlich China nicht selbst den Stecker ziehen, sondern alles tun, um die Probleme beim Immobilenmarkt, China 2025, Seidenstraße oder Zombiefirmen nicht eskalieren zu lassen.

  3. Kritisch on fire

    Sehr interessant wie hier die Meinungen hinsichtlich Konfrontation USA vs. CHINA und deren Auswirkungen, resp. wer daraus Sieger oder Verlierer sein wird. Meiner bescheidenen Einschätzung nach hat CHINA einen wesentlichen Zeitvorteil. Das heißt an jedem Tag der vergeht ist der unmittelbare Gegenspieler weniger lange im Amt (ob er die Wiederwahl gewinnt ist ja in keinem Fall fix). An jedem Tag werden von anderen Staaten die Interessenten an einer Zusammenarbeit mit China, (Bsp. Seidenstrasse) und auch deren Abhängigkeit größer (Bsp. Eigeninvestitionen in diese Projekte). Wenn man dann noch die übermächtige Situation bei den Bodenschätzen betrachtet hat auf Zeit gesehen USA 0- Chance und schon gar nicht mit den Mitteln die „mr. president“ als opporthun ansieht!
    LG

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