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Handelskrieg – Trump, Dollar und die Folgen

Wie Trumps Handelskrieg die Stellung der USA und die Dominanz des Dollars schwächt!

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Der fortgesetzte Handelskrieg zwischen den USA und China wird – trotz aktueller Entspannungssignale – nicht nur dazu führen, dass sich die Asiaten in den nächsten Jahren reichlich unabhängig von der US-Wirtschaft machen werden und keine Verträge mit den Amerikanern mehr schließen wollen. Es ist auch erkennbar, dass sich große Teile der Welt vom US-Dollar als Weltleitwährung unabhängiger machen wollen, der bisher alles dominierte.

Handelskrieg – raus aus dem Dollar, rein in Gold

Die Notenbanken der Welt schichten um – und diversifizieren ihre Anlagen und legen immer stärker in der ältesten Währung der Welt an, dem Gold. Zunächst einmal die Chinesen, die das Vertrauen in die USA verloren haben.

China hat im letzten Monat seine Devisenreserven weiter umgeschichtet und fast sechs Tonnen des Edelmetalls gekauft. Damit hat die Peoples Bank of China seit Jahresende bereits 100 Tonnen Gold erworben, die Dollarbestände aber eher reduziert. Dass dies kein Einzelfall ist und die Welt sich, angefacht von Handelskrieg und Unilateralismus Donald Trumps, vom US-Dollar lösen will, zeigen weitere Zahlen.

Am deutlichsten hat Russland seine Devisenreserven umgebaut. Man hat nahezu sämtliche amerikanische Staatsanleihen verkauft und dafür die Edelmetallbestände erhöht – inzwischen auf über 2200 Tonnen. Das bedeutet eine Vervierfachung innerhalb eines Jahrzehnts und entspricht in seinem Wert einem Fünftel alle russischen Devisenreserven.

Aber auch andere Notenbanken sind diesem Beispiel gefolgt. Die weltweiten Goldbestände der Zentralbanken sind nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds IWF auf 35 000 Tonnen gestiegen, dies entspricht 1,106 Milliarden Unzen. Eine Entwicklung, die schon längere Zeit zu beobachten ist und sich weiter verstärkt. Daher war 2018 ein Rekordjahr, welches in diesem Jahr noch gestoppt werden könnte.

Die Dominanz des US-Dollars im Welthandel

Betrachtet man sich die Zahlen im Kontext, so wird die Vorherrschaft der US-Währung deutlich. Die Vereinigten Staaten mit ihrem vierprozentigen Anteil an der Weltbevölkerung haben

  • einen Anteil am Welthandel von 10 Prozent,
  • sie repräsentieren 15 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung,
  • dennoch haben sich 33 Prozent der Staaten an den Dollar gekoppelt,
  • circa 50 Prozent der weltweiten Geschäfte werden in Dollar abgerechnet,
  • die Schulden der Entwicklungsländer lauten zu 66 Prozent in Dollar und
  • ebenso hoch notieren die globalen Devisenreserven und die globalen Wertpapieremissionen.

Eine unglaubliche Dominanz der amerikanischen Währung, die der US-Präsident während seiner Amtszeit stets als Waffe im Handelskrieg benutzt, zur Umsetzung seiner „America first-Politik“ und die dem fortschreitenden Unilateralismus der US-Regierung dienlich ist. Dass dies in vielen Staaten zu einer Abkehr von den USA führt, ist klar, denn wer lässt sich gerne ständig von der anderen Seite mit Ausschluss aus dem Dollarhandel erpressen? Auch wenn die Abkehr vom Dollar ein langjähriger Prozess werden wird.

Hinzu kommt, dass die Dominanz des Dollars zu ständigen Schuldenkrisen und Bankrotten der Entwicklungsländer führt, die sich dadurch in eine große Abhängigkeit begeben haben, auch bei Maßnahmen der US-Notenbank. Erhöht diese die Zinsen und wertet der Dollar auf, bringt dies, wie 2018 geschehen, sofort eine Reihe von Ländern in Schwierigkeiten.

Der Vorschlag der englischen Notenbank

Auf der letzten Sitzung der Notenbanken in Jackson Hole machte der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, den Vorschlag, eine globale digitale Reservewährung zu schaffen, die nicht allein auf dem US-Dollar basiert, sondern auf einem breiten Währungskorb. Damit wird ersichtlich, dass auch die großen Währungshüter die Problem mit der US-Devise thematisieren.

 

Fazit – Handelskrieg und das Ende der Dollar-Dominanz

Die Vorschläge Carneys mögen revolutionär klingen, die Schaffung eines multipolaren Währungssystems, welches auf verschiedenen Devisen basiert. Reichlich Zukunftsmusik. Aber es zeigt, dass sich alle Welt Gedanken darüber macht, wie man die Dominanz des US-Dollars beenden könnte. Donald Trump kommt der starke Dollar derzeit alles andere als gelegen, aber er braucht Käufer für seine Staatsanleihen. Außerdem vergisst er, dass wenn der Dollar keine so starke Stellung im Welthandel besäße, es auch rasch vorbei wäre mit dem erfolgreichen „Unter-Druck-setzen“ anderer Länder durch Handelskrieg, damit sie wirtschaftlich nach der Pfeife Washingtons tanzen.

Das Ende des Dollars als Weltleitwährung dürfte noch geraume Zeit benötigen. Trumps Politik hat den Boden hierfür bereitet, aber in der Zwischenzeit dürfte der Run auf Gold noch eine Weile weitergehen.

Durch den Handelskrieg setzt Trump die Dominanz des Dollars aufs Spiel

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    tm

    12. September 2019 09:24 at 09:24

    „sie repräsentieren 15 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung“

    BIP USA: 21 Bio. USD
    BIP Welt: 86 Bio. USD
    => 24%

    und ergänzend: 62% der Welt-Währungsrerserven werden in USD gehalten.

    „dennoch haben sich 33 Prozent der Staaten an den Dollar gekoppelt,“

    Mag sein, aber von den USA ist das ja nicht unbedingt gewünscht, siehe China aber auch andere asiatische Staaten, die ihre Währungen so gegenüber dem USD zu niedrig bewertet halten.

    „Hinzu kommt, dass die Dominanz des Dollars zu ständigen Schuldenkrisen und Bankrotten der Entwicklungsländer führt“

    ja – die Frage für diese Länder ist doch aber, wie sie sonst Kredite aufnehmen können. In deren Landeswährung bekommen sie keine.

    „Das Ende des Dollars als Weltleitwährung dürfte noch geraume Zeit benötigen.“

    Kommt dieses Ende denn überhaupt? Der Euro war offenkundig nicht in der Lage, die Stellung des USD zu gefährden. Ein frei konvertierbarer Yuan wäre vielleicht dazu in der Lage, wobei die USA – trotz Trump – auf absehbare Zeit größte bzw. irgendwann zweitgrößte Volkswirtschaft bleiben werden und bis China irgendwann nach Umstellung auf freie Konvertierbarkeit das Vertrauen geniesst, die Institutionen aufgebaut hat etc. wird es dauern; bis dahin wird China auch nicht mehr so stark wachsen.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      12. September 2019 10:02 at 10:02

      @tm. Mit dem US-Anteil am Welt-BIP haben Sie recht. 20,49 Billionen Dollar zu 84,74 im Jahr 2018, nach statista. Ich habe die Zahlen aus folgender Quelle – Mark Carney, Bank of England – übernommen. Kann man sich auf das Brexit-Land jetzt gar nicht mehr verlassen? 😃
      Grüße

      • Avatar

        tm

        12. September 2019 10:29 at 10:29

        :-)

        Wobei die 20,49 bei Statista das reale BIP sind und hier müsste man korrekt mit dem nominalen BIP rechnen. Und Mark Carney hat vermutlich das BIP in Kaufkraftparitäten verwendet. Kann man machen, bringt aber m.E. einige Probleme mit sich.

  2. Avatar

    Prognosti

    12. September 2019 13:13 at 13:13

    Die Amis haben bis jetzt vom Dollar als Leitwährung profitiert, da sie über längere Sicht gegen andere starke Währungen Yen, CH Fr. stark abwerteten u.somit auch ihre Auslandschulden entwertet haben. Bei gleicblebendem u.eher steigendem Dollar kehrt dieses Spiel , u.wie wir gerade sehen ist das nicht gewünscht.

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Goldpreis: Gestern Bitcoin-Absturz, heute Gold! Marktgeflüster (Video)

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar. Was ist da los?

Markus Fugmann

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Rüdiger Born: Die aktuelle Lage am verkürzten US-Handelstag

Rüdiger Born

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Nikkei 225: Das Comeback des japanischen Leitindex

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Nikkei 225 – trotz explodierender Schulden

Wolfgang Müller

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Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Sammelindex Nikkei 225, inmitten der Corona-Krise und bei explodierenden Staatsschulden. Dieser bemüht sich nach Kräften, endlich das Trauma des Immobilien-Crashs von 1989 zu neutralisieren, der Index kletterte jüngst auf ein fast 30-Jahreshoch.

Der japanische Index – auf dem Weg zu alten Höhen?

Immer wieder wird von Aktienpessimisten Japan als Negativbeispiel angeführt. Der unheimliche Aktien-Boom in den 1980-er-Jahren, verbunden mit der Immobilienblase (Hans-Werner Sinn: Für Tokyo hätte man ganz Kanada kaufen können!) führte zu abstrusen Börsenbewertungen:

 

Die Mutter aller Index-Fahnenstangencharts (bis zur Corona-Krise):

Die Aktienmärkte - hier der Nikkei

Der Höchststand des Nikkei 225 vom 29. Dezember 1989 lag auf Schlusskursbasis bei 38.913 Punkten, dann erfolgte ein Absturz ohnegleichen mit vielen erratischen Schwankungen und einem Tief am Ende der Finanzkrise von 7054 Punkten.

Aber wer hat im Jahr 1989 all sein Geld in den Nikkei 225 investiert und nicht vorher und danach? Im Übrigen hätte ein monatlicher Sparplan auf den Index über viele Jahre eine gewaltige Rendite gebracht, durch den Cost-Average-Effekt, nur muss der Index irgendwann einmal kräftig anziehen, dann schießt der Wert mit all den billig erworbenen Anteilen kräftig in die Höhe. So wie es beim Nikkei 225 schon seit geraumer Zeit aufwärts geht.

Ein Vergleich der Marktperformance:

Seit dem Corona-Tief:

S&P 500: plus 60 Prozent
Dax: plus 52 Prozent
Nikkei: plus 50 Prozent

Seit dem Tief in der Finanzkrise 2009:

S&P 500: plus 436 Prozent
Dax: plus 362 Prozent
Nikkei: plus 364 Prozent
Jetzt ist der Index noch weiter gestiegen und erreichte gestern 26.537 Punkte.

Wobei hier wieder einmal festzustellen ist, dass bei unserem Dax als Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet wurden, anders als bei den international üblichen Kursindizes. Was im Jahresvergleich nicht viel ausmacht, verzerrt das Bild bei einem 11-Jahreszeitraum durch den Zinseszinseffekt doch sehr deutlich.

Was also fast nach einem Gleichlauf aussieht, wird im 3-Monatsvergleich nach dem Einstieg von Warren Buffett deutlicher, Japan fiel im Oktober nicht mehr so stark und erholte sich stärker.

S&P 500: plus 4 Prozent
Dax: plus 1 Prozent
Nikkei: plus 13 Prozent

Die Entwicklung der Wirtschaft

Dass die Börse in Japan so stark gestiegen ist, liegt zum einen natürlich an der Bank of Japan, die bereits 53 Prozent der japanischen Staatsanleihen in ihren Büchern hält und immer wieder ETFs auf den Aktienmarkt erwirbt.

Der Nikkei 225 mit seinen über 12 Billionen Euro Marktkapitalisierung hat natürlich noch andere Investoren.

Aber vonseiten der Wirtschaft gibt es auch einige Signale der Hoffnung.

Doch zunächst zum Einstieg von Warren Buffett. Seine Gesellschaft Berkshire Hathaway kaufte im Herbst etwas mehr als fünf Prozent der Aktien der fünf großen japanischen Handelshäuser, die jahrzehntelang Japans Außenhandel bestimmt haben. Für uns relativ unbekannte Namen wie Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. Und seine Gesellschaft sei bereit, den Einsatz auf bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Japan ist verglichen mit den USA erheblich preiswerter. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Dow Jones liegt bei 2,9, jenes des Nikkei 225 hingegen nur mit bei 1,1.

Japans Wirtschaft erholt sich derzeit von einer Rezession, die schon im vierten Quartal 2019 begonnen hatte. Japans Konsumenten erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent, 2,5 Prozent stärker als von Analysten erwartet wurde.

Hinzu kommt, dass die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Tokyo doch vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden sollen, wie IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bei seinem letzen Besuch in Japan angekündigt hat.

Ein Schub durch das Freihandelsabkommen RCEP

Das vor knapp zwei Wochen abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens, gab der Börse einen weiteren Kick. Japan erhält dadurch erstmals bevorzugten Zugang zu China und Südkorea. Die Annäherung der drei Länder gilt als historischer Vorgang. Das Abkommen wird als Wegbereiter für ein künftiges asiatisches Wirtschaftswachstum gesehen, auch zu einer Zeit, in der sich die Region ohnehin aufgrund der Eindämmung der Pandemie konjunkturell besser als der Rest der Welt entwickelt.

Fazit

Was kann man aus der diesjährigen Entwicklung des Nikkei für Lehren ziehen? Staatsschulden, selbst in astronomischer Höhe (über 250 % zum Bruttoinlandsprodukt), führen nicht zwangsläufig zum Einbruch. Nämlich dann, wenn die Bürger an die Stabilität der eigenen Währung glauben und genügend Sparvermögen bilden und natürlich von der Funktionsfähigkeit der eigenen Notenbank überzeugt sind, die viele der Staatssschulden in ihren Büchern hält. Das Vertrauen in das Geld ist Grundvoraussetzung für die Schuldentragfähigkeit.

Dann sollte die eigene Währung eine gewisse Stabilität aufweisen, damit die Exportwirtschaft nicht unter die Räder gerät, aber auch ausländische Produkte für die Bürger erschwinglich bleiben. Ganz besonders wichtig ist natürlich die Stabilität des Geldes im Hinblick auf die Inflation. In Japan lag die Teuerungsrate über 20 Jahre gerade mal bei 0,5 Prozent per annum. Aber aus dieser Argumentation könnte man auch schlussfolgern, dass es dann krachen wird, wenn auch nur einer der drei Faktor nicht mehr gegeben ist, insbesondere wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Inflation, das Thema der nächsten Jahre nach der epochalen Geldschwemme des Corona-Jahres 2020?

 

Der Nikkei in Japan mit zuletzt starker Entwicklung

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