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Handelskrieg Trump gegen alle – noch klarer als hier sieht man es nicht!

Claudio Kummerfeld

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am

Trump gegen alle, Trump ist alles egal. So lautet das Fazit des G7-Treffens am Wochenende in Kanada. Der Handelskrieg läuft. Donald Trump reiste vor dem offiziellen Ende der Tagung ab, und verweigerte die Zustimmung der USA zu einer gemeinsam Erklärung aller Teilnehmer. Das begründete Trump damit, dass der Gastgeber Kanada mit Gegenzöllen antwortet auf die Zölle, welche die USA gerade erst gegen Kanada, Mexiko und die EU eingeführt hatten. Kanadas Premier Trudeau habe die USA sogar „verraten“, so Trumps Berater Kudlow.

Wie steht Donald Trump zum Rest der Welt? Dieses Foto sagt mehr als tausend Worte. Trump sitzt mit verschränkten Armen quasi ablehnend vor seinen „Freunden der G7“. Merkel und Co versuchen mit ihm ins Gespräch zu kommen und ihn zu Kompromissen zu drängen, doch Trump lehnt ab. An seiner Seite stehen Trumps neuer Chefideologe (Nationaler Sicherheitsberater) John Bolton sowie Japans Ministerpräsident Abe, der ihm vor allem in Sachen Nordkorea zur Seite steht.

Der Rest der G7 steht quasi verzweifelt, fragend und bittend vor dem Tisch, und hofft auf Trumps Reaktion. Spätestens nach diesem Gipfel sollte dem Rest der globalen Handelsgemeinde klar sein, dass es ein Kampf „Trump gegen uns alle“ ist. Denn er hat ja mehr als klar verkündet, dass nur Amerika für ihn zähle. Das ist auch sein gutes Recht. Dann müssen EU, Kanada, Mexiko, China und Co eben deutlich enger zusammenrücken, und mit einer gemeinsamen Sprache Trump gegenübertreten.

Denn die wirtschaftliche Allmacht der USA basiert vor allem darauf, dass alle anderen Ländern stets fest daran glauben hilflos zu sein. Natürlich will sich nie jemand ernsthaft mit den USA wirtschaftlich anlegen, weil die 320 Millionen Amerikaner konsumieren wie die Wahnsinnigen. Welcher Hersteller von Luxusautos oder Fernsehern will sich diesen Markt schon entgehen lassen? Aber im ganz großen Bild muss sich die globale Staatengemeinschaft schon fragen lassen, wie weit man sich von Donald Trump noch am Ring durch die Manege führen lassen will.

Eigentlich könnte man sagen, dass das G7-Treffen Zeitverschwendung war. Aber nur eigentlich! Denn eines hat das Treffen doch gezeigt – dass nämlich der Handelskrieg in vollem Gange ist, und dass Donald Trump sich in keinster Weise für Absprachen oder Verhandlungen interessiert. Die EU hat letzte Woche angekündigt ab 1. Juli genau wie Kanada Gegenzölle Richtung USA verhängen zu wollen – eine Alternative dazu gäbe es nur, wenn die EU einfach auf Zölle verzichtet – dann würde sie aber ihr Gesicht verlieren. Nach den Gegenzöllen werden die USA wohl Zölle auf Autos aus Europa verhängen. Der Handelskrieg läuft bereits!

Handelskrieg? Die G7-Tagung war eigentlich Zeitverschwendung
Die G7-Runde letztes Wochenende in Kanada. Foto: Shealah Craighead / Gemeinfrei

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Pit M.

    11. Juni 2018 11:16 at 11:16

    Soll man doch erstmal die Zölle angleichen – da hat Trump aus meiner Sicht absolut recht. Da besteht teilweise eine recht große Benachteiligung beim Handel.

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      tm

      11. Juni 2018 13:01 at 13:01

      Wo denn? Die EU verlangt durchschnittlich 5,2% Zoll von den USA, die USA umgekehrt 3,5% – wobei das Zahlen von 2016 sind. Je nachdem was in welchen Mengen importiert wird, kann das Verhältnis 1017 auch anders gewesen sein. Letztlich ist der Unterschied also eher marginal und natürlich könnte man über einen weiteren Abbau sprechen – das will Trump aber offenbar nicht.

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        Pit M.

        11. Juni 2018 14:40 at 14:40

        Achso wenn das so marginal ist, dann kann man die Durchschnittszölle doch auch in umgekehrter Ausführung festsetzen. Bei den erwähnten Zahlen wären es dann eben für die USA 1.7 % höhere Einfuhrzölle als in der EU.
        Aber das würde die EU niemals mitmachen – weil die sich dann ungerecht behandelt fühlen würde. Aber wenn es wie Sie meinen so marginal ist, ergibt sich eben die frage warum es nicht schnell geklärt wäre? Antwort: es ist nicht marginal (besonders in einigen Bereichen wie in der automobilbranche).

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          tm

          11. Juni 2018 14:49 at 14:49

          äh wie in umgekehrter Richtung? Die EU erhebt auf Pkw-Importe einen Zoll von 10% – die USA von 2,5% auf Pkw, aber von 25% auf Pick-Ups.

          Die bis vor kurzem gültigen Zölle wurden in langen Verhandlungen vereinbart – die einen möchten Zölle auf diese und jede Produkte, die anderen auf andere Produkte. Und je nachdem, wieviel die USA und die EU an entsprechenden Gütern importieren, schwankt der Durchschnittszoll. 2016 lag die Differenz bei lächerlichen 1,7 Prozentpunkten. Wenn das nicht marginal ist, was denn dann?

          Also ich wäre ohnehin dafür, alle Zölle abzuschaffen, aber das wollen weder die EU noch die USA. Daher lassen sich solche Dinge auch nicht mal eben schnell klären – Durchschnittswerte helfen wenig weiter.

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    Dieter G.

    11. Juni 2018 11:22 at 11:22

    Genau so führt man ein Land. In dem man die Interessen eindeutig und unmißverständlich äußert und umsetzt. Wenn die anderen Teilnehmer zu blöd sind, dafür kann Trump nix.

    Und Trump löst jedes Wahlversprechen ein, was er gegeben hat. Etwas, was die EU-Blindlinge in keinster Weise kennen. Getreu dem Motto, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.

    Achtung !!! Dies ist ein Kommentar mit subjektiver Brille, der die Mehrheit der vermeintlichen Leser vermutlich nicht treffen wird. Soll es auch nicht.

    Alles Gute

    Dieter

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      Pit M.

      11. Juni 2018 12:59 at 12:59

      Nein – ich bin auch genau deiner Meinung. Viele begreifen nicht, dass er Arbeitnehmer der USA ist und in deren Interesse zu handeln hat.

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        tm

        11. Juni 2018 13:11 at 13:11

        Aber genau das macht er ja nicht:

        Defizit im Bundeshaushalt bei Amtsübernahme: 3,1% des BIPs
        Defizit im Bundeshaushalt März 2018: 3,7% des BIPs

        Neu geschaffene Stellen je Monat Trump: 182 Tsd.
        Neu geschaffene Stellen Obamas 2. Amtszeit: 217 Tsd.

        Leistungsbilanzdefizit bei Amtsübernahme: 2,4% des BIPs
        Leistungsbilanzdefiizt Q4 2017: 2,4% des BIPs

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          SanBau

          11. Juni 2018 15:59 at 15:59

          Sehr Aussagekräftig eine Statistik vorzulegen die maßgeblich vom „Establishment“ dominiert wird. Eben jenen denen Trump gegenüber steht. Zum „Establishment“ gehören halt auch Macron, Merkel und der Sauhaufen in Brüssel. Logisch das man diese auf Konfrontation schickt, irgendwie will man den Mann wieder loswerden und weis nicht wie.
          Er ist nun mal unbestechlich. Der einzige der Trump wirklich lohnenswert Geld bringt ist der US-Präsident.

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      tm

      11. Juni 2018 13:05 at 13:05

      „Und Trump löst jedes Wahlversprechen ein, was er gegeben hat“

      Sie meinen das Establishment bekämpfen,indem er es ins Kabinett holt? Oder eher Obamacare durch etwas besseres ersetzen, indem er Teile von Obamacare ohne Ersatz abschafft? Oder meinen Sie den Kampf für die Mittelschicht durch Entlastung der Top 1%?

      Trump versagt bisher auf ganzer Linie. Er brüskiert Verbündete und hofiert dafür Autokraten. Das Defizit im Bundeshaushalt ist höher als bei Amtsübernahme, es wurden pro Monat deutlich weniger neue Stellen geschaffen als in Obamas zweiter Amtszeit, die Arbeitslosenquote sinkt nur noch wenig, das Leistungsbilanzdefizit ist unverändert.

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        Pit M.

        11. Juni 2018 14:31 at 14:31

        Haha Trump geht massiv geendet e illegale Einwanderung vor und bekämpft damit die Schwarzarbeit – Amerikaner aus dem Niedriglohnsektor (zB Gastronomietätigkeiten) …
        Obama wurde an allen Ecken und Enden gelobt und hat mit seinen Militäreinsätzen als Drohnen-Barack für derart viele leid gesorgt – auch diese Kriegstreiber gegenüber RUS durfte nicht fehlen……für sie ist man wohl nur ein anständiger Bilderbuchpräsident wenn man auch ordentlich für Krieg sorgt dafür aber eine gute Presse bekommt und überall gelobt wird wir Friedensnobelpreisträger Obama?
        Hat Obama in irgendeiner Form für eine Befriedung in Korea gesorgt?
        Nein – das hat ihn auch garnicht interessiert..
        Und es ist auch absolut gelogen wenn man sagt von der Steuerreform haben nur Reichen profitiert. …..
        http://www.bento.de/politik/krieg-barack-obama-ist-der-us-praesident-mit-den-meisten-kriegstagen-567071/

        https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article171941708/USA-Trumps-Steuerreform-Vorbild-fuer-Deutschland.html

        • Avatar

          tm

          11. Juni 2018 14:44 at 14:44

          Trump übertrifft Obama was die Drohneneisätze angeht bereits jetzt:
          https://deutsch.rt.com/international/47549-drohnen-konig-trump-obama-jemen-saudi-arabien/

          Und während unter Obama die Militärausgaben deutlich gesenkt wurden, eine Annäherung an Kuba erwirkt und das Atomabkommen mit dem Iran durchgesetzt wurde, macht Trump genau das Gegenteil – ein sehr friedfertiger Präsident.

          Ich sagte nicht, dass „nur“ die Reichen profitieren – aber hauptsächlich. Der Löwenantei lder Entlasung kommt den obersten 1% zugute, während die Mittelschicht teils mehr bezahlt, weil nun die Bundesstaatssteuern nicht mehr absetzbar sind bei den Bundessteuern. Sie unterstellen mir also völlig zu Unrecht eine Lüge.

          https://www.marketwatch.com/story/in-one-chart-heres-how-much-you-can-expect-to-gain-from-trumps-tax-plan-2017-09-29

          Und wo Trump nun für Frieden in Korea sorgt, werden wir noch sehen – bislang gab es da auch unter Obama und den anderen Präsidenten davor keinen Krieg.

          • Avatar

            Bernd

            11. Juni 2018 17:09 at 17:09

            @ tm. Ihr Arrangement beim Aufklären der kommentierenden Leserschaft ist beeindruckend. Mann könnte fast meinen Sie halten die letzte Stellung gegen einen sich neu aufbäumenden Zeitgeist. Ihre ideologische Standhaftigkeit ist dabei vorbildlich und amüsant zugleich; ersparen sie mir ellenlange Erläuterungen zu dieser kurz geäußerten Kritik.

  3. Avatar

    Steffen

    14. Juni 2018 00:16 at 00:16

    Oh mein Gott TM, wo hast Du nur Deine Zahlen her?
    Obomba, in seiner Amtszeit hat allein die Hälfte aller Schulden Amerikas angehäuft, hat 7 Länder bombardiert über eine Millionen Tote auf dem Gewissen,unterstützt von Marionetten aus der ganzen Welt, bekommt für diese Leistung den Friedennobelpreis ! Er hat das Land in Schutt und Asche gefahren die Binnenwirtschaft ruiniert und du redest hier alles schön? Sag mal liest du vllt. jeden Tag die Blöd?
    Deine sogenannten Wirtschaftswunder von Obomba bis Merkel werden in Guantanamo schmoren, da kannst du dich drauf verlassen, wenn die Welt alles erfahren hat, was dieses System Rotschild/Rockefeller/Sorros/und und und angerichtet und vor allem so getrieben hat !Die Offenbahrung dessen wird die Welt ins Unglück/Schockstarre stürzen, was diese Kreise für Verbrecher sind ! Trump wird diesen Sumpf trocken legen, verlass dich drauf !

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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am

Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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