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Handelskrieg – US-Zölle im Detail, was sie verraten

Die dosierten Zollsteigerungen zeigen, dass Trump durchaus bewusst ist, dass die Zölle im Handelskrieg nicht von Chinesen bezahlt werden, sondern von US-Unternehmen und Verbrauchern

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Wenn man den aktuellen Stand im Handelskrieg besser verstehen will, lohnt ein Blick in die Details der US-Strafzölle gegen China. Auch wenn Donald Trump es in die Kameras tönt und per Twitter noch so oft postet, dass die Chinesen die Zollerhöhungen bezahlen würden – seine eigenen Firmenchefs berichten von anderen Zusammenhängen!

 

Handelskrieg – Die Brandbriefe der Firmen und US-Wirtschaftsverbände

Bereits im Vorfeld der neuen Zölle haben Hunderte von Unternehmen und Wirtschaftsverbände den Präsidenten kritisiert, ihm Brandbriefe geschrieben und ihn als Jobvernichter bezeichnet. Die von ihm angekündigten Strafzölle (ab 1. September) kämen zum schlechtesten Zeitpunkt, nämlich inmitten der Lieferungen für das Jahresendgeschäft, so der Tenor in den Schreiben. Maßgeblich verantwortlich dafür waren Firmen der Software-, Mode- und Chemiebranche. Der Präsident blieb stur – zumindest auf den ersten Blick – und erhöhte die Zölle. Auf den zweiten Blick wird aber dann doch die Rücksichtnahme Trumps auf Unternehmen und Konsumenten deutlich.

 

Die US-Zölle im Überblick

Am Sonntag trat eine neue Eskalationsstufe in Kraft, von Seiten der Amerikaner mit 15 Prozent Abgaben auf Chinaexporte wie Fernseher, Bücher, Sportbekleidung, Sportschuhe, Golfschläger und Windeln in Höhe von geschätzten 112 Milliarden Dollar. Es bleibt aber bei der Verschiebung von weiteren Einfuhren auf den 15. Dezember in Höhe von 160 Milliarden Dollar bei Produkten wie Smartphones, Laptops und Bekleidung – ohne Zweifel ein halbwegs „getarnter“ Versuch des Kaschierens, dass Trump im Handelskrieg dennoch Rücksicht auf das so bedeutende Weihnachts-Shopping nimmt.

Auch wenn der Verband der US-Schuhindustrie sofort lamentierte, dass sich der Preis für Laufschuhe aus China von 150 auf 190 Dollar erhöhen könnte. Insgesamt kommen 70 Prozent der Schuhe aus China.

Eine weitere Zollanhebung von 25 auf 30 Prozent für die bereits installierten Abgaben auf 250 Milliarden Dollar – vorwiegend Industriegüter und Maschinen, die die Unternehmen und nicht die Verbraucher treffen – soll ab 1. Oktober gelten.

Warum Trump mit seinen Zollerhöhungen nicht nur auf seine Konsumenten Rücksicht nimmt, sondern auch auf die US-Elektronikindustrie, beweist die folgende Übersicht (Quelle statista):

Umsatz der US-Konzerne in China im letzten Geschäftsjahr: (Top 5)

  • Apple: 44,8 Mrd. $
  • Intel: 14,8 Mrd. $
  • Qualcomm: 14,6 Mrd. $
  • Boeing: 11,9 Mrd. $
  • Micron Technology: 10,4 Mrd. $

Dabei kamen 82 Prozent der Mobiltelefone aus dem Reich der Mitte – und man rechnet damit, dass immerhin eine Million Arbeitsplätze in den USA vom Geschäft mit China abhängen, davon allein über 150 Tausend in Kalifornien.

Aus den obigen Zahlen wird deutlich, warum Tim Cook (Apple) und weitere Unternehmenschefs immer ein Ohr beim Präsidenten bekommen werden: Gegen eine Drohung mit dem Verlust von Arbeitsplätzen ist nicht einmal ein Donald Trump immun.

Die dosierten Zollsteigerungen sind ein deutlicher Fingerzeig, dass es dem Präsidenten durchaus bewusst ist, dass die Sonderabgaben im Handelskrieg nicht von den Chinesen bezahlt werden, sondern von US-Unternehmen und Verbrauchern. Wieder einmal also eine öffentliche Behauptung Trumps, die er wider besseres Wissen ungeniert vor den Kameras hinausposaunt. Warum zwingt er eigentlich den Handelsgegner dann nicht mit einem Zollpaukenschlag zur Kapitulation? Die US-Wirtschaft ist doch die angeblich beste seit Generationen und die Chinaexporte betragen ein Vielfaches der amerikanischen.

 

Chinas prompte Antwort im Handelskrieg

Zeitgleich verhängte China Gegenzölle in Höhe von fünf beziehungsweise zehn Prozent auf Importe aus den USA.

Die zehn Prozent erhebt man auf US-Ausfuhren wie Fleisch, Mais, Kartoffeln, Obst, Meeresfrüchte, Kleidung und Lederwaren, die fünf Prozent betreffen Sojabohnen, Milchprodukte, Pilze und Chemikalien. Diese Strafzölle Chinas haben ein Volumen von insgesamt 75 Milliarden Dollar und sollen Mitte Dezember noch erweitert werden.

Zehn Prozent sollen dann auf weitere Waren wie Kaffee, Fruchtsäfte, Wein, Bier, Holz, Medikamente, aber auch Autos gelten. Weitere fünf Prozent auf Zigaretten, Kleidung, Autozubehör, Elektroartikel und Flugzeugmotoren.

Die Aufstellung zeigt deutlich die chinesische Politik der Nadelstiche im Handelskrieg, denn sie enthält viele Produkte aus dem mittleren Westen, der Region der Kernwähler Trumps. Gerade diesen hatte er durch seine America first-Politik viel Hoffnung auf verbesserte Geschäfte gemacht.

 

Fazit

Auch wenn selbst eine Bezollung von über 540 Milliarden Dollar Chinaexporte mit 25 Prozent in Anbetracht eines Bruttoinlandsprodukts von 20,5 Billionen Dollar verkraftbar erscheint, darf man nicht vergessen, was diese ständige Eskalation von Zöllen und Gegenzöllen an Kollateralschäden erzeugt: Inflation, Arbeitsplätzen, Störung von Handelsketten, Zurückhaltung bei Investitionsvorhaben und Schädigung der Weltwirtschaft als Ganzes und in letzter Konsequenz die Verursachung eines Schrumpfens der Wirtschaft, die auch die große Konsumgesellschaft USA heimsuchen wird.

Die Frage für mich ist nur, wo der Umkehrpunkt sein wird, an dem Unternehmen und Verbraucher in ihrem Verhalten auf Rezession (= Sparmaßnahmen) umschalten. Dies geht urplötzlich, wie oft in früheren Zyklen erlebt, denn Wirtschaft ist zu einem großen Teil Psychologie.

Die Saat für eine Rezession ist gelegt, es liegt sehr stark am Fortgang im Handelskrieg, ob US-Präsident Trump auch die Ernte einfahren muss.

 

Der Handelskrieg eskaliert weiter, und Trump ist sehr wohl bewußt, wer dafür die Zeche zahlen mußohl

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    3. September 2019 09:28 at 09:28

    Was aktuell gar nicht thematisiert wird ist, das durch die Währungsabwertung des Yuan gerade die Produkte welche fürs Wheinachtsgeschäft wichtig sind ja nun eigentlich sogar günstiger geworden sind auf der einen Seite gibts keine Zölle auf der anderen Seite wirkt die Währungsabwertung welche bald 5% Beträgt auf alle Güter, die zusätzlichen 5% sind also für die Amis eigentlich nir der Ausgleich der Währung und diese führen nicht mejr zu tatsächliche Mehrkosten…

    Im Gengenzug werden alle Produkte die nicht bezollt wurden nun sogar billiger bzw die Marge weitet sich aus, dies wird ein Stückweit Zölle kompensieren….

    Diesen Effekt hat noch niemand beziffert, aner ich denke er spielt eine Rolle, aktuell werden die 5% einfach auf die bestehenden Kosten aufgerechnet, aber das ist ja falsch die Kosten reduzieren sich bei sinkenden Wechselkursen…das müsste man rausrechnen…insofern meine ich die 5% zusatz sind Neutral wenn wir die Sicht vom 1.1.19
    Einnehmen

  2. Avatar

    Algorithmi

    3. September 2019 09:58 at 09:58

    Der Umkehrpunkt für 50% der Verbraucher, die von der Hand ins Maul leben, ( mit 5 überzogenen Kreditkarten) ist schon lange passiert.Jedes Prozent Produktverteuerung durch Zölle wird sich mit Minderabsatz kompensieren, wenn die Löhne nicht entsprechend steigen.
    Gemäss meiner Wenigkeit an Marktverständnis müsste doch Umsatzrückgang mit gleichzeitigem Preisdruck auf die gewohnt immer steigenden Aktienkurse wie ein Hammer wirken.
    Auch der Mischfond Heller ( Beitrag von gestern )hat das noch nicht gemerkt ! Vielleicht sind meine 30 Jahre Erfahrung an der realen Verkaufsfront nicht genügend um die heutige Wirtschaft zu begreifen.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      3. September 2019 10:49 at 10:49

      @Algorithmi. Zukünftig könnte dies wohl so sein. Aber im zweiten Quartal 2019 waren die US-Konsumausgaben überraschenderweise noch um 4,3 Prozent gestiegen. Auch im Juli hatten die Konsumausgaben noch zugelegt. Der Anstieg der Löhne um 3 Prozent und die niedrige Arbeitslosigkeit halten die Konsumquote (noch) oben, der Normalverbraucher hangelt sich von Monat zu Monat. Aber das Verbrauchervertrauen fällt zuletzt sehr deutlich. Und jetzt die neuen Zollbelastungen. Irgendwann wird der Umkehrpunkt bei den Ausgaben kommen, das ist die Kernaussage meiner Zollaufstellung.
      Wegen des starken Konsums mit seinem 70%-Anteil am BIP blieben die Aktienmärkte bisher so stabil, die Abschwächung der Industrie war noch nicht relevant genug.
      Gruß

  3. Avatar

    Algorithmi

    3. September 2019 11:18 at 11:18

    @Wolfgang M., Das war nicht als Kritik gemeint, einfach eine Aussage , dass die untere Hälfte keine Wahl hat zu bestimmen wann sie sparen wollen. Gemäss eines FMW -Beitrages der letzten Tage sind es übrigens die ganz Reichen, die ganz freiwillig den Gürtel enger schnallen.
    Ja wenn man ein Vermögen von 10Millionen hat und nicht sicher ist,ob es innert Kürze nur noch 6 bis 7 Mio. sind, kann ja der neue Ferrari auch noch ein wenig warten.
    Wie sie schrieben geht es meistens schnell, u.anfang Jahr als die Chinesen mit tonnenweise Geld den Crash verhinderten,hat man schon wieder alsFata Morgana den Aufschwung gesehen.
    Aus Erfahrung haben auch die alten Hasen mit erlebten 10 Crashes u.Rezessionen noch nie einen Abschwung vorausgesehen. ( oder sehen wollen)

    • Avatar

      Wolfgang M.

      3. September 2019 11:58 at 11:58

      @Algorithmi. Klar, hatte ich auch eher als Anregung zum Informationsaustausch verstanden, was mir sehr gefällt. In Ihrem Schlussargument haben Sie etwas ganz Zentrales geschrieben. Es ist fast unmöglich, den Zeitpunkt einer Rezession vorherzusagen, weil die Akteure (Verbraucher, Firmen) urplötzlich und fast ohne konkreten Vorwand auf die Wende schalten. Bildlich ausgedrückt, wie bei einer Sandburg oder einer Lawine, es wird Gewicht angehäuft, bis eine kleine Zusatzbelastung das Ganze ins Rutschen bringt.
      Gruß

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Rüdiger Born: Keine Bären in Sicht – Blick auf Dax, Dow und Nasdaq

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Dax: Sentimentanalyse sieht deutschen Leitindex gedeckelt

Der Dax kommt nicht über die Marke von 14.000 Punkten. Gemäß der aktuellen Sentimentanalyse könnte diese Zone als „Deckel“ fungieren..

Wolfgang Müller

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am

Der deutsche Leitindex DAX ist ein sehr volatiler Index, mit großen Einbrüchen, aber auch rasanten Anstiegen. Andererseits läuft er oft lange Zeit quer, so dass ihm manche Marktbeobachter als langweilig titulieren. Trotz weiterer Anstiege in den USA schwankt er derzeit unterhalb der Marke von 14.000 Punkten. Gemäß der aktuellen Sentimentanalyse könnte diese Marke als Deckel fungieren.

Dax – die Rally seit Ende Oktober

Dax-Investoren brauchen starke Nerven. Im Coronajahr fiel der Leitindex im Februar/März binnen 35 Tagen um 40 Prozent von 13.795 auf 8255 Punkte intraday (deutlich mehr als die US-Indizes), um sich bis zum 8. Juni, also in zehn Wochen wieder bis auf 12.913 Punkte zu erholen – inmitten des schwärzesten Quartals seit Dekaden. Dann eine monatelange Schaukelbewegung und der Einbruch im Oktober von 13.150 auf 11.555 Punkte. Während einige schon die Jahresendrally abgeschrieben hatten, sprang der volatile Index infolge des Wahlergebnisses und der Impfstoffrally binnen Monatsfrist auf 13.455 Punkte. Während alle den November mit den historischen US-Daten als außergewöhnlich verglichen hatten, war der Dax dennoch stärker gestiegen, um dann wiederum einige Wochen nicht von der Stelle zu kommen und nicht an sein Allzeithoch zu gelangen.

Nach dem Jahreswechsel kam dann der Sprung bis auf 14.132 Punkte und seither verschnauft der Index unterhalb der runden Marke. Starke Anstiege und eine zugrundeliegende Euphorie werden häufig mit scharfen Korrekturen abgebaut, oder mit längeren Querbewegungen. Die Sentimentanalyse scheint das letztere Szenario anzudeuten.

Die Kaufbereitschaft lässt nach

Das Window Dressing zum Jahresende und die Santa Claus Rally (die letzten fünf und die ersten zwei Tage eines Jahres) haben wunderbar funktioniert. In den USA kam noch einmal ein Schnaps oben drauf, das bedeutet, dass man für die reibungslose Amtsübergabe an den Börsen noch einmal applaudiert hatte. War auch klar, dass ein Ereignis (Randale), auf das man sich fast 14 Tage vorbereiten konnte, kaum große Schäden anrichten könnte. Durch die Präsenz von 15.000 Nationalgardisten, der Polizei, dem FBI, der CIA und anderen Nachrichtendiensten und mittels aller Einsatzmittel, die man seit dem 11. September weiterentwickelt hatte: Gesichtserkennung, Schleppnetzfahndung, Überwachung von Mobilfunk, Auswertung von Seiten der sozialen Medien, V-Leute, die Sicherheitsmaßnahmen waren gigantisch. Washington war am 20. Januar der sicherste Ort.

Die großen Adressen kamen vorher noch einmal billiger in den Markt. Beim Dax könnte das die Marke von 13.700 Punkten gewesen sein (vor dem Wochenende mit 13.672 Punkten), wie es die Sentimentanalysen von Joachim Goldberg (Goldberg&Goldberg) und Stephan Heibel (Handelsblatt) ergeben haben. Es sei jetzt zu wenig Kaufbereitschaft vorhanden und spätestens beim letzten Allzeithoch um die 14.150 Punkte müsse man mit Abgabedruck rechnen, ein Deckel für die Kursentwicklung sei beim Dax auszumachen.

Die gestrige Sitzung der Europäischen Zentralbank war ein Non-Event. Es ging um die Finanzierungsbedingungen in der Eurozone und um den Instrumentenkasten der EZB, der noch voll gefüllt sei. Man stelle sich die Marktreaktionen vor, hätte daran Madame Lagarde Zweifel aufkommen lassen!

Fazit

Auch wenn die Sentimentanalyse für Trader den ein oder anderen Hinweis für die Entwicklung des DAX gibt, sollten zwei Dinge nicht außer Acht gelassen werden. Der deutsche Leitindex ist mehrheitlich in ausländischen Händen. Wenn die Angelsachsen einen Feiertag nehmen, schläft der Umsatz in Frankfurt schon zur Mittagszeit ein. Und wenn die US-Börsen wegen der vielfach beschriebenen Überhitzungszeichen (Russell 2000, Margin Debts, Put/Call-Ratio) doch einmal korrigieren sollten, hilft das Sentiment der deutsche Anleger wenig.

Die Wall Street gibt den Takt vor und so unglaublich es auch klingen mag, selbst die „Irrational Excuberance“ der neuen Anlegerklasse der RobinHoodies. Der US-Präsident hat voller Elan bereits am ersten Tag begonnen Entscheidungen zu fällen. Das große Thema Stimulus ist nun wohl schon eingepreist, einige Wall Street-unfreundliche Umorientierungen nicht. Der marktbreite S&P 500 ist seit seinem Novembertief von 3269 Punkten nun schon auf 3855 Punkte gestiegen – ein Plus von 17,9 Prozent. Wie hoch war der Anstieg im ganzen Jahr 2020? 16,26 Prozent, eine Korrektur liegt in der Luft, der Anlass dafür ist wie immer unbekannt, auch wenn die potentiellen Auslöser dafür schon so oft benannt wurden.

Ist beim Dax der Deckel drauf?

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