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Handelskrieg: USA und China sind Verlierer

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Eine UN-Studie muss wie eine Ohrfeige für Donald Trump wirken: hatte er nicht behauptet, ein Handelskrieg sei leicht zu gewinnen? Mitnichten, wie eine aktuelle Studie der Vereinten Nationen offenbart: In diesem Handelsstreit gewinnen andere, nur nicht die USA und China.

 

Handelskrieg und die Studie der Vereinten Nationen

„Die Resultate der Studie sind eine Warnung für die Welt“, sagte Pamela Coke Hamilton, Expertin der UN-Handelsorganisation UNCTAD. „Der Handelskrieg schadet den beiden Rivalen und gefährdet die globale Ökonomie.“ Eine weitere Untersuchung, die auch die Warnungen von IWF und weiteren Instituten bestätigt – siehe dazu auch „Handelskrieg: Die Reaktionen der Märkte“.

Kurz bevor die Zolleskalation vollends auf den für die Weltwirtschaft so wichtigen US-Konsumenten durchschlägt (die 17-Billionen-Dollarsause) scheint es zumindest eine richtige Pause in der Eskalationsphase zu geben. Denn es gibt Auswirkungen, die geradezu konträr zu den Zielen Donald Trumps stehen.

 

Die Gewinner und Verlierer im Handelskrieg

Das große Ziel der Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten ist es, das „ewige“ Handelsbilanzdefizit der USA mit vielen Ländern zu reduzieren. Zwar sank der Handel mit China spürbar, jedoch ohne dass amerikanische Firmen groß davon profitierten. Der Rückgang in der ersten Hälfte dieses Jahres an Chinaeinfuhren in die USA betrug rund 25 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten 2018. Nach der UN-Studie waren am stärksten Bürowaren wie Drucker und Kopierer betroffen, wo die Einfuhren um circa 65 Prozent zurückgingen, was allein hier schon einer Reduktion um 15 Milliarden Dollar entspricht.

Auf der anderen Seite sind die Preise für den US-Konsumenten gestiegen, erkennbar bei Wal-Mart, so dass die UN-Studie den US-Konsumenten als klaren Verlierer ausmacht. Zwar fangen die chinesischen Exporteure mit Preisreduzierungen den Effekt etwas auf, aber laut UN ist der Konsument dabei mehr und mehr der Verlierer. Genau das aber kann der US-Präsident im Wahljahr 2020 nicht gebrauchen. Die große Zollkeule für die chinesischen Allerweltsprodukte darf nicht kommen.

Für China bedeutet der Rückgang der Exporte natürlich auch eine Einbuße im Wachstum, welches sich auf einem 27-Jahrestief befindet. Nach westlichen Maßstäben noch riesengroß, aber bei einer weiteren Reduzierung des 6-Prozent-Wachstums droht Arbeitslosigkeit, besonders im Riesenheer der Millionen chinesischen Wanderarbeiter.

Aber es gibt der UN zufolge auch Profiteure dieses ökonomischen Machtkampfs. Skurrilerweise sind es die zwei Wirtschaftszonen, die auch zu Donald Trumps Handelsgegnern zählen: Mexiko und Europa.

Der südliche Nachbar erhöhte die Exporte in die USA um 3,5 Milliarden Dollar – Landwirtschaftsprodukte und Maschinen. Gerade diese wollte man doch im eigenen Land produzieren.

Der zweite (derzeitige) große Profiteur des Handelsstreits ist Europa. Die EU-Staaten konnten ihre Ausfuhren in die USA in der ersten Jahreshälfte um 2,7 Milliarden Dollar steigern. Hier läuft in weniger als einer Woche eine Frist aus, nach der die USA über Zölle entscheiden wollen – ein selten unglückliches Datum im Stadium bei der jetzigen Verwirrung um den Phase 1-Deal.

Ein weiterer Profiteur ist Taiwan, das abtrünnige Land, dessen Vorteilsnahme besonders für China ein Ärgernis darstellt. Dessen Firmen sind in die Bresche gesprungen und regulieren den Ausfall chinesischer Drucker und Kopierer für die US-Büros. Die taiwanesischen Exporte in die USA sind um 4,2 Milliarden Dollar im Untersuchungszeitraum gestiegen.

 

Fazit

Das Ergebnis der UN-Studie bestätigt einmal mehr die Erkenntnis, welche schädliche Auswirkungen ein Zollstreit in einer globalisierten Handelswelt hat: Es bilden sich schnell neue Handelsströme, und es entstehen damit Profiteure, die das Handelsbilanzdefizit in Summa hochhalten. Der erste Reflex (von Donald Trump stets spontan geäußert) wäre es, auch diese Nutznießer mit Zöllen zu belegen – aber dann fährt man die Weltwirtschaft endgültig in den Keller. Der Schaden eines ausgedehnten Zollstreits ist ein globaler.

Vielleicht setzt sich diese Erkenntnis in der aktuellen Auseinandersetzung bei den handelnden Akteuren zumindest gerade ein wenig durch.

 

Der Handelskrieg schadet besonders den USA und China

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Aktienrückkäufe: Entgleist der Kapitalismus?

Über das „Financial Engineering“ der amerikanischen Finanzmafia, sorry: Finanzindustrie..

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Sie waren seit der Finanzkrise im Jahr 2009 der große Treiber für die Aktienkursentwicklung in den USA: die Aktienrückkäufe der Unternehmen. Es sind die Aktienrückkäufe, die maßgeblich die Gewinne der Firmen nach oben pushen durch eine stetige Reduzierung des Aktienangebotes (Free Float). Das ist ein unglaublicher geldwerter Vorteil für Vorstände und Aktionäre, insbesondere dann, wenn man auf die richtigen Buyback-Könige gesetzt hat. Mit Hilfe der Aktienrückkäufe konnten sich die großen US-Indizes seit dem Konjunkurtief schließlich vervierfachen..

Effekte und Dimension der Aktienrückkäufe

Es gibt einen interessanten langfristigen Vergleich zwischen der Entwicklung des S&P 500 und einem Spezialindex, dem S&P 500 Buyback-Index, in dem die 100 Indexwerte mit den umfangreichsten Aktienrückkäufern enthalten sind. Ergebnis:

Seit dem Jahr 2000 stieg der S&P 500 um 100 Prozent, der S&P Buyback Index hingegen legte um sagenhafte 600 Prozent zu.

Änderungen in der Steuergesetzgebung haben zu Beginn des neuen Jahrtausends einen unglaublichen Boom in den Vereinigten Staaten ausgelöst. Während sich das Gesamtvolumen der Aktienückkäufe zwischen 1999 und 2004 noch zwischen 100 und 200 Milliarden US-Dollar bewegte, so gaben die S&P-500-Firmen 2007 bereits 600 Milliarden US-Dollar für den Erwerb eigener Aktien aus. Die Finanzkrise unterbrach diese Rückkauf-Orgie, um anschließend sich bis zum Jahr 2018 noch einmal gewaltig zu steigern.

Hierzu noch einmal ein paar Zahlen:

Das Rückkaufvolumen hat sich von 2009 tendenziell gesteigert und im Jahr 2018, als Folge der Steuerreform die Billionengrenze (alle 3000 großen Aktien in den USA betreffend) überstiegen, insgesamt über fünf Billionen Dollar. Ein Wahnsinn, wenn man die Gesamtmarktkapitalisierung des S&P 500 von gut 22 Billionen Dollar betrachtet – alle deutschen Aktien kosten dagegen nicht einmal die Hälfte der Rückkaufsumme.

Die Rangliste der Aktienückkäufe führt Apple mit 239 Milliarden Dollar seit 2009 an, 2018 allein betrug die Summe 74,2 Milliarden – und die Orgie ist noch nicht vorbei. Jetzt werden diese Buybacks aber nicht einmal mehr vom Cashflow des ehemaligen Renditekönigs gedeckt.
Die US-Unternehmen investieren nicht mehr so stark in die unternehmerische Zukunft als in das eigene Wertpapier, zur stetigen Renditeverbesserung und zum Wohle der Klientel.

Die US-Politik hat das Problem erkannt, insbesondere die Demokraten, aber wer hat die Kraft sich gegen die Wall Street zu stemmen?

Die USA, ein Vorbild im Financial Engineering? Schlimmer noch, das Ganze macht international auch noch Schule.

Jetzt hat die Entwicklung auch in Europa Einzug gehalten, die Ankündigungen der Dax-Unternehmen deuten auf eine gewaltige Steigerungsrate hin. Und erst recht in Japan. Nach den Daten von Aspoma Asset Management sind die dortigen Aktienrückkäufe 2019 um 164 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Kein Wunder, dass im Land der Dauerniedrigzinsen die Aktienkurse trotz heftigen konjunkturellen Gegenwinds steigen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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Aktienmärkte: Warnung vor Ende der Jahresendrally

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Setzten die Aktienmärkte die Jahresendrally ungebrochen fort? Blicken wir dazu einmal auf die Sentimentanalyse, also auf die Stimmungslage der Investoren!

Bei der Auswertung der wöchentlichen Befragung von Anlegern des Handelsblattes, erkennt der Leiter des Analysehauses AnimusX, Stephan Heibel, eine erstaunliche Wende: Nach einem fast siebenwöchigen Anstieg im Dax mit 12 Prozent Kursgewinn, sieht der Spezialist für die Psychologie der Anleger (neudeutsch: Behavioral Finance) aus den aktuellen Daten eine baldige Verschnaufpause der Rally.

 

Aktienmärkte und die Stimmung der Dax-Anleger

Es ist vor allem der fünfwöchige Sentimentdurchschnitt, der sich auf einem erhitzten Niveau befindet. Dieser Indikator hat bei bestimmten Kurshöhen (oder Kurstiefen) in den letzten Jahren recht gute Vorhersagen geliefert, und das meist in einem sehr engem zeitlichen Zusammenhang – wie ich persönlich, der diese Grafik regelmäßig und seit Jahren verfolgt, bestätigen kann.

Laut Stephan Heibel von AnimusX erreichte der fünfwöchige Sentimentdurchschnitt Anfang November 2017 den höchsten „Überhitzungswert“. Damals notierte der Dax mit 13.464 Zählern nahe seines bisherigen Rekordhochs. Zwei Wochen später lag er 600 Punkte tiefer, um anschließend im Januar 2018 mit 13.596 Zählern das Allzeithoch zu erreichen.

Ein Schema, welches gut in die laufende Jahresendrally passen würde, denn dass die „Großen“ die Aktiengewinne des Jahres bereits jetzt versilbern werden, dagegen spricht eindeutig die Statistik des Dax: wenn die ersten neun Monate eines Handelsjahres gut verlaufen sind, liegt die Wahrscheinlichkeit für ein positives viertes Quartal bei sage ubnd schreibe 94%! Liegt es am Window Dressing für die zu erwartenden Boni?

Als weiteren Grund dafür bewertet Heibel das Verhalten der Privatanleger an der Euwax in Stuttgart. Diese waren bis vor Kurzem noch sehr pessimistisch eingestellt, ablesbar am Engagement in Short-Hebelprodukten. Diese habe man aufgelöst und sei wieder neutral positioniert. Die Institutionellen wären aktuell sogar noch aggressiver mit Call-Optionen aufgestellt, um eine verpasste Performance nachzuholen. Haben wir so etwas nicht auch in den USA erlebt, mit dem beschriebenen Pain Trade der Fonds?

Noch vor einer Woche sei die Stimmungslage anders gewesen. Ein Ausverkauf an den Märkten würde frühzeitig abgefangen werden“, sagte der Sentimentexperte am vergangenen Montag. Was auch so kam: Bei Notierungen unterhalb der Marke von 12.200 Punkten traten schnell wieder Käufer in Aktion, in der vergangenen Handelswoche legte der Dax 0,1 Prozent zu.

12 Prozent der Anleger hätten ihre Meinung geändert, man gehe nun von einer Seitwärtsbewegung und nicht von einem Aufwärtsimpuls aus. Man sei aus der Euphoriezone herausgefallen, aber immer noch zuversichtlich.

Stephan Heibel sieht eine geringe Selbstzufriedenheit der Anleger. Dies sei für ihn in seiner Auswertung ein Zeichen dafür, dass viele Anleger von der aktuellen Rally nicht profitieren könnten  – viele warteten noch auf einen Einstiegszeitpunkt. Bei einem Patt von Bullen und Bären aber verschwinde die Unterstützung im Falle eines leichten Rücksetzers.

Aus Sicht der Sentimentanalyse ist das ein Warnzeichen.

 

Aktienmärkte: Die Stimmung der Amerikaner

Das von Heibel beobachtete Segment der US-Fondsmanager misstraut anscheinend dem Kurssprung an der Wall Street und hat die Investitionsquote von 92 auf 72 Prozent reduziert. Eine mutige Entscheidung, schließlich dürften diese weiterhin hinter der Benchmark (dem S&P 500) hinterherhinken. Ist es das Bewusstsein, dass der immer noch hohe Fear & Greed- Index mit 85 Punkten (aktuell 83) und der bei 12,60 Punkten notierende Volatilitätsindex VIX, der extreme Sorglosigkeit (gleichbedeutend mit extrem niedriger Absicherung) signalisiert, nicht noch bis zum Jahresende ohne Pause laufen kann. Derartig viele Tage in Folge ohne Kurskorrektur sind extrem selten. Und da ist als Risikofaktor ja noch der Handelskrieg!

 

Fazit

Stockt die Rally der Aktienmärkte also? Es könnte sein, dass die Vorsicht der Fondsmanager noch ein bisschen Früchte tragen wird. Das Sentiment der Anleger diesseits und jenseits des Atlantiks gibt jedenfalls deutliche Signale. Kommt doch noch ein Phase-1-Deal zustande, stünden Gewinnmitnahmen an (sell on good news), falls nicht, dürften sich einige Hebelspekulanten verhoben haben.

Das mahnt zur Vorsicht, außer der Gelddruckwahn der Notenbanken hält auch in der Weihnachtszeit mit Überraschungen an. Was besprach eigentlich „Jay“ Powell mit Donald Trump am gestrigen Tag? Wie kommuniziert ein Notenbankchef mit einem Regierungschef, der ihn wochenlang und weltweit im Netz als geldpolitischen „Dummkopf“ abqualifiziert hat?

Aber da ist auch noch eine andere Art „Gelddruckmaschinerie“ am Werk in Gestalt der kurs-pushenden Aktienrückkäufe – dazu erscheint später der Artikel „Aktienrückkäufe: Beispiel für das Entgleisen des Kapitalismus“. Was wird da noch abgewickelt?

die Aktienmärkte sind derzeit etwas zu euphorisch

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Finanznews

Trump und Wall Street-Mentalität! Videoausblick

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Trotz schlechter Nachrichten im Handelskrieg konnten sich die US-Indizes gestern gut behaupten – weil die Wall Street das Treffen zwischen Trump und Fed-Chef Powell als Markt-positiv wertet. Heute hat Trump getwittert, dass er Powell gesagt habe, dass die US-Zinsen im Vergleich zu anderen Ländern zu hoch seien – aber dass Trump so denkt, wusste Powell schon vorher, warum also dann dieses seltsame Treffen? Da wird uns offenkundig etwas verborgen, und während die Wall Street das Glas (wie immer) halb voll sieht, stellt sich die Frage, ob nicht doch der Kollaps am Repo-Markt oder der Handelskrieg das wahre Thema des Treffens waren. Nach wie vor scheint die Liquiditätsduselei jegliche Rationalität zu verdrängen an den Aktienmärkten..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

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