Im Handelskrieg steht der „Sanctioning Russia Act of 2025“ sinnbildlich für eine Zeitenwende in der internationalen Handelspolitik. Zölle werden zunehmend als geopolitische Waffe eingesetzt, der Handelskrieg dehnt sich auf immer mehr Länder und Branchen aus. Sollte der US-Kongress die geplanten Maßnahmen verabschieden, wonach es aussieht, drohen weitreichende Verwerfungen für die Weltwirtschaft. Besonders die angedachten 500-Prozent-Strafzölle auf Importe aus Ländern, die weiterhin mit Russland beim Energiehandel kooperieren, könnten Lieferketten zerreißen und die Preise weltweit für Öl und Uran an den US-Börsen (NYMEX) explodieren lassen.
Handelskrieg als geopolitisches Endgame? – Welche Zölle im US-Kongress gerade beschlossen werden
Die Weltwirtschaft steht möglicherweise vor einer neuen Eskalationsstufe im globalen Handelskrieg. In Washington wird im Repräsentantenhaus des US-Kongresses derzeit an Gesetzen gearbeitet, die Strafzölle in bislang ungekanntem Ausmaß vorsehen. Im Zentrum steht dabei nicht nur Russland, sondern eine ganze Reihe weiterer Länder, die in geopolitische Spannungen hineingezogen werden.
Besonders brisant: Im US-Kongress wird aktuell der „Sanctioning Russia of 2025 Act“ beraten, der Zölle von bis zu 500 Prozent gegenüber Drittstaaten vorsieht, die weiterhin von Russland Öl, Gas, Uran und andere Energieträger beziehen. Doch wie weit ist dieser gesetzgeberische Prozess schon gediehen – und welche Länder wären betroffen? Im Repräsentantenhaus wurde das Gesetz zur Sanktionierung Russlands wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine erstmals am 01.04.2025 vorgestellt.
Dieses Gesetz sieht Strafen für bestimmte Personen (Einzelpersonen und Unternehmen) vor, wenn der Präsident Donald J. Trump feststellt, dass die russische Regierung oder eine auf russische Anweisung handelnde Person die Verhandlungen über ein Friedensabkommen mit der Ukraine verweigert, ein ausgehandeltes Friedensabkommen verletzt, eine weitere Invasion der Ukraine initiiert oder die ukrainische Regierung stürzt, zerschlägt oder zu stürzen versucht.
Russlands Präsident Putin rechnet gemäß abgehörter Telefonate aus dem Kreml-Umfeld, die die New York Times veröffentlichte mit dem Fall der Ukraine in wenigen Monaten und ist daher nicht verhandlungsbereit. Zudem spricht er dem Ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Legitimität für die Unterzeichnung von Friedensverträgen ab, da dieser nicht nach Ablauf der Legislaturperiode wiedergewählt wurde und verweigert aus diesen beiden Gründen Friedensverhandlungen. Zudem stellte China jüngst klar: Russland darf den Ukraine-Krieg nicht verlieren. Donald Trump steht aufgrund des massiven Drucks nicht nur der Demokraten, sondern auch der Mehrheit in der eigenen Partei massiv unter Zugzwang.
Welche explosiven Sanktionen sieht das Gesetz vor?
Trifft der Präsident die oben genannte Feststellung, das Putin nicht kooperiert, sieht das Gesetz bestimmte Maßnahmen vor, darunter:
Der Präsident muss gegen bestimmte Personen wie den russischen Präsidenten, bestimmte russische Militärkommandeure und alle Ausländer, die die russischen Streitkräfte wissentlich mit Verteidigungsgütern beliefern, Sanktionen in Form von Visa- und Vermögenssperren verhängen.
Der Präsident muss den Zollsatz für alle aus Russland in die Vereinigten Staaten importierten Waren und Dienstleistungen auf mindestens 500 Prozent des Wertes dieser Waren und Dienstleistungen erhöhen.
Der Präsident muss den Zollsatz auf alle Waren und Dienstleistungen, die aus Ländern in die Vereinigten Staaten importiert werden, die wissentlich am Austausch von Uran- und Erdölprodukten russischen Ursprungs beteiligt sind, auf mindestens 500 Prozent des Wertes dieser Waren und Dienstleistungen erhöhen (Anm. der Redaktion: Drittstaaten-Sanktionen).
Das Finanzministerium muss gegen jedes Finanzinstitut, das nach russischem Recht gegründet wurde und sich ganz oder teilweise im Besitz Russlands befindet, sowie gegen jedes Finanzinstitut, das Transaktionen mit diesen Unternehmen durchführt, Sanktionen zur Eigentumssperre verhängen.
Das Handelsministerium muss den Export, Reexport oder Inlandstransfer jeglicher in den USA produzierter Energie oder Energieprodukte nach oder innerhalb Russlands verbieten.
Genese einer sich anbahnenden Wirtschaftskrise in Zeitlupe
Dieses Gesetzesvorhaben ist ein umfassendes Paket, das ursprünglich dazu gedacht war, Russland für seine Aggressionen in der Ukraine und gegen westliche Interessen zu bestrafen. Doch der Entwurf geht inzwischen weit darüber hinaus.
Zentraler Punkt: Wer künftig mit Russland Handel treibt oder in russische Unternehmen investiert, soll vom US-amerikanischen Markt ausgeschlossen oder mit horrenden Zöllen belegt werden. Die angedachten Strafzölle von bis zu 500 Prozent gelten dabei nicht nur für russische Waren, sondern auch für Importe aus Drittstaaten, die weiterhin enge Wirtschaftsbeziehungen zu Russland pflegen. So wird der Handelskrieg auf eine neue Stufe gehoben und Zölle werden explizit als geopolitisches Druckmittel eingesetzt.
Neben den Zöllen enthält der Gesetzentwurf weitere Sanktionsmechanismen wie Einfrieren von Vermögenswerten, Ausschluss vom US-Finanzsystem und Reiseverbote für Unternehmenslenker. Das Ziel: Russland maximal zu isolieren – selbst wenn dafür große Teile der globalen Wirtschaft, und hier v. a. Mitglieder der „BRICS+“-Staaten in Mitleidenschaft gezogen werden.
Wie weit ist der gesetzgeberische Prozess bereits fortgeschritten?
Ein entscheidender Punkt für die wirtschaftliche Planung von Unternehmen und Anlegern ist die Frage, wie weit diese neue Eskalation im Handelskrieg in den USA schon politisch fortgeschritten ist. Der „Sanctioning Russia of 2025 Act“ wurde im April 2025 in erstmals in das US-Repräsentantenhaus eingebracht und hat bereits mehrere Ausschüsse durchlaufen. Beobachter gehen davon aus, dass die Chancen für eine Verabschiedung relativ hoch stehen, da eine harte Gangart gegenüber Russland parteiübergreifend auf Zustimmung stößt.
Gleichzeitig arbeiten Lobbygruppen aus der Industrie mit Hochdruck daran, die Auswirkungen für ihre Branchen abzumildern. Vor allem Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Chemie und Technologie, die stark auf globale Lieferketten angewiesen sind, warnen eindringlich vor einem Handelskrieg mit solchen Dimensionen. Auch das Argument, dass die US-Industrie selbst durch exorbitante Vergeltungszölle auf Vorprodukte massiv getroffen würde, wird immer lauter.
Trotzdem scheint der politische Wille, Russland und seine Unterstützerländer mit Mega-Strafzöllen maximal unter Druck zu setzen, derzeit größer zu sein als die Sorge vor wirtschaftlichen Kollateralschäden. Damit steigen die Chancen, dass der Gesetzesentwurf schon bald von beiden Kammern des Kongresses kurzfristig verabschiedet wird.
Der US-Senat könnte dann in der kommenden Woche die neuen Extrem-Sanktionen gegen Russland und viele Drittstaaten einbringen und verabschieden. Anschließend muss das Gesetz noch von Präsident Trump unterzeichnet werden, was mittlerweile als gesichert gilt.
Welche Drittstaaten wären von den 500 Prozent Strafzöllen betroffen?
Besonders brisant ist die Frage, welche Länder konkret unter die angedachten 500-Prozent-Strafzölle fallen könnten. Experten nennen hier häufig China (Pipelines, Weiterverarbeitung und Export), Indien (Weiterverarbeitung und Export in die EU und weiter in die USA), die Türkei (Turk-Stream und Weiterleitung in die EU mit anschließenden Fertigprodukt-Exporten in die USA), die trotz westlicher Sanktionen ihre Handelsbeziehungen zu Russland ausgebaut haben. Auch Länder wie Japan oder Brasilien stehen auf der Liste möglicher Zielstaaten, weil sie weiterhin bestimmte Güter an Russland liefern oder russische Rohstoffe importieren, weiterverarbeiten und so auch in die USA gelangen.
Fazit
Damit wird deutlich: Es geht längst nicht mehr nur um einen Stellvertreter-Krieg zwischen den USA (NATO) und Russland, sondern um eine geopolitische Neuordnung des Welthandels. Länder, die sich nicht eindeutig auf die Seite des Westens stellen, müssen künftig mit drastischen Zöllen und wirtschaftlichen Nachteilen rechnen. Für Unternehmen und Verbraucher in den betroffenen Staaten und auch in den USA könnte das spürbare Preissteigerungen und Lieferengpässe bedeuten.
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