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Indizes

Handelskrieg – wie Wall Street einer Katastrophe entkam

So nahe standen die Aktienmärkte am Abgrund..

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Es wurde zwar schon einmal kurz thematisiert, dennoch ist es es wert in Sachen Handelskrieg nochmals einen Blick auf die Ereignisse von vor einer Woche zu werfen: Als China Gegenzölle ankündigte und damit Donald Trump zum Kochen brachte. Die Geschehnisse sind ein Indiz dafür, wie impulsiv der US-Präsident reagiert und warum man nicht von einer geordneten Strategie seitens der US-Administration ausgehen kann.

 

Der Kampf um das Handelsbilanzdefizit und der Handelskrieg

Bereits seit den 1980-er-Jahren hat der damalige Immobilienmogul Donald Trump in Interviews mit Larry King über die „Billions of Dollars“ gewettert, die die Amerikaner im Handel verlören – damals ging es um Japan. Das ist seit jeher seine wirtschaftliche Weltanschauung, „die USA würden über den Tisch gezogen“ und das hat sich bis heute nicht geändert.

Mehr noch: Jetzt, wo es im Großen darum geht, durch den Handelskrieg den Aufstieg Chinas zur Wirtschaftmacht Nummer eins zu verhindern, hat die Auseinandersetzung eine ganz andere Dimension angenommen. Eine Verdreifachung des chinesischen Bruttoinlandsprodukts auf über 13 Billionen Dollar binnen eines Jahrzehnts, das beunruhigt nicht nur die Amerikaner. Donald Trump versucht seit eineinhalb Jahren China mit Strafzöllen in die Schranken zu weisen, aus vielen Gründen zurecht. Aber welch aberwitzig, unkoordinierte Strategie er dabei anwendet, zeigen die Ereignisse, die sich im Zusammenhang mit den Zollerhöhungen Anfang September abgespielt haben.

 

Trumps Wutausbruch

Vor knapp einer Woche zog der Präsident per Twitter so richtig vom Leder. Er ließ anscheinend seinen Frust darüber ab, dass er sich in Sachen Chinazölle hat überreden lassen, nicht schärfer zurückzuschlagen. Ein Glück für die Bullen und vice versa Pech für die bearish positionierten Anleger. Nach Aussagen von drei anwesenden Personen berichtete der US-Sender CNBC davon, dass Donald Trump außer sich vor Wut war, über die chinesischen Gegenzölle in Höhe von 75 Milliarden Dollar, die dabei ihrem Prinzip der Nadelstiche folgend, auf amerikanische Landwirte abzielen.

Der Präsident hatte spontan vor, den Handelskrieg eskalieren zu lassen und angeblich die Zölle verdoppeln zu wollen. Es war anscheinend sehr schwer, Trump von seinem Vorhaben abzubringen. Finanzminister Steven Mnuchin und der Handelsbeauftragte Robert Lightyzer konnten ihn nur mit Hilfe von verschiedenen CEOs davon abbringen, die ihn auf die Folgen für die Märkte hinwiesen. Der Präsident beschränkte sich auf die Erhöhung der Zölle um fünf Prozent ab 1. September, jedoch, um sich in den nächsten Tagen erst recht darüber zu ärgern, dass er sich hat umstimmen lassen. Donald Trump, die tickende Zeitbombe?

So war die Wall Street an diesem Tag wohl knapp an einem richtig saftigen Kurseinbruch vorbeigerutscht.

 

Fazit

Diese Vorkommnisse zeigen, welche Brisanz im Verhalten des US-Präsidenten liegt und wie wenig langfristiges strategisches Planen dahintersteht.

Deshalb wird derzeit auch das aberwitzige „Twitter-Gebaren“ des Präsidenten so gründlich untersucht, denn es gibt einige Rückschlüsse auf seine eruptive Denkweise und die darauf folgenden Marktreaktionen. 14 000 Tweets seit dreieinhalb Jahren, bis über 80 am Tag – und dabei handelt es sich um den Regierungschef der größten Wirtschaftsnation der Welt.

Da könnte man tatsächlich auf den Gedanken kommen, dass ihm dabei gar keine Zeit bleibt, sich in eine komplizierte Materie einzulesen, sich sachkundig zu machen und eine Strategie (z.B. im Handelsstreit) mit verschiedenen Szenarien zu entwickeln.

Ergo: Anscheinend ist die Wall Street und deren Punktestand derzeit das einzige Regulativ für den US-Präsidenten, im Hinblick auf die Wahlen 2020, welches ihn vor wirtschaftspolitischen Amokhandlungen im Handelskrieg abhält.

 

Wie Trump den Handelskrieg eskalieren wollte

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    jumpin1

    10. September 2019 09:18 at 09:18

    Sorry, Herr Müller, aber das scheint mir doch eine etwas naive Ansicht zu sein.
    Ich glaube nicht, dass Trump so ein rein emotionaler Knochen ist. Er hat Bauernschläue und einen riesigen Beraterstab. Das hier interne Infos durchgestochen werden, angeblich Trump nur mit Not von der Eskalation abgehalten werden konnte, ist aus meiner Sicht ein typisches politisches Spektakel, um den Chinesen mitzuteilen, da habt ihr noch einmal Glück gehabt.
    Und um so seine Verhandlungsposition für kommende Gespräche entsprechend zu stärken. Die Spielstrategie ist schon seit langer Zeit entworfen und die einzelnen Eskalationsschritte schon geplant. Darin enthalten sind auch schon Schritte für Europa.

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      tm

      10. September 2019 09:40 at 09:40

      „Und um so seine Verhandlungsposition für kommende Gespräche entsprechend zu stärken.“

      Dieses erratische Verhalten stärkt doch aber seine Verhandlungsposition nicht, im Gegenteil.

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      Ranzentier

      10. September 2019 10:21 at 10:21

      …das denke ich auch…ich möchte nicht wissen, wieviele Anleger noch am Freitag oder am Wochenende auf fallende Märkte gesetzt haben, um danach eine sieben Prozent Rally zu erleben…auch auf FMW war die Überschrift Blutbad voraus?…es ist vieles Show…und deshalb wurde Trump ins Amt gehievt, um diese Show zu liefern…Grönland, Wetterkarte, etc. alles Ablenkung für die Masse, während hintenrum die wirklich wichtigen Themen gesetzt werden…ein Mensch der als erste Amtshandlung die Definition von Fake news einnordet (so nach dem Motto: „alles sind Fake news, außer das was Trump sagt) und damit Wahrheit und Lüge vermischt, so dass sie für viele andere nicht mehr zu unterscheiden ist…wissen wir denn, ob China wirklich einen neuen Verhandlungstag mit den USA festgelegt hat oder ob das nur eine chinesische Meldung war, die dann von den Amis wohl oder übel bestätigt werden musste, weil es sonst sehr komisch ausgesehen hätte für die Amis…wir wissen nix…viele Schritte sind im Voraus geplant und werden an die tagtäglichen Gegebenheiten angepasst…

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      Wolfgang M.

      10. September 2019 10:56 at 10:56

      @jumpin1. Hallo. Dann gehen Sie also von einer koordinierten Strategie Donald Trumps aus? Wie erklären Sie sich das Verhalten Tramps nach dem G20-Gipfel, als er urplötzlich die Verhandlungen für gescheitert erklärte und die Zölle massiv anhob? An die plötzlichen Ausnahmen, als er Güter von den Zöllen bis 15. Dezember ausnahm, weil ihn die Wirtschaft (mit Hunderten Brandbriefen) darauf hingewiesen hatte, welche Auswirkungen dies auf die US-Wirtschaft (Konsumausgaben) haben wird? Auf die Rücknahme der Sanktionen gegenüber Huawei nach Interventionen von Qualcomm, Broadcom, Intel, Texas Instruments u.a., nach seinen ständigen Aussagen, dass die Chinesen die Zölle bezahlen würden, obwohl seine eigene Notenbank die wahre Rechnung in einer Studie präsentiert hat. An ein systematisches Vorgehen mit seinen Tweets, die er zu früher Zeit absetzt, gespickt mit abenteuerlichen Behauptungen und Drohungen „We ˋll tax the hell out of China, untill we reach a deal!“? Im Übrigen müssten alle Mitarbeiter, ob aktiv oder gefeuert, lügen, die von der Sprunghaftigkeit des Präsidenten sprechen (Kim Jong-un – einmal kleiner Raketenmann, dann großartige Persönlichkeit).
      Sie scheinen eine große Meinung vom strategischen Vorgehen Trumps zu haben. A propos Beraterstab: Hat jemals ein Präsident so viele Mitarbeiter aus seinem Umfeld in so kurzer Zeit gefeuert, weil sie anderer Meinung waren? Besteht nicht sogar im aktuellen Team ein großer Graben zwischen dem Hardliner Peter Navarro und dem gemäßigten Steven Mnuchin, der Trump immer wieder von heftigen Reaktionen abhält, weil er als Wall Street-Profi die Marktreaktionen kennt?
      Und ich frage mich, wo die eigentliche Macht herkommen soll, die das Ganze von langer Hand geplant hat? Vonseiten der Demokraten, die sich nicht einmal auf eine Strategie mit einem Gegenkandidaten für Trump einigen können? Oder von den Republikanern, die in einem großen Teil der Partei vom Vorgehen Trumps geschockt sind, aber aus Gründen des Machterhalts die Füße still halten? Am ehesten schon vonseiten des Geldes, aber die Wall Street hält sich solange zurück, bis die Zolleskalation die Wirtschaft ernsthaft beeinträchtigt. Aber wie viele Großfirmen laufen Sturm gegen Trumps Zollattacken? Ich behaupte schon seit Langem: „Money makes the world go round“, das ist das Motto in den USA. Natürlich will man China klein halten, aber hätte man eine klare Strategie, würde man zusammen mit der EU und anderen westlichen Staaten gegen China koordiniert vorgehen. Der Unilateralismus ist Trumps ureigenste Anschauung, die er aus seiner Unternehmerzeit im Immobiliengeschäft mitbringt „deals, face to face“, aber in einer globalisierten Welt? Sorry, aber ich kann keinen raffinierten Plan hinter Trumps Vorgehen erkennen, Schauspielerei, hin oder her.
      Grüße

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        jumpin1

        10. September 2019 20:10 at 20:10

        Hallo, Herr Müller.
        Ja, da sind schon einige Ungereimtheiten, zumindest oberflächlich gesehen.
        Niemand wird in den USA Präsident, wenn er nicht ganz wichtige Leute im Rücken hat. Das können Geldgeber, aber vor allem politisch wichtige Leute sein. Evt. sogar Leute, denen der Ausverkauf Amerikas gehörig gegen den Strich geht, die nationalistisch sind und schon immer im Hintergrund die Richtung bestimmt haben oder zumindest wollten.
        Das Ganze medial schmackhaft für die dummen oder auch unzufriedenen Leute in den USA aufbereitet.
        Ich bezweifle sogar, dass er immer alles selber tweetet.
        Auf jeden Fall ist das langfristige Ziel Amerika wieder groß zu machen und China und den ganzen asiatischen Bereich nicht als neuen Block ähnlich der damaligen UDSSR zu haben.
        Wenn ich dieses Ziel hätte, dann würde ich wie ein Schachspieler oder ein General die Schwächen des Gegners analysieren, aber auch meine eigenen. Ich würde die Flanken erkennen und mich auf Angriffe entsprechend vorbereiten. Ich weiß ja, dass der Gegner nicht so leicht klein zu kriegen ist, also ein langes Spiel mit vielen Zügen bevor steht. Da, wo es nötig ist, schleime ich, um dann auch wieder mit voller Härte zuzuschlagen. Ich glaube kein Stück davon, dass Trump es tatsächlich so sieht, dass z.B. die Zölle von den Chinesen bezahlt werden. Aber er muss die Nachteile ja der Bevölkerung auch verkaufen. Und lügen wie gedruckt kann er 1a.
        Er ist sich auch nicht zu schade, sich für sein Ziel lächerlich zu machen und der Lüge überführen zu lassen. Das hält ihn nicht ab.
        Dieses zwei Schritte nach vorne mit harten Zöllen und dann 1 Schritt zurück mit Teilrücknahmen ist doch die Strategie. Der Huwai-Bann (oder wie man das schreibt) war für die Chinesen so eine empfindliche Flanke. Genau wie Apple eine für die USA ist. Auf jeden Fall, wenn ich meinem Gegner wie auch immer die Information zukommen lasse, dass ich zum Letzten bereit bin, dann muss der Gegner sich damit auseinander setzen, ob er auch dazu bereit ist, oder eben die Verhandlung suchen. Deshalb ist Trumps Position nun stärker. Wir erinnern uns alle an die Kuba-Krise.
        Und mit den Beratergruppen meinte ich nicht sein engstes Umfeld, sondern die Strategen, die jeden Schritt analysieren und Gegenschritte erarbeiten.
        Und die Aussage von Trump „wer nun der Feind wäre, China oder die FED“ war auch einfach genial. Wobei ich den Typen absolut hasse. Denn er hat damit eine neue Tür aufgestoßen, eine Waffe, die er notfalls als letztes Mittel ziehen kann. Das Nationalbewußtsein der Amis und das haben die. Wenn es Trump gelingt, China als den großen Feind der USA, ähnlich wie damals die UDSSR, darzustellen und zu installieren, dann wird sich – egal wo der S&P500 steht – Amerika hinter ihn stellen. Auch die großen Firmen. Auch die Banken. Und ich bin überzeugt, dass im Moment im Hintergrund schon Absprachen mit Nationen erfolgen, die China als Werkbank und Zulieferer ersetzen werden. Natürlich kann ich mich auch irren, und Trump sitzt tatsächlich in seinem Kämmerlein, Melanie hat ihn geärgert, und er haut mal einen Tweet raus gegen China oder sonstwen. Aber selbst Hitler hatte seine Strategen und ging nach definierter Strategie vor. Erst später wurde er größenwahnsinnig. Gott sei Dank, möchte ich sagen. Also….ich bin mal so richtig gespannt :-)
        Grüße zurück

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    Beobachter

    10. September 2019 10:12 at 10:12

    @jumpin1, Ich glaube doch eher,dass der grösste ( längste ) Präsident eher unberechenbar ist als Herr Müller naiv.

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    Roberto

    10. September 2019 10:18 at 10:18

    @jumpin1. ich gehe auch davon aus, das er nur deshalb soviel Zeit für die tweets hat, weil das Drehbuch sowieso seit jahren geschrieben ist und von seinen “ Beratern “ ausgeführt wird. Er wäre intelektuell gar nicht nicht in der Lage so etwas selbst zu führen. Er ist eine Marionette die selbst verstanden hat wie er auf der anderen Seite dieses Drehbuch für sich nutzen kann um die Märkte zu steuern und seine Wiederwahl zu sichern. Deshalb kann er sich zurücklehnen und twittern was das Zeug hält. Immer die Charts vor den Augen :-)

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    Columbo

    10. September 2019 10:35 at 10:35

    oder die „Madman-Theorie“: Einer spielt scheinbar verrückt und versetzt alle in Schrecken. Die andern müssen ihn beruhigen und ihm geben, was er will, damit er Ruhe gibt. Oder einfach das „Bad Cop-Good Cop“ Spiel.
    Der Chinachef kann das nicht machen, weil er sonst die Würde seines weisen, gütigen, über den Dingen stehendes Lächeln verliert. Selbiges kann genauso nerven, wie Trumps Gepoltere.

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      Columbo

      10. September 2019 11:06 at 11:06

      Auweia, heute Grammatikfehler🙈
      „…seines weisen, gütigen, über den Dingen stehenden Lächelns“ sollte es heißen.

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    Gixxer

    10. September 2019 11:44 at 11:44

    Vielleicht liegt die Wahrheit auch irgendwo in der Mitte.
    Ich gehe schon davon aus, dass das Grundgerüst des Handelskrieges geplant ist, die Eskalationen oder beinahe Eskalationen, die Trump durch seine Tweets allerdings immer wieder verursacht aber nicht (immer).

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    Michael

    10. September 2019 14:26 at 14:26

    Bei 10.000 Tweets und gefühlten 5.000 Amtswechseln der Mitarbeiter seit Amtsantritt scheint mir eine durchgeolante spieltheoretische Strategie doch etwas weit hergeholt. Doch endlich ist eine Lösung in Sicht: Der „Volfefe“-Index der Bank JP Morgan :)

    https://de.investing.com/news/economy/jp-morgan-macht-trumps-twitterergusse-mit-dem-volfefe-index-messbar-1920985
    https://www.n-tv.de/wirtschaft/Dieser-Index-misst-Trumps-Boersen-Gewicht-article21261802.html

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      Wolfgang M.

      10. September 2019 20:33 at 20:33

      @Michael. Hallo. Zu unserer Diskussion ein paar weitere Hinweise auf das Umfeld Trumps und sein eigenes Verhalten. Der ehemalige französische Botschafter, Philippe Etienne, gab angesichts seines Ruhestands dem Politikmagazin „Foreign Policy“ zum Abschied ein erschütterndes Interview, das zwar vieles nur bestätigt, was man ohnehin weiß, aber in dieser Schärfe und aus dem Mund eines Diplomaten dennoch schockiert.
      Trump lese absolut gar nichts, auch keine Berichte. Entscheidungen treffe er generell „aus der Hüfte“. Als Botschafter sei man komplett aufgeschmissen, weil Ansprechpartner im Weißen Haus ständig wechselten oder viele Stellen gar nicht besetzt würden. Innerhalb von zwei Jahren habe er allein vier verschiedene G-7-Unterhändler kennengelernt, alle paar Monate einen neuen. Folglich könne man in die Heimat immer nur melden, dass man nichts wisse. Q.e.d!
      Grüße

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        Ranzentier

        11. September 2019 11:39 at 11:39

        „melden, dass man nichts wisse“…aber eben auch das ist eine Strategie…es werden Posten immer wieder neu besetzt, Einarbeitungszeit und Unwissenheit damit provoziert…aber eben nur auf den Ebenen und Positionen auf denen diese Art der Taktik erwünscht ist…Herr Fugmann hat gestern abend und heute früh sehr schön darauf hingewiesen, dass es unter der Oberfläche brodelt…es gibt Wanderbewegungen im großen Stil…was meine Theorie immer weiter unterstützt, dass der Markt, trotz seiner vielen Billionen Dollar und einiger Marktteilnehmer aktiv manipuliert wird…ich ich vermute, dass gut geschriebene Computerprogramme da eine große Hilfe sein können…mit wenig Volumen die Kurse in Schwächphasen stützen und weiter nach oben treiben zu können…

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Aktien

Nasdaq: Ist eine Korrektur der Tech-Werte unausweichlich?

Ist es tatsächlich realistisch, dass der Nasdaq 100 nach seinem Anstieg von über 1000 Prozent binnen einer guten Dekade einfach so weiter klettern wird?

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Die US-Wahlen stehen in Kürze an, viele Marktteilnehmer sinnieren über mögliche Folgen für die US-Wirtschaft, aber auch für die Aktienmärkte –  vor allem dürften die heiß gelaufenen Titel aus dem Nasdaq im Fokus stehen. Seit dem Tief der Finanzkrise im März 2009 haben sich die Werte im Nasdaq 100 mehr als verzehnfacht. Doch jetzt mehren sich die Anzeichen, dass Investoren nicht mehr an die Fortsetzung der Wachstumsstory, zumindest mit dieser Geschwindigkeit, glauben.

Nasdaq: Microsoft machte den Auftakt

Die Zahlen des Software-Konzerns, die dieser am Dienstag nachbörslich bekanntgab, lagen über den Erwartungen: 30 Prozent plus bei Umsatz, 12 Prozent bei, Gewinn, die Corona-Pandemie hat die Geschäfte des Konzerns weiter beflügelt. Der Ausblick wurde hingegen mit einem Umsatzanstieg von etwa acht Prozent (ca. 40 Milliarden Dollar) taxiert, was das Problem der Highflyer, nicht nur von Microsoft, verdeutlicht: In diesem Jahr ist der Börsenwert des Konzerns bereits um ein Drittel auf 1,6 Billionen Dollar gestiegen. Die Aktie verlor nachbörslich trotz der guten Zahlen um 1,5 Prozent.

Am Mittwoch war der Wert mit minus fünf Prozent sogar der schwächste Wert im Dow Jones.

Am heutigen Donnerstag veröffentlichen die Schwergewichte im Nasdaq Apple, Amazon, Alphabet und Facebook ihre Quartalszahlen, mit den Ausblicken auf die nahe Zukunft. In jedem Fall werden die Zahlen ein Fingerzeig für das Kommende nach einer überragenden Entwicklung, nicht nur in der jüngsten Vergangenheit.

Die Entwicklung des Nasdaq ist nicht fortsetzbar

Man muss sich nur die Entwicklung der Aktienmärkte und beaonders der Aktien im Nasdaq seit dem Tief der Finanzkrise im März 2009 zu betrachten:

Nasdaq Composite plus 895 Prozent
Nasdaq 100 plus 1102 Prozent
S&P 500 plus 497 Prozent
Dax plus 328 Prozent (Kurse vom 28.10. zur Mittagszeit)

Durch das Gewicht der FANGMAN-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix, Google, Microsoft, Apple, Nvidia) in den großen Indizes hat sich das Kurs/Gewinn-Verhältnis des MSCI World Growth nach oben geschaukelt. Mittlerweile ist es fast doppelt so hoch wie das des MSCI World Value, eine extreme Divergenz, die es nur während der Internet-Bubble um die Jahrtausendwende gegeben hat.

Klar ist die aktuelle Pandemie eine Phase, die die neuen Technologien und damit die Aktien im Nasdaq anfeuert und begünstigt, die digitale Welt inmitten des Social Distancings.

Kursgewinne locken aber seit jeher Anleger in einen Sektor, Euphorie entsteht, da leichtes Geld über einen längeren Zeitraum erzielt werden kann – die Hausse nährt die Hausse. Das Wachstum ist irgendwann satt eingepreist, gerade im Bereich der Growth-Titel hatten wir so etwas fast in einem jeden Jahrzehnt.

Das Beste ist eingepreist

Aber: Ist es tatsächlich realistisch, dass der Nasdaq 100 nach seinem Anstieg von über 1000 Prozent binnen einer guten Dekade einfach so weiter klettern wird? Obwohl das Kurs-Buch-Verhältnis auf über acht gestiegen ist und die Kurse den Unternehmensgewinnen allein im letzten Jahr um etwa 50 Prozent davongelaufen sind? Die besseren Wachstumsaussichten der Hightech-Werte sind zum jetzigen Zeitpunkt schon in den Kursen enthalten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der FAANG-Aktien betrug vor Kurzem etwa 61, damit hat es das Dreifache des KGVs des Gesamtmarktes erreicht. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Firmen in Zukunft dreimal so gute Geschäftszahlen bringen müssen, als der Gesamtmarkt, um nur die Bewertung zu erhalten. Sollte dies nicht geschehen, wäre eine Korrektur des Nasdaq unausweichlich.

Ist Microsoft, zweifelsohne ein Konzern mit einer Ausnahmestellung, nicht ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl? Heute kommen vier der ganz Großen im Nasdaq mit ihren Zahlen – vor allem Apple, das wertvollste Unternehmen der Welt.

Vor gut zwei Wochen habe ich die Divergenz zwischen Börsen- und Geschäftsentwicklung bei Apple schon einmal so skizziert:

Das Technologieunternehmen mit seinen 157.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 260 Milliarden Dollar (2019) hat sich binnen Jahresfrist verdoppelt und einen Börsenwert von über zwei Billionen Dollar erreicht. Soll sich dieses nur annähernd so fortsetzen mit einer weiteren Verdoppelung? Bei vier Billionen Dollar hätte man eine höhere Bewertung als die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, Deutschland, mit ihren über 44 Millionen Arbeitnehmern und Hunderten börsennotierten Unternehmen und Famillienunternehmen, in denen sich wiederum hunderte Weltmarktführer aus verschiedenen Branchen tummeln. Ehrlich gesagt, kaum vorstellbar.

Aber, um noch einmal auf den Nasdaq zurückzukommen: Im Verlauf der Internet-Bubble war der Technologieindex am 10. März 2000 bis auf 5048 Punkte gestiegen, um dann bis zum 8. Oktober 2002 bis auf 1114 Punkte zu korrigieren. Growth und Value hatte sich wieder angenähert. Klar waren die Werte damals extrem überspekuliert und bei vielen Titeln ohne Substanz. Aber die aktuelle Hausse des Nasdaq und des Nasdaq 100 mit einer groben Verzehnfachung binnen eines guten Jahrzehnts ist fundamental aus dem Ruder gelaufen.

Die Kursentwicklung des Nasdaq während der Internet-Bubble:

Die Performance des Nasdaq

Die Quartalssaison Q3 und die Reaktion der Märkte

Die heutige Situation hat es in sich. Unmittelbar vor einer ziemlich entscheidenden US-Wahl geraten die Weltbörsen ins Straucheln, dennoch erleben wir bisher eine Berichtssaison, die überaus überraschende Ergebnisse liefert: Bislang übertrafen die Unternehmen um etwa 85 Prozent die Unternehmenserwartungen, selbst die Ausblicke auf Q4 wurden bisher fast bei einem Fünftel der Unternehmen angehoben. Dennoch werden die Ergebnisse nicht honoriert und selbst bei Microsoft hatte man ein Sell on good News praktiziert.

Werden Apple und Amazon heute einen Umschwung einleiten können?

Das Hard- und Softwareunternehmen aus Cupertino, welches erst kürzlich die neue Smartphone-Generation im 5G-Netz präsentiert hat und Amazon, das jetzt vor dem Weihnachtsgeschäft sogar 100.000 Saisonarbeiter in den USA und Kanada eingestellt hat, um im Bereich der Logistik das erwartete Online-Bestellaufkommen zu bewältigen. Kann diese Entwicklung in Zukunft fortgesetzt werden? Darum geht es.

Fazit

Es ist sicherlich kein Muss für die allernächste Zeit, aber wie es die letzten Jahrzehnte gezeigt haben, ein sich immer wiederkehrender Vorgang an den Finanzmärkten – Mean Reversion, Regression zum Mittelwert, wie immer man es auch bezeichnen will. Exponentielles Wachstum, egal in welcher Branche, ist nicht aufrechtzuerhalten. Der Technologieindex Nasdaq 100 hat sich von Ende 2018 bis September 2020 mehr als verdoppelt, dies ist nur dann haltbar, wenn die entsprechenden Unternehmensgewinne steigen oder die Zahl der Aktien, durch „Buybacks“ entsprechend reduziert werden. Ist dies nicht der Fall, so kommt es irgendwann zur Angleichung von Wachstum und Kursentwicklung – auch wenn es im Zeitalter der finanziellen Repression, inklusive TINA, etwas länger dauert, es wird kommen.

Bei Einzelaktien dauert es mitunter noch etwas länger, vor allem wenn ein Unternehmenschef „magische“ Fähigkeiten besitzt.

Ist die glorreiche Zeit des Nasdaq schon vorbei?

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Finanznews

Dax & Co: Abverkauf – aber Erholung am Super-Donnerstag? Videoausblick

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Der Dax gestern mit dem größten Verlust seit März, die Indizes an der Wall Street mehr als drei Prozent im Minus. Treiber des Abverkaufs vor allem beim Dax war der „differenzierte Lockdown“. Was aber passiert heute, am „Super-Donnerstag“? Denn heute stehen nicht nur wichtige Konjunkturdaten auf der Agenda (US-BIP, US-Ertsanträge), sondern auch die Zahlen der vier Tech-Giganten Apple, Amazon, Alphabet und Facebook mit einer Marktkapitalisierung von mehr als fünf Billionen Dollar. Dazu dann noch die EZB-Sitzung (von der allerdings heute nur Verbal-Rhetorik zu erwarten ist). So oder so: was wir derzeit sehen unmittelbar vor der US-Wahl ist ziemlich unegwöhnlich – hat Trump gestern gewissermaßen die Wahl verloren?

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Indizes

DAX daily: Dax-Absturz – Fortsetzung oder folgt die Gegenbewegung?

Stefan Jäger

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am

Die nächste Ausverkaufswelle hat den Dax im gestrigen Handel massiv getroffen. Aus der anfänglichen Nervosität hat sich mittlerweile eine erste Panik entwickelt. Infolgedessen fiel der Dax wie ein Stein und musste erneut kräftige Verluste von über 4 % hinnehmen. Im Handelsverlauf rutschte der Index bis auf ein Tagestief bei 11.457 ab, damit notiert er wieder auf dem Niveau von Ende Mai. Das Tageshoch lag zuvor noch bei 11.852 Punkten. Den Handelstag hat der deutsche Leitindex schließlich mit einem Abschlag von 503 Punkten (-4,17 %) bei 11.560 beendet. Seit dem September-Hoch bei 13.460 bis zum gestrigen Tief ging es somit schon 2.000 Punkte (ca. 15%) abwärts.

Im Tageschart hat der Dax gestern das 38,2 % Retracement (11.474) der gesamten Erholung vom März-Tief zum September-Hoch erreicht. Dieser Bereich könnte den Abverkauf abfedern, wodurch die Möglichkeit einer Stabilisierung im Dax besteht. Nachdem der Index in den letzten Tagen wie ein Stein gefallen ist, wäre es nicht untypisch, wenn sich eine Zwischenerholung einstellt. Das ist aber kein Muss, es kann auch noch weiter runter gehen. Eine entscheidende Rolle spielen die Quartalszahlen der FAANG-Aktien, die heute nachbörslich veröffentlicht werden.

News und fundamentale Daten

Es hatte sich in den letzten Tagen bereits abgezeichnet, dass Frau Merkel und die Länder-Chefs weitere Restriktionen einführen könnten. Am Mittwochnachmittag bestätigten sich letztendlich die Befürchtungen der Anleger, denn der Bund beschließt einen Lockdown (light), der ab dem 2. November in Kraft tritt. Dadurch dürften sich die Wirtschaftsdaten und die Geschäftsaussichten in manchen Branchen deutlich eintrüben. Folglich wird das in die Dax-Kurse eingepreist.

Heute gibt es die volle Palette an Konjunkturdaten und Bilanzberichten. Los geht es um 9:55 Uhr mit der Veränderung der Arbeitslosigkeit und der Arbeitslosenquote in Deutschland. Danach folgt um 13:30 Uhr die mit Spannung erwartete Vorabschätzung des US-Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal. Um 13:45 Uhr veröffentlicht die EZB dann die Zinsentscheidung sowie den geldpolitischen Begleittext. Anschließend findet um 14:30 Uhr die Pressekonferenz der EZB statt. Insbesondere gilt die Pressekonferenz als ein Trading-Event und kann für Bewegung im Dax und an den Märkten sorgen. Zuvor erscheint um 14:00 Uhr auch noch der Verbraucherpreisindex aus Deutschland.

Wenn es einen Peak in der Berichtssaison gibt, dann ist dieser heute erreicht. Bevor die vier Tech-Giganten Amazon, Apple, Facebook und Alphabet nachbörslich ihre Zahlen vorlegen, sehen wir zuvor noch diverse Bilanzen deutscher Unternehmen. Zum einen erscheinen die Zahlen der Dax-Unternehmen Volkswagen, Fresenius, Fresenius Medical Care und MTU Aero Engines. Zudem noch von Unternehmen aus der zweiten Reihe wie Airbus, Symrise, Kion, Nemetschek, Wacker Chemie usw.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Nachdem der Dax diese Woche schon über 1.000 Punkte am Stück gefallen ist, könnte sich heute ein Boden bilden und eine Erholung einsetzen. Ungefähr eine Stunde vor Börseneröffnung notiert der Dax nahe seines gestrigen Schlusskurses bei 11.575. Über der 11.610 steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Erholung. Ein Rücksetzer bis 11.571 mit einem anschließenden Anstieg wäre auch noch eine Möglichkeit. Kann sich der Dax nachhaltig über der 11.610 halten, dann ergeben sich Ziele bei 11.650, 11.770, 11.852.

Unterschreitet der Index jedoch die 11.571 mit Momentum, dann könnte es wieder in Richtung des gestrigen Tagestiefs bei 11.457 gehen. Ein unterschreiten der 11.457 wäre ein Sell-Trigger und würde tiefere Kurse mit sich bringen. Folglich könnte sich noch eine Abwärtswelle anschließen. Daraus ergeben sich Ziele auf der Unterseite bei 11.391, 11.340 und 11.220. Es wäre auch möglich, dass der Kurs zwischen 11.650 und 11.500 erst einmal hin und her pendelt, bevor es zu einer Richtungsentscheidung kommt.

DAX daily: Tagesausblick 29.10. - M15-Chart - Erholung oder weiter abwärts?

Heutige Pivot Punkte (PP):

12.155 – Pivot Punkt R2

11.843 – Pivot Punkt R1

11.649 – Pivot Punkt

11.337 – Pivot Punkt S1

11.143 – Pivot Punkt S2

Dax Unterstützungen (US):

11.474 – 38,2 % Retracement (8.256 – 13.460)

11.457 – Tagestief 28.10.

11.391 – Gap vom 25.05.

11.340 – Ziel der 1.000-Punkte-Range

11.220 – 100 % Ziel SKS (Hoch 13.460; Nackenlinie 12.340)

Dax Widerstände (WS):

11.650 – 23,6 % Retracement (12.279)

11.770 – 38,2 % Retracement (12.279)

11.852 – Tageshoch 28.10.

11.960 – 61,8 % Retracement (12.279)

Disclaimer

Die hier angewandte technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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