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Handelskrieg – wie Wall Street einer Katastrophe entkam

So nahe standen die Aktienmärkte am Abgrund..

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Es wurde zwar schon einmal kurz thematisiert, dennoch ist es es wert in Sachen Handelskrieg nochmals einen Blick auf die Ereignisse von vor einer Woche zu werfen: Als China Gegenzölle ankündigte und damit Donald Trump zum Kochen brachte. Die Geschehnisse sind ein Indiz dafür, wie impulsiv der US-Präsident reagiert und warum man nicht von einer geordneten Strategie seitens der US-Administration ausgehen kann.

 

Der Kampf um das Handelsbilanzdefizit und der Handelskrieg

Bereits seit den 1980-er-Jahren hat der damalige Immobilienmogul Donald Trump in Interviews mit Larry King über die „Billions of Dollars“ gewettert, die die Amerikaner im Handel verlören – damals ging es um Japan. Das ist seit jeher seine wirtschaftliche Weltanschauung, „die USA würden über den Tisch gezogen“ und das hat sich bis heute nicht geändert.

Mehr noch: Jetzt, wo es im Großen darum geht, durch den Handelskrieg den Aufstieg Chinas zur Wirtschaftmacht Nummer eins zu verhindern, hat die Auseinandersetzung eine ganz andere Dimension angenommen. Eine Verdreifachung des chinesischen Bruttoinlandsprodukts auf über 13 Billionen Dollar binnen eines Jahrzehnts, das beunruhigt nicht nur die Amerikaner. Donald Trump versucht seit eineinhalb Jahren China mit Strafzöllen in die Schranken zu weisen, aus vielen Gründen zurecht. Aber welch aberwitzig, unkoordinierte Strategie er dabei anwendet, zeigen die Ereignisse, die sich im Zusammenhang mit den Zollerhöhungen Anfang September abgespielt haben.

 

Trumps Wutausbruch

Vor knapp einer Woche zog der Präsident per Twitter so richtig vom Leder. Er ließ anscheinend seinen Frust darüber ab, dass er sich in Sachen Chinazölle hat überreden lassen, nicht schärfer zurückzuschlagen. Ein Glück für die Bullen und vice versa Pech für die bearish positionierten Anleger. Nach Aussagen von drei anwesenden Personen berichtete der US-Sender CNBC davon, dass Donald Trump außer sich vor Wut war, über die chinesischen Gegenzölle in Höhe von 75 Milliarden Dollar, die dabei ihrem Prinzip der Nadelstiche folgend, auf amerikanische Landwirte abzielen.

Der Präsident hatte spontan vor, den Handelskrieg eskalieren zu lassen und angeblich die Zölle verdoppeln zu wollen. Es war anscheinend sehr schwer, Trump von seinem Vorhaben abzubringen. Finanzminister Steven Mnuchin und der Handelsbeauftragte Robert Lightyzer konnten ihn nur mit Hilfe von verschiedenen CEOs davon abbringen, die ihn auf die Folgen für die Märkte hinwiesen. Der Präsident beschränkte sich auf die Erhöhung der Zölle um fünf Prozent ab 1. September, jedoch, um sich in den nächsten Tagen erst recht darüber zu ärgern, dass er sich hat umstimmen lassen. Donald Trump, die tickende Zeitbombe?

So war die Wall Street an diesem Tag wohl knapp an einem richtig saftigen Kurseinbruch vorbeigerutscht.

 

Fazit

Diese Vorkommnisse zeigen, welche Brisanz im Verhalten des US-Präsidenten liegt und wie wenig langfristiges strategisches Planen dahintersteht.

Deshalb wird derzeit auch das aberwitzige „Twitter-Gebaren“ des Präsidenten so gründlich untersucht, denn es gibt einige Rückschlüsse auf seine eruptive Denkweise und die darauf folgenden Marktreaktionen. 14 000 Tweets seit dreieinhalb Jahren, bis über 80 am Tag – und dabei handelt es sich um den Regierungschef der größten Wirtschaftsnation der Welt.

Da könnte man tatsächlich auf den Gedanken kommen, dass ihm dabei gar keine Zeit bleibt, sich in eine komplizierte Materie einzulesen, sich sachkundig zu machen und eine Strategie (z.B. im Handelsstreit) mit verschiedenen Szenarien zu entwickeln.

Ergo: Anscheinend ist die Wall Street und deren Punktestand derzeit das einzige Regulativ für den US-Präsidenten, im Hinblick auf die Wahlen 2020, welches ihn vor wirtschaftspolitischen Amokhandlungen im Handelskrieg abhält.

 

Wie Trump den Handelskrieg eskalieren wollte

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    jumpin1

    10. September 2019 09:18 at 09:18

    Sorry, Herr Müller, aber das scheint mir doch eine etwas naive Ansicht zu sein.
    Ich glaube nicht, dass Trump so ein rein emotionaler Knochen ist. Er hat Bauernschläue und einen riesigen Beraterstab. Das hier interne Infos durchgestochen werden, angeblich Trump nur mit Not von der Eskalation abgehalten werden konnte, ist aus meiner Sicht ein typisches politisches Spektakel, um den Chinesen mitzuteilen, da habt ihr noch einmal Glück gehabt.
    Und um so seine Verhandlungsposition für kommende Gespräche entsprechend zu stärken. Die Spielstrategie ist schon seit langer Zeit entworfen und die einzelnen Eskalationsschritte schon geplant. Darin enthalten sind auch schon Schritte für Europa.

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      tm

      10. September 2019 09:40 at 09:40

      „Und um so seine Verhandlungsposition für kommende Gespräche entsprechend zu stärken.“

      Dieses erratische Verhalten stärkt doch aber seine Verhandlungsposition nicht, im Gegenteil.

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      Ranzentier

      10. September 2019 10:21 at 10:21

      …das denke ich auch…ich möchte nicht wissen, wieviele Anleger noch am Freitag oder am Wochenende auf fallende Märkte gesetzt haben, um danach eine sieben Prozent Rally zu erleben…auch auf FMW war die Überschrift Blutbad voraus?…es ist vieles Show…und deshalb wurde Trump ins Amt gehievt, um diese Show zu liefern…Grönland, Wetterkarte, etc. alles Ablenkung für die Masse, während hintenrum die wirklich wichtigen Themen gesetzt werden…ein Mensch der als erste Amtshandlung die Definition von Fake news einnordet (so nach dem Motto: „alles sind Fake news, außer das was Trump sagt) und damit Wahrheit und Lüge vermischt, so dass sie für viele andere nicht mehr zu unterscheiden ist…wissen wir denn, ob China wirklich einen neuen Verhandlungstag mit den USA festgelegt hat oder ob das nur eine chinesische Meldung war, die dann von den Amis wohl oder übel bestätigt werden musste, weil es sonst sehr komisch ausgesehen hätte für die Amis…wir wissen nix…viele Schritte sind im Voraus geplant und werden an die tagtäglichen Gegebenheiten angepasst…

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      Wolfgang M.

      10. September 2019 10:56 at 10:56

      @jumpin1. Hallo. Dann gehen Sie also von einer koordinierten Strategie Donald Trumps aus? Wie erklären Sie sich das Verhalten Tramps nach dem G20-Gipfel, als er urplötzlich die Verhandlungen für gescheitert erklärte und die Zölle massiv anhob? An die plötzlichen Ausnahmen, als er Güter von den Zöllen bis 15. Dezember ausnahm, weil ihn die Wirtschaft (mit Hunderten Brandbriefen) darauf hingewiesen hatte, welche Auswirkungen dies auf die US-Wirtschaft (Konsumausgaben) haben wird? Auf die Rücknahme der Sanktionen gegenüber Huawei nach Interventionen von Qualcomm, Broadcom, Intel, Texas Instruments u.a., nach seinen ständigen Aussagen, dass die Chinesen die Zölle bezahlen würden, obwohl seine eigene Notenbank die wahre Rechnung in einer Studie präsentiert hat. An ein systematisches Vorgehen mit seinen Tweets, die er zu früher Zeit absetzt, gespickt mit abenteuerlichen Behauptungen und Drohungen „We ˋll tax the hell out of China, untill we reach a deal!“? Im Übrigen müssten alle Mitarbeiter, ob aktiv oder gefeuert, lügen, die von der Sprunghaftigkeit des Präsidenten sprechen (Kim Jong-un – einmal kleiner Raketenmann, dann großartige Persönlichkeit).
      Sie scheinen eine große Meinung vom strategischen Vorgehen Trumps zu haben. A propos Beraterstab: Hat jemals ein Präsident so viele Mitarbeiter aus seinem Umfeld in so kurzer Zeit gefeuert, weil sie anderer Meinung waren? Besteht nicht sogar im aktuellen Team ein großer Graben zwischen dem Hardliner Peter Navarro und dem gemäßigten Steven Mnuchin, der Trump immer wieder von heftigen Reaktionen abhält, weil er als Wall Street-Profi die Marktreaktionen kennt?
      Und ich frage mich, wo die eigentliche Macht herkommen soll, die das Ganze von langer Hand geplant hat? Vonseiten der Demokraten, die sich nicht einmal auf eine Strategie mit einem Gegenkandidaten für Trump einigen können? Oder von den Republikanern, die in einem großen Teil der Partei vom Vorgehen Trumps geschockt sind, aber aus Gründen des Machterhalts die Füße still halten? Am ehesten schon vonseiten des Geldes, aber die Wall Street hält sich solange zurück, bis die Zolleskalation die Wirtschaft ernsthaft beeinträchtigt. Aber wie viele Großfirmen laufen Sturm gegen Trumps Zollattacken? Ich behaupte schon seit Langem: „Money makes the world go round“, das ist das Motto in den USA. Natürlich will man China klein halten, aber hätte man eine klare Strategie, würde man zusammen mit der EU und anderen westlichen Staaten gegen China koordiniert vorgehen. Der Unilateralismus ist Trumps ureigenste Anschauung, die er aus seiner Unternehmerzeit im Immobiliengeschäft mitbringt „deals, face to face“, aber in einer globalisierten Welt? Sorry, aber ich kann keinen raffinierten Plan hinter Trumps Vorgehen erkennen, Schauspielerei, hin oder her.
      Grüße

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        jumpin1

        10. September 2019 20:10 at 20:10

        Hallo, Herr Müller.
        Ja, da sind schon einige Ungereimtheiten, zumindest oberflächlich gesehen.
        Niemand wird in den USA Präsident, wenn er nicht ganz wichtige Leute im Rücken hat. Das können Geldgeber, aber vor allem politisch wichtige Leute sein. Evt. sogar Leute, denen der Ausverkauf Amerikas gehörig gegen den Strich geht, die nationalistisch sind und schon immer im Hintergrund die Richtung bestimmt haben oder zumindest wollten.
        Das Ganze medial schmackhaft für die dummen oder auch unzufriedenen Leute in den USA aufbereitet.
        Ich bezweifle sogar, dass er immer alles selber tweetet.
        Auf jeden Fall ist das langfristige Ziel Amerika wieder groß zu machen und China und den ganzen asiatischen Bereich nicht als neuen Block ähnlich der damaligen UDSSR zu haben.
        Wenn ich dieses Ziel hätte, dann würde ich wie ein Schachspieler oder ein General die Schwächen des Gegners analysieren, aber auch meine eigenen. Ich würde die Flanken erkennen und mich auf Angriffe entsprechend vorbereiten. Ich weiß ja, dass der Gegner nicht so leicht klein zu kriegen ist, also ein langes Spiel mit vielen Zügen bevor steht. Da, wo es nötig ist, schleime ich, um dann auch wieder mit voller Härte zuzuschlagen. Ich glaube kein Stück davon, dass Trump es tatsächlich so sieht, dass z.B. die Zölle von den Chinesen bezahlt werden. Aber er muss die Nachteile ja der Bevölkerung auch verkaufen. Und lügen wie gedruckt kann er 1a.
        Er ist sich auch nicht zu schade, sich für sein Ziel lächerlich zu machen und der Lüge überführen zu lassen. Das hält ihn nicht ab.
        Dieses zwei Schritte nach vorne mit harten Zöllen und dann 1 Schritt zurück mit Teilrücknahmen ist doch die Strategie. Der Huwai-Bann (oder wie man das schreibt) war für die Chinesen so eine empfindliche Flanke. Genau wie Apple eine für die USA ist. Auf jeden Fall, wenn ich meinem Gegner wie auch immer die Information zukommen lasse, dass ich zum Letzten bereit bin, dann muss der Gegner sich damit auseinander setzen, ob er auch dazu bereit ist, oder eben die Verhandlung suchen. Deshalb ist Trumps Position nun stärker. Wir erinnern uns alle an die Kuba-Krise.
        Und mit den Beratergruppen meinte ich nicht sein engstes Umfeld, sondern die Strategen, die jeden Schritt analysieren und Gegenschritte erarbeiten.
        Und die Aussage von Trump „wer nun der Feind wäre, China oder die FED“ war auch einfach genial. Wobei ich den Typen absolut hasse. Denn er hat damit eine neue Tür aufgestoßen, eine Waffe, die er notfalls als letztes Mittel ziehen kann. Das Nationalbewußtsein der Amis und das haben die. Wenn es Trump gelingt, China als den großen Feind der USA, ähnlich wie damals die UDSSR, darzustellen und zu installieren, dann wird sich – egal wo der S&P500 steht – Amerika hinter ihn stellen. Auch die großen Firmen. Auch die Banken. Und ich bin überzeugt, dass im Moment im Hintergrund schon Absprachen mit Nationen erfolgen, die China als Werkbank und Zulieferer ersetzen werden. Natürlich kann ich mich auch irren, und Trump sitzt tatsächlich in seinem Kämmerlein, Melanie hat ihn geärgert, und er haut mal einen Tweet raus gegen China oder sonstwen. Aber selbst Hitler hatte seine Strategen und ging nach definierter Strategie vor. Erst später wurde er größenwahnsinnig. Gott sei Dank, möchte ich sagen. Also….ich bin mal so richtig gespannt 🙂
        Grüße zurück

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    Beobachter

    10. September 2019 10:12 at 10:12

    @jumpin1, Ich glaube doch eher,dass der grösste ( längste ) Präsident eher unberechenbar ist als Herr Müller naiv.

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    Roberto

    10. September 2019 10:18 at 10:18

    @jumpin1. ich gehe auch davon aus, das er nur deshalb soviel Zeit für die tweets hat, weil das Drehbuch sowieso seit jahren geschrieben ist und von seinen “ Beratern “ ausgeführt wird. Er wäre intelektuell gar nicht nicht in der Lage so etwas selbst zu führen. Er ist eine Marionette die selbst verstanden hat wie er auf der anderen Seite dieses Drehbuch für sich nutzen kann um die Märkte zu steuern und seine Wiederwahl zu sichern. Deshalb kann er sich zurücklehnen und twittern was das Zeug hält. Immer die Charts vor den Augen 🙂

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    Columbo

    10. September 2019 10:35 at 10:35

    oder die „Madman-Theorie“: Einer spielt scheinbar verrückt und versetzt alle in Schrecken. Die andern müssen ihn beruhigen und ihm geben, was er will, damit er Ruhe gibt. Oder einfach das „Bad Cop-Good Cop“ Spiel.
    Der Chinachef kann das nicht machen, weil er sonst die Würde seines weisen, gütigen, über den Dingen stehendes Lächeln verliert. Selbiges kann genauso nerven, wie Trumps Gepoltere.

    • Avatar

      Columbo

      10. September 2019 11:06 at 11:06

      Auweia, heute Grammatikfehler🙈
      „…seines weisen, gütigen, über den Dingen stehenden Lächelns“ sollte es heißen.

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    Gixxer

    10. September 2019 11:44 at 11:44

    Vielleicht liegt die Wahrheit auch irgendwo in der Mitte.
    Ich gehe schon davon aus, dass das Grundgerüst des Handelskrieges geplant ist, die Eskalationen oder beinahe Eskalationen, die Trump durch seine Tweets allerdings immer wieder verursacht aber nicht (immer).

  6. Avatar

    Michael

    10. September 2019 14:26 at 14:26

    Bei 10.000 Tweets und gefühlten 5.000 Amtswechseln der Mitarbeiter seit Amtsantritt scheint mir eine durchgeolante spieltheoretische Strategie doch etwas weit hergeholt. Doch endlich ist eine Lösung in Sicht: Der „Volfefe“-Index der Bank JP Morgan 🙂

    https://de.investing.com/news/economy/jp-morgan-macht-trumps-twitterergusse-mit-dem-volfefe-index-messbar-1920985
    https://www.n-tv.de/wirtschaft/Dieser-Index-misst-Trumps-Boersen-Gewicht-article21261802.html

    • Avatar

      Wolfgang M.

      10. September 2019 20:33 at 20:33

      @Michael. Hallo. Zu unserer Diskussion ein paar weitere Hinweise auf das Umfeld Trumps und sein eigenes Verhalten. Der ehemalige französische Botschafter, Philippe Etienne, gab angesichts seines Ruhestands dem Politikmagazin „Foreign Policy“ zum Abschied ein erschütterndes Interview, das zwar vieles nur bestätigt, was man ohnehin weiß, aber in dieser Schärfe und aus dem Mund eines Diplomaten dennoch schockiert.
      Trump lese absolut gar nichts, auch keine Berichte. Entscheidungen treffe er generell „aus der Hüfte“. Als Botschafter sei man komplett aufgeschmissen, weil Ansprechpartner im Weißen Haus ständig wechselten oder viele Stellen gar nicht besetzt würden. Innerhalb von zwei Jahren habe er allein vier verschiedene G-7-Unterhändler kennengelernt, alle paar Monate einen neuen. Folglich könne man in die Heimat immer nur melden, dass man nichts wisse. Q.e.d!
      Grüße

      • Avatar

        Ranzentier

        11. September 2019 11:39 at 11:39

        „melden, dass man nichts wisse“…aber eben auch das ist eine Strategie…es werden Posten immer wieder neu besetzt, Einarbeitungszeit und Unwissenheit damit provoziert…aber eben nur auf den Ebenen und Positionen auf denen diese Art der Taktik erwünscht ist…Herr Fugmann hat gestern abend und heute früh sehr schön darauf hingewiesen, dass es unter der Oberfläche brodelt…es gibt Wanderbewegungen im großen Stil…was meine Theorie immer weiter unterstützt, dass der Markt, trotz seiner vielen Billionen Dollar und einiger Marktteilnehmer aktiv manipuliert wird…ich ich vermute, dass gut geschriebene Computerprogramme da eine große Hilfe sein können…mit wenig Volumen die Kurse in Schwächphasen stützen und weiter nach oben treiben zu können…

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Coronavirus: Sorgen um die Ausbreitung nehmen zu

Werden die westlichen Börsen heute schmerzhaft einpreisen, dass man zu gutgläubig mit der Bedrohung durch das Coronavirus umgegangen ist?

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Was für eine Verwirrung: Zahlen aus China zum Coronavirus deuten auf eine Eindämmung der Infektionszahlen hin, wenn man die Zahl der gesundeten Personen von dem der neuinfizierten substrahiert – falls man den Zahlen überhaupt Glauben schenken kann. Dann der dramatische Anstieg der Neufälle in Südkorea, in Italien und neue Erkrankungen in Japan. Nimmt die globale Ausbreitung Fahrt auf? Dazu noch die ungeklärten Fragen über die Art der Übertragung.

Coronavirus: Kann eine Pandemie noch abgewendet werden?

Eine große Unruhe lösten die Meldungen am Wochenende aus Norditalien aus. Die Zahl der in Italien mit dem Coronavirus infizierten ist auf 157 emporgeschnellt. Verteilt auf mittlerweile fünf der 20 italienischen Regionen, mit den meisten Fällen in der Lombardei, aber auch in den Regionen Venetien, Piemont, Emiglia Romagna und Latium. Auch in Italien greift man zu Vorsorgemaßnahmen, wie der Schließung von Schulen, Kinos, Theatern und Museen, aber auch die vorzeitige Beendigung des Karnevals in Venedig.

Südkorea und jetzt auch Italien – damit wird deutlich, dass eine weltweite Verbreitung des Coronavirus anscheinend nicht mehr aufzuhalten ist. Kurz vor dem Wochenende hatte die WHO noch davor gewarnt, dass das Zeitfenster immer kleiner werde. Dazu der Leiter für Virologie an der Charité in Berlin, Prof. Dr. Dorsten am Sonntag zur dpa: „Eine Eindämmung in letzter Sekunde ist wohl auch mit allen verfügbaren Kräften nicht mehr erreichbar. Das Virus spielt seinen Trumpf aus: Weil die meisten Infektionen mit Sars-CoV-2 mild verlaufen, sind sie kaum erfassbar.“ Denn dadurch würde eine unbemerkte Übertragung von Sars-CoV-2 möglich.

Wer nur milde oder keine Symptome hat, geht nicht zum Arzt und wird nicht getestet. Er kann das Virus aber auf viele andere Menschen übertragen, der Multiplikatoreffekt ist da. Nach einer Schätzung des Imperial College London werde nur ein Drittel aller importierten Fälle aus China überhaupt wahrgenommen, so Drosten. „Ich glaube nicht mehr daran, dass eine Pandemie vermeidbar ist.“

Die „offiziellen“ Zahlen aus China

Betrachtet man sich hingegen die offiziellen Zahlen aus China, so könnte man den Eindruck gewinnen, dass das Coronavirus sich bereits in der Eindämmung befindet. Die Differenz zwischen den Neuinfektionen und den als geheilt Eingestuften, verringert sich seit mindestens einer Woche, von über 60.000 auf mittlerweile gut 55.500.

Das sind sicher Zahlen, die sehr unrealistisch sind. Dazu der Leiter für Virologie an der Charité in Berlin, Prof. Dr. Dorsten: „In China gehen nur die schwer Erkrankten zum Arzt oder ins Krankenhaus, alle anderen sind durch überfüllte Warteräume und staatliche Erfassung abgeschreckt.“

Aber ist eine Zahl von vielleicht Millionen Infizierten überhaupt denkbar, ohne dass dies auffallen müsste? China hat 28.000 Krankenhäuser, die bestimmt stark ausgelastet sind. Würden die spekulierten Zahlen nicht einen nationalen Notstand auslösen? Auch wäre dann im Zentrum der Krankhheit, Wuhan, wohl Land unter. Stehen nicht hunderte von Virologen und Ärzten weltweit in Kontakt mit ihren Kollegen in China, allein schon um Informationen für Vorsorgemaßnahmen oder auch für die Entwicklung eines Impfstoffes zu bekommen? Bei einer solchen Anzahl müsste die WHO nicht nur die höchste Alarmstufe ausrufen, sondern China seine Grenzen dichtmachen, das Ausland alle Personen, die in den letzten zwei Monaten in China waren oder Kontakt mit einem Chinesen hatten, in Quarantäne nehmen, oder nicht? Gerade aktuell kommen aus China Meldungen, dass man in vier chinesische Provinzen die Notfallmaßnahmen für das Corona-Virus zurückfährt. In den Regionen Yunnan und Guizhou würden diese von Stufe I auf Stufe III gesenkt, in Guangdong und Shanxi auf Stufe II. Das vierstufige chinesische Warnsystem sieht bei Stufe I den Gesundheitsnotstand.

Es ist alles schon sehr rätselhaft. Klar ist nur, dass man noch zu wenig weiß über die Eigenschaften von Covid-19.

Coronavirus: Sonderfall Südkorea

Über 760 bestätigte Infektionen gibt es bereits in Südkorea und sechs Todesfälle. Präsident Moon Jae hatte am Freitag von einer ernsthaften Lage gesprochen und rasche Gegenmaßnahmen angekündigt. Das Epizentrum der Erkrankungen ist Daego, eine Stadt mit 2,5 Millionen Einwohnern. Nach Angaben der koreanischen Seuchenschutzbehörde könnte der Ursprung dort eine 61-jährige Frau sein, die als Infizierte an zwei Sonntagen hintereinander einen Gottesdienst besucht hatte. Mutmaßungen sprechen bei ihr von einem sogenannten „Superspreader“, einem Betroffenen, der besonders viele Menschen ansteckt.

Medizinische Aspekte

Was die Gefährlichkeit des Virus, seine Veränderung und seine Ausbreitungsgeschwindigkeit betrifft, herrscht auch eine unglaubliche Vielfalt an Auslegungen. Für medizinisch-virologische Laien schlichtweg nicht zu beurteilen. In der Kommentarspalte bei finanzmarktwelt.de versucht @Quintus mit zahlreichen, interessanten Hintergrundinformationen Licht ins Dunkel zu bringen. Aus China kommen hingegen eher optimistischere Aussagen, wen wunderts?

Die chinesische Seuchenschutzbehörde (CCDC) hat eine Auswertung von über 44.000 Covid-19-Erkrankungen publik gemacht. 80 Prozent der Fälle seien mild verlaufen, davon 2,3 Prozent der Patienten verstorben. Die Mehrzahl der Todesfälle betraf Menschen im Alter von über 60 Jahren und/oder Patienten mit Vorerkrankungen.

Die bisherigen Reaktionen der Börsen auf die Ausbreitung des Coronavirus

Trotz heftiger Warnungen vor Einbußen bei Umsatz und Gewinn von hunderten Unternehmen (S&P 500) waren die Reaktionen an den Börsen noch absolut milde. Mit Kursrückschlägen bei den Indizes von zwei bis drei Prozent hatte man bisher auf die Zeit nach der Virus-Epidemie geblickt. Auf einen gewaltigen Nachholeffekt und Konjunkturprogramme allerorten sowie auf Notenbanken, die die Geldschleusen nochmals richtig öffnen.

Die heutigen Börsenreaktionen aus Fernost und bei den Futures deuten Ungemach an.

Fazit

Wer will angesichts der verwirrenden Meldungen eine Prognose über die weitere Entwicklung des Coronavirus wagen, medizinisch, wirtschaftlich und verhaltenspsychologisch? Was erwarten die Börsianer? Auch wenn mit Goldman Sachs ein Big Player vor einer 10-Prozent-Korrektur an der Wall Street warnt – die oben beschriebenen Erwartungen haben bisher dominiert. Seit dem Wochenende hat Corona aber China in großem Maße verlassen, das Schreckgespenst einer weltweiten Pandemie nimmt Gestalt an. Werden die westlichen Börsen heute schmerzhaft einpreisen, dass man etwas zu gutgläubig mit der Bedrohung von Sars-CoV-2 umgegangen ist? Und hat man jetzt einen Grund für Gewinnmitnahmen?

Das Coronavirus auf dem Weg, eine Pandemie auszulösen

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Aktienmärkte: Panikverkäufe am Montag? Videoausblick

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Erleben die Aktienmärkte am heutigen Montag Panikverkäufe – nachdem man lange glaubte, dass die Folgen des Coronavirus eigentlich nicht wirklich relevant für die Märkte seien? Heute Nacht die asiatischen Aktienmärkte tief rot (Japan geschlossen), nachdem die Infizierungen vor allem in Südkorea und Italien weiter parabolisch nach oben schießen. Die Sorgen vor einer globalen Ausbreitung werden damit immer realer, inzwischen ist von „Pandemie“ die Rede. Bereits am Freitag waren die Umsätze an den Aktienmärkte deutlich angezogen, ein Zeichen, dass die „Dickfische“ aktiv geworden sind. Aber die einseitige Positionierung auf der Long-Seite ist nach wie vor extrem, daher droht nun der „perfekte Surm“..

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Aktienmärkte: Perfekter Sturm? Marktgeflüster (Video)

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Braut sich da für die Aktienmärkte der perfekte Sturm zusammen – mit einem Potential, wie wir es zuletzt im Januar 2018 und im Dezember 2018 gesehen haben? Manches spricht dafür: die extreme Positionierung der Investoren vor allem im US-Tech-Sektor, die mangeldenen Absicherungen (Put-Optionen), der Glaube, dass nichts schief gehen könne, weil die Fed ja als Retter jederzeit bereit stehe etc. etc. Aber nun scheint das Coronavirus vor allem in Südkorea und Japan um sich zu greifen, die WHO zeigt sich zunehmend nervös. Und die Wall Street realisiert, dass auch die amerikanischen Aktienmärkte und die US-Wirtschaft nicht immun sind gegen Schocks (heute der Einbruch beim US-Einkaufsmanagerindex vor allem im Dienstleistungsbereich)..

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