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Handelsstreit: Kommt heute der Waffenstillstand?

An den Börsen kann man sich nur noch wenige Stunden für den Fall der Fälle wappnen

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Die Zeichen mehren sich: Es sind nur noch wenige Stunden bis zum Ablauf der Frist, nach der die nächste Stufe der Eskalation im Handelsstreit in Kraft treten soll – und auch an den Börsen kann man sich nur noch wenige Stunden für den Fall der Fälle wappnen. Beide Seiten haben bis zum Schluss gepokert, jeder wollte aus der Notlage des anderen bis zuletzt Kapital schlagen. Aber jetzt muss zumindest ein Waffenstillstand, in Form einer Verschiebung her.

Im Wirrwarr der Meldungen blickt kaum einer mehr durch über die ökonomischen Zusammenhänge, die sich aus den aktuellen Daten auch nicht unmittelbar ableiten lassen. Vor allem auch wegen der Reaktionen an den Börsen – diese bewertet die Zukunft, deshalb auch der alte Spruch eines legendären hessischen Börsenkommentators: „Fürs Gehabte gibts nichts!“

Wieso brauchen beide Seiten die Entscheidung im Handelsstreit? Eine Gegenüberstellung

In zahlreichen Artikeln der letzten Monate:

..habe ich jeweils auf die Sachzwänge hingewiesen, die aus ökonomischen Gründen zur Eindämmung im Handelsstreit führen müssten. Man hatte es aus vielerlei politischen und ideologischen Gründen ignoriert, bis die Konsequenzen immer deutlicher wurden. Hier ein paar der K.O.-Kriterien.

 

Handelsstreit: Die Nöte der Chinesen

Chinas Wirtschaft verliert nach einem Jahrzehnt schuldenfinanzierten Wachstums an Fahrt – zuletzt auf sechs Prozent, die schwächste Rate seit 27 Jahren. Ein Alarmzeichen für die chinesische Regierung, die dem Volk eine Verdoppelung des Bürgereinkommens zwischen 2010 und 2020 versprochen hatte. Der Handelsstreit verschärft den Abschwung, erkennbar an den letzten Zahlen, wie zum Beispiel:

  • Die Industrieprofite sind bereits sieben Monate in Folge rückläufig, zuletzt minus 9,9 Prozent zum Vorjahr und damit auf dem niedrigsten Niveau seit 2011.
  • Die Autoverkäufe liegen 15 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresund sind nun schon 16 Monate in Folge gefallen.
  • Der Einbruch der Importe und Exporte, die die Auslastung der Firmen fallen lassen.

Zur Erinnerung: Bei der Finanzkrise verloren Millionen von Wanderarbeitern ihre Anstellung und mussten zurück ins chinesische Hinterland. Dies wird man 2020 unbedingt verhindern wollen.

Hinzu kommt ein ganz spezielles Problem mit der „Afrikanischen Schweinepest“: Dieser fielen bereits 100 der 200 Millionen chinesischen Tiere zum Opfer. Schweinefleisch ist ein ganz wesentlicher Bestandteil des chinesischen Wohlstandes. Obwohl man bereits an die Reserven in Kühlhäusern herangeht, haben sich die Preise verdoppelt, auch die chinesische Inflation für die Verbraucherpreise ist über acht Prozent in die Höhe geschnellt. Man braucht Lieferungen aus den USA. Und was wäre, wenn die Zölle auf die chinesischen Alltagsprodukte ab dem 15. Dezember mit weiteren 15 Prozent verzollt würden? Und was ist mit den Apple-Produkten, die von der Riesenfirma Foxconn mit einer Million Beschäftigten „zusammengeschraubt“ werden? Nur ein paar Aspekte, warum auch das geduldige China nicht einfach weiter eskalieren kann.

Handelsstreit und die Zwänge von Donald Trump

Obwohl es fast schon absurd klingt: der oberste Zwang ergibt sich aus dem unbändigen Wunsch ihres Präsidenten 2020 wiedergewählt zu werden. Daraus resultieren zwei Konsequenzen: Er braucht eine starke Wirtschaft und hohe Börsenkurse. Man kann es gar nicht oft genug wiederholen!

Die US-Indizes, die sich seit der Finanzkrise vervierfacht haben, entsprechen einer Markt Kapitalisierung von weit über 30 Billionen Dollar. Bereits bei einem Aktieneinbruch von 10 Prozent würde würden sich ca. 3,5 Billionen Dollar an Vermögenswerten in Luft auflösen. Mindestens 50 Prozent der Amerikaner wären davon richtig betroffen und der Konsum werde umgehend reagieren. Ein weiterer Einbruch wäre aber auch zu befürchten, wenn die zusätzlichen Zölle auf die Alltagsgüter kommen würden – damit beträfe es aber die unteren 50 Prozent der Amerikaner und damit viele Stammwähler Trumps.

Auch wenn es zahllose Argumente für eine Störung des Wirtschaftswachstums in den USA durch die Beeinträchtigung der Lieferketten im Welthandel gibt, es sind die beiden Achillesfersen der USA: Der US-Konsum und das Vermögen an den Börsen. Wenn Donald Trump den US-Verbraucher mit seinen 16 Billionen Dollar Jahresumsatz (das zweithöchste BIP weltweit, entsprechenden fast einem Fünftel der gesamten Weltwirtschaft) tangiert, bekommt er seine Rezession und zwar erst in einigen Monaten, in der heißen Phase des Wahlkampfes. Und brechen die Aktienkurse ein, vollzöge sich ein ähnliches Szenario.

 

Fazit

Es ist sehr wahrscheinlich, dass es in kurzer Zeit zu einem Waffenstillstand, sprich zu keiner weiteren Eskalation im Handelsstreit kommt. Wenn es Donald Trump aus seiner persönlichen Fehleinschätzung der Lage doch auf eine Verschärfung ankommen läßt, wird er meines Erachtens nach unmittelbar danach bestraft werden – und zwar in Form eines veritablen Einbruch der Aktienmärkte. Die Märkte haben bereits seit August darauf gesetzt, dass das ungeschriebene Gesetz in den USA auch unter Donald Trump gilt: Kein Präsident regiert gegen die Interessen der Wall Street!

Der Kampf um die wirtschaftliche, technologische und militärische Vormachtstellung wird dennoch weitergehen – vermutlich aber mit einer gewissen Verzögerung, wenn es zu dem Deal kommt..

Kommt es im Handelsstreit jetzt zu einem Deal?

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    sabine

    13. Dezember 2019 09:23 at 09:23

    Und der Brexit? Bleiben die Börsen davon unberührt oder war der Sieg schon eingepreist?
    Fürs Gehabte gibts nix.

    Boris hat die Wahl haushoch gewonnen. Mit 364 gegen 203+48+11. Mein Kollege ist Vollblut-Engländer. Noch vor einem Jahr war er ganz gegen Boris, gemäß den Q-Medien. (Er schaut immer Tagesschau und ähnliches.) Mit der Zeit hörte er auch die Reden von Boris und ist mittlerweile für ihn. Er befürchtet nur, daß einige seiner Abgeordneten gegen ihn stimmen werden.
    Irgendwie wollen die meisten Engländer nicht in der EU bleiben. Echt komisch. Es gibt doch gar keine Alternative zum „Wohlstand und florierender Wirtschaft“ mit ihr?
    Oje, jetzt kommt der Absturz Englands, Isolierung usw.
    Hoffentlich bringen sie ihn nicht um, noch ihre einzige Chance. Ist ja auch nicht ganz so selten.

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    BrettonWood

    13. Dezember 2019 09:33 at 09:33

    Also wenn es jetzt einen Deal gibt dann ist das ein Gesichtsverlust für beide Seiten. So wie das für mich aktuell klingt hat Donald wohl alleine einen Deal beachlosse , der nicht veröffentlich werden darf weil er nicht existiert.

    Damit öffnet Donald nun die Möglichkeit Grosszügig zu sein, und die Zölle zu verschieben und andere Rückabzuwickeln. Das muss er wohl er hat gepokert bis zum Schluss die Chinesen wollten sehen, es war ein Bluff, und den Bluff muss er zuhause ja nun irgendwie verpacken….also es gibt einen Deal, nur die Amis wissen davon 😂

    Da Donald aber doch durchblicken lassen hat was alles im Deal drinstehen soll, Auch wenn es keine Unterschrift gibt und auch keine Veröffentlichung ist ein Zustimmen von Peking ohne Vorbehalte am Schluss dann eben doch ein Kniefall….

    Und das wir diesem Kniefall sehen werden das glaube ich wirklich NICHT, ehrlich gesagt denke ich eher das China, die mit ganz anderen Denkmustern operieren, bevor ein Gesichtsverlust droht lieber den Scherz in Kauf nehmen, China ist nicht Donal Trump der sich für seine Zwecke laufend Prostituiert….man wird sehen was der Tag bringz ich bin Skeptisch

    • Avatar

      Ice 9

      13. Dezember 2019 10:24 at 10:24

      Seh ich auch so. Wenn die Zölle jetzt nicht kommen, hat Trump seine Glaubwürdigkeit verspielt, ist vor den Chinesen eingeknickt und in Zukunft in einer schwachen Verhandlungsposition. Wundere mich eh schon die ganze Zeit über Trumps timing. Bis zur Wahl sind es noch neun Monate, ob seine Taktik so lange reicht, um die Kurse hoch zu halten?

  3. Avatar

    BrettonWood

    13. Dezember 2019 10:33 at 10:33

    Wenn ich diesen Text der FAZ lese:

    Offenbar ist es den Amerikanern gelungen, eine Art Rückversicherung zu vereinbaren. Sollten die Chinesen ihren Versprechen nicht halten, können die alten Zölle unmittelbar wieder in Kraft treten. Die nachvollziehbare Durchsetzung der Vereinbarungen im Alltag war eines der großen Anliegen der amerikanischen Unterhändler. China hat nach amerikanischer Darstellung früher regelmäßig Zusagen etwa zur Industriespionage, Cyberangriffen oder die Respektierung von Eigentumsrechten an Hightech nicht eingehalten.

    Dann beschmeicht mich irgendwie das Gefühl das wir hier den schwarzen Peter umherschieben, nach dem China nun einseitig kaufend behauptet hat man hätte einen Deal und die Usa würden sich nicht daran halten (wozu die Usa eisern schwieg) dreht man den Spiess nun wieder um und nun Behaupten die Usa man hätte einen Deal, und falls die Zusagen nicht eingehalten werden kommen die Zölle automatisch zurück.

    Die Idee ist klar, man will am Schluss dem anderen den schwarzen Peter zuschieben ER hätte den Handelskrieg eskalieren lassen, und sei damit für den Absturz der Indizes/Weltwirtschaft verantwortlich…..

    Es mutet doch seltsam an, das man nun zum 3x Einseitig einen Deal verkündet und dabei die andere Seite einfach schweigt….

    Zwischendrin spart man ja auch nicht damit sich gegenseitig mit Nettigkeiten einzudecken…..

    Der Fisch stinkt doch am Kopf

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    barthez72

    13. Dezember 2019 11:54 at 11:54

    Also
    1. Deal? -Wo ist die Änderund zu vorher—- KEIN DEAL–
    2. Nach Plan– Brexit—-(der EZB fehlen ca.14% Haftungsvolumen+Südländer haben jetzt Mehrheit)
    3. Noch ungelöst —Repokalypse– Kreise: „nicht die Hedgefonds“; Mist kommt aus Europa)
    4. Hühnerhaufen EU,allenortens–mehr Neuverschuldung,mehr Geld,GreenNewDeal,Billionen etc.
    5. Lagarde: „Vertrauen kommt leise,reitet weg auf Pferden“i.E.Vetrauen=Geld(musswohl Thema sein)
    6. M.Krall — Deutsche Bank ,ante Portas. Bilanzreduzierung,Geschäftsfelder verkauft
    7. Linksruck in BRD-Neuwahl-GrünRotRot— EU Bürgschaften
    8. Jpy,€,$,Yuan QE4 !! bei AllTimeHigh ????????? –explosion vom Dispokonto–
    9. 2o2o Rezession EU ,kaltes China ,USA ante Portas
    10. SEC verdächtige Marktmanipulation von Trump –Linksruck–Impeachment–
    11. Und JePo hat ne technische Störung !!
    Mein Fazit –Es bahnt sich eine Liquiklemme an oder ^^bald GELD alle^^ wenn nicht …..so und so
    Aber das ist nur meine Wahrnehmung, vllt. bild ich ich mir das auch alles nur ein ,ich mikriger Naivling !!

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    barthez72

    13. Dezember 2019 12:00 at 12:00

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Dax: Die Korrektur dürfte sich ausweiten – Schwergewichte schwächeln

Redaktion

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Der Dax handelt inzwischen deutlich unter der 13.000er-Marke – auch heute wieder ist der deutsche Leitindex unter Druck. Auffallend sei, so die Commerz-Bänkerin Petra von Kerssenbrock, dass die ehemals schwachen deutschen Auto-Werte stärker geworden seien, während das Schwergewicht SAP (wie der Tech-Sektor als vermeintlicher Coorna-Gewinner insgesamt) unter Druck stehe. Daher erwartet von Kerssenbrock sowohl zeitlich als auch „räumlich“ eine Ausdehnung der Konsolodierung beim Dax.

Und wie sieht es bei den US-Indizes aus? Dazu ein Blick auf den S&P 500 und den Technologie-Index Nasdaq:

Der Dax ist derzeit schwächer als die US-Indizes

Foto: Deutsche Börse AG

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Aktienmärkte: Buy and Hold – nach wie vor im Vorteil?

Das Thema ist so alt wie die Aktienmärkte selbst: sollten man Aktien kaufen und liegen lassen – oder viel aktiver kaufen oder verkaufen? Ein Blick in die Geschichte

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Das Thema ist so alt wie die Aktienmärkte selbst: Man wählt einen Korb aussichtsreicher Aktien aus und handelt diese aktiv, indem man sie bei Unterschreiten von Limits verkauft, um bei den immer wieder auftretenden Korrekturen nicht dabei zu sein. Das Problem ist, dass zwar die Zahl der Korrekturen der Aktienmärkte zugenommen hat – aber eben auch die raschen, gegenläufigen Bewegungen, was ein grundsätzliches Problem darstellt. Man ist vielleicht rechtzeitig ausgestiegen, aber nicht mehr rechtzeitig zurückgekehrt. Der Corona-Crash lässt grüßen. Hierzu ein paar Fakten.

Aktienmärkte: Der langfristige Anlagestil

Buy and hold, als Strategie, dies wurde jahrzehntelang von Warren Buffett zelebriert, der seine Aktien im Schnitt 11 Jahre gehalten hat. Und vom unvergessenen André Kostolany – zumindest gilt dieses Adjektiv für die etwas ältere Anlegergeneration, schließlich ist der aus Ungarn stammende Spekulant bereits im Jahre 1993 verstorben. Aktien kaufen, Schlaftabletten nehmen und dann reich werden, über diesen Spruch schmunzelt man noch heute.

Aber kann man im Zeitalter des fast gebührenfreien Daytradings und der ständig verfügbaren Information da noch mit den Märkten mithalten? Spontan könnte man mit einem „niemals“ antworten, aber ganz so einfach gestaltet sich die Sache nicht.

Der immerwährende Versuch des Markttimings

Es gibt heutzutage keine Wirtschafts- und Börsenpublikation, in der nicht die langen Zeitreihen (Charts) von Aktien und Indizes abgebildet sind. Mit den tiefen Einbrüchen und den ständig unterbrochenen Aufwärtstrends der Aktienmärkte. Da muss es doch möglich sein, ein paar Zusatzprozente zu ergattern. Tatsächlich wird dies auch ständig versucht: lag die Haltedauer von Aktien vor 30 Jahren noch bei circa zwei Jahren, so hat sich dies in der heutigen Welt der Onlinebroker im Schnitt mindestens geviertelt. Dies gilt weltweit.

Klar, dass damit die Ausschläge (Volatilität) der Aktienmärkte zugenommen haben.

Statistiken zeigen, dass von den 20 größten Verlusttagen seit dem Beginn des Wirtschaftswunders in Deutschland allein zehn seit der Jahrtausendwende stattgefunden haben. Der größte Einbruch der Aktienmärkte war merkwürdigerweise nicht der schwarze Montag, am 19. Oktober 1987, mit dem Kursmassaker an der Wall Street. Der 9,39 Prozent-Tagesverlust rangieren nur an vierter Stelle, Nummer eins ist der 16. Oktober 1989 mit minus 12,81 Prozent, gefolgt von einem aktuellen Coronacrash-Tag, dem 12. März 2020, mit minus 12,24 Prozent.

Dass diese Kurskapriolen aber auch ihr Gegenstück haben, beweist die Auflistung der besten 20 Dax-Tage seit über 60 Jahren, von denen allein zwölf seit der Dotcom-Blase geschehen sind. Fünf Tage mit Kursavancen von über 10 Prozent plus, der letzte war am 24. März mit plus 10,98 Prozent. Die Wende bei der Coronakrise, wer nur den ersten Wendetag verpasste, hat bereits einen Teil der Erholung der Aktienmärkte verpasst. Betrachtet man einen längeren Zeitraum, so wird auf dramatische Art und Weise klar, was gewisse Abstinenzen vom Markt für Performanceeinbrüche verursachen können.

Lutz Neumann, Leiter der Vermögensverwaltung der Sutor Bank in Hamburg, hat die Dax-Historie im Hinblick auf die Bedeutung des Investitionszeitraums untersucht. Erste Feststellung: In sechs von zehn Fällen an großen Kurseinbrüchen gibt es bereits innerhalb der nächsten zwei Wochen die besten Tage für die Aktienmärkte. Eine Erklärung dafür ist stets sicher auch die rasche Absicherung von Anlegern, die – von der Intensität des Abschwungs geschockt – ihr Depot mit Putspekulationen absichern. Oftmalige Folge: Eine kleine Eindeckungsrally.

Die Auswertung der Dax-Historie ergab ein ernüchterndes Bild für Timingversuche: Die durchschnittliche Rendite seit der Gründung vor 33 Jahren beträgt gute sieben Prozent, gleichbedeutend mit einer Verdoppelung des Index, jeweils in weniger als 10 Jahren. Wer die besten zehn Tage versäumte, reduzierte seine Performance auf 4,32 Prozent, bei 20 Tagen auf 2,21 Prozent und ab 30 Tagen hätte er sich bereits ein renditeloses Indexdepot einfangen.
Jetzt könnte man einwenden, dass man nicht in den Index zu investieren brauche, bei Einzelaktien könnte man doch viele Krücken außen vor lassen.

Auch hier hat ein Fondsmanager, Sven Lehmann, vom Vermögensverwalter HQ Trust, nachgerechnet. Und zwar gleich beim derzeit sehr beliebten MSCI World:

Innerhalb von 30 Jahren schlugen ein Drittel der 1200 Aktien in ihrer Performance den Index, zwei Drittel blieben hinter der Benchmark zurück. Allerdings benötigten einige dieser Siegeraktien oft viele Jahre, um sich von zwischenzeitlichen Einbrüchen zu erholen. Das Paradebeispiel ist für mich die Kursentwicklung von Amazon, dem Highflyer der Aktienmärkte schlechthin: Im Jahr 1997 mit einem Tief von 1,32 Euro bis zum Jahr 2000 auf sagenhafte 85,50 Euro gestiegen, um dann in der Dotcom-Krise um über 90 Prozent auf 6,40 Euro abzustürzen. Was dann folgte war das Kursspektakel schlechthin, ein Anstieg auf 2979 Euro in der Spitze oder eine Performance von über 43.000 Prozent. Allerdings wiederum mit mehr als einer Kurshalbierung während der Finanzkrise.

Es ist nicht nur schwer, die richtigen Aktien herauszufiltern, auch diese entsprechend lange zu halten, ist eine weitere Hürde für unser von Gier und Angst geflutetes Gehirnarreal.

Viele kleine Korrekturen seit der Finanzkrise

Aktienmärkte und das Timing-Problem

War nicht so einfach, seit der Finanzkrise mit Short-Spekulationen auf ide Aktienmärkte Geld zu verdienen. Nicht einmal in der Coronakrise, bei dem schnellen Einbruch und der sehr schnellen Gegenreaktion. Gerade im April während des Lockdowns kamen die ganz schlimmen Prophezeiungen.

Fazit

Es klingt immer wieder verlockend, wenn die Vertreter der aktiven Fondsbranche behaupten, dass man in Krisenzeiten nur die richtigen Aktien im Depot haben müsse, um diese Phasen zu überstehen. Nur gibt es dabei ein großes Problem: Auf diese Weisheit sind schon Tausende andere Anleger auch gestoßen, dementsprechend teuer sind diese Titel zumeist und natürlich gibt es auch die Schwierigkeit genau diese Titel zu identifizieren. Warum liegen die großen Indizes (MSCI World, S&P 500) in ihrer Performance auf längere Sicht weit vor den Produkten der Finanzindustrie?

Weil diese neben den zahlreichen Underperformern auch immer die Gewinner der jeweiligen Periode im Depot haben. Und was das Timing betrifft, also das rechtzeitige Aus- und Wiedereinsteigen iin die Aktienmärkte, darüber gibt es schon seit Jahrzehnten viele Untersuchungen – besonders aussagekräftig die des legendären Fondsmanagers von Fidelity, David Lynch: „Anleger haben mit der Vorbereitung auf oder dem Antizipieren von Marktkorrekturen viel mehr Geld verloren als in den Marktkorrekturen selbst.”

Dieses klappt nicht, weil man in schöner Regelmäßigkeit die Tage auslässt, in denen es völlig überraschend und ganz dramatisch nach oben geht.

Istv buy and hold die richtige Strategie für die Aktienmärkte?

 

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Allgemein

US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

Redaktion

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Von

Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



Ist die US Wahl egal by Andre_Stagge on TradingView.com

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