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Handelsstreit – Trump immer mehr in der Defensive

Was bedeutet der Handelsstreit zwischen den USA und China für die US-Wirtschaft?

„Woher soll eine Rezession kommen, in einem Land, welches zu 70 Prozent von seinen Konsumausgaben abhängig ist, bei diesem großen Verbrauchervertrauen, großen Konsumausgaben, Lohnsteigerungen von über drei Prozent und einer Arbeitslosenrate auf 50-Jahrestief?“

So lautete ein Statement eines erfahrenen Wall Street-Analysten vor wenigen Tagen. An dieser Aussage ist einiges dran, aber sie verdeutlich auch viele Dilemmata, in denen sich sowohl die Märkte, als auch Donald Trump befinden, dessen Blick immer mehr auf die Wahlen 2020 gerichtet ist.

Klar ist ein Blick auf das bisherige Konsumverhalten wie ein Blick in den Rückspiegel, der im Widerspruch zu der Entwicklung der Weltwirtschaft steht, welche gerade die US-Notenbank in eine sehr prekäre Gemengelage bringt. Zudem gibt die Dominanz des US-Konsums aber einen „Wink mit dem Zaunpfahl“ auf die weitere, mögliche Entwicklung im Handelsstreit, in dem Donald Trump scheinbar mehr und mehr in die Defensive gedrängt wird.

 

Der Druck der Märkte auf die Fed

Es ist schon ein echtes Kuriosum, das sich bereits das ganze Jahr über beobachten lässt: Die Rentenmärkte prognostizieren einen gewaltigen Abschwung der US-Wirtschaft, die Aktienmärkte gingen monatelang von einem Durchhänger im Jahresverlauf aus, mit einer Rückkehr des Wachstums ab dem vierten Quartal 2019.

Als hierüber Zweifel aufkamen, trat die große Hoffnung eines Zinssenkungszyklus auf, der der Wachstumssklerose entgegenwirken soll. Mittendrin eine US-Notenbank, deren gesetzlicher Auftrag eigentlich die Stützung der Arbeitsmärkte sowie der US-Konjunktur lautet.

Dabei beginnt das Problem. Während die US-Wirtschaft noch passabel läuft (gestützt durch Konsum und niedriger Arbeitslosigkeit) gerät die Weltwirtschaft zunehmend ins Taumeln. 67 Zinssenkungen durch Notenbanken weltweit im Jahr 2019 sollen die jeweiligen Volkswirtschaften stützen, die durch den Handelsstreit und seine weitreichenden Folgen sowie des Protektionismus zunehmend zur Schwäche neigen.

Hinzu kommt ein dadurch initiierter Abwertungswettlauf der Währungen, der den US-Präsidenten zu Wutanfällen veranlasst. Seine Forderungen an die Fed werden immer maßloser – neben unglaublichen verbalen Attacken gegenüber der fehlenden geistigen Beurteilungsfähigkeit der Institution Fed zur aktuellen Lage. Trump verlangt nicht nur Zinssenkungen von mindestens 100 Basispunkten, sondern auch die gleichzeitige Rückkehr zu Anleihekäufen der Notenbank. Ein absolutes Not- und Rezessionsprogramm im Zeitraum einer doch so „robusten“ US-Konjunktur.

Für die US-Notenbank eine unglaubliche Gratwanderung: Zinspolitische Zurückhaltung könnte zu heftigen Marktturbulenzen führen, hektische Zinsschritte aber auch – unter den Fragestellungen: Steht es wirklich so schlecht um die Konjunktur und „ ist jetzt Powell eingeknickt vor Trump“?

 

Trumps Rückzieher im Handelsstreit

Absolut eruptiv ist auch die Wende des US-Präsidenten im Handelsstreit mit dem chinesischen Gegner, sowohl in Wort, als auch in Tat.

Warum verschob der US Präsident große Teile der ab 1. September geltenden Chinazälle auf den 15. Dezember? Warum die Ausnahmen für wichtige elektronische Produkte, allen voran die Apple-Hardware – und was bewegte ihn dazu die Huawei-Restriktionen ein weiteres Mal um 90 Tage zu verlängern? Alles ohne von den Chinesen ernsthafte Gegenleistungen zu bekommen. Wieso spricht er davon, dass es bald einen Deal geben werde und er gar nicht mehr plane weitere Zölle zu erheben?

Für das alles gibt es eigentlich nur eine Erklärung: Trump will keine Abschwächung der Konjunktur riskieren und er muss den so dominanten US-Konsum bei Laune halten. Die medial stark beachtete Invertierung der Zinskurve im 2/10-Jahresbereich muss ihm dabei wie ein Schock in die Glieder gefahren sein. Würde sie doch bedeuten, dass binnen Jahresfrist eine Rezession auftritt, wenige Monate vor seinem großen Wahltermin.

Und die Aktienmärkte würden dies auch noch ein halbes Jahr vorwegnehmen. Keine schönen Voraussetzungen für einen Wahlkampf, den man gewinnen will.

 

Fazit

Wenn es stimmt, was aus chinesischen Medien zu entnehmen ist, nämlich der Fakt, dass China derzeit gar nicht an einem Deal interessiert ist, so wird eine gewisse Zwangslage erkennbar. Ausgerechnet jedoch bei Donald Trump, der erst vor nicht allzu langer Zeit davon gesprochen hat, dass „Handelskriege leicht zu gewinnen sind.“ Das Spiel auf Zeit der Chinesen wird immer wirksamer, je näher die heiße Phase des Wahlkampfs in den USA rückt. Die Achillesferse des jetzigen Amtsinhabers.

Selten hat es eine Phase gegeben, in der die offiziellen Statements aus dem Weißen Haus so sehr von der wirtschaftspolitischen Realität abgewichen sind, wie derzeit – nimmt man die gelegentlichen militärischen Nebelkerzen in der Vergangenheit einmal von dieser Aussage aus.

Wie hatte Donald Trump noch am 2. August getwittert?

„We ˋll tax the hell out of China, until we reach a deal.“ An den Taten sollt ihr sie messen, nicht an den Worten.

 

 

Der Handelsstreit könnte die US-Wirtschaft bald stark treffen - das ahnt auch Trump

Donald Trump. Foto: Gage Skidmore CC BY-SA 2.0



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7 Kommentare

  1. Also Herr Müller,

    ein hevorragender Beitrag !

    und das mit dem „Donald“ geht noch weiter:

    https://www.stern.de/politik/ausland/donald-trump–die-grotesk-trumphafte-woche-des-us-praesidenten-8864808.html

    Wer den nochmal wählt, tja, dem ist auch zu helfen….

    Ich bin der „Auserwählte“…

    Comedy, das kann er, der „Twitter-Präsident“

    Außerdem : Ja, die Rentenmärkte gehen von einer Rezession aus, aber : Die Rentenmärkte sind durch Lehman abstrus hoch bewertet, dies sollte man nicht vergessen.

    Während…

  2. Kennt jemand die Madman-Theorie? Indem man vorgibt verrückt zu sein, jagt man den andern so große Angst ein, daß man bekommt, was man will. Hatte Nixon auch schon ausprobiert.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Madman-Theory

  3. Der Gröpaz hat kein Problem die Leute zu überzeugen, dass er verrückt ist.Die Chinesen wollen den weghaben u.sind am stärkeren Hebel.Gab es bei der Trump- Wahl Vermutungen die Russen hätten nachgeholfen, so werden diesmal die Chinesen sagen was Sache ist.Die Noch-führende Macht lässt sich also seine Präsidenten von Gegnern wählen.Das ist der erste Schritt von Machtverlust. Die Amis beeinflussen ja auch Wahlen in andern Ländern.Es braucht jetzt nur noch die Finanzelite, die sich von Trump die Taschen füllen liess, die merkt dass Twitterking keine Langfristlösung sein kann.Im Gegensatz zu vielen Prognostikern habe ich schon immer gesagt, dass Trump nicht wiedergewählt wird.

      1. @sabine, wie nennt man das gleich nochmal, wenn jemand ständig vom eigentlichen Thema und von unliebsamer, wenn auch berechtigter Kritik durch Hinweise auf andere ablenkt? Eine seltsame Argumentationstechnik, in der Sie unangefochtene Meisterin sind: Whataboutism

        https://de.wikipedia.org/wiki/Whataboutism

        1. Oder einen Dummschwätzer! Sehr gut @leftuti

          1. So gemein und niveaulos wollte ich der armen Sabine gegenüber nun auch nicht sein. Das ist eher Ihr Metier @Hanswurst

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