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Handelsstreit – was Trumps Pressestatement verrät

Worum geht es eigentlich in der jetzigen Phase im Handelsstreit? Es geht natürlich um seine ureigenen Interessen und um seine Wiederwahl

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Worum geht es eigentlich in der jetzigen Phase im Handelsstreit?

Das erste Statement des US-Präsidenten vor den Kameras zum Ergebnis der Handelsgespräche, am Freitag gegen 23:00 Uhr MEZ, brachte es ein wenig zutage. Es geht natürlich um seine ureigenen Interessen und um seine Wiederwahl, anders sind die Worte des US-Präsidenten nicht zu interpretieren.

Hier eine Kurzbewertung der Ergebnisse vom vergangenen Freitag.

Handelsstreit – die Glorifizierung eines Landwirtschaftsabkommens und die Wählerbasis

Wie oft hat Trump seinen Stolz auf den Plastik-Deal oder partiellen Deal im Handelsstreit zum Ausdruck gebracht – dass die US-Landwirte 40 bis 50 Billionen Doller an landwirtschaftlichen Gütern an die Chinesen liefern können? Mehrmals, auch wenn es gar nicht zur Frage von Journalisten passte. Das sei das zwei- bis dreifache des normalen Handels und sogar noch mehr, bezogen auf den jetzigen Stand von 8 Milliarden Dollar. „Ob das die US-Landwirte überhaupt schaffen können? Sie müssen Überstunden machen und vielleicht sogar doch Land dazukaufen, was gut wäre und John Deere würde auch ein Geschäft machen“.

Immer und immer wieder diese Phrase wiederholend, bezog sich Donald Trump auf seine Stammwähler im Mittleren Westen und Bundesstaaten wie Michigan, Oklahoma oder Iowa, als ob diese Handelsvereinbarung das große Ding wäre. Ein Deal in der Landwirtschaft, die gerade mal 0,9 bis 1,0 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten beiträgt.

Wie hat denn der ganze Handelsstreit begonnen? Mit Zöllen auf Stahl und Aluminium vor eineinhalb Jahren, mit der Absicht die alte Industrie und deren Arbeitsplätze in die USA zurückzuholen. Dann die ständigen Drohungen an die EU und speziell an Deutschland mit Zöllen für die Automobilindustrie. Es ist Trumps zweites großes Anliegen, nämlich die Fabriken in Detroit und Umgebung zu reanimieren. Donald Trump ist ein Verfechter der Industrie aus den 1980-ern und der Bann von Huawei dient insbesondere als Druckmittel, um seine Handelsforderungen durchzusetzen. Waren es zuerst Spionagevorwürfe, so spielen diese derzeit keine Rolle mehr.

Phase I des Deals

In diesem lange diskutierten Vorabkommen gibt es natürlich noch weitere Optionen und Absichtserklärungen. China ist anscheinend bereit sein Land künftig für Banken und Dienstleister zu öffnen. Auch in Frage der Währungsmanipulation hat man sich anscheinend auf einen Kompromiss geeinigt. Der US-Präsident hofft, dass er das erste Teilabkommen Mitte November am Rande des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgipfels in Chile Mitte November zusammen mit Chinas Präsident Xi Jiping unterzeichnen kann.

Dazu müsste es aber erst noch zu Papier gebracht werden.

„Wir sollten das in den nächsten vier Wochen schaffen“, so die Worte Trumps.

 

Der taktische Schachzug im Handelsstreit

Trump hat mit diesem partiellen Deal folgendes erreicht: Zunächst hat er eine Eskalation abgewendet, indem er die Anhebung der Zölle ab 15. Oktober ausgesetzt hat – das Basisszenario für die Märkte. Dann gab er den Märkten die Hoffnung, dass es mit Phase zwei in vier Wochen zu weiteren Ergebnissen im Handelsstreit kommen könne, ob dies realistisch ist oder nicht. Drittens schiebt er kräftig weiter an mit Forderungen an die Federal Reserve mit einer Zinssenkung Ende Oktober. Dies und das von der Fed angekündigte Anleihekaufprogramm in Höhe von 60 Milliarden Dollar (kurzlaufende T-Bills, offiziell kein Q4) monatlich tun das Übrige im Hinblick auf die monetäre Versorgung der Märkte. Alles in allem eine Strategie, die dazu dient, die so wichtigen Aktienmärkte weiter oben zu halten. Da kann man tiefsinnig philosophisch sehr viel darüber nachdenken und diskutieren, ob das Ganze Sinn macht, aber das Entscheidende ist doch, ob die Märkte kurzfristig daran glauben.

Eine große Rolle dürfte bei diesem Konstrukt auch der ehemalige Goldman Sachs-Direktor und Hedgefonds-Manager Steven Mnuchin gehabt haben, der sich damit bestens auskennt.

Der Vorteil an Trump ist oftmals, dass er sofort ausspricht, was er denkt, ohne sich vorher über etwaige Folgen Gedanken zu machen. Er sprach in dem Presseauftritt davon, dass die Aktienmärkte derzeit fallen, wenn es schlechte Nachrichten gäbe und sie würden bei guten steigen – beides hänge immer mehr mit dem Handelsstreit zusammen. Das würde ihm gefallen. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, eigentlich nichts Neues, denn der Präsident hat bisher jedes Mal per Twitter interveniert, wenn es mit den Kursen nach unten ging. Darüber habe ich schon vor Wochen einen Artikel geschrieben, mit dem Titel „Shortprodukte, derzeit gefährlich wie selten“.

Sehr interessant war die Reaktion des Dow Jones in den letzten 30 Handelsminuten am Freitag. Nachdem durchgesickert war, das es nur eine Aussetzung der Zollanhebungen Mitte Oktober geben werde und keine Zurücknahme der bestehenden, kam es zu 200 Punkten an Gewinnmitnahmen. Die Märkte wollen mehr.

 

Fazit

Wenn man sich das ganze Schauspiel im Handelsstreit seit gut 18 Monaten betrachtet, so fällt auf: Dem US-Präsidenten geht es primär eigentlich um das Thema, welches er schon 1987 in einem Interview mit Larry King zum Besten gab. Die USA würden von anderen Ländern über den Tisch gezogen, das müsse sich endlich ändern, das schreckliche Handelsbilanzdefizit abgebaut werden. Es verschwünden Arbeitsplätze aus Amerika und dies habe zu einer Deindustrialisierung geführt. Um das zu ändern, sei er angetreten: „Make America great again, oder America First“, lautet sein Motto. Das hat er seinen Wählern im Mittleren Westen versprochen, das Thema Vorherrschaft in der Welt ist dabei zunächst ein sekundäres, es kann sich auch aus bereits beschriebenen Gründen erst nach der zweiten Amtszeit Trumps materialisieren. Aber es müsste eigentlich lauten:

„Trump First, dann die Familie und deren Geschäfte und dann das Land“ – und das bedeutet in erster Linie, dass Donald Trump wiedergewählt werden will. Wer eine andere Reihenfolge annimmt, ignoriert die Fakten.

Für sein Vorhaben braucht er eine stabile Wirtschaft, hohe Aktienkurse und seine Wählerbasis. Ob das gesamtwirtschaftlich großen Sinn ergibt, steht erst einmal auf einem anderen Blatt. So hangelt er sich von Monat zu Monat, immer in dem Spagat der „Demonstration der Stärke“ und der Abhängigkeit von der Wirtschaft. In jüngster Zeit wurden die Folgen der Zollpolitik immer signifikanter, deshalb auch die vorweihnachtliche Phase der Deeskalation.

Deshalb dürfte das Gezerre um ein Abkommen zwischen den Kontrahenten weitergehen, aber immer unter Berücksichtigung des ganz großen Zwischenziels. Eine Lösung im Handelsstreit is es beileibe nicht.

Allerdings muss man dieser Logik folgend, nichts Gutes für die Verhandlungen über die Autozölle mit der EU erwarten. Wie schimpft Donald Trump schon seit Jahren: „Ich hasse es, diese Mercedes Benz auf der Fifth Avenue zu sehen!“

In seiner Familie gab und gibt es allerdings eine Reihe von Automobilen mit dem Stern, typisch Trump halt.

 

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3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Beobachter

    14. Oktober 2019 22:03 at 22:03

    Es ist einfach erstaunlich wie DT immer u. immer wieder fähig ist mit reinen Bluffs die Aktienmärkte zu stützen.Da muss es sicher informierte Mitspieler geben, die mitkassieren. Irgendwann werden zu Trumps Problemen sicher noch Insidergeschäfte ein Thema sein.
    Wenn die immer heisse Luft so positiv für die Weltbörsen ist, müssen wir den Klimawandel wahrlich nicht fürchten.

    • Avatar

      Stina

      14. Oktober 2019 22:33 at 22:33

      @Beobachter, der letzte Satz ist der beste Spruch des Jahres, ganz positiv gemeint! Ich liebe die Ironie und den Sarkasmus 👍

  2. Avatar

    Beobachter

    15. Oktober 2019 06:39 at 06:39

    @Stina, das ist eben das Glück der wenig Wohlhabenden. ( einfachen Milionären)Wir haben Freude an einem billigen Spruch,während gewisse Leute Millionen stehlen oder manipulieren müssen um ihr Glück zu finden.

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Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

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Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

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