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Handelsstreit – was Trumps Pressestatement verrät

Worum geht es eigentlich in der jetzigen Phase im Handelsstreit? Es geht natürlich um seine ureigenen Interessen und um seine Wiederwahl

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Worum geht es eigentlich in der jetzigen Phase im Handelsstreit?

Das erste Statement des US-Präsidenten vor den Kameras zum Ergebnis der Handelsgespräche, am Freitag gegen 23:00 Uhr MEZ, brachte es ein wenig zutage. Es geht natürlich um seine ureigenen Interessen und um seine Wiederwahl, anders sind die Worte des US-Präsidenten nicht zu interpretieren.

Hier eine Kurzbewertung der Ergebnisse vom vergangenen Freitag.

Handelsstreit – die Glorifizierung eines Landwirtschaftsabkommens und die Wählerbasis

Wie oft hat Trump seinen Stolz auf den Plastik-Deal oder partiellen Deal im Handelsstreit zum Ausdruck gebracht – dass die US-Landwirte 40 bis 50 Billionen Doller an landwirtschaftlichen Gütern an die Chinesen liefern können? Mehrmals, auch wenn es gar nicht zur Frage von Journalisten passte. Das sei das zwei- bis dreifache des normalen Handels und sogar noch mehr, bezogen auf den jetzigen Stand von 8 Milliarden Dollar. „Ob das die US-Landwirte überhaupt schaffen können? Sie müssen Überstunden machen und vielleicht sogar doch Land dazukaufen, was gut wäre und John Deere würde auch ein Geschäft machen“.

Immer und immer wieder diese Phrase wiederholend, bezog sich Donald Trump auf seine Stammwähler im Mittleren Westen und Bundesstaaten wie Michigan, Oklahoma oder Iowa, als ob diese Handelsvereinbarung das große Ding wäre. Ein Deal in der Landwirtschaft, die gerade mal 0,9 bis 1,0 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten beiträgt.

Wie hat denn der ganze Handelsstreit begonnen? Mit Zöllen auf Stahl und Aluminium vor eineinhalb Jahren, mit der Absicht die alte Industrie und deren Arbeitsplätze in die USA zurückzuholen. Dann die ständigen Drohungen an die EU und speziell an Deutschland mit Zöllen für die Automobilindustrie. Es ist Trumps zweites großes Anliegen, nämlich die Fabriken in Detroit und Umgebung zu reanimieren. Donald Trump ist ein Verfechter der Industrie aus den 1980-ern und der Bann von Huawei dient insbesondere als Druckmittel, um seine Handelsforderungen durchzusetzen. Waren es zuerst Spionagevorwürfe, so spielen diese derzeit keine Rolle mehr.

Phase I des Deals

In diesem lange diskutierten Vorabkommen gibt es natürlich noch weitere Optionen und Absichtserklärungen. China ist anscheinend bereit sein Land künftig für Banken und Dienstleister zu öffnen. Auch in Frage der Währungsmanipulation hat man sich anscheinend auf einen Kompromiss geeinigt. Der US-Präsident hofft, dass er das erste Teilabkommen Mitte November am Rande des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgipfels in Chile Mitte November zusammen mit Chinas Präsident Xi Jiping unterzeichnen kann.

Dazu müsste es aber erst noch zu Papier gebracht werden.

„Wir sollten das in den nächsten vier Wochen schaffen“, so die Worte Trumps.

 

Der taktische Schachzug im Handelsstreit

Trump hat mit diesem partiellen Deal folgendes erreicht: Zunächst hat er eine Eskalation abgewendet, indem er die Anhebung der Zölle ab 15. Oktober ausgesetzt hat – das Basisszenario für die Märkte. Dann gab er den Märkten die Hoffnung, dass es mit Phase zwei in vier Wochen zu weiteren Ergebnissen im Handelsstreit kommen könne, ob dies realistisch ist oder nicht. Drittens schiebt er kräftig weiter an mit Forderungen an die Federal Reserve mit einer Zinssenkung Ende Oktober. Dies und das von der Fed angekündigte Anleihekaufprogramm in Höhe von 60 Milliarden Dollar (kurzlaufende T-Bills, offiziell kein Q4) monatlich tun das Übrige im Hinblick auf die monetäre Versorgung der Märkte. Alles in allem eine Strategie, die dazu dient, die so wichtigen Aktienmärkte weiter oben zu halten. Da kann man tiefsinnig philosophisch sehr viel darüber nachdenken und diskutieren, ob das Ganze Sinn macht, aber das Entscheidende ist doch, ob die Märkte kurzfristig daran glauben.

Eine große Rolle dürfte bei diesem Konstrukt auch der ehemalige Goldman Sachs-Direktor und Hedgefonds-Manager Steven Mnuchin gehabt haben, der sich damit bestens auskennt.

Der Vorteil an Trump ist oftmals, dass er sofort ausspricht, was er denkt, ohne sich vorher über etwaige Folgen Gedanken zu machen. Er sprach in dem Presseauftritt davon, dass die Aktienmärkte derzeit fallen, wenn es schlechte Nachrichten gäbe und sie würden bei guten steigen – beides hänge immer mehr mit dem Handelsstreit zusammen. Das würde ihm gefallen. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, eigentlich nichts Neues, denn der Präsident hat bisher jedes Mal per Twitter interveniert, wenn es mit den Kursen nach unten ging. Darüber habe ich schon vor Wochen einen Artikel geschrieben, mit dem Titel „Shortprodukte, derzeit gefährlich wie selten“.

Sehr interessant war die Reaktion des Dow Jones in den letzten 30 Handelsminuten am Freitag. Nachdem durchgesickert war, das es nur eine Aussetzung der Zollanhebungen Mitte Oktober geben werde und keine Zurücknahme der bestehenden, kam es zu 200 Punkten an Gewinnmitnahmen. Die Märkte wollen mehr.

 

Fazit

Wenn man sich das ganze Schauspiel im Handelsstreit seit gut 18 Monaten betrachtet, so fällt auf: Dem US-Präsidenten geht es primär eigentlich um das Thema, welches er schon 1987 in einem Interview mit Larry King zum Besten gab. Die USA würden von anderen Ländern über den Tisch gezogen, das müsse sich endlich ändern, das schreckliche Handelsbilanzdefizit abgebaut werden. Es verschwünden Arbeitsplätze aus Amerika und dies habe zu einer Deindustrialisierung geführt. Um das zu ändern, sei er angetreten: „Make America great again, oder America First“, lautet sein Motto. Das hat er seinen Wählern im Mittleren Westen versprochen, das Thema Vorherrschaft in der Welt ist dabei zunächst ein sekundäres, es kann sich auch aus bereits beschriebenen Gründen erst nach der zweiten Amtszeit Trumps materialisieren. Aber es müsste eigentlich lauten:

„Trump First, dann die Familie und deren Geschäfte und dann das Land“ – und das bedeutet in erster Linie, dass Donald Trump wiedergewählt werden will. Wer eine andere Reihenfolge annimmt, ignoriert die Fakten.

Für sein Vorhaben braucht er eine stabile Wirtschaft, hohe Aktienkurse und seine Wählerbasis. Ob das gesamtwirtschaftlich großen Sinn ergibt, steht erst einmal auf einem anderen Blatt. So hangelt er sich von Monat zu Monat, immer in dem Spagat der „Demonstration der Stärke“ und der Abhängigkeit von der Wirtschaft. In jüngster Zeit wurden die Folgen der Zollpolitik immer signifikanter, deshalb auch die vorweihnachtliche Phase der Deeskalation.

Deshalb dürfte das Gezerre um ein Abkommen zwischen den Kontrahenten weitergehen, aber immer unter Berücksichtigung des ganz großen Zwischenziels. Eine Lösung im Handelsstreit is es beileibe nicht.

Allerdings muss man dieser Logik folgend, nichts Gutes für die Verhandlungen über die Autozölle mit der EU erwarten. Wie schimpft Donald Trump schon seit Jahren: „Ich hasse es, diese Mercedes Benz auf der Fifth Avenue zu sehen!“

In seiner Familie gab und gibt es allerdings eine Reihe von Automobilen mit dem Stern, typisch Trump halt.

 

Waffenstillstand im Handelsstreit - aber wie lange hält er?

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Beobachter

    14. Oktober 2019 22:03 at 22:03

    Es ist einfach erstaunlich wie DT immer u. immer wieder fähig ist mit reinen Bluffs die Aktienmärkte zu stützen.Da muss es sicher informierte Mitspieler geben, die mitkassieren. Irgendwann werden zu Trumps Problemen sicher noch Insidergeschäfte ein Thema sein.
    Wenn die immer heisse Luft so positiv für die Weltbörsen ist, müssen wir den Klimawandel wahrlich nicht fürchten.

    • Avatar

      Stina

      14. Oktober 2019 22:33 at 22:33

      @Beobachter, der letzte Satz ist der beste Spruch des Jahres, ganz positiv gemeint! Ich liebe die Ironie und den Sarkasmus 👍

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    Beobachter

    15. Oktober 2019 06:39 at 06:39

    @Stina, das ist eben das Glück der wenig Wohlhabenden. ( einfachen Milionären)Wir haben Freude an einem billigen Spruch,während gewisse Leute Millionen stehlen oder manipulieren müssen um ihr Glück zu finden.

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Rüdiger Born: Dax positiv, Chance im Euro

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Im Dax sieht es heute doch recht gut aus. Dank Bankenfeiertag in UK und einem kompletten Feiertag in den USA ist nicht viel los heute. Die Chancen nach oben sind aber die besseren. Der Euro könnte interessante Tradingchancen bieten. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch mein ausführlicheres Marktvideo vom Samstag, dass Sie sich beim Klick an dieser Stelle anschauen können. Wollen Sie abgesehen von meinen täglichen Analysen im Trade des Tages noch viel mehr und vor allem aktuellere Trading-News von mir erhalten, auch aufs Handy? Nutzen Sie dazu gerne meinen neuen Service “Trade to Go” (einfach hier anmelden). Auch dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei!

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Dax Charttechnik: Neue Sichtweise – Kaufsignal möglich?

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Der Dax Performance Index konnte sich im Verlauf der zurückliegenden Handelswoche relativ gut behaupten. Auch wenn der ganz große Sprung dem Index noch versagt blieb, konnte sich eine kleine Rallye einstellen. In Folge dessen habe ich meine Sichtweise auf dem Dax umgestellt. Wie der Chart es zeigt, bin ich nun wieder leicht positiv eingestellt, wenn auch nicht euphorisch. Die seit Mitte März zu konstatierenden Bewegungen bilden lediglich eine Korrektur aus und nicht etwa das Fundament für einen größeren Aufwärtstrend.

Ausblick für den Dax

Ausblick: Aktuell bildet sich für den deutschen Leitindex im Chart ein Triangle (a-b-c-d-e) als übergeordnete Welle (B) aus. Die sich momentan noch in der Ausformung befindliche Welle (d) kann an den folgenden Tagen noch bis zur 2.00-Linie bei 11.437 Punkten im Dax steigen. Diesen Schritt erwarte ich sogar, da sich dadurch die Struktur des Triangles besser darstellen würde. Wesentlich stärker wird der Trend indes nicht verlaufen. Die sich daran anschließende (e) schließt das Triangle durch eine kleine Korrektur ab.

Das Ziel von einer „E“ lässt sich nicht zuverlässig bestimmen, sollte aber im vorliegenden Fall nicht unter dem 1.00 Retracement bei 10.367 Punkten liegen. Nach abgeschlossener Welle (B) wird die sich anschließende (C) den Dax Index noch einmal relativ kräftig steigen lassen. Dabei kann der Arm des Trends durchaus bis zum 1.00-Widerstand bei 13.093 Punkten reichen. Größere Gefahren für das beschriebene Bild würden sich erst mit Unterschreiten der 1.62-Unterstützung (10.270 Punkte) einstellen. Diesen Schritt erwarte ich indes nicht.

Fazit: Der Dax bildet innerhalb einer Korrektur eine seitliche Korrekturformation aus. Ein Kaufsignal würde sich erst über der 2.00-Linie einstellten. Die Absicherung dieser Positionen sollte auf dem 1.62 Retracement bei 10.270 Punkten erfolgen.

Dax Chart

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Dank Lufthansa, ifo und Bayer – Dax doch tatsächlich mit Eigenleben am US-Feiertag

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Ja darf das denn wahr sein? An einem US-Feiertag entwickelt der Dax ein Eigenleben mit aktuell plus 2 Prozent. Und das nicht nur aufgrund dünner Umsätze, die mal eben Aktien oder Futures rauf und runter jagen! Nach der letzten offiziellen Info der Lufthansa vom Donnerstag Abend über laufende Verhandlungen mit dem Bund hat man sich laut aktuellen Berichten nun angeblich geeinigt. Die offizielle Bestätigung fehlt noch – aber eine Alternative zur Staatskohle gibt es für die Lufthansa aktuell eh nicht? Mal abwarten, was die offizielle Mitteilung, wenn sie denn kommt, für Details der Rettung enthüllen wird. Aktuell jedenfalls wird die Lufthansa-Aktie gepusht auf 8,52 Euro, ein Plus von mehr als 6 Prozent. “Noch” ist die Lufthansa ja im Dax enthalten, und hilft dem Index nach oben. Auch die Aktien des Dax-Titels MTU legen heute 7 Prozent zu.

Die Aktien von Bayer sind mit aktuell mehr als 7 Prozent Plus  – dies hatten wir vorhin schon besprochen. Nach heutigen Berichten hofft man auf Vergleiche bei tausenden von Klägern in den USA wegen dem Unkrautvernichter Glyphosat. Auch der heute mit 79,5 (erwartet 78,3) Punkten leicht bessere ifo-Geschäftsklimaindex hilft dem Dax heute beim Ansteigen. Die Amerikaner sind dank geschlossener Börsen (heute ist Memorial Day) erst morgen wieder am Start. Im Chart sehen wir den Index-Verlauf der letzten zehn Tage.

Dax im Verlauf von zehn Tagen

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