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Hanjin-Pleite: Der Bear Stearns-Moment für den Crash der Globalisierung!

Die Pleite von Hanjin ist der erste sichtbare GAU der Globalisierung – was das für uns bedeutet..

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Von Markus Fugmann

Im Jahr 2007 schien die Welt noch in Ordnung: die Aktienmärkte haussierten, scheinbar war alles in bester Ordnung. Aber eben nur scheinbar. Denn schon im Jahr 2006 waren die Immobilienpreise in den USA gefallen – und damit die Voraussetzung geschaffen, dass die von der Politik genährte Immobilien-Blase (jeder Amerikaner soll sich ein Haus leisten können, so das Mantra der US-Demokraten) einstürtzen würde. Und so kam es dann auch, die Gründe dafür sind ja hinreichend bekannt.

Das erste klare Anzeichen, dass etwas faul war, war die Pleite von drei Hedgefonds der Investmentbank Bear Stearns im Juli 2007. Die Hedgefonds hatten wohlklingende Namen: High Grade Structured Credit Strategies Enhanced Fund, High Grade Structured Credit Strategies Fund und Asset-Backed Securities Fund. Sie kauften stark gehebelt CDOs (collateralized debt obligations), also hypothekenbesicherte Anleihen, und kamen schließlich in Schwierigkeiten, weil sich Zahlungsausfälle der amerikanischen Hauskäufer immer stärker häuften – und die drei Hedgefonds sich nicht dagegen ausreichend mit Credit Default Swaps abgesichert, also gehedged, hatten.

Die Pleite der drei Hedgefonds war der Anfang vom Ende von Bear Stearns – die Bank wurde schließlich im März 2008 für kleines Geld von JPMorgan Chase übernommen, wobei die Fed faktisch sämtliche Verlust-Risiken von Bear Stearns übernahm. Weil ein solcher Deal bei Lehman Brothers später nicht zustande kam, begann mit der Lehman-Pleite eine Kettenreaktion an den Märkten, die wir als “Finanzkrise kennen.

Aber selbst mit dem Kollaps von Lehman dauerte es noch, bis diese Kettenreaktion Dynamik aufnahm – und das gilt noch vielmehr für die Pleiten der Hedgefonds von Bear Stearns. Der amerikanische Immobilienmarkt implodierte, Banken gerieten in Schieflage, das Gesamtsystem stand phasenweise vor dem totalen Zusammenbruch – bis die Aktionen der Notenbanken und der Politik den Stecker wieder in die Steckdose steckten.

Heutzutage dagegen geht es um etwas anderes, was zu Zeiten der Finanzkrise noch gar nicht in Frage stand: die Globalisierung! Denn dass das Gesamtsystem damals während der Finanzkrise nicht kollabierte, lag vornehmlich daran, dass die Globalisierungs-Story intakt war: China würde wachsen, Asien insgesamt, und überhaupt war die Perspektive doch eigentlich gut, weil global immer mehr Player in Erscheinung traten, die zuvor kaum eine Rolle gespielt hatten. Das versprach Wachstum, also war doch alles schick!

Nun aber steht die Globalisierung selbst in Frage – und die gestrige Pleite von Hanjin, einem globalen Top-10 Container Reeder, ist dafür das erste klare Anzeichen. Es ist der Bear Stearns-Moment einer großen Krise der Globalisierung selbst!

Containerschiff2
Foto: Sparklemotion / Wikipedia (CC BY-SA 2.0 de)

Denn der Trend geht klar zur Automatisierung: wir stehen am Beginn einer Entwicklung, die das Rad der Globalisierung gewissermaßen zurück drehen wird! Durch die Automatisierung werden mehr und mehr Dinge wieder im Westen produziert, die zuvor in Billiglohn-Länder verlagert worden waren. Wenn Maschinen den Kostenvorteil egalisieren, den billige Arbeit in Afrika oder ärmeren asiatischen Ländern hat, dann wird es für die betroffenen Länder noch schwerer. Für die Produzenten aber entfallen die Transportkosten, zudem sind die Produkte damit viel schneller am (westlichen) Kunden, als wenn man etwa in Kambodscha, Bangladesh oder Äthopien fertigen lassen würde (siehe dazu unseren Artikel “Der Welthandel schmiert ab”).

Mit anderen Worten: die Automatisierung “killt” das Geschäftsmodell der Globalisierung, das auf der billigen Arbeit in jenen Ländern basierte, die nun endlich auch mitspielen wollten im Konzert des Wohlstands. Nun wird der überwiegende Teil des Welthandels über die Schifffahrt abgewickelt, faktisch also durch den Transport von Containern, die die billig produzierten Erzeugnisse zu uns bringen, damit wir diese auch schön billig einkaufen können. Auf den Punkt bringt diese Entwicklung zum Beispiel adidas, das sein Schuhe verstärkt wieder in Deutschland produzieren will – durch Roboter!

All das passiert nicht schnell, ist ein langwieriger Prozeß – aber es ist ein Mega-Trend, der zu einer Art Rückabwicklung der Globalisierung führen wird (für die Menschen in den betroffenen Billiglohn-Ländern ist das eine schlechte Nachricht!). Weniger durch reale Menschen in von uns fernen Ländern produzierte Güter heißt – weniger Container. Nicht zufällig sind daher die Hafenbetreiber in der Defensive – sie verlieren Stück für Stück ein lange gut funktionierendes Geschäftsmodell.

Und dieser Trend zur wirtschaftlichen Rückabwicklung der Globalisierung geht einher mit einer geistigen Veränderung, mit dem, was ich als “Tribalisierung” bezeichnet habe (siehe dazu “Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren”)

“Wir erleben derzeit in praktisch jeder Hinsicht einen Rückschlag der Globalisierung: das gilt geistig-ideologisch mit dem verstärkten Trend der „Tribalisierung“ (von englisch „tribe“ = der Stamm) in Gestalt neokonservativer Bewegungen, die eine Rückkehr zur Nation, „Volk“ oder Nationalstaat wollen.”

Die Pleite von Hanjin ist so der erste sichtbare GAU der Globalisierung: Systeme fangen da an zu brechen, wo die Belastbarkeit angesichts des Dauerdrucks am geringsten ist. Das war und ist offenkundig Hanjin, aber Hanjin wird nicht das Ende, sondern der Anfang einer Pleitewelle sein in dem Sektor – und das kann dann andere Bereiche mit runterreißen. Der erste Dominostein ist gefallen!

Die Finanzkrise begann mit Bear Stearns, die große Krise der Globalisierung begann sichtbar gestern mit der Pleite von Hanjin. Und anders als 2007 haben wir nun nichts mehr, worauf wir wiklich hoffen könnten – wie damals eben die Hoffung auf Wachstum durch Globalisierung. Zumal die Notenbanken ihr Pulver auch schon weitgehend verschossen haben..

19 Kommentare

19 Comments

  1. Avatar

    leser

    1. September 2016 13:56 at 13:56

    Das ist ja schon fast Stoff für ein Buch.
    Wenn Sie recht haben und Hanjin der Bear Stearns Moment der Globalisierung ist, dann ist ja in Kürze noch einiges zu erwarten.
    Das Internet als wichtigstes Schmiermittel der Globalisierung wird Bestand haben. Der Wettbewerb um die besten Köpfe, Ideen und Problemlösungen wird weiter global geführt werden.
    Und auch die bei Rückverlagerung der Produktion werden Rohstoffe gebraucht.

  2. Avatar

    V

    1. September 2016 14:05 at 14:05

    Hallo Herr Fugmann,

    Sie übetreiben hier (mal wieder) ziemlich.

    “Es ist der Bear Stearns-Moment einer großen Krise der Globalisierung selbst!”

    Das sehe ich nicht so – die Pleite einer Reederei für Containerschiffe hier ist definitiv kein black swan event.

    Klar ist, dass die Emerging Markets unter Druck sind und die Investitionen wegen Risiken in den Schwellenländern zurückgefahren werden. Auch hier und da mal die Produktion von Waren zurückgeholt wird.

    Aber Wirtschaft sind nicht nur physische Waren, sondern auch Dienstleistungen, Software, etc.! Dinge die nicht verschifft werden müssen. Das hat mit Containerschiffen nichts zu tun.

    Und von super-Automatisisierungen in den Industrieländern sehe ich auch noch nicht viel, das als Argument der De-Globalisierung herangezogen wird.

    Also alles in allem finde ich Ihre Thesen und die projezierten Effekte eines in Kürze einstürzenden Systems diesbezüglich ziemlich wild… Wachstum wird in Preisen gemessen und nicht nur in Mengen (die über die Weltmeere geschifft werden). Bezüglich der Inflationsschaffung haben die Zentralbanken ihr Pulver noch lange nicht verschossen, denn wenn ich massiv Geld drucke wird die Inflation irgendwann kommen…und Zentralbanken können prinzipiell unbegrenzt drucken!

    VG, V

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    isntit

    1. September 2016 14:31 at 14:31

    “… dass die von der Politik genährte Immobilien-Blase (jeder Amerikaner soll sich ein Haus leisten können, so das Mantra der US-Demokraten) einstürzen würde …”
    Mantra der US-Demokraten??? Unter Clinton hat die Entwicklung zwar ihren Anfang genommen.
    Von 2001 bis 2009 waren aber (leider) George W. Bush und die Republikaner an der Regierung! Zitat George W. Bush 2002: “Wir wollen, dass jeder in Amerika sein eigenes Haus besitzt”.

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    hans

    1. September 2016 14:44 at 14:44

    An der Regierung ist da schon lange niemand, ausser vielleicht die Goldmänner, Black Rock usw.

    Überigens unterstützen die die WallstreetClinton.

    Vielleicht wäre ein total verblödeter Thrump doch die bessere Wahl?

    Wie dem auch sei, lange kann! das nicht mehr gut gehen. Ich meine damit das Ende der Casinobörse kommt, vielleicht früher als so mancher Bulle denkt.

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    m.d

    1. September 2016 15:38 at 15:38

    ich finde den Bericht mehr als wahr. Die Schwellenländer haben in den letzten Jahren gut aufgeholt und damit den Wohlstand im eigenen Land vorangetrieben. Somit ist auch das pro-Kopfeinkommen gestiegen und damit auch die Produktionskosten. Das führt dazu, daß die Firmen wieder vor Ort in Ihrem eigenen Land produzieren könnten. Zumal man mit der EZB einen günstigen Kreditgeber hätte.
    Oder liege ich da falsch mit meiner Meinung.
    VG M.D

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    RM

    1. September 2016 16:58 at 16:58

    Die Frage ist auch, ob die abstürzenden Frachtraten nicht eher etwas mit einer Überkapazität im Containerschiffbereich zu tun haben als mit einem reinen Rückgang der Transportmengen. Hierzu auch der Hinweis, dass grade auch durch deutsche Abschreibungsmodelle auf Schiffe, eine Riesenflotte an (unnötigen) Containerschiffen aufgebaut wurde. Ich las da mal etwas von einer Verdopplung…
    Daher könnte so eine Insolvenz eher ein Gesundschrumpfen bedeuten, auch wenn ich jetzt keine Statistiken dazu vorliegen habe.

    • Avatar

      RM

      1. September 2016 17:04 at 17:04

      P.S.: dann wäre das mal wieder (siehe Immo Finanzkrise) ein Bsp dafür, dass es eben wieder staatliche/politische Eingriffe sind, die in die Katastrophe führen und eben nicht die (Zitat Gabriel) “wildgewordenen Finanzmärkte”.
      Wir haben nicht zuviel Markt, sondern viel zu wenig.

      Und ebenso viel zu wenig Ausbildung des Nachwuchses in Sachen Finanzen.

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      Hinterfrager

      1. September 2016 17:47 at 17:47

      Womöglich beides. Fakt ist, dass das Volumen des Welthandels nun erstmals geschrumpft ist:

      http://www.t-online.de/wirtschaft/id_78790818/wirtschaft-volumen-des-welthandels-geschrumpft.html

      • Avatar

        V

        1. September 2016 18:39 at 18:39

        und wieviel trägt der massiv gesunkene Ölpreis zum Sinken des Volumens des Welthandels bei? Ich könnte mir vorstellen, dass er der Hauptverantwortliche für diesen Rückgang ist. Deflation eben…

  7. Avatar

    Reinhard Fürst

    1. September 2016 18:30 at 18:30

    Hallo!

    Ich finde DIESE Globalisierung muss chrashen, mit all ihren Problemen die sie verursacht hat – tut sie es nämlich nicht, endet der ganze Scherz wohl in einem Finanz- Feudalismus.
    Allerdings werden die positiven Aspekte, von denen es ja auch genug gibt, überdauern.
    Der Weg dorthin wird allerdings, sagen wir mal, holprig.

    LG
    RF

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    Z0P0

    1. September 2016 19:26 at 19:26

    Ich denke Herr Fugmann liegt hier nicht weit daneben…

    z.B. China’s Wachstum ist zwar (offiziel) immer noch größer 6% aber der Export geht stetig zurück und das liegt nicht am Öl. http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-03/china-wirtschaft-februar-export-einbruch das gleiche gilt für Japan, Korea, Taiwan,…

  9. Avatar

    Ulich Manz

    1. September 2016 20:57 at 20:57

    Vielen Dank für den Artikel. In der Tat, die Globalisierung, so wie wir sie kennen, wird sich verändern. Maßgebliche Treiber sind: Die angesprochene Digitalisierung in Verbindung mir Industrie 4.0. Ein bislang unterschätzter Treiber dürfte der 3D-Drucker sein. Er hat das Zeugs die realen Handelsströme signifikant zu senken. Er wird die Kosten von Realprodukten erheblich, aktuell um bis zu 90% senken, die Logistik wird schrumpfen (stärker als wir aktuell denken), Verkaufspreise werden sinken und damit auch die Löhne. Eine neue Welt, die die VWL auf den Kopf stellt. Nach aktuellen Studien ist das Wachstum des 3D-Druckers in den nächsten Jahren signifikant – wir haben also noch Zeit uns über diese Veränderungen Gedanken zu machen – allerdings nicht mehr allzu viel. Wenn sich dann auch noch die Blockchain-Technologie etablieren sollte, dann interessiert sich niemand mehr für die Globalisierung, weil die dann eh nicht mehr relevant ist. Wir brauchen viel mehr Artikel, wie den, den ich gerade kommentiere….

  10. Avatar

    Hans Kolpak

    2. September 2016 20:45 at 20:45

    Prinzipiell findet ja alles gleichzeitig auf der Erde statt, weil die über 7,4 Milliarden Menschen eine große Bandbreite an Vorstellungen pflegen. Trotzdem gibt es Entwicklungen, die von vielen Menschen verfolgt und vertreten werden, bis es zu viele sind.

    2006 bis 2008 zeigte sich, dass in den USA zu viele Menschen Immobilien auf Kredit erworben hatten, die sich das gar nicht leisten können. Die von diesem Trend abhängige Finanzwirtschaft entwickelte sich zurück.

    In den letzten Jahren wurden immer weniger Containerschiffe benötigt, um Artikel zu transportieren, die aufgrund niedriger Löhne in fernen Ländern hergestellt worden waren. Computer, Roboter und 3D-Drucker erlauben inzwischen auch in Ländern mit hohen Löhnen eine industrielle Produktion, die ausreichende Gewinne erwirtschaftet.

    Nur Deutschland mit seinen hohen Strompreisen sorgt dafür, dass immer mehr neue Industriebetriebe im benachbarten Ausland gebaut werden, während in die bestehenden Fabriken nicht mehr investiert wird.

    Doch die Ausrüstung für die neuen Betriebe werden in Deutschland entwickelt und hergestellt, um ein paar hundert Kilometer weiter eingebaut zu werden. Das täuscht für Deutschland einen vorübergehenden Aufschwung vor, der anschließend von einem Zusammenbruch mit wahnsinniger Arbeitslosigkeit abgelöst wird.

    Es wundert auch nicht weiter, wenn Chinesen auf Einkaufstour gehen, um ihre lästigen US-Dollar loszuwerden und gleichzeitig Synergien zwischen ihren Produktionsstätten im Reich der Mitte und den europäischen Vertriebsgesellschaften herzustellen. Die “Neue Seidenstraße” ist kein Phantasieprodukt, sondern ein ernsthaftes Ziel, das die “City of London” und Berlin, Moskau und Peking verbindet.

    Die dummen Auswüchse von Mischkulturen und Umverteilungsstaaten geraten ebenfalls an ihre Grenzen. Der gesellschaftliche und finanzielle Zusammenbruch findet bereits statt. Interessanterweise begreifen die instrumentalisierten Funktionseliten überhaupt nicht, dass sie nur Mittel zum Zweck sind, um Platz für etwas Besseres zu schaffen. Es gibt ein grausames Erwachen und eine maßlose Enttäuschung ohnegleichen.

    Muss es Hoffnung geben? Wohl kaum! Wenige Menschen, die sich auf Kosten vieler bereichert haben, werden die Konsequenzen ihrer Lügen und Betrügereien tragen müssen. Für die überlebene Masse wird es eine wohltuende Befreiung und Entspannung sein – weg von der maßlosen Ausbeuterei, die zu Stress, Überlastung und Überschuldung geführt hat.

    Ein tiefes Durchatmen und Aufatmen wird durch die Völker gehen. Man wird in weniger Arbeitsstunden mehr Lohn erhalten und für sich verwenden dürfen. Eine Staatsquote von 50 bis 80 Prozent wird dann nur noch eine albtraumhafte Erinnerung an finstere Zeiten sein, die vergangen sind. Einkommensteuerfreiheit ist keine Utopie, sondern ein bereits praktiziertes Erfolgsmodell. Dann wird auch niemand mehr da sein, der den Inhalt von Geschichtsbüchern vorgibt, wie es seit 1918 der Fall war.

    http://www.dzig.de/Kollabiert-der-weltweite-Handel

  11. Avatar

    Ulich Manz

    4. September 2016 10:30 at 10:30

    Ihr Beitrag wird nun sogar in den heutigen DWN zitiert, ist doch schön…

    “Am Mittwoch wurde darüber hinaus bekannt, dass die weltweit siebtgrößte Container-Reederei Hanjin aus Südkorea Insolvenz anmelden muss. Hanjin ist damit das erste prominente Opfer des Abschwungs im internationalen Seehandel. Der Finanzblog Finanzmarktwelt bezeichnet den Bankrott der Reederei als erstes sichtbares Zeichen einer neuen Weltwirtschaftskrise.”

  12. Avatar

    Ulich Manz

    5. September 2016 08:34 at 08:34

  13. Avatar

    Jan

    5. September 2016 10:42 at 10:42

    Den Anfang machte m.E. der ehemalige Weltmarktführer Nokia mit seiner Auslagerung der Produktion Rumänien. Fehlende Infrastruktur und fehlende qualifizierte Mitarbeiter führten zu dem bekannten Ende.
    Ich denke, dass zukünftig wieder mehr im eigenen Land produziert wird. Dank Schröder und Co. sind wir selbst zum Billiglohnland verkommen, so dass sich die Produktion in Asien oder sonst wo nicht mehr rentiert.

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Aktienrückkäufe: Wie CEOs ihre Unternehmen aufs Spiel setzen

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An der Wall Street sieht man Aktienrückkäufe als normales Instrument an

In den vergangenen Jahren gab es zwei von Top-Managern initiierte Schemata, die beide die von ihnen geführten Unternehmen aufs Spiel setzten: Aktienrückkäufe (verlorenes Jahrzehnt?) und für Kredite als Sicherheit hinterlegte Aktien! Beide Schemata fliegen den Unternehmen nun reihenweise um die Ohren. Im ersten Fall fehlt den Unternehmen nun das Geld in der Krise, im zweiten Fall können die als Kreditsicherheit hinterlegten Aktien schlimmstenfalls einen Abwärtstrend in der Aktie noch zusätzlich verstärken.

Aktienrückkäufe leerten die Konten der Unternehmen, ohne Nutzen zu stiften

Aktienrückkäufe waren über etliche Jahre beim Management zahlloser Unternehmen Mittel der Wahl, um angeblich Aktionäre am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Hunderte Milliarden US-Dollar wurden ausgegeben, um Aktien zurückzukaufen. Dieser Rückkäufe erhöhen temporär den Preis einer Aktie, da die Nachfrage nach den Papieren erhöht wird. Und wenn die Unternehmen die Aktien nach dem Rückkauf vernichten, dann haben die verbliebenen Aktionäre auch einen größeren Anteil am Unternehmen. Eventuelle Dividenden verteilen sich auf weniger Aktien und bei unverändertem Unternehmenswert sollte jede Aktie aus dem kleiner gewordenen Pool aller Aktien mehr wert sein. Um Steuern zu sparen und gemachte Gewinne nicht versteuern zu müssen, nahmen Unternehmen wie Apple sogar Kredite im Umfang dutzender Milliarden US-Dollar auf, um die eigenen Aktien zu kaufen.

Die Kredite sind bei Apple weniger ein Problem, da das Unternehmen gleichzeitig auf enormen Barreserven sitzt. Andere Unternehmen wie Boeing haben es deutlich schwieriger. Geld, das in den vergangenen Jahren für Aktienrückkäufe ausgegeben wurde, fehlt dem Unternehmen nun. Es wurde ausgegeben, ohne dadurch zusätzliches Wachstum für das Unternehmen zu generieren. Es ist das Mittel der Wahl für faule Manager, die keine Ideen haben, wie sie die vom Unternehmen erwirtschafteten Gewinne so reinvestieren können, dass Aktionäre dadurch langfristig profitieren. Dabei wäre die Mehrung des Unternehmensvermögens genau das, wofür das Management von den Aktionären eingesetzt wurde.

Dividenden-Ausschüttungen würden dem Unternehmen zwar auch Kapital entziehen, ohne dadurch zusätzliches Wachstum zu generieren. Doch Dividenden fließen den Aktionären wenigstens direkt zu. Von Aktienrückkäufen haben Aktionäre real höchstens dann etwas, wenn sie ihre eigenen Aktien zum künstlich gepushten Kurs veräußern.

Aktienrückkäufe lassen vor allem das Management profitieren

Dividenden haben zudem den Vorteil, dass das Management nicht überproportional davon profitiert. Genau das tut es aber bei Aktienrückkäufen. Denn inzwischen machen Optionskomponenten den Großteil der Managervergütungen aus. Je höher der Aktienkurs des Unternehmens ist, umso mehr wert sind auch die zugeteilten Aktienoptionen. Manche Aufsichtsräte waren sogar so verrückt, die Managervergütung direkt an den Aktienkurs zu koppeln – bei Tesla Motors zum Beispiel. Das Management hat damit einen maximal großen Anreiz, den Aktienkurs kurzfristig zu erhöhen.

Aktien-Optionen haben zudem den Nachteil, die Anteile der Altaktionäre zu verwässern. Denn jede ausgeübte Aktien-Option führt dazu, dass mehr Aktien im Umlauf sind. Vom gleichen Management durchgeführte Aktienrückkäufe neutralisieren somit erstens die Verwässerungseffekte der eigenen Aktien-Optionen und führen zweitens zu temporär höheren Aktienkursen, die die vom Management gehaltenen Optionen mehr wert werden lassen – oder wie im Falle von Tesla überhaupt erst zur Zuteilung der Optionen führen. Fehlt den Unternehmen nach den Rückkäufen dann auch noch das Geld in der nächsten Krise, wie bei Boeing, dann hat das Management die Unternehmenszukunft aufs Spiel gesetzt, um sich selbst Vorteile zu verschaffen.

Manager verpfänden ihre Aktien, um den eigenen Lebensstil steuerfrei zu finanzieren

Ein zweites gern von Managern genutztes Schema der Bereicherung zum Nachteil des Unternehmens ist abseits der Aktienrückkäufe die Kreditaufnahme für persönliche Zwecke. Manager wie Elon Musk von Tesla oder Markus Braun von Wirecard zahlen ungern Steuern. Und sie geben auch ungern das Steuer „ihres“ Unternehmens aus der Hand. Gleichzeitig pflegen oder pflegten sie jedoch gern einen opulenten Lebensstil. Um den zu finanzieren, müssten sie eigentlich einen Teil ihrer Aktien verkaufen. Dabei müssten die Kursgewinne versteuert werden und sie hätten anschließend weniger Stimmrechte auf der nächsten Aktionärsversammlung.

Liebend gern boten und bieten Banken daher an, doch einfach einen (großen) Teil der eigenen Aktien als Kreditsicherheit zu hinterlegen. Für Kredit fallen keine Steuern an, die Stimmrechte bleiben beim Aktienbesitzer und trotzdem ist der Lebensstil gesichert. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld werden die Zinsen dafür gern gezahlt.

Doch die Sache hat einen kleinen Haken: Das Schema funktioniert nur solange, wie der Aktienkurs nicht crasht. Tut er das, werden die Banken irgendwann nervös. Reicht der Wert der als Sicherheit hinterlegten Aktien nicht mehr aus, um den Kredit zu besichern, folgt der Margin Call. Der Kreditnehmer muss dann neue Sicherheiten hinterlegen. Kann er das nicht, werden die Kreditsicherheiten, also die Aktien, verwertet. Das heißt, die Bank wirft die Aktien auf den Markt. Alle. Zur gleichen Zeit. So wie bei Wirecard vor einigen Tagen. Diese Notverkäufe befeuern einen ohnehin bestehenden steilen Abwärtstrend zusätzlich. Je niedriger der Aktienkurs ist, umso schwieriger werden jedoch Kapitalerhöhungen. Denn für den gleichen neu eingeworbenen Betrag müssen viel mehr neue Aktien verkauft und damit der Anteil der Altaktionäre auch stärker verwässert werden.

Der Anteil der verpfändeten Aktien kann dabei durchaus enorme Werte annehmen. Bei Elon Musk sind es 54% all seiner Tesla-Aktien, von denen er rund 20% besitzt. Bei Softbanks Masayoshi Son sind es 60%. Son hält 27% an Softbank. Und Steven Rales, CEO der Danaher Corporation, hat 74% seiner Aktien verpfändet. Er hält 6,2% an Danaher. Sein Bruder Mitchell Rales hält weitere 5,1% an Danaher, von denen wiederrum volle 90,7% für Kredite verpfändet wurden.

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Tesla – die Wiederauferstehung der Dotcom-Blase!

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Die Euphorie um Tesla erinnert stark an die Dotcom-Blase: damals wurde alles gekauft, was mit Internet zu tun hatte – heute ist an die Stelle des Internets die Euphorie um die Elektromobilität getreten. Vor allem Tesla steigt von Allzeithoch zu Allzeithoch – aber dieser Anstieg basiert auf zwei eher unwahrscheinlichen Prämissen: erstens dass Elektroautos den Markt klar dominieren werden in Zukunft, und zweitens dass kein anderer Hersteller in der Lage sein wird, Tesla wirklich Konkurrenz zu machen..

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Dirk Müller zum Wasserstoff-Hype: Warum man jetzt nicht einsteigen sollte

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Wir hatten erst vorgestern über die Aussagen von Dirk Müller berichtet,über die Wahnsinns-Hausse der letzten Wochen in den USA, wo teilweise Minderjährige mit den Kreditkarten ihrer Eltern die Börse stürmen, und wo Millionen von Menschen mit Kleinstbeträgen wie wahnsinnig Börsenkurse pushen. Heute spricht Dirk Müller im folgenden Video über den aktuellen Hype rund um das Thema Wasserstoff. Diese Woche wurde der Hype nochmal kräftig befeuert durch die erst gestern präsentierten großen Pläne der EU, dass man bis 2050 klimaneutral werden wolle, und das mit Wasserstoff. Gigantische Milliardenprogramme sollen von Staaten und Unternehmen in Europa aufgelegt werden.

Also, ist das nun auch der große Start für den Hype rund um Wasserstoff-Aktien? Oder läuft er schon, und Anleger, die sich hier noch nicht auskennen, kommen zu spät? Genau davor warnt Dirk Müller im folgenden Video. Er beschreibt diese jetzige Euphorie und vergleicht sie mit Themen wie 3D-Druck oder Cannabis-Aktien. Jetzt sei der Markt für Anleger schon zu teuer. Man müsse nun erst einmal auf die Marktbereinigung warten, die nach der Euphorie einsetze. Er beschreibt auch Phasen der Markteuphorie, wie es sie in anderen Bereichen schon gegeben habe, die nun auch so beim Wasserstoff ablaufen würden.

Wasserstoff Tankstelle in Belgien
Eine Wasserstofftankstelle in Zaventem Belgien. Foto: Dr. Artur Braun (Arturbraun) CC BY-SA 4.0

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