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Hans-Werner Sinn volle Pulle: Schengen, Flüchtlinge, Europa, Finanzkrise

Redaktion

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FMW-Redaktion

In den letzten Tagen in Amt und Würden (ifo-Institut) ist Hans-Werner Sinn gefragter denn je, was wohl auch nach seinem offiziellen Ausscheiden aus der deutschen Ökonomenszene nicht aufhören dürfte. In den letzten Tagen gibt er öfters seine Meinung preis zu diversen Themenfeldern, mit seiner üblichen Klarheit. Hier eine Zusammenfassung zu wichtigen Themen wie Schengen, Europa, Flüchtlinge und die Finanzkrise.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn, noch Präsident des ifo-Instituts. Foto: Romy Bonitz, ifo Institut / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

In seinem aktuellsten Vortrag (Videolink weiter unten) verkündete Sinn auch, warum er zuletzt diverse Talkshow-Einladungen abgelehnt habe. Mit seinem Vortrag wolle er einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte liefern. Die Einladungen habe er abgelehnt, weil man dort nicht nüchtern über die Probleme diskutieren könne und Ökonomen mit Schlips als kaltherzig abgetan würden.

Flüchtlinge

Zum Thema Flüchtlinge hat wohl jeder diese oder jene Meinung. Für beide Seiten gibt es gute Argumente. Man kann rein menschlich argumentieren und mit dem möglichen Zugewinn für die Volkswirtschaft, oder man argumentiert mit den möglichen Risiken für eine Volkswirtschaft. Natürlich gibt es da auch die rein rechtlichen Rahmenbedingungen, die dagegen sprächen unbegrenzt Flüchtlinge aufzunehmen. Hans-Werner Sinn spricht aktuell u.a. die schiere Masse an potenziellen Flüchtlingen an, die man unmöglich aufnehmen könnte, Zitat gestern bei der „Welt“:

„Wir können diese Willkommenskultur nicht fortsetzen, indem wir sagen, Bürgerkriegsflüchtlinge, egal woher, nehmen wir auf. Dazu ist Afrika mit seinen 1,1 Milliarden Menschen zu groß, und dazu gibt es dort zu viele Bürgerkriege. Denken Sie nur an den Bürgerkrieg in Nigeria, wo 170 Millionen Menschen leben. Das deutsche Asylrecht gewährt Schutz vor politischer Verfolgung durch einen Staat und nicht etwa Schutz vor den Parteien eines Bürgerkriegs. Und die Genfer Flüchtlingskonvention, die großzügiger ist und auch Bürgerkriegsflüchtlingen Schutz verspricht, gilt für die jeweiligen Nachbarländer. Die sind zunächst einmal zuständig, nicht Deutschland.“

Generell ist bekannt, dass Sinn darauf drängt für Flüchtlinge den gesetzlichen Mindestlohn auszusetzen. Diese Forderung wiederholte er auch jüngst. Ein zweischneidiges Schwert. Natürlich hat er recht, dass z.B. ganz ungebildete Menschen ohne deutsche Sprachkenntnis nicht die selbe Produktivität erwirtschaften können wie Deutsche mit Berufsausbildung. Andererseits, so meinen wir, wird es nicht zu dieser Absenkung des Mindestlohns für Flüchtlinge kommen – politisch nicht durchsetzbar! Und selbst wenn, was wäre die Folge? Eine reale Zwei Klassen-Gesellschaft am Arbeitsmarkt, die von Arbeitgebern gnadenlos ausgenutzt werden würde. Eine Lohnspirale nach unten wäre die Folge, einfache Arbeiten würden massiv auf billigere Flüchtlinge verlagert werden, und deutsche 8,50 Euro-Niedriglöhner wären genötigt evtl. unbezahlte Überstunden zu machen um ihren Job zu behalten.

Sinn erwähnt zum Thema Flüchtlinge und Arbeitsmarkt auch einen Modellversuch der Handwerkskammer München und Oberbayern. Dieser hätte ergeben, dass 70% der Migranten, die eine Lehre angefangen hatten, diese bereits wieder vorzeitig abgebrochen hätten.

Zum Thema gibt´s hier einen Videomitschnitt von Hans-Werner Sinn vom 1. März.

Schengen

Politiker in Berlin und Brüssel sind sich einig: Das Scheitern des Schengen-Raumes wäre das Ende von Europa. Da denkt man doch zuerst einmal: Großbritannien ist aktuell gar nicht im Schengen-Raum, und handelt auch aktiv mit dem Festland. Und vor Schengen funktionierte Europa auch – warum also wäre das Schengen-Ende so ein Desaster für Europa? Das scheint sich auch Hans-Werner Sinn zu fragen. So sagte er auch in der ifo-Veranstaltung (Videolink oben) den zunächst komischen Satz „Eine liberale Gesellschaft gibt es nur mit Zäunen“. Gelänge es nicht die Außengrenzen von Schengen zu kontrollieren, müsse Deutschland eben dem Vorbild Österreichs folgen und die eigenen Grenzen kontrollieren. Griechenland, über das die meisten Flüchtlinge kommen, sei ein „failed State“ und der Seeweg mit den vielen Inseln kaum zu kontrollieren. Die „Willkommenskultur“ sei ein auf Deutschland beschränktes Phänomen – andere europäische Länder seien abweisender. Hier ein Zitat aus seinem gestrigen Interview mit der „Welt“:

„Wieso die EU scheitern sollte, wenn man die Grenzen kontrolliert, ist mir schleierhaft. Die EU gab es auch schon ohne Schengen, und einige EU-Länder machen bei Schengen sowieso nicht mit. Wenn man genug Zöllner parallel arbeiten lässt, gibt es keine Staus. Die Zöllner sind billig. Wir reden hier über einen winzigen Bruchteil dessen, was die Flüchtlinge kosten. Grenzkontrollen heißen doch nicht, dass man die Grenzen schließt. Nur entscheidet der deutsche Staat, wen er hereinlässt. Ich bin dafür, erst einmal die Schengengrenze von Slowenien und Italien gemeinschaftlich zu kontrollieren und die Flüchtlinge dort einem einheitlichen Asylverfahren zu unterwerfen. Wenn das nicht gelingt, dann muss Deutschland eigene deutsche Kontrollen vornehmen.“

Gegenüber der „SZ“ sagte Sinn jüngst das Schengen-Abkommen sei in der Flüchtlingskrise unter die Räder gekommen, weil die Grenzstaaten des Schengen-Raums die von außen kommenden Menschen gar nicht erst registrierten, wie es ihre Aufgabe war, sondern sie einfach durchreisen ließen, um sich auf diese Weise ihrer nach dem Dublin-III-Abkommen bestehenden Pflicht, die Flüchtlinge zu versorgen, entziehen zu können.

Europa

Was Europa als Grundkonstrukt angeht, so hält Hans-Werner Sinn es im Augenblick für eher angebracht im Finanzbereich auseinanderzugehen. Hierbei erwähnt er z.B. die EU-Einlagensicherung, bei der de facto (da stimmen wir zu) die Länder mit vollen Kassen für die mit leeren Kassen haften. Bei einer europäischen Arbeitslosenversicherung sähe es letztlich genau so aus. Dafür sieht er im Aufbau einer gemeinsam europäischen Armee einen neuen Impuls für ein gemeinsames Europa. So ein Projekt könnte der „europäischen Idee wieder Kraft verleihen“, so Sinn gegenüber der „Welt“. Der „SZ“ sagte er mittelfristig sei noch wichtiger „die Schaffung einer umfassenden europäischen Verteidigungsgemeinschaft“. Angesichts der militärischen Krisenherde im Umfeld Europas sei es ein unerträglicher Anachronismus, dass die 28 Staaten der EU über 25 separate Armeen mit eigenen Generalstäben verfügten, auch wenn sie durch die Nato notdürftig zusammengebunden seien.

Was den Brexit angeht, sieht Sinn eindeutig Großbritannien als Verlierer, wenngleich er betont, dass David Cameron Inhaltlich recht habe mit seinen Forderungen EU-Ausländern erst verzögert Sozialleistungen zu zahlen. Kein Staat könne das leisten.

Finanzkrise

Bei dem Thema ist Hans-Werner Sinn sich sicher, dass es zu fortwährenden Pleiten und Transfers kommen wird, wie z.B. beim Thema Griechenland. So sagte er der SZ vor Kurzem:

„Es ist nur allzu verständlich, wenn nun gefragt wird, was Europas Gemeinschaft in die Zukunft tragen könnte. Die nahezu reflexartige, im Zuge der Eurokrise formulierte Position, nun müsse endlich die vertiefte Fiskalunion kommen, überzeugt nicht. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen wird eine Fiskalunion in einer Transferunion münden, die durch die Übertragung von Finanzmitteln nicht nur temporäre Störungen der Wirtschaft ausgleicht, sondern Dauertransfers impliziert. Diese zementieren die fehlende Wettbewerbsfähigkeit der südlichen Länder, weil sie Lebensstandard und Löhne auf einem Niveau halten, das die Ansiedlung wettbewerbsfähiger Firmen verhindert.“

Sinn ist aktuell auch wichtig zu erwähnen, dass die italienischen Banken einen riesigen Berg fauler Kredite mit sich rumschleppen. Er ist der Meinung es sei richtig Pleiten in einem möglichst frühen Stadium zuzulassen. Das gelte sowohl für Länder als auch für Banken. Je früher sie kämen, desto kleiner seien die Folgewirkungen. Da meinen wir: Recht hat er.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    leser

    4. März 2016 16:47 at 16:47

    Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen für eine Regierung der primäre Maßstab sein. Volkswirtschaft kommt danach. Und bei den rechtlichen Rahmenbedingungen „sprächen“ diese nicht nur dagegen (mehr Konjunktiv geht kaum), sondern das Handeln der Regierung und primär unserer Kanzlerin sind eindeutig ein Gesetzesverstoß schwerwiegender Art. Wer das noch mal im einzelnen nachlesen will, kann das hier tun: http://verfassungsblog.de/nochmals-die-politik-offener-grenzen-ist-nicht-rechtskonform/

  2. Avatar

    Interessierter Leser

    4. März 2016 21:07 at 21:07

    Richtig, dass Sie, Herr Sinn, Einladungen zu diesen Talkshows inzwischen ablehnen. Die kann ja mittlerweile soundso kein normal denkender Mensch mehr ernst nehmen, denn die wirklich kritischen Argumente kommen dort soundso nicht auf den Tisch und falls in Ausnahmen doch, werden sie sofort wieder runter gewischt. Beispiel die Talkshow von vor knapp 2 Wochen von Anne Will zum Thema Bargeldbeschränkung: weder die Moderatorin, noch der ehemalige Finanzminister, noch Herr Lindner haben die Gelegenheit genutzt, die Zuschauer über die gravierenden Unterschiede von Bargeld und Giralgeld in unserem heutigen System aufzuklären und warum sie vielleicht doch auf ersteres auch in größerer Stückelung und Menge vielleicht besser doch nicht verzichten sollten (möglicherweise, weil sonst zu viele, die die Sendung sahen, am nächsten Morgen gleich zu ihrer Bank gegangen wären, um erst mal Bargeld abzuheben). Und keiner der Herrschaften hat das Argument und damit das eigentliche Motiv für dieses Bestreben der Politik auf den Tisch gelegt, dass dies sicherlich nur der erste Schritt dazu sein soll, dem Bürger jegliche Fluchtmöglichkeit mit seinem Geld aus dem Giralgeld und dem Bankensystem zu nehmen und ihn damit zum Gefangenen der Schuldenberge zu machen.

    Man fragt sich mittlerweile bei vielen der in den Talkshows auftretenden Politiker, ob die eigentlich hauptamtlich in der Politik sind, um dort präsent zu sein und ob sie dafür ihre Bezüge auf Kosten der Bürger erhalten? Dem etwas weiter denkenden Zuschauer präsentiert sich mittels dieser Shows spätestens seit Beginn der Flüchtlingskrise zunehmend des Bild, dass das System in dem wir leben, die Probleme nicht mehr beherrscht und sie schon gar nicht wird lösen können. Das Interessante daran ist, dass die öffentlich-rechtlichen Medien damit indirekt über die Politkerelite ein Bild zeichnet, das für den Erhalt des Systems eigentlich kontraproduktiv ist. Ist das gewollt oder merken das die Herrschaften Illner, Will, Blasberg usw. überhaupt nicht?

    Warum gibt es eigentlich nicht mal eine Talkshow zum Thema „was sind die größten Systemschwächen unseres seit mehr als 50 Jahren unreformierten demokratischen Systems und wie man diese durch Anpassungen des Grundgesetzes überkommen könnte“? Eine solche Talkshow über 10 Abende mit sachlich diskutierenden Wissensträgern und am besten ohne das Beisein von Politikern und mittels einer messbaren Wertanalyse wie in einem gut geführten Unternehmen ordentlich strukturiert, könnte sicherlich zielführender sein, als dieses mehrstündige wöchentlich Gewäsch auf Kosten der Rundfunkgebührenzahler. Wenn wir nämlich die grundlegenden Schwächen mal identifizieren und ausmerzen würden, dann würde das Agieren und Entscheiden der Politiker vielfach bestimmt anders und solider aussehen. Denn den Bürger frustriert doch am meisten der bedingt durch die Wahlzyklen kurzfristige Entscheidungshorizont der Politik einerseits und andererseits, dass die schlimmste Strafe für schlechte Arbeit einer Regierung und ihrer Mitglieder, die Nicht-Wiederwahl ist.

  3. Avatar

    sabine

    5. März 2016 16:04 at 16:04

    „Was den Brexit angeht, sieht Sinn eindeutig (?) Großbritannien als Verlierer, wenngleich er betont, dass David Cameron Inhaltlich recht habe mit seinen Forderungen, EU-Ausländern erst verzögert Sozialleistungen zu zahlen. Kein Staat könne das (ansonsten) leisten.“
    a) Laut Wiwo heißt es andersherum! „“Brexit wäre verheerend für Europa“ obwohl auch das falsch ist, es wäre verheerend für die Sch…Eu! Mehr nicht.
    http://www.wiwo.de/politik/europa/ifo-praesident-sinn-brexit-waere-verheerend-fuer-europa/12801592.html

    b) Tja, ist das nicht n-sozialistisch-rassistisch, oder „rechts“radikal? Wieso soll man arme Flüchtlingskinder nicht vor dem Ertrinken retten, also alle reinlassen?
    http://opposition24.de/propaganda-schwindel-syrischer-junge-ertrunken-weil-der-vater-neue-zaehne-wollte/213408

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Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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So sichern Sie Ihr Depot optimal ab – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Aktienmärkte eilen von einem Rekord zum nächsten. Das Virus wühlt zwar weiterhin, und tatsächlich eilt auch die Anzahl der Covid-Neuinfektionen weltweit von einem Rekord zum nächsten. Wir vertrauen allerdings auf die Kraft des Impfstoffes und sehen die Volkswirtschaften dieser Welt nächstens befreit.

Bei so viel Euphorie beschleicht allerdings den ein oder anderen Börsianer ein ungutes Gefühl. Sie haben also das Bedürfnis Ihr Depot, Ihre Buchgewinne einmal zumindest teilweise abzusichern. Im Folgenden erkläre ich Ihnen, welche drei goldenen Regeln Sie berücksichtigen müssen, damit die Absicherung auch wirklich greift.

Das Absichern oder Shorten eines Depots ist kein Hexenwerk. Allerdings sind wir als Börsianer natürlich eher geeicht auf steigende Kurse und Chancen. Mit anderen Worten: Shorten zählt bei den meisten von uns nicht zur ersten Begabung.

Das sind die drei goldenen Regeln:

– Fassen Sie immer punktuell und kurzfristig zu!
– Definieren Sie Ihren Depotschwerpunkt und vergessen Sie Einzelaktien!
– Legen Sie eine prozentuale Absicherungsquote fest!

Was sagen uns diese Regeln konkret?

Zu 1. Ein Short – ganz gleich ob als Optionsschein, Short-ETF oder Zertifikat – ist kein Pkw-Anschnallgurt, den wir fortwährend zur Anwendung bringen. Erfolgreiches Shorten verlangt eine kurzfristige Marktmeinung. Solche Instrumente kaufen wir immer punktuell und lediglich für wenige Wochen oder Monate. Andernfalls verzichten wir auf Geld und Rendite. Dabei sind weniger die laufenden Kosten eines Short-ETFs oder eines Optionsscheins das Problem. Sondern: Shorts – egal in welcher Form – bringen uns Verluste, wenn der Markt entgegen unserer Prognose doch steigt. Zudem fehlt uns das Kapital für den Short auf der Aktienseite. Zu Deutsch: Ein unsauber gesetzter Short wird schnell zum doppelten Renditekiller.

Zu 2. Das ist offensichtlich: Wenn von 20 Ihrer Depotpositionen 15 aus dem DAX stammen, sichern Sie nicht gegen den S&P 500 oder NASDAQ-Index ab, sondern natürlich gegen den DAX. Als kluger Börsianer kennen Sie den Schwerpunkt Ihres Depots und erwerben dazu passend einen Short. Ganz wichtig: Vergessen Sie…..

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