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Hans-Werner Sinn: Der Migrant als „Kostgänger“ des deutschen Staates mit einer 750 Milliarden-Lücke

Redaktion

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FMW-Redaktion

Hans-Werner Sinn hat geht jetzt so langsam in die Endphase seiner Abschiedsvorträge Land auf Land ab, denn im März scheidet er als Präsident des ifo-Instituts aus. Diese Woche hat er erneut ausführlich seine Meinung kundgetan, u.a. zu Migranten als gigantischer Kostenfaktor für Deutschland, oder „Kostgänger“, wie er es nennt. Die Lücke zwischen gut ausgebildeten und schlecht ausgebildeten Migranten soll 750 Milliarden Euro betragen, so darf man es verstehen…

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn, noch Präsident des ifo-Instituts. Foto: Romy Bonitz, ifo Institut / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Hans Werner Sinn beruft sich in einem diese Woche publizierten Interview in der NWZ auf den Freiburger VWL-Professor Bernd Raffelhüschen, der eine Spanne zwischen Gewinn und Verlust (ja, Börsensprache) von 750 Milliarden Euro errechnet haben will, so verstehen wir Sinn´s Aussage. Hier das Originalzitat:

„Genau diese Menschen könnten wir gut gebrauchen – wenn sie denn entsprechend ausgebildet wären. Mein Kollege Bernd Raffelhüschen aus Freiburg hat errechnet: Wenn die Migranten – bei ihrer jetzigen Altersstruktur – so gut wie die einheimische Bevölkerung ausgebildet wären, dann wäre das bei einer Million Flüchtlingen ein Plus von 300 Mrd. Euro für den deutschen Staat. Sie sind aber wesentlich schlechter ausgebildet und werden nur langsam integriert. Deshalb ergibt sich tatsächlich ein Minus von 450 Mrd.“

Sinn hatte in den letzten Monaten bereits mehrmals die Forderung gebracht für Flüchtlinge sollte der Mindestlohn von 8,50 Euro nicht gelten wg. ihrer geringeren Qualifikation und den Sprachproblemen. Ökonomisch ein nachvollziehbares Argument wg. der geringeren Produktivität für die Betriebe, aber damit würde man deutschlandweit einen brutalen Abwärtsdruck bei den Löhnen erzeugen, weil Arbeitgeber den Mindestlohn-Empfängern immer mit „billigeren“ Flüchtlingen drohen könnten. Das könnte zu erzwungener unbezahlter Mehrarbeit von Mindestlohnempfängern führen, die Angst haben könnten durch billigere Flüchtlinge ersetzt zu werden. So könnte ein Wettkampf am Arbeitsmarkt entstehen, den die Arbeitgeber wohl für sich ausnutzen würden – das meinen wir könnte eine reale Folge einer solchen Zwei Klassen-Gesellschaft am Arbeitsmarkt sein. Auch hierzu wiederholt Sinn seine Forderung:

„Angesichts der Massenemigration und der Notwendigkeit, diese Menschen möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren, können wir uns den Mindestlohn so nicht leisten. Der heutige Mindestlohn führt zu einer Migration in die Arbeitslosigkeit. Bei der Schaffung von Arbeitsplätzen für Flüchtlinge muss es darum gehen, nachhaltig Stellen zu schaffen, nicht aber keynesianische Strohfeuer zu erzeugen und dazu braucht es Lohnflexibilität. Dem steht aber ein Mindestlohn im Wege.Ich würde den Mindestlohn für die ersten zehn Jahre nach der Aufnahme einer Beschäftigung in Deutschland aussetzten. Im übrigen würde ich weiterhin auf den „aktivierenden Sozialstaat“ setzen, der seine Hilfen fürs Mitmachen statt fürs Wegbleiben gewährt.“

Auf den Hinweis der NWZ-Interviewer, dass Deutschland doch schon jahrzehntelange Erfahrung mit der Integration von Ausländern in deutschen Arbeitsmarkt habe, antwortete Sinn Zitat:

„Die bisherige Integration von Migranten in den deutschen Arbeitsmarkt ist nur leidlich gelungen. Auf alle Fälle sind auch schon die bisherigen Migranten Kostgänger des Staates. Nach Holger Bonin vom ZEW kosteten die schon bis 2014 eingewanderten Migranten im Lebenszyklus gerechnet 79.000 Euro pro Kopf. Während der Anteil der Ausländer mit eigener Migrationserfahrung an der in Deutschland ansässigen Bevölkerung 7,3 % beträgt, liegt der entsprechende Anteil an den Sozialhilfeempfängern bei 25 %, der Anteil an den Beziehern von Arbeitslosengeld II bei 18 % und der Anteil an den Beziehern von Arbeitslosengeld I bei 12 %. Da die Flüchtlinge einige Jahre brauchen werden, bis sie so integriert sind wie der Durchschnitt der bisherigen Migranten, werden sie den Staat sehr viel teurer kommen. Man darf auch nicht vergessen, dass selbst Menschen, die als Geringqualifizierte arbeiten, Nettoempfänger staatlicher Ressourcen sind, weil sie weitaus weniger Steuern und Beiträge zahlen, als der Staat ihnen in Form der öffentlichen Daseinsfürsorge inklusive der öffentlichen Verwaltung und der Infrastruktur zur Verfügung stellt.“

Hierzu sei gesagt: Es gibt genug andere Ökonomen, die die These des Migranten, der per Saldo nur kostet, genau entgegengesetzt sehen! Berechnungen, dass Ausländer unterm Strich Nettoeinzahler bei Steuern und Sozialabgaben sind, hat Hans-Werner Sinn nicht erwähnt!

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    leser

    5. Februar 2016 16:26 at 16:26

    „Es gibt genug andere Ökonomen, die die These des Migranten, der per Saldo nur kostet, genau entgegengesetzt sehen!“

    Sie meinen jetzt aber nicht Herrn Bofinger?

    Ergänzend zu Sinn, dessen Ausführungen ich logisch finde, kann man sich mit dieser ausführlichen Analyse von Daniel Stelter beschäftigen, die zu ähnlichen Ergebnissen kommt: http://think-beyondtheobvious.com/der-diw-faktencheck-teil-1-einfuehrung-und-zusammenfassung/

  2. Avatar

    Argonautiker

    5. Februar 2016 19:29 at 19:29

    Es war/ist einfach aberwitzig von Merkel, die Grenzen einfach so zu öffnen, ohne vor der Einreise eine Asylberechtigung durchzuführen, beziehungsweise Einwanderer durch sinnvolle Einwanderungsgesetze zu sondieren. Das wird Deutschland das Genick brechen.

    Das waren gedankliche Planspiele, einer Frau die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hatten. Wären das alles gut Ausgebildete, Friedliche, Arbeitswillige, Integrierwillige, dankbar Hilfsbedürftige,…, nur sieht die Wirklichkeit anders aus.

    Da wird das Rechenbeispiel des Herrn Sinns vielleicht nicht auf Heller und Pfennig stimmen, aber die Tendenz der immer deutlicher werdenden Wirklichkeit, gibt ihm inhaltlich recht. Die erwarteten Prinzen haben sich als Frösche erwiesen.

  3. Avatar

    oscar wilde

    5. Februar 2016 23:27 at 23:27

    tja leser und agronautiker…leider völlig richtig. es ist nur noch zum kot…auch ist es schon merkwürdig was hier an artikeln alles geschrieben wird. das steht direkt mal was von der digitalen arbeitsplatzvernichtung-drastisch reell. da steht etwas von bargeldabschaffung fürchterlich reell. da steht etwas vom kriegsgefahren und einem besser nicht existenten europa…so wie es sich dieser perverse amerikaner vorstellt. sehr reell….
    dieses land im herzen europas, als die melkende blödkuh, oder zahlenation, wird geschlachtet. so sieht es wohl der unglaubliche plan vor. welch zukunft für diese menschheit. lesen sie thomas bernett und ihnen wird nur noch übel !
    unsere politverbrecher sind das übel. nicht „nur“ der asylant, freudibold, glücksritter und das einwandernde prekareat. (einheimische sprechen es selber aus !!! ) ich habe mich mit italienern unterhalten. die sagten, italien ist überschwemmt und nicht mehr italien, mit machbaren lebensverhältnissen. sie kamen nach deutschland, ausgebildet. machen loserjobs für eine lumpenentlohnung. jobwunder spd und güne lügner ! sie sagen unisono, jetzt werden wir hier auch noch überschwemmt. es lebe unsere politikermischpoke. es ist leider nur der anfang. theoretisches dauergeschwätz aus der sessellounge, und die gut abgesichert und der haustür realität, liegen meilenweit auseinander. danke auch für diese demokratie….unfassbar und man muss zuschauen….

  4. Avatar

    Ichich

    6. Februar 2016 10:22 at 10:22

    „…genau entgegengesetzt sehen! Berechnungen, dass Ausländer unterm Strich Nettoeinzahler bei Steuern und Sozialabgaben sind …“

    Nö, die gibt es nicht.
    Wenn – lassen wir das Thema Kriminalität außen vor – Einwanderer/Auslädner in Deutschland im Durchschnitt(!) schlechtere Schulergebnisse haben, schlechtere berufliche Ergebnisse haben, mehr Betreuungsaufwand für sich und ihre Kidner erfordern als die Deutschen (Schweden, Dänen, Niederländer, etc.), wie sollen sie dann „Nettozahler“ sein ?

    Was vor kurzem „Bertelsmann“ darlegte, war ein fake, da sämtliche Steuer(!)zahlungen von Ausländern, die nicht in direkte Leistungen für Ausländer mündetetn, zu Sozialabgaben(!) umdeklarierte.

  5. Avatar

    Alexander Zeiler

    6. Februar 2016 10:53 at 10:53

    „Es gibt genug andere Ökonomen, die die These des Migranten, der per Saldo nur kostet, genau entgegengesetzt sehen!“ Zitat Ende.
    Soso, genau entgegengesetzt. Das Herr Sinn im großen und ganzen ein realistisches Bild zeichnet, verdankt er seinem gesunden Menschenverstand und der Fähigkeit Emotionen auszuschließen. Wissenschaft nennt man das. Diese Zahlen schmerzen und da wird dann ganz schnell der Ökonom des Vertrauens damit beauftragt eine Studie zu liefern die ins Weltbild passt.
    Dieses Ausmaß an Staatspropaganda hätte ich vor einem Jahr lachend in die Aluhut-Ecke verbannt. Bin gespannt was noch so kommt. Wie tief wird z.B. die Nazi-Latte noch sinken? Ist H.W. Sinn schon Rassist oder dieser Kommentar, ???

  6. Avatar

    C. Pichlo

    12. Februar 2018 13:55 at 13:55

    Prof. Sinn und Prof. Raffelhüschen, die beiden Vernichter der Gesetzlichen Rentenversicherung! Nun wüten sie weiter und informieren ihre Opfer über das was ihnen an der Migrantenfront droht. Das macht man so um die Opfer zu paralysieren wenn sie die ganze Wahrheit erfahren. Dann gibt es keine Gegenwehr von ihnen mehr!
    Wer das Vernichtungswerk dieser beiden Systemknechte bei der Zerschlagung der Gesetzlichen Rentenversicherung miterlebt hat, nachdem der Genosse der Bosse seine Agenda 2010 verkündet hatte, den packt das blanke Entsetzen wenn diese beiden Namen fallen. Schon damals arbeiteten diese beiden Spezialisten mit dem demographischen Faktor und erschlugen damit jegliche Kritik im Lande. „Die Alten fressen uns die Haare vom Kopf“ war die Parole dieser beiden Psychopathen – heute hängen die Alten kopfüber in den Mülltonnen.
    Flora

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

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Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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Free Lunch-Sozialismus in der Coronakrise auf dem Vormarsch

Claudio Kummerfeld

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Im Sozialismus der Moderne soll das Geld vom Himmel regnen

In den USA gibt es das Sprichwort, dass es keinen Free Lunch gibt. Sinngemäß übersetzt: Für alles muss irgendwie letztlich doch von irgendwem bezahlt werden. Wer ideologisch voll auf Sozialismus getrimmt ist, sieht das aber wohl grundsätzlich anders. Ökonomisch glauben zum Beispiel die Verfechter der Modern Money Theorie (MMT – hier dazu ein interessanter Text), dass man einfach als Staat unbegrenzt Geld druckt beziehungsweise immer weiter Schulden aufnimmt, und damit alle Probleme lösen kann. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die derzeitigen Staatenlenker und Notenbanker in Europa auch MMT-Verfechter sind?

Sozialismus: MMT und das Wunder-Märchenland

Wer eh schon an MMT als Wundermittel zur Lösung aller Probleme denkt, und dem Sozialismus zugeneigt ist, der kann auf folgende Idee kommen. Hey, die Europäische Zentralbank (EZB) kauft doch seit Jahren mit Billionen selbst gedruckter Euros die Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf. Und die Mitgliedsstaaten als Eigentümer der EZB könnten doch dafür sorgen, dass die EZB einfach als Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet. Man druck Geld, kauft die eigenen Schulden, und erlässt sich dann selbst die Schulden. Ein in sich geschlossener Kreislauf von Geld, das vom Himmel regnet und alle Probleme löst.

Was für ein Märchen-Wunderland. Aber halt. Wenn die EZB die Schulden der Länder erlässt, hat sie selbst ja Verluste in ihren Büchern. Und die Verluste würden buchhalterisch auf die Mitgliedsstaaten umgelegt, womit sie nach gerade erst erlassenen Schulden wieder neue Schulden hätten. Tja, eben doch kein Free Lunch? Außerdem können die Staaten der EZB dank ihrer Unabhängigkeit keine Anweisungen erteilen. Aber halt, war da nicht gerade erst was in Sachen EZB und Schuldenerlass?

EZB soll auf Rückzahlungen von Anleihen verzichten

Erst letzte Woche berichteten wir über die Forderung der in der italienischen Regierung sitzenden Fünf-Sterne-Bewegung Richtung EZB. Sie solle doch bitte gegenüber Italien auf die Rückzahlung der gehaltenen Anleihen verzichten, die im Zuge der Coronakrise aufgenommen wurden. Mal ehrlich: Selbst wenn die EZB das machen würde, müsste man das für alle Euro-Länder tun, und gleich danach wäre der Ruf laut nach Erlass aller gehaltenen Forderungen in den Büchern der EZB. Heute nun fordert Riccardo Fraccaro, ein Staatssekretär und enger Berater des italienischen Minsterpräsidenten Conte laut Berichten das selbe.

Auch er ist von der Fünf-Sterne-Bewegung. Die EZB könne so viel Geld drucken wie sie wolle. Die Geldpolitik müsse die expansive Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten in jeder möglichen Weise unterstützen, zum Beispiel per Schuldenerlass, oder über eine ewige Laufzeitverlängerung. Tja, Sozialismus pur, möchte man sagen. Erst Schulden machen, dann nicht zurückzahlen wollen. Woher das Geld kommt, dass es keinen Free Lunch gibt? Dass irgendwann bei maßlosem Gelddrucken Inflation und Hyperinflation anstehen, und dass man Schulden auch zurückzahlen muss – egal.

Der „plan“-mäßige Weg in den Sozialismus

Bernd Riexinger als Parteichef der Linken verkündet eine klare, ganz offene Forderung, die letztlich nichts anders ist als der direkte Weg in den Sozialismus. Das Wort Enteignung klingt natürlich verführerisch für alle Menschen, die kein Wohneigentum besitzen, sondern mieten. Wer würde sich nicht gerne vom „Joch“ des bösen Vermieters lösen, an den man jeden Monat einen beträchtlichen Teil seines Einkommens abführen muss? Dass der Vermieter für die Erstellung der Immobilie vielleicht einen Kredit aufgenommen hat, und dass laufende Kreditraten, Instandhaltungen, städtische Leitungsverlegungen an der Straße uvm sehr viel Geld kosten, das erwähnt Bernd Riexinger nicht.

Denn diese Kosten trägt der Vermieter, welche letztlich durch die monatlichen Mietzahlungen finanziert werden. Im Sozialismus sagt man sich wohl: Der böse Vermieter kassiert pro Monat 800 Euro Miete, und hat also auch 800 Euro Gewinn für sich selbst. Dass nach Kreditkosten, Instandhaltung, Müllabfuhr, Gärtner, Hausmeister uvm bei vielen Vermietern kaum oder nur wenig übrig bleibt, passt da natürlich nicht ins Bild. Dass Ersteller von Immobilien teuer erkaufte Grundstücke über höhere Wohnungsmieten refinanzieren müssen – egal. Für Bernd Riexinger ist es ganz einfach. Alles verstaatlichen, so scheint die Devise zu sein.

Am besten alle Wohnungen und auch alle Grundstücke in Staatseigentum überführen, dann hat man alle Probleme Wohnungsmarkt gelöst? Die tatsächliche und nachhaltige Lösung des Problems wäre es, dass Staat und vor allem private Vermieter die Zahl neuer Wohnungen so derart stark erhöhen, dass mehr Angebot als Nachfrage vorhanden ist. Dann fallen die Wohnungsmieten von ganz alleine – Angebot und Nachfrage! Berlin (man lebt eh auf Kosten der anderen Bundesländer über den Länderfinanzausgleich) müsste deutlich mehr Bauland zur Verfügung stellen, und das möglichst günstig, mit möglichst wenig Bürokratie. Aber nein, man bestraft lieber die bestehenden Vermieter.

Vermieter enteignen, weil sie nicht so agieren wie gewünscht

Diese Woche trat beim Berliner Mietendeckel die zweite Stufe in Kraft. Daraufhin kündigten große Vermieter in Berlin an neue Investitionen auf dem Berliner Wohnungsmarkt stoppen zu wollen. Die Lösung im Sozialismus lautet bei so etwas: Funktioniert unsere Maßnahme nicht wie gewünscht, setzen wir eben eine noch größere Maßnahme oben drauf. So fordert Bernd Riexinger daher eindeutig die Enteignung der Vermieter. Natürlich ist das verfassungsrechtlich ein noch weiterer Weg als der Mietendeckel.

Aber hey, der wurde ja auch bereits umgesetzt in Berlin. Der Staat soll es halt selbst richten. Selbst bei einer Enteignung (spielen wir das Szenario mal durch) müsste die Stadt Berlin die Wohnungseigentümer entschädigen. Dadurch würde die Verschuldung der Stadt Berlin deutlich ansteigen. Aber halt… wenn wir eh schon beim Thema EZB sind… die EZB könnte doch diese neuen Berliner Anleihen einfach aufkaufen, und auf ihre Rückzahlung verzichten? Wäre doch echt super? Ein Free Lunch im Märchenland des Sozialismus.

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Dass sich die Wohnungskrise in Berlin durch den Mietendeckel eher noch verschärft hat, das darf man als Verfechter des Sozialismus natürlich sofort den bösen Vermietern anlasten? Denn die wollen bei sinkenden Mieteinnahmen und staatlichem Eingriff in die Vertragsfreiheit keine neuen Wohnungen mehr in Berlin bauen? Welch ein Wunder, wer hätte damit rechnen können? Das ist ja gleich noch ein Argument für die Verstaatlichung der gesamten Wohnungsindustrie. Lassen wir einfach alles den Staat machen. Wohnungen bauen und vermieten, und das schön günstig. Aber warum macht die Stadt Berlin das nicht schon längst in großem Stil?

Niemand hindern sie daran. Man sieht, sie kann es nicht. Dabei regieren die Linken in Berlin doch, und sind nicht in einer Opposition, wo sie hilflose Zuschauer sind. Nein, man drangsaliert lieber die private Wohnungswirtschaft. Dabei könnte man parallel zu den Privaten durch ein massives Überangebot an neuen staatlich gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass auch bei den privaten Vermietern durch freie Marktmechanismen die Mietforderungen sinken. Denn wie gesagt, wenn mehr Wohnungen als Wohnungsssuchende vorhanden sind, werden die Vermieter zwangsläufig ihre Mietforderungen senken.

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Konsumklima stürzt ab, Aussichten am Arbeitsmarkt besser – wie kann das sein?

Claudio Kummerfeld

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Menschen in Schlange mit Einkaufswagen

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat heute ihre Meldung für das Konsumklima in Deutschland (Verbraucherstimmung) veröffentlicht. Dem normalen Menschenverstand folgend sinkt das GfK-Konsumklima. Für Dezember zeigt man einen Wert von -6,7 Punkten, und damit 3,5 Punkte weniger als im November. Es ist logisch, dass die Stimmung der Konsumenten sinkt, wenn der zweite Lockdown voll in Gange ist – sei es auch nur ein sanfter Lockdown mit geschlossener Gastronomie. Der Lockdown light habe die Verbraucherstimmung im November laut GfK spürbar gedämpft. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung müssen – wie schon im Vormonat – Einbußen hinnehmen. Hier ein Auszug aus der Meldung der GfK:

„Zwar bleiben die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet, doch die erneute Schließung von Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe treffen – ebenso wie der noch immer am Boden liegende Tourismus – das Konsumklima schwer“ erklärt Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte. „Damit haben sich auch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen. Die als Folge der zunehmenden Verunsicherung erneut gestiegene Sparneigung hat ebenfalls zum Rückgang des Konsumklimas beigetragen.“

Stimmung am Arbeitsmarkt verbessert sich

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute sein aktuellstes Barometer für den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Demnach verbessert sich die Stimmungslage sogar. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer (besteht aus zwei Komponenten, aktueller Beschäftigung und Entwicklung der Arbeitslosigkeit) ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator im leicht positiven Bereich. Warum? Nun, dazu gibt die IAB eine klare Aussage. Die Beschäftigung werde im zweiten Lockdown nicht noch einmal einbrechen. Wichtig hierfür seien die (staatlichen) Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise. Die Perspektive auf einen Impfstoff mache die Unternehmen zuversichtlicher.

Das verstärke noch einmal ihre Bereitschaft, die Beschäftigten zu halten. Dennoch belaste die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung, und die sich durch die Corona-Krise beschleunigenden Transformationsprozesse in der Wirtschaft würden große Herausforderungen darstellen. Und relativ günstige Aussichten zeigt das IAB-Arbeitsmarktbarometer für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Die entsprechende Komponente hielt sich auf dem Vormonatsstand von 102,1 Punkten. Zu beachten sei, dass der Befragungszeitraum schon in der ersten Novemberhälfte endete, als eine Verlängerung des Lockdowns noch nicht absehbar war.

Also: Die staatlichen Arbeitsmarkt-Forscher sehen die Stimmung deswegen verbessert, weil auf der einen Seite die Befragung schon endete, bevor eine Lockdown-Verlängerung absehbar war – und weil auf der anderen Seite die Wirtschaft vom Staat mit Rettungsgeldern geflutet wird, sodass Entlassungen nicht notwendig sind.

Arbeitsmarkt-Barometer der IAB steigt

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