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Hans-Werner Sinn: Der wahre Grund warum die EZB die 500 Euro-Scheine abschaffen will…

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FMW-Redaktion

Hans-Werner Sinn, noch wenige Tage Chef des ifo-Instituts, spricht heute über die nach seiner Meinung tatsächlichen Gründe, warum die EZB die 500 Euro-Scheine abschaffen wolle. Sinn´s bestechende Analyse zeigt tatsächlich eine letztendlich deutlich negative Auswirkung für den “braven” Kleinsparer und den “braven” Einzahler in Lebensversicherungen…

Hans-Werner sinn 500 Euro-Scheine
Hans-Werner Sinn, noch Präsident des ifo-Instituts. Foto: Romy Bonitz, ifo Institut / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Was ist schon schlimm daran 500 Euro-Scheine abzuschaffen? Das mag man sich fragen. Wenn Bargeld bestehen bleibt und man weiter mit 50ern und 100ern zahlen kann, reicht das doch vollkommen aus, stimmts? Oder etwa doch nicht? Hans-Werner Sinn spricht heute im Interview mit der “Abendzeitung München” deutlich an, wo der Vorteil für die EZB wäre, und worin das letztlich für uns alle münden könnte. Zitat:

“Doch steht das hinter der Abschaffung der 500-Euro-Noten. Man will den Banken die Möglichkeit nehmen, Bargeld zu horten, um sie zu zwingen, bei der Europäischen Zentralbank (EZB) negative Einlagenzinsen zu zahlen. Gelingt das, werden Bankkunden vermutlich auch auf Einlagen Strafzinsen zahlen. Die Zinsen auf Sparbücher, Lebensversicherungen und Wertpapiere werden fallen und im Einzelfall vielleicht sogar negativ werden. Die Abschaffung der 500-Euro-Scheine ermöglicht es der EZB, die Strafzinsen für die Gelder, die die Banken bei ihr auf dem Konto haben, von 0,3 Prozent auf 0,75 Prozent zu erhöhen. Wenn dadurch das gesamte Zinsspektrum um weitere 0,45 Prozentpunkte nach unten rutscht, verliert Deutschland, das der zweitgrößte Gläubiger der Welt ist, jährlich weitere acht Milliarden Euro.

Ich denke aber, dass viele, die sich hier vor den Karren einer angeblichen Kriminalitätsbekämpfung spannen lassen, nicht wissen, dass es der EZB und ihren südeuropäischen Ratgebern in Wahrheit darum geht, das Bargeld zurückzudrängen, um die lästige Nullgrenze für die Zinsen wegzubringen. Nur wenn das Bargeld so klein gestückelt ist, dass die Banken es nicht mehr schaffen, ihre Liquidität darin zu halten, kann die EZB die Zinsen in den negativen Bereich drücken. Versucht hat sie das ja schon einmal.”

Der Nebeneffekt: Durch negative Zinsen vertreibt man den (nervigen?) deutschen Kleinsparer von seinem Sparbuch und treibt ihn in die Aktienmärkte, damit er überhaupt noch die Chance hat sein Geld (durch Dividenden) vermehren (mal abgesehen vom Kursrisiko). So sagt Sinn auch auf die Frage, wie man Strafzinsen begegnen könne:

“Am besten kauft man Aktien und anderes Realvermögen, beispielsweise Immobilien. Es wird immer Dividenden geben und immer Mieterträge. Man darf sich nur durch die Kurs- und Preisbewegungen nicht irre machen lassen.”

Die Folgeprobleme so einer Entwicklung könnten enorm sein. Wenn Staaten sogar Geld erhalten bei der Aufnahme neuer Schulden, warum sollen sie dann überhaupt noch Anstrengungen unternehmen in Sachen Strukturreformen, Bildung, Infrastruktur etc? Außerdem werden Schuldnerstaaten über den Effekt der Negativzinsen entschuldet. Für den Bürger ist es letztlich genau so schlimm wie es sich anhört: Eine Enteignung des erarbeitenden Geldes, so unsere Meinung. Natürlich ist es für den Aktienmarkt und neue kapitalsuchende Unternehmen schön, wenn mehr Geld in Aktien fließt, doch diese Bewegung hin zu Aktien wäre quasi von oben nach unten “angeordnet”. Zum Schluss lassen wir nochmal Hans-Werner Sinn zu Wort kommen, dessen abschließende Worte wir unterschreiben können:

“Diese Politik ist extrem gefährlich für die Stabilität des Eurosystems. Sie gefährdet das friedliche Zusammenleben der Völker Europas, denn bisher mündete die Überschuldung immer im Streit. Das zentrale Problem liegt aber in der Eurozone bei der möglichen Ausbeutung der Sparer durch die EZB. Diese Gefahr ist virulent.”

5 Kommentare

5 Comments

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    Max

    17. Februar 2016 13:04 at 13:04

    Super Gedankenanstoß! Die Frage ist aber doch letztendlich, ob die Tresore der Banken tatsächlich so voll sind, dass bei Abschaffung des Scheines, die Gelder an die EZB fließen müssen. Haben die Institute dann wirklich so ein massives Platzproblem!?

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      Tobias

      24. Februar 2016 13:26 at 13:26

      Nein. Aber das Bankenaufsichtrecht verplichtet die Institute zum Vorhalten genau definierter Liquiditätsdeckungsanforderungen (“LCR”, EU-Verordnung 575/2013), d.h. dass dieInstitute je nach Stand der Einlagen und Kredite, sowie erwarteten Abflüsse und Zuflüsse innerhalb der nächsten 30 Tage eine Mindestliquidität vorhalten müssen. Wenn sie diese nicht in Bar vorhalten können, müssen sie diese bei der EZB einlegen (oder andere sog. liquid assets kaufen, die derzeit aber ausverkauft sind).

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    Mellanie

    18. Februar 2016 23:26 at 23:26

    Nun Bei den Abmessungen einen 200 Euro Scheins und den eines Standard Aktenkoffers würde ca. 1,75 Mio. in einen Koffer Passen und in einen Raum von
    5m * 5m * 2,5m etwa die Größe einer Doppelgarage könnte man 3.900 Koffer stapeln und somit ca. 6.8 Milliarden Unterbringen. Ich Denke Banken haben mehr platz als wir in unseren Garagen.

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Corona-Krise und das dauerhaft veränderte Konsumverhalten

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Erst war es aus der Not geboren: Viele Menschen, die eigentlich viel lieber in Geschäften eingekauft hatten und nicht im Online-Handel, mussten sich durch den Lockdown in der Corona-Krise zwangsläufig umorientieren. Werden diese alle wieder ins alte Konsumverhalten zurückkehren? Neueste Studien zeigen: Davon ist nicht auszugehen.

Corona-Krise: Umfragen nicht im Sinne des stationären Handels

Bisher schob man es zum großen Teil auf die Maskenpflicht: Die gebremste Shoppinglust mit einem Utensil, welches nicht nur Kommunikation und Atmung beim lustbetonten Einkaufsbummel behindert, sondern auch so etwas wie eine psychologische Falle darstellt: Hier lauert eine Gefahr für mich, aufpassen, nicht leichtsinnig werden! Wenngleich es noch keine großen wissenschaftlichen Nachweise gibt, dass es in Geschäften zu größeren Infektionen mit Covid-19 gekommen ist, bleibt die Maskenpflicht noch eine Zeit bestehen. Spannend wird es im Hochsommer, wenn das Personal in Räumen ohne Klimatisierung den Schutz über acht Stunden am Tag tragen muss.

Auch wenn immer mehr Lockerungen im Gespräch sind, erschrecken Umfragen in Deutschland, wie auch in Europa, den stationären Einzelhandel. Viele Kunden haben sich an den Online-Handel gewöhnt und werden wohl auch nach der Corona-Krise nicht mehr so häufig zum Shoppen gehen.

Die bisherigen Verkaufsumsätze liegen unter den Erwartungen des Handels, man hofft auf die Rückkehr zu alten Gewohnheiten. Der Konsum als Ganzes wird dabei wieder auf alte Höhen klettern, sollte es nicht zu weiteren Einschränkungen wegen Corona kommen. Aber die aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Alvarez & Marsal dürfte der Branche nicht gefallen:

23 Prozent der Deutschen wollen weniger in Geschäften einkaufen, mehr über online shoppen, aber insgesamt weniger ausgeben.
Auch in anderen europäischen Ländern (Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Schweiz) brachte die Studie ähnliche Ergebnisse. Im Ausland fürchtet man die Folgen der Corona-Krise stärker – Verlust des Arbeitsplatzes, Vermögenseinbußen –  so dass viele Kunden nur das Nötigste eingekauft haben. 41 Prozent der Befragten wollen auch in naher Zukunft erst einmal abwarten – auf eine Besserung der wirtschaftlichen Lage.
Die Furcht vor einer zweiten Welle ist überall zu verspüren. Kein Wunder, in der täglichen Berichterstattung ist es ständiges Thema. Verfügbarkeitsheuristik, nennt es die Psychologie, wenn Ereignisse so oft wiederholt werden, dass es im Gedächtnis fest verankert wird.

Zunahme des Online-Handels

Der Lockdown hat in vielen Bereichen die Digitalisierung angeschoben – nicht nur bei Microsoft, wo der CEO Nadella behauptet hat, die Corona-Krise hätte die Entwicklung von zwei Jahren komprimiert auf wenige Monate -, auch beim Handel. Auch eine weitere Umfrage bestätigt diese Annahme: Bei einer Befragung von 2500 Konsumenten durch den Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland, erzählten über 50 Prozent der Menschen, dass sie künftig mehr online kaufen würden, die Coronazeit habe sie überzeugt.

Beispielsweise habe die Online-Plattform der Otto-Gruppe in kurzer Zeit eine Million Kunden hinzugewonnen. Wie wollen die Geschäfte auf diese Entwicklung reagieren? Verkleinerung der Verkaufsflächen, Rationalisierungen, neue Ideen beim Verkauf der Produkte?

Fazit

Sehr oft ist derzeit die Rede davon, was die Corona-Krise für Langfristfolgen in der Gesellschaft zeitigen wird. Home Schooling, Home Office, Video-Besprechungen, Änderungen im Reiseverhalten oder auch beim Shopping. Letzteres dürfte sehr wahrscheinlich werden, zu sehr hat die Corona-Krise selbst Technikmuffel von der Bequemlichkeit der Methode überzeugt.

Wie lange wartet man schon auf einen radikalen Rationalisierungsschnitt im Einzelhandel durch automatisierte Zahlungssysteme an den Kassen? Und jetzt auch noch der Umbruch durch den Versandhandel. Was aber geschieht mit der Einzelhandelsbranche, den zahlreichen Geschäften und ihren vielen Beschäftigten?

Die Corona-Krise verändert das Konsumverhalten dauerhaft

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EZB-Bilanz +53 Milliarden Euro in einer Woche – Anleihekäufe waren nicht der größte Posten!

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Der EZB Tower in Frankfurt

Die Bilanz der EZB wird einmal pro Woche veröffentlicht. Jetzt liegt uns die Bilanz mit Stand 3. Juli vor. Sie klettert immer weiter, auf ein derzeitiges Allzeithoch von 6,289 Billionen Euro. Noch im Februar waren es 4,7 Billionen Euro. In der folgenden Originaltabelle der EZB zeigen wir die aktuellste Aktiva der Bilanz. Die Bilanzsumme stieg im Wochenvergleich um 52,8 Milliarden Euro. Wie üblich dieser Tage würde man denken, dass diese Steigerung herrührt durch die ständigen Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, die sich aufgrund der Beschlüsse in Folge der Coronakrise um insgesamt 1,35 Billionen Euro ausweiten werden. Aber nein, diese Bilanz ist anders. Die Anleihekäufe machen nur den zweitgrößten Zuwachsposten aus mit +33,48 Milliarden Euro.

Der größte Posten war ein Plus von 38,95 Milliarden Euro beim Bilanzposten Gold. Weil der Goldpreis so gut gestiegen ist, und weil gerade Quartalsende war, wurden die Goldbestände der EZB neu bewertet. Der Wertzuwachs durch den Preisanstieg bei Gold wird in der Bilanz jetzt mit 38,95 Milliarden Euro quasi nachgebucht, wodurch die Bilanz um diesen Wert ansteigt. So trägt der steigende Goldpreis zu einem kräftigen Bilanzzuwachs bei der EZB bei. Abseits dieser beiden großen Posten gibt es noch viele kleinere Änderungen, wodurch insgesamt ein Zuwachs von 52,8 Milliarden Euro im Wochenvergleich herauskommt. Die Bilanz der EZB macht jetzt 53 Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone aus. Im Vergleich dazu liegt die Bank of England bei 31 Prozent, die Fed bei 33 Prozent, und die Bank of Japan bei exorbitanten 119 Prozent.

Daten zur aktuellsten EZB-Bilanz

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Dirk Müller zum Wasserstoff-Hype: Warum man jetzt nicht einsteigen sollte

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Wir hatten erst vorgestern über die Aussagen von Dirk Müller berichtet,über die Wahnsinns-Hausse der letzten Wochen in den USA, wo teilweise Minderjährige mit den Kreditkarten ihrer Eltern die Börse stürmen, und wo Millionen von Menschen mit Kleinstbeträgen wie wahnsinnig Börsenkurse pushen. Heute spricht Dirk Müller im folgenden Video über den aktuellen Hype rund um das Thema Wasserstoff. Diese Woche wurde der Hype nochmal kräftig befeuert durch die erst gestern präsentierten großen Pläne der EU, dass man bis 2050 klimaneutral werden wolle, und das mit Wasserstoff. Gigantische Milliardenprogramme sollen von Staaten und Unternehmen in Europa aufgelegt werden.

Also, ist das nun auch der große Start für den Hype rund um Wasserstoff-Aktien? Oder läuft er schon, und Anleger, die sich hier noch nicht auskennen, kommen zu spät? Genau davor warnt Dirk Müller im folgenden Video. Er beschreibt diese jetzige Euphorie und vergleicht sie mit Themen wie 3D-Druck oder Cannabis-Aktien. Jetzt sei der Markt für Anleger schon zu teuer. Man müsse nun erst einmal auf die Marktbereinigung warten, die nach der Euphorie einsetze. Er beschreibt auch Phasen der Markteuphorie, wie es sie in anderen Bereichen schon gegeben habe, die nun auch so beim Wasserstoff ablaufen würden.

Wasserstoff Tankstelle in Belgien
Eine Wasserstofftankstelle in Zaventem Belgien. Foto: Dr. Artur Braun (Arturbraun) CC BY-SA 4.0

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