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Hans-Werner Sinn erklärt, wie wir das Klima retten – sehenswert!

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Hans-Werner Sinn ist der wohl bekannteste, renommierteste, aber auch teilweise einer der umstrittensten deutschen Ökonomen. Auch wenn er inzwischen in Rente ist und die Leitung des ifo-Instituts an Clemens Fuest übergeben hat, so ist Hans-Werner Sinn doch immer noch eine gefragte Person. Erst diese Woche Dienstag hatten wir über sein sehr ausführliches Interview mit Tilo Jung berichtet. Hochinteressant, und sogar mit sehr emotionalen Momenten (gerne hier anschauen).

Ganz aktuell hat das ifo-Institut einen Vortrag von Hans-Werner Sinn vom Montag dieser Woche veröffentlicht. Dieser zwei Stunden dauernde Vortrag lief unter dem Motto „Wie retten wir das Klima und wie nicht“. Das erste Video zeigt ein kurzes achtminütiges Interview zum Vortrag, und im zweiten Video kann man ihn in voller Länge anschauen. Die politisch gewollte Umstellung von fossilen Energieträgern (in sehr kurzer Zeit) auf Erneuerbare ist für ihn sehr unrealistisch. Diese Sichtweise untermauert er auch mit Daten.

Hans-Werner Sinn mit konkreten Vorschlägen zum Aufhalten der Erderwärmung

Emissionshandel und EEG-Gesetz seien zum Beispiel kaum miteinander vereinbar. Die deutschen Einsparungen würden im europäischen Vergleich verpuffen. Dies erklärt er im Video sehr anschaulich. Um die eigenen CO2-Ziele erreichen zu können, müsse Deutschland auf das schwedische Modell umschwenken, nämlich wieder auf Atomstrom setzen. Dass das wenig realistisch ist, weiß auch Hans-Werner Sinn. Aber er sagt nun mal, was nach seiner Meinung notwendig wäre um die hierzulande gemachten Klimaziele erreichen zu können. Auch sei auf globaler Ebene ein wichtiger Baustein, dass die Vereinten Nationen Brasilien Regenwald abkaufen oder von der dortigen Regierung mieten könnten, um so weitere Brandrodungen zu verhindern.

Und worauf wohl noch niemand gekommen ist – Hans-Werner Sinn bringt die Möglichkeit ins Spiel global eine Quellenbesteuerung für Kapitalerträge einzuführen. Damit würden die Ölscheichs mit ihren weltweit gigantischen angelegten Geldbergern gezwungen Geld aus ihren bisherigen Kapitalanlagen umzuschichten. Aber dazu mehr im Vortrag! Auch wichtig sei der Aspekt einen weltweiten Emissionshandel einzuführen. Der Vortrag ist absolut sehenswert. Nehmen Sie sich die Zeit!

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: blu-news.org CC BY-SA 2.0

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Benijamin

    21. Dezember 2019 13:37 at 13:37

    Die Steuern und Abgaben – ob weltweit ode rin D – sollen ja dem Zweck dienen zu Lenken und Steuern, also dass CO2-Emissionen vermieden werden. Aber was bringt das alles, wenn man keine Alternativen hat? Wie soll D oder insbesondere die restliche Welt dann die benötigte Energie erzeugen?
    Solange es auf der Erde Bevölkerungswachstum gibt, wird es auch steigende Gewinne und Umsätze bei allen Firmen geben und somit auch CO2. Nur durch alternative Energiequellen, welche aber leider nicht für die gesamte Welt verfügbar sind, und durch Eindämmen des Bevölkerungswachstums kann man CO2 reduzieren.

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    Lausi

    22. Dezember 2019 06:55 at 06:55

    Das Beste von Herrn Sinn’s 2-Stunden-Vortrag kommt in den letzten 3 Minuten: Die Idee der Schaffung eines „Climate Club“ bzw. ein Zusammenschluss der „willigen Länder“. Anders wird es wohl nicht gehen, wenn man auf globaler Ebene wirklich etwas erreichen will. Mit anderen Worten: Schickt die Trump’s und Bolsonaros dieser Welt in die Global-Warming-Wüste!

    Was Herr Sinn über Stromspeichertechniken erzählt, finde ich nicht so überzeugend. Wer weiß, was in den nächsten Jahren da noch erfunden bzw. weiterentwickelt wird, vor allem, wenn es dafür einen monetären Anreiz gibt, d.h. einen angemessenen CO2-Preis. Abgesehen von Speichertechniken, gäbe es auch noch die Möglichkeit des Aufbaus eines kontinentweiten Hochspannungsleitungsnetzes, wo grüner Strom relativ verlustarm über weite Strecken transportiert werden kann. Das würde mMn den Speicherungsbedarf deutlich senken, und könnte sich als relativ kostengünstige Alternative gegenüber der Speicherung erweisen.

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    leftutti

    22. Dezember 2019 18:25 at 18:25

    Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich Herrn Sinn und Unsinn als hochkompetenten und sehr geschätzten Ökonomen eingestuft hatte. Seine Ansichten fanden immer wieder Eingang in meine persönlichen Einschätzungen und Bewertungen. Aber mit zunehmendem Alter scheint er, wie viele ehemalige Koryphäen, dem Lobbyismus und der Stagnation zu unterliegen. Spätestens nach seinem peinlichen Lapsus im April 2019 sollte der erfahrene Greis etwas Demut und Zurückhaltung zeigen.

    Zumindest scheint er erkannt zu haben, dass Umweltterroristen wie Trump und Bolsonaro nur mit einem starken internationalem Bündnis begegnet werden kann. „Willige Länder“, junge Menschen, zukünftige Generationen sind die einzige Hoffnung für die Zukunft des Planeten. Übersättigte Rentner ab 75+ haben in der Welt-Politik nichts zu suchen und sollten ihren Wohlstand genießen.

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      Nico

      23. Dezember 2019 07:47 at 07:47

      @Leftutti. Jetzt machen Sie aber mal halblang. Den 71-jährigen Professor Sinn als Greis zu bezeichnen, ist schon starker Tobak. Vor allem wird sich unser geschätzter @Columbo freuen, wenn er liest, dass er in einem Jahr das Greisenalter erreicht.

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        Methusalix

        23. Dezember 2019 12:48 at 12:48

        Der Talmud unterscheidet zwischen dem „Alter“ (60 Jahre), dem „Greisenalter“ (70), dem „Hohen Alter“ (80)…

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          Dorinela

          23. Dezember 2019 13:46 at 13:46

          Religion ist Opium für das Volk

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            Methusalix

            23. Dezember 2019 14:31 at 14:31

            Dieser Kommentar eines noch dazu falschen Zitats ist eine Zumutung für das Volk.
            Wenn schon, dann „Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks“.

            Hat aber dennoch nicht das geringste mit der Einteilung in unterschiedliche Stufen des Alters zu tun. Greisenalter = 70 Jahre

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        Columbo

        23. Dezember 2019 15:18 at 15:18

        @Nico

        Greisenalter klingt fürchterlich🙈. Zum Glück kennt die Biologie keine so starren Grenzen😊.

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          leftutti

          23. Dezember 2019 17:40 at 17:40

          @Columbo, jetzt vergisst du aber in deinem jugendlichen Leichtsinn die Sprache Gottes von Statista (ergo nicht diskutabel), die uns vor kurzem ein Leser näher gebracht hat. Als Kind und Greis der Berge ;) bist du demnach im Greisenalter und darfst dich noch etwa 10 Jahre deiner unverkäuflichen physischen Goldreserven erfreuen. Zudem vergeht die Zeit in deinen Höhen relativ schneller, als in Hamburg, Frankfurt oder Dresden. Die gesunde Höhenluft, das wunderbare Wetter und das gesunde Essen Südtirols sind hingegen der Biologie sicher förderlich und schieben dich weit in das 95%-Quantil der Ausreißer nach oben. Ebenso wie mich die ständigen optimalen Kühlschranktemperaturen um die 277 bis 281 Kelvin in einer Art Kryogenese light weit über die 100 schneckenartig katapultieren sollten 🧐

          Spaß beiseite, ich wünsche dir schöne und erholsame Feiertage und ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr 2020. Da ich gerne Bergwandere, wann immer es die Situation einmal erlaubt, hoffe ich noch immer, dich einmal live anzutreffen. Dann auch gerne auf ein gutes Rotweinchen mit deinem Gläubiger Markus 🍷

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            Columbo

            23. Dezember 2019 18:45 at 18:45

            @Leftutti
            Gute Idee, das Live-Treffen und der Rotwein! Aber wir müssen uns beeilen, ich hab ja nur mehr zehn Jahre🙈.
            Langsam beschleicht mich das Gefühl, daß mich die Goldreserven überleben werden. Aber ich laß sie mir ins Grab legen, wie die ägyptischen Könige. Schließlich könnte ja das Jenseits auch crashgefährdet sein.
            Noch besser: Verkaufen und mit ein paar auserwählten FMW Kommentatoren verprassen.
            Auch Dir frohe Weihnachten und ein gutes Neues.

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Immobilien: Nach der Coronakrise wird es einen Gewinner geben!

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Mieter von gewerblichen Immobilien sind wohl die Gewinner nach der Krise

Alle Bereiche des Lebens und der Wirtschaft sind derzeit von der Coronakrise betroffen, so auch die Immobilien. So hört man die letzten Tage, dass zahlreiche gewerbliche Großmieter wie Adidas, Deichmann und Co einfach Mietzahlungen für ihre Ladengeschäfte aussetzen. Aber wie wird die Lage bei Immobilien nach der Coronakrise aussehen? Wird alles weitergehen wie bisher? Ich möchte hier ein Szenario besprechen, dass nicht mit hundertprozentiger Garantie so eintreten muss. Aber die im folgenden Text beschriebene Auswirkung der Coronakrise auf die Branche scheint mir logisch.

Die Lage am Markt für Immobilien wird sich nach der Krise ändern

Bislang war es so: Die Eigentümer von Immobilien waren die Gewinner. Egal ob gewerblich oder privat, wer besitzt und vermietet, konnte jahrelang immer höhere Mieten kassieren. Und die jahrelange Flutung der Märkte mit Notenbankgeld und die abgeschafften Zinsen trieben Assets wie Aktien und Immobilien immer weiter nach oben. Die Käufer von Wohnungen und Projektentwickler von Gewerbeimmobilien mussten immer höhere Grundstückspreise und Erstellungskosten zahlen – und waren somit gezwungen die Mietpreise immer weiter hochzuschrauben, wenn sie denn noch eine nennenswerte Rendite auf ihren Kapitaleinsatz erzielen wollten. Aber jetzt wird sich einiges ändern. Womöglich nicht für private Mieter.

Aber die Mieter von Gewerbeimmobilien im Bereich Einzelhandel und in der Gastronomie, die werden nach der Coronakrise die großen Gewinner sein. Natürlich meine ich diejenigen Mieter, die diese aktuelle Durststrecke finanziell überleben werden, und auch danach ihre Cafes, Restaurants und Bekleidungsgeschäfte weiter betreiben. Bisher war es so: Der Immobilien-Eigentümer konnte bei Auslauf des Mietvertrags für den nachfolgenden Zeitraum stets kräftige Mietpreissteigerungen verlangen. Aber was passiert jetzt? Selbst nach gigantischen Rettungspaketen und KfW-Kreditprogrammen werden zahlreiche Gastronomen und Bekleidungsgeschäfte nicht überleben. By the way… viele kleine Unternehmer werden diese Kredite wohl gar nicht erhalten (mehr dazu hier). Entweder gehen zahlreiche Unternehmer in den nächsten Monaten pleite, oder dank der KfW-Kredite werden sie vielleicht erst in einem Jahr überschuldet aufgeben und ihren Laden dicht machen.

Angebot und Nachfrage

Dadurch, dass zahlreiche dieser Mieter aus dem Markt ausscheiden, verschiebt sich das Machtgefüge zwischen Mietern und Vermietern bei Immobilien im gewerblichen Bereich. Es wird viel Leerstand geben. Die Entwicklung hatte ja schon vor der Coronakrise in Innenstädten und Einkaufszentren eingesetzt. Zu viel Fläche, zu hohe Ladenmieten und immer mehr Online-Konkurrenz machen den Mietern schon seit Jahren zunehmend das Leben schwer. Nach und nach gaben einige auf und machten ihre Läden dicht. Dieser Trend wird nun durch die Coronakrise massiv beschleunigt werden. Der Leerstand wird deutlich zunehmen. Und die Eigentümer der Flächen werden auf einmal den bestehenden Mietern entgegenkommen. Ja, diese Prognose wage ich, auch wenn ich selbst kein Experte für Immobilien bin. Es geht um das Grundprinzip von Angebot und Nachfrage.

Mieter werden nach Auslauf der Verträge womöglich günstigere Anschlussverträge aushandeln können, weil die Vermieter sehen, wie links und rechts schon Flächen leer stehen. Da hat man Angst seinen noch vorhandenen Bestandsmieter zu verlieren, denn der hat nun die freie Auswahl. Und ganz schnell werden wohl auch die Neuvermietungspreise für Flächen im gewerblichen Bereich purzeln. Wer also die Coronakrise finanziell überlebt, und/oder wer nach der Krise ganz neu mit einer Geschäftsidee im Einzelhandel oder in der Gastronomie startet, der wird womöglich spürbar geringere Mietkosten erwarten dürfen, oder aushandeln können! Vielleicht noch nicht Ende April oder im Mai. Aber wohl in sechs Monaten, wenn nach und nach andere Gewerbemieter pleite gehen und ihre Läden dicht machen. Die letzten Tage haben Restaurantketten wie Maredo und Vapiano bereits Insolvenz angemeldet. Ob und wie viele dieser Läden fortbestehen werden nach einer möglichen Restrukturierung? Unklar, aber die Pleitewelle wird wohl kommen. Was man jetzt in Einzelfällen sieht, ist erst der Anfang.

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Schwellenländer drohen durch die Pandemie im Chaos zu versinken

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Christus-Statue in Rio - Schwellenländer hart getroffen durch Pandemie

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung schauen die Märkte zur Zeit vor allem auf die dramatischen Entwicklungen in den USA und Europa. Doch für die Schwellenländer, die bereits vor der Pandemie angeschlagenen waren, droht nun der ökonomische Super-GAU.

Schwellenländer leiden bereits unter dem Abzug von Kapital

Wie wir schon vor der Pandemie berichteten, bewegten sich wichtige Schwellenländer bereits vor der Pandemie in schwerem Fahrwasser. Einige Länder, wie Argentinien, Brasilien, die Türkei, Venezuela, Südafrika oder Chile haben bereits Schlagseite. Die sich jetzt bereits in Ansätzen abzeichnenden globalen Verwerfungen drohen diese Staaten ökonomisch zum Kentern zu bringen. Die Schwellenländer sind besonders abhängig von Mittelzuflüssen aus den Industriestaaten und reagieren in einer Krise wie jetzt sehr sensibel auf eine Umkehr der Kapitalströme. Doch genau das passiert bereits, wie das Institute of International Finance (IIF) berichtet: Seit Ende Januar 2020 sind 95 Mrd. USD aus Aktien und -Anleihen der Emerging-Markets von ausländischen Investoren abgezogen worden.

Damit sind in dieser relativ kurzen Zeitspanne deutlich mehr Gelder rapatriiert worden als in der Finanzkrise ab September 2008. Die Kapitalflucht der Investoren aus Nordamerika und Europa aus den Schwellenländer-Märkten ist in weltweit unruhigen Zeiten ein bekanntes Phänomen. Gerade dann stellen stark überschuldete und politisch instabile Länder ein besonderes Verlustrisiko dar, das es zu meiden gilt. Kommt es zeitgleich zu Turbulenzen an den großen Finanzmärkten in New York, Tokio und London, wird die Liquidität dringend zu Hause benötigt, um Vermögenslöcher zu stopfen oder Margin-Calls zu bedienen.

Für eine Pandemie schlecht gewappnet

Im speziellen Fall der COVID-19-Pandemie befürchten die Investoren wahrscheinlich zu Recht, dass die Gesundheits- und Sozialsysteme einiger Schwellenländer mit der Seuche überfordert sein könnten. Eine Befürchtung, die in Indien bereits Realität ist. Dort sind soziale Sicherungssysteme kaum vorhanden, das Gesundheitssysteme ist extrem fragil und die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Die jetzt eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz der Menschen verursachen Chaos im indischen Verkehrssystem und bringen die Menschen ohne jeden Schutz noch dichter zusammen. In Brasilien, wo das Virus mittlerweile ebenfalls angekommen ist, folgte die Regierung um Präsident Jair Bolsonaro zunächst der Strategie Londons und Washingtons und verharmloste das Virus. Jetzt rudert die Staatsführung in Brasília zurück, wahrscheinlich wie in den USA und England viel zu spät.

Die bereits getätigten und sich aktuell verstärkenden Kapitalabflüsse werden die fiskalpolitischen Möglichkeiten in den Schwellenländern stark beeinträchtigen. Zum einen wird weniger Geld für die Seuchenbekämpfung und zur Abmilderung der ökonomischen und sozialen Folgen mobilisiert werden können. Zum anderen steigen die Kosten für die Kreditaufnahme ausgerechnet jetzt deutlich an. Gleichzeitig schwinden auch die Devisenreserven, die nicht nur für die hohen Zinslasten der zum Teil hoffnungslos in US-Dollar überschuldeten Länder benötigt werden, sondern auch für den Ankauf von Schutzkleidung, Test-Kits und teuren medizinischen Geräten. Staaten wie Venezuela, Brasilien, Südafrika oder Argentinien sind zudem wichtige Rohstofflieferanten. Die Preise für natürliche Ressourcen waren in den letzten Wochen stark rückläufig, was die Ökonomien dieser Staaten zusätzlich belastet. Außerdem müssen viele Förderstätten zum Schutz der Arbeiter vorübergehend stillgelegt werden. In Südafrika für mindestens drei Wochen. Es ist daher zu befürchten, dass die Schwellenländer die Pandemie noch schwerer werden bewältigen können als die Industriestaaten.

Schwellenländer bekommen den Stress im Finanzsystem zu spüren

Seit Mitte März bekommen die Schwellenländer die Krise bereits an den Finanzmärkten zu spüren. Die Zinsaufschläge, die Entwicklungsländer aktuell gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen zahlen müssen, sind seitdem stark angestiegen. Besonders hart trifft es die Ukraine. Der osteuropäische Pleitestaat muss nun statt 400 Basispunkten Zinsaufschlag über 1.200 Basispunkte mehr bezahlen. Der Risikoaufschlag türkischer Staatsanleihen hat sich von 352 Anfang März auf aktuell über 700 erhöht. Russland steht trotz des Ölpreisverfalls mit 350 Basispunkten aufgrund der niedrigen Staatsverschuldung von lediglich 12,5 Prozent des BIP noch vergleichsweise gut da. Deutlich dramatischer stellt sich die Lage für den afrikanischen Ölproduzenten Nigeria dar, der nach einer Verdreifachung der Zinsaufschläge nun ebenfalls bei über 1.200 Basispunkten Zinsaufschlag gegenüber US-Anleihen angekommen ist. Auch Südafrika ist mit in den Aufwärtssog bei den Renditen geraten und muss aktuell 1.120 Basispunkte Zinsaufschlag bezahlen. Argentinien, dass seinen Schuldendienst bereits ausgesetzt hat, ist sogar gezwungen, für seine stark ausfallgefährdeten Anleihen (S&P-Rating: CCC-) Mehrkosten in Höhe von 2.640 Basispunkten am Kapitalmarkt zu akzeptieren. Das Land ist bereits de facto bankrott.

Die Kapitalflucht und die steigenden Risikoprämien werden auch in den Währungsentwicklungen der Schwellenländer sichtbar. Seit der verstärkten Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus Anfang Februar über die Landesgrenzen Chinas hinaus, kam es auch an den Devisenmärkten zu heftigen Bewegungen. Der mexikanische Peso verlor seitdem 23 Prozent, der russische Rubel über 20 Prozent (was übertrieben scheint), der argentinische Peso von niedrigem Niveau aus nochmals 5 Prozent und der südafrikanische Rand 16 Prozent.

Fazit und Möglichkeiten der Stabilisierung

Die bereits sichtbaren Folgen für die Schwellenländer sind wahrscheinlich nur der Beginn schwerer ökonomischer, sozialer und politischer Verwerfungen. In den kommenden Wochen und Monaten könnten sich die Turbulenzen infolge der Rezession in den USA und Europa, der zunehmenden Anzahl von COVID-19-Fällen auch in den Schwellenländern, einer fortschreitenden Unterbrechung der Lieferketten und einer sinkenden Nachfrage nach Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen noch vergrößern. Der für viele Entwicklungsländer als Devisenquelle enorm wichtige Tourismus ist bereits weitgehend kollabiert.

Ein Großteil der Schwellenländer hat keine ausreichenden Rückstellungen oder fiskalischen Spielräume, um die heimische Wirtschaft mit großen Konjunkturpaketen á la USA oder Deutschland zu unterstützen. Würde die Zentralbank Argentiniens vergleichbar der US-Notenbank Fed eine staatliche Schuldensause von 10 Prozent des BIP durch Gelddrucken finanzieren, würde sich der Restwert des argentinischen Peso in Luft auflösen. Der makroökonomische Handlungsspielraum der Schwellenländer ist generell im Vergleich zu fortgeschrittenen Volkswirtschaften aufgrund der begrenzten Glaubwürdigkeit ihrer Währungen stark limitiert. Selbst Staaten mit niedriger Verschuldung, wie Russland, bekommen dies bereits durch die massive Abwertung ihrer Währung zu spüren. Daher sind die Schwellenländer auf externe Hilfe mittels harter Devisen angewiesen.

Die Fed hat diesem Bedürfnis bereits Rechnung getragen und ihre Dollar-Swap-Linien geografisch stark ausgeweitet und bietet nun auch Entwicklungsländern über diesen Weg einen Zugang zu US-Dollar-Liquidität. Bereits 80 Länder haben zudem den Internationalen Währungsfonds (IWF), gemäß dessen Direktorin Kristalina Georgiewa, um finanzielle Hilfe gebeten. Der supranationalen Institution stehen zur Zeit dafür 1 Billion US-Dollar zur Verfügung. Dieser Betrag muss dringend in Anbetracht der Vielzahl der Hilfegesuche aufgestockt werden.

Auf Ebene der G20-Staaten wurde beim jüngsten virtuellen Sondergipfel ebenfalls über Hilfen für Entwicklungsländer diskutiert – allerdings sehr abstrakt. So sollen Handelsbeschränkungen abgebaut und die Entwicklungshilfe ggf. aufgestockt werden. Dem Rest der Welt sollten die Schwellenländer nicht egal sein. Wenn diese im Zuge der jetzt bevorstehenden Weltrezession noch tiefer in finanziellem Chaos versinken, würde dies für die gesamte Weltwirtschaft einen zusätzlichen Schock bedeuten. Eine schnelle wirtschaftliche Erholung exportorientierte Länder wie Deutschland nach dem Abebben der Pandemie wäre dann unwahrscheinlich.

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Dirk Müller über die dramatischen Folgen der Corona-Krise

„Unser Finanzsystem hat fertig“

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Die Corona-Krise nimmt immer dramatischere Foolgen für die Wirtschaft an – der Einbruch ist heftiger als in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929, sagt Dirk Müller. Eigentlich sollte „Mr. Dax“ bei einer Finanzmesse auftreten – aber da das aufgrund der Corona-Krise nicht möglich ist, hielt Dirk Müller seinen Vortrag von zuhause aus per Video.

Corona-Krise schlimmer als Weltwirtschaftskrise 1929

Der Crash der Aktienmärkte passierte sogar schneller als in der Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 (und folgende). Und das wird bedeuten, dass da viele Finanz-Player erwischt wurden – daher sind viele Pleiten im Finanzsektor wahrscheinlich, von denen wir in den nächsten Wochen und Monaten erfahren werden. Das gilt auch und vor allem für Banken – Dirk Müller erwartet daher Banken-Pleiten. Wenn aber Banken pleite gehen, werden auch die Gelder auf deren Konten in Gefahr sein, sagt Dirk Müller – denn faktisch ist ein Kontoguthaben bei einer Bank eine Art Kredit, den man der Bank gibt.

Dirk Müller über den Crash des Kreditsystems

„Unser Finanzsystem hat fertig“, so Dirk Müller – wir erleben jetzt einen reset des Systems. Das Coronavirus sei nur der Auslöser für diesen reset – und die Ausrede zugleich, warum eben dieser „reset“ nun vermeintlich nötig sei. Bisher haben die Notenbanken es nicht geschafft, die Märkte zu beruhigen, was aber eigentlich durch das „plunge protection team“ der Amerikaner möglich gewesen, aber eben nicht erfolgt sei, meint Dirk Müller.

Das eigentliche Problem könnten die Notenbanken so oder so nicht lösen, so „Mr. Dax“: den „Credit Crunch„. Alle brauchen nun Liquidität, um Kredite und Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Cash ist King im deflationären Schock.

Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gesellschaft

Was fast noch schlimmer ist: die Menschen haben Angst um ihre Jobs und damit um ihre Zukunft. Dazu kommt noch die Angst um die Gesundheit der eigenen Familie – Müller spricht daher von einer so noch nie dagewesenen „Angstkombination“, die massive und bisher unkalkulierbare Auswirkungen auf die psychische Verfassung der Gesellschaft haben dürfte. Es könne daher zu sehr häßlichen Szenen kommen, die wir bisher nicht für möglich halten. Diese „Angstkombination“ in der Gesellschaft verstärke dann die Neigung der Menschen, Sündenböcke zu suchen – vielleicht die Flüchtlinge, die mit der einheimische Bevölkerung etwa um Arztbesuche konkurrieren?

Sehen Sie hier das Szenario von Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise:

Dirk Müller über die Folgen der Corona-Krise

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