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Harte Fakten? Glas voll oder halb leer? Großer Erfolg mit Flüchtlingen am Arbeitsmarkt

Laut aktueller Veröffentlichung der Bundesagentur für Arbeit (über ihr Forschungstocher „IAB“) gelingt es immer besser Flüchtlinge am Arbeitsmarkt zu integrieren. So widmen wir uns erst einmal den offiziellen Aussagen, bevor wir sie kommentieren. Da heißt es Zitat:

Mehr und mehr Geflüchtete sprechen gut Deutsch, nutzen Bildungsangebote und integrieren sich in den Arbeitsmarkt.

Und weiter heißt es, auszugsweise im Wortlaut:

Rund 20 Prozent der seit 2015 zugezogenen Geflüchteten gingen im Jahr 2017 einer Erwerbstätigkeit nach. Bis Oktober 2018 ist dieser Anteil auf 35 Prozent gestiegen.

Die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt geht gut voran“, stellt IAB-Forscher Herbert Brücker fest. „Diese Ergebnisse sollten ein Ansporn sein, Geflüchtete bei der Integration in den Arbeitsmarkt weiter mit gezielten Maßnahmen zu unterstützen, zum Beispiel indem Qualifikationen schneller anerkannt werden.

Die Hälfte der in den Jahren 2013 bis 2016 nach Deutschland gekommenen Geflüchteten besuchte bei der Folge-Befragung 2017 einen Integrationskurs oder hatte diesen bereits abgeschlossen – im Jahr 2016 traf dies erst auf ein Drittel zu. Betrachtet man nicht nur die Integrationskurse, sondern alle Arten von Sprachkursen, hatten 2017 sogar insgesamt drei Viertel der Geflüchteten an mindestens einem Sprachkurs teilgenommen. Dementsprechend berichtete 2017 rund ein Drittel (33 Prozent) der Geflüchteten von guten oder sehr guten Sprachkenntnissen – fast doppelt so viele wie bei der ersten Befragung im Jahr 2016 (18 Prozent).

Insgesamt hat rund ein Fünftel der Geflüchteten, die 2016 angaben, eine Bildungseinrichtung in Deutschland besuchen zu wollen, diesen Wunsch 2017 umgesetzt. Der noch recht geringe Anteil sei teils auf noch nicht ausreichende Sprachkenntnisse, teils auf fehlende allgemeinbildende oder berufsbildende Voraussetzungen zurückzuführen, so die Studie.

Dazu möchten wir anmerken: Die oben genannten Daten der Bundesagentur stammen nicht aus Daten, die von allen Agenturen vor Ort an die Zentrale übermittelt und dann zusammengerechnet wurden. Nein, diese Daten stammen aus einer Umfrage unter 5000 Personen, die als Geflüchtete zwischen 2013 und 2016 nach Deutschland kamen. Es ist also keineswegs eine genaue statistische Zahl, sondern nur ein Umfrageergebnis.

35% der Geflüchteten gehen gemäß dieser Umfrage einer Arbeit nach, und 2017 waren es nur 20%. Das hört sich wirklich super an, wenn die Zahlen denn durch Statistiken der Behörden belegt werden könnten! Auch ist noch ein verdammt langer Weg zu gehen.

Bei (ganz vereinfacht gesagt) 80 Millionen Menschen in Deutschland gibt es 44 Millionen Berufstätige, also ein Anteil von 55%. Die restlichen 45% bestehen größtenteils nicht aus Arbeitslosen, sondern dies sind Rentner, Kinder sowie Personen, die keiner Arbeit nachgehen, sondern sich in einer Familie um den Haushalt kümmern. Daher ist eine Quote von 55% Arbeitnehmern an der Gesamtbevölkerung normal. Also müssten die Flüchtlinge auch noch ein Quote von 55% erreichen bei aktuell 35%, wenn sie „gleichziehen“ wollen? Nimmt man an, dass vermehrt Einzelpersonen (laut Studie 63%) und nicht Familien nach Deutschland kamen, dann müsste der Prozentsatz weit über 55% liegen, um einen Normalzustand herstellen zu können. Denn wer alleine kommt, dort gibt es in Deutschland weder Kinder, noch Frau,  noch Opa.

Aber das ist natürlich relativ viel Theorie, ob es der politische Anspruch ist, dass die Geflüchteten zügig den selben Erwertstätigenanteil erreichen sollen wie die schon in Deutschland lebenden Personen. Alles eine Frage der Perspektive? Ist es noch viel zu früh für eine abschließende Beurteilung, wie gut die Integration funktioniert hat? Braucht man einfach nur mehr Zeit? Und ist die Entwicklung von 20% Arbeitenden auf jetzt 35% in so kurzer Zeit nicht schon eine sensationell gute Entwicklung? Durchaus. Aber wie gesagt, eine richtige Statistik ist das nicht, sondern nur ein Umfrageergebnis. Es wäre gut dazu auch harte Fakten zu haben.

Hier ein aktuelles Interview der Arbeitsmachtforscher von der IAB, wo man darauf hinweist, dass die Integration besser laufe als erwartet.



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