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Hauptsache jede Menge neue Jobs in Deutschland? Falsch, denn so dachten die Amerikaner auch jahrelang

Neue Jobs, neue Jobs, neue Jobs, wie wunderbar, läuft doch alles bestens. So hieß es stets bei Clinton, Bush, Obama, und teilweise auch bei Donald Trump. Bei ihm hat sich aber etwas geändert. Er will unbedingt neue Industrie-Jobs schaffen. Vorher hieß es nur „neue Jobs, egal woher“. Es ging darum die Bevölkerung in Arbeit zu bringen, egal wie. So wurden jahrzehntelang vor allem einfachste schlecht bezahlte Dienstleistungsjobs geschaffen (Gastronomie etc), von denen man aber nicht leben kann. So mussten und müssen sehr viele Amerikaner mindestens zwei Vollzeitjobs machen um über die Runden zu kommen.

Trump hat erkannt, dass seine Wählerschaft endlich mal einen Hauptjob haben möchte, von dem man alleine leben kann. In einen gewissen kleinen Ausmaß ist seit seiner Amtszeit die Schaffung neuer Industriejobs angesprungen, vor allem durch den höheren Ölpreis und die Abschaffung von Umweltbeschränkungen, was die Ölindustrie in den USA massiv gepusht hat. So gibt es bei den Ölfirmen sowie der nachgelagerten Industrie viele neue Jobs.

Aber wir schweifen vom Thema ab. Bei uns in Deutschland hört man seit ein, zwei, drei Jahren auch nur noch Jubelnachrichten vom deutschen Jobwunder. Jeder der Arbeit sucht, findet welche. Das mag stimmen. Nur was für eine Arbeit? Würde man die Politik fragen, wäre die Antwort wohl die selbe wie von Barack Obama: Läuft doch alles. Jeder der arbeiten will, findet was. Wie wahr. Nur schauen wir doch mal in die offizielle Statistik des Statistischen Bundesamtes von heute früh. Da heißt es zur Schaffung neuer Stellen Zitat:

Zum Anstieg der Gesamterwerbstätigenzahl gegenüber dem Vorjahresquartal trugen im zweiten Quartal 2018 überwiegend die Dienstleistungsbereiche bei. Die größten absoluten Beschäftigungsgewinne innerhalb der Dienstleistungsbereiche hatten die Öffentlichen Dienstleister, Erziehung, Gesundheit mit +200 000 Personen (+1,8 %), gefolgt von dem Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe mit +108 000 Personen (+1,1 %) sowie den Unternehmensdienstleistern mit +87 000 Personen (+1,4 %). Dagegen setzte sich der Abwärtstrend bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern fort (-21 000 Personen; -1,8 %). Im Produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) stieg die Zahl der Erwerbstätigen im zweiten Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahr um 128 000 Personen (+1,6 %), im Baugewerbe um 45 000 Personen (+1,8 %). In der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei sank die Erwerbstätigenzahl hingegen um 6 000 Personen (-0,9 %).

Natürlich sind neue Jobs im Bereich Pflege, Kindergärten etc dringend notwendig. Aber wie ist dort die Bezahlung? Ganz zu schweigen vom Gastgewerbe. Es gibt zwar auch neue Jobs in der Industrie, aber die überwiegende Zahl neuer Jobs in Deuschland entsteht bei den schlecht bis sehr schlecht bezahlten Dienstleistungen. Davon kann der Bürger keine Urlaube, Fernseher oder Autos bezahlen. Von einer Rente ohne Flaschensammeln oder Anstehen bei der Tafel braucht man da gar nicht erst reden.

Es mag ein Jammern auf einem relativ hohen Niveau sein im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, aber ein glückliches Auskommen, wo am Ende des Monats Geld übrig bleibt, werden viele Menschen nicht haben, die jetzt mit neuen Jobs versorgt werden. Wie gesagt, über die Altersarmut, die es angeblich ja gar nicht geben soll, reden wir da noch gar nicht.

Weniger Selbständige

Übrigens: Ob ein Land ein Innovationsmotor ist, kann man auch gut an der Zahl der Selbständigen ablesen – also derjenigen, die den Schritt raus aus dem Angestelltenverhältnis wagen. Ihre Zahl ist spürbar rückläufig. Natürlich ist es auch nachvollziehbar, dass viele, bei denen die Geschäftsidee nicht funktioniert, bei einem festen Jobangebot zugreifen. Zitat Statistisches Bundesamt:

Immer mehr Menschen nehmen in Deutschland eine abhängige Tätigkeit auf. Die Zahl der Arbeitnehmer erhöhte sich im zweiten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 675 000 (+1,7 %) auf 40,6 Millionen Personen. Diese Entwicklung basierte auf einer anhaltend steigenden Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Der Rückgang von selbstständiger Tätigkeit setzte sich weiter fort. Im zweiten Quartal 2018 sank die Zahl der Selbstständigen einschließlich der mithelfenden Familienangehörigen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 76 000 Personen (-1,8 %) auf 4,2 Millionen.

Beschäftigung immer höher

Und ja, wir wollen ja nicht „nur“ jammern. Die Gesamtzahl sieht natürlich richtig gut aus. Die Beschäftigung nimmt immer weiter zu. Mit 44,8 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland wurde das Vorjahresniveau weiterhin deutlich überschritten. Im Vergleich zum 2. Quartal 2017 wuchs die Zahl der Erwerbstätigen kräftig um 599.000 Personen oder 1,4%. Die Wachstumsrate im 1. Quartal 2018 war mit +1,5% etwas höher, unter anderem wegen der außergewöhnlich guten Witterung in den Wintermonaten Januar und Februar 2018.

Neue Jobs - Merkel und Obama
Angela Merkel und Barack Obama – das waren noch die „guten alten Zeiten“ ohne den „nervigen“ Donald Trump. Foto: Pete Souza – www.whitehouse.gov



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8 Kommentare

  1. Also unter Clinton sind 2,4 Mio. Industriejobs geschaffen worden und unter Obama begann der Jobaufbau Anfang 2010 und von da an bis Januar 2017 wurden 2,26 Mio. Industriejobs geschaffen. Unter Reagan gab es da praktisch keine Veränderung, unter Bush sen. und GWB hingegen einen massiven Abbau.

    Trumps Bilanz ist in dem Punkt bisher gut, aber letztlich nur die Fortsetzung des 2010 begonnenen Trends.

  2. „Ob ein Land ein Innovationsmotor ist, kann man auch gut an der Zahl der Selbständigen ablesen – also derjenigen, die den Schritt raus aus dem Angestelltenverhältnis wagen. Ihre Zahl ist spürbar rückläufig.“

    Ja, allerdings muss man vermutlich auch hier auf die Detailzahlen schauen. Wenn die Zahl der Scheinselbständigen,. Uber-Fahrer, Kiosk-Betreiber sinkt, muss das nicht schlecht sein.

    „Natürlich sind neue Jobs im Bereich Pflege, Kindergärten etc dringend notwendig. Aber wie ist dort die Bezahlung? Ganz zu schweigen vom Gastgewerbe. Es gibt zwar auch neue Jobs in der Industrie, aber die überwiegende Zahl neuer Jobs in Deuschland entsteht bei den schlecht bis sehr schlecht bezahlten Dienstleistungen.“

    Also gemäß der von euch oben präsentierten Zahlen steigt die Zahl der Industriejobs doch im nahezu gleichen Tempo (+1,6%) wie die Gesamtzahl der Jobs (+1,7%) und stärker als die Zahl im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe (+1,1%).

  3. Wie viele der 44,8 Millionen Erwerbstätigen haben denn 2 Jobs?
    Und sind diese Erwerbstätigen mit 2 Jobs dann in der Statistik doppelt gezählt?
    Das würde mich interessieren. Denn wenn dem so sein sollte ist diese Statistik das Papier nicht wert auf dem sie drauf steht. Es sei denn man könnte die Anzahl der Zweitjobs nennen die in der Statistik enthalten sind.
    Kann die Frage jemand beantworten?

  4. Ca. 8% und die zählen nicht doppelt.

  5. Es geht ja nicht primär darum das Jobs geschaffen werden. Relevant ist, das der Jobaufbau in den USA wie in Deutschland hauptsächlich im Niedriglohnsektor stattfindet von dessen Gehalt ein Arbeitnehmer nicht existieren kann. Letztendlich wird das dann darauf Auswirkungen haben das immer mehr Menschen zusätzlich zu ihrem Einkommen mit Hartz4 aufstocken müssen, weil es sonst nicht reicht. Ganz zu schweigen von dem Heer an Leuten die in die Altersarmut abrutschen werden, was die öffentlichen Finanzen in gewaltige Schieflage bringen wird.

    Noch ist alles toll in Deutschland…

    1. Immer mehr Aufstocker?
      „Von den Leistungsempfängern haben im März 2018 76.000 Personen ergänzend zum Arbeitslosengeld auch Arbeitslosengeld II erhalten (sogenannte Aufstocker)“

      https://statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detail/201807/arbeitsmarktberichte/monatsbericht-monatsbericht/monatsbericht-d-0-201807-pdf.pdf

      1. Sehr geehrter tm
        Trumps Bilanz ist in dem Punkt bisher gut, aber letztlich nur die Fortsetzung des 2010 begonnenen Trends.„…..WIE BITTE??

        „USA in historischer Betrachtung:
        Das Bureau of Labor Statistics (US-Behörde für Arbeitsmarktstatistik) erstellt zu allen möglichen Themen rund um den Arbeitsmarkt Statistiken, auch mit historischen Betrachtungsweisen. Und oft kann man aus der Historie sehr viel ableiten. Sie zeigt z.B. den seit 35 Jahren kontinuierlichen Rückgang der Anzahl der Industriearbeitsplätze in den USA. Waren es auf dem Höhepunkt 1980 knapp 20 Millionen Menschen, die in produzierenden Unternehmen tätig waren, sind es jetzt nur noch 12 Millionen. Damals lebten in den USA aber nur 227 Millionen Menschen, heute 320 Millionen.
        https://finanzmarktwelt.de/usa-der-tatsaechliche-niedergang-einer-industrienation-12122/

        Gruß
        Quintus

      2. Ich rede von denjenigen die zu ihrem niedrigen Lohn Hartz4 bekommen weil es sonst nicht zum Leben reicht. Und bezüglich der Statistik: Glaube keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.

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