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Hedgefonds bei der Arbeit: Verluste in Gold und das Auspressen von Staaten

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Auch bei Hedgefonds geht mal was schief. Läuft nicht alles nach Plan, geht man in die Offensive und dreht sich die Welt so zu recht, wie man sie braucht. Drei aktuelle Beispiele zu Gold, Puerto Rico und Argentinien.

Zentrum der US-Hedgefonds Industrie Wall Street in New York
Die Wall Street ist das Zentrum der US-Hedgefonds-Industrie.
Foto: Ibagli / Wikipedia / Public Domain

Gold

Laut einer aktuellen Analyse der „Bank of America Merrill Lynch“ sind Hedgefonds zum ersten mal seit 2006 netto short im Gold. Das bedeutet nach der Verrechnung aller Positionen auf steigenden und auf fallenden Goldpreis ergibt sich ein Überhang von Wetten auf den fallenden Goldpreis, i.d.R. in Gold-Futures.

Gold macht Hedgefonds Probleme
Der Goldpreis seit Anfang 2013 bis heute.

Aber nicht alle sind auf den „richtigen“ Langfristtrend umgeschwenkt. Sturheit ist gerade für Hedgefondsmanager ein schlechter Ratgeber. Der Hedgefonds-Star David Einhorn scheint im Jahr 2015 kein glückliches Händchen im Gold zu haben. „Gold long“ ist immer noch eine der sechs größten Positionen in seinem Hedgefonds Greenlight Capital. Auch der öffentlich gehandelte Rückversicherer Greenlight Re, der parallel zu Greenlight investiert, hat in seiner Aktie dieses Jahr 16% eingebüßt. Wie aus öffentlich einsehbaren Daten hervorgeht, war die Firma Ende März mit 10% ihres Kapitals immer noch in Gold investiert. Einhorn dürfte am Gold festhalten, denn wie er auch danach verkündete, gehe er wie auch Hedgefonds-Legende John Paulson davon aus, dass die Geldschwemme-Aktionen der Notenbanken zu realer Inflation führen werden, was irgendwann den Goldpreis ansteigen lassen sollte.

Hedgefonds drängen Puerto Rico zum Totsparen

Das autonome US-Außengebiet Puerto Rico ist pleite – so richtig pleite mit 72 Milliarden Dollar Schulden, die man nicht zurückzahlen kann. Fieberhaft versucht der Gouverneur der Insel in Washington irgendeine Art von Schuldenschnitt hinzubekommen, am besten gesetzlich geregelt, was schwierig ist, da die Insel einen Sonderstatus genießt und kein US-Bundesstaat ist.

Ein staatlich erlaubter Schuldenschnitt wäre ein Grauen für Hedgefonds aus den USA, die in den Schrottanleihen von Puerto Rico investiert sind. Sie wollen natürlich den vollen Nominalwert (100%) zurückerhalten. Was macht man also? Man entwickelt einen eigenen „Restrukturierungsplan“ für Puerto Rico und präsentiert ihn als Lösung des Schuldenproblems. Der Plan trägt den schönen Namen „For Puerto Rico“. Natürlich beinhaltet der keinen Schuldenschnitt.

Man schlägt vor, das Puerto Rico massiv Schulen schließen und Lehrer entlassen soll. Und das, obwohl das Land bereits jetzt nur 79% des Geldes ausgibt, dass im Durchschnitt auf dem US-Festland in das Bildungssystem gesteckt wird. Mit dem gesparten Geld solle die Rückzahlung der Anleihen besser funktionieren. Die Hedgefonds argumentieren, dass drastisch gekürzt werden könne, da die Schülerzahlen in den letzten 10 Jahren um 25% rückläufig ist. Seit Beginn der Schuldenkrise wurden aber schon 100 Schulen geschlossen. Zu dem Bereich Schulen sollen noch massive Steuererhöhungen, weitere staatliche Kürzungen und ein Verkauf von Staatseigentum kommen. Klingt irgendwie nach dem Griechenland-Konzept, hat da aber bisher auch nicht funktioniert. Einen Schuldenschnitt wird natürlich nicht erwähnt. Wer verzichtet schon freiwillig auf Geld? Um dem „Restrukturierungsplan“ eine Art offizielle Note zu geben, hat die Gruppe von 34 Hedgefonds ehemalige IWF-Mitarbeiter angeheuert, die das Thema mit ihrer „Expertise“ bereichern sollen.

Hier der Link zum Plan.

Argentinien

Argentinien wird noch immer von Hedgefonds wie dem US-Fonds Elliott Management im Würgegriff gehalten. Nach wie vor sind Gelder eingefroren, die Argentinien eigentlich bereitgestellt hatte um sie an einen Großteil seiner Gläubiger als Zinszahlung auszuschütten. Denn ein New Yorker Gericht gab Hedgefonds Recht, die auf 100%ige Rückzahlung ihrer argentinischen Schrottanleihen bestehen. Zuerst müssten diese vollständig bedient werden, bevor alle anderen ihre Zinszahlungen erhalten können. Hier kommt Argentinien nicht weiter. Die Hedgefonds hoffen auf einen Machtwechsel im Herbst bei den argentinischen Wahlen. Die Kandidaten sind sich in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber den Hedgefonds aber anscheinend einig. Kaum vorstellbar, dass jemand gewählt wird, der den Hedgefonds eine volle Rückzahlung verspricht. Wer sitzt am längeren Hebel? Die Investoren, mit dessen Geld die Fonds arbeiten, wollen Rendite sehen. Ewig werden sie das Geduldsspiel von z.B. Elliot Management nicht mit ansehen. Wer gibt zuerst nach?

Auch im Öl haben sich viele US-Hedgefonds in den letzten Monaten arg verzockt, da man von steigenden Kursen im 2. Halbjahr 2015 ausgegangen war.
Lesen Sie hierzu unseren Artikel.

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Europäische Zentralbank: Muss sie weiter lockern?

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Die Europäische Zentralbank gerät zunehmend unter Druck! Während es in Deutschland mit der Wirtschaft langsam nach oben geht und das Rezessionsjahr 2020 nicht die ganz große ökonomische Katastrophe bringen soll, kommen die südlichen Staaten nicht so recht voran. Schuld ist natürlich zu einem Gutteil die Entwicklung von Covid-19, die bereits vor den kalten Monaten zu einer zweite Welle generiert ist. Anlass für die Europäische Zentralbank weiter zu lockern, auch trotz der großen Geldflut? Am gestrigen Mittwoch hoffte man auf Hinweise bei einer Rede von EZB-Chefin Christine Lagarde.

Europäische Zentralbank: Höheres Inflationsziel trotz Deflation

Die Federal Reserve in den USA hat es vorgemacht. Man orientiert sich künftig an einem flexiblen Inflationsziel um und bei zwei Prozent – will heißen, dass man auch ein Überschießen über diese ehemalige Zielmarke über einen längeren Zeitraum akzeptieren wird. Jetzt sprach auch die Präsidentin der EZB in einer Rede auf der EZB-Watchers Konferenz in Frankfurt davon, dass man auch in Europa eine Strategieänderung vornehmen könnte. Wenn man die Inflationserwartung erhöhe, könnte dies beim Bürger zu Kaufneigung führen, angesichts der Erwartung künftiger Preissteigerungen. Dabei war es der Europäischen Zentralbank in einem ganzen Jahrzehnt noch gar nicht gelungen, die Zielmarke von zwei Prozent für längere Zeit zu erreichen. Die aktuelle Entwicklung zeigt auch eher das Gegenteil von Inflation. Den letzten Inflationsdaten des Statistischen Bundesamts zufolge gab es im September einen Preisrückgang von 0,2 Prozent. In Deutschland ist dies sicherlich auch der temporären Senkung der Mehrwertsteuer geschuldet, aber auch für den Euroraum als Ganzes rechnet man mit einem Rückgang der Inflation um 0,3 Prozent. Die aktuelle Pandemie sorgt in südeuropäischen Ländern dafür, dass dort eine hohe preisdämpfende Arbeitslosigkeit herrscht – die berühmte Phillipskurve.

Aber es gibt innerhalb der EZB auch Mahner vor einer zu laschen Haltung in punkto Inflation. Bundesbank-Präsident Weidmann warnte vor einer Nachahmung der amerikanischen Politik, ebenso wie der frühere EZB-Vizepräsident Christian Noyer. Man müsse auch an die Kosten für die Wirtschaft denken.

Der geheime Währungskrieg

Was steckt also hinter den Maßnahmen? Die Europäische Zentralbank darf nicht den Eindruck erwecken, weniger locker in ihrer Zinspolitik zu sein als ihr Pendant in den USA. Dies hat sofort Wirkung auf den Außenwert einer Währung zu Lasten der Exportwirtschaft. So hatte der Chefvolkswirt der EZB, Philip Lane, vor den Folgen eines starken Euro für Wachstum und Inflation gewarnt, just in dem Moment als sich EUR/USD der Schwelle von 1,20 genähert hatte. Die wirtschaftliche Erholung und die Preisentwicklung seien durch den zuletzt aufwertenden Euro deutlich gedämpft worden, schrieb Lane Anfang September in einem veröffentlichten Beitrag auf der Internetseite der EZB.

Was sind die nächsten Schritte?

Das klassische Instrument einer weiteren Zinssenkung entfällt wohl angesichts eines Zinssatzes von minus 0,5 Prozent und der fatalen Wirkung auf das Bankensystem. Denkbar wäre eine weitere Aufstockung des bereits auf 1,35 Billionen Euro aufgestockten schweren Anleihekaufprogramm, das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP). Spekuliert wird um eine Ausweitung um nochmalige 500 Milliarden Euro.

Fazit

Nach meiner Wahrnehmung schiebt die Europäische Zentralbank das Ziel, für Preisstabilität zu sorgen, nur vor. Man will vermutlich der  „finanzielle Repression“ zum Erfolg verhelfen:  also den relativen Abbau von Staatsschulden über eine mittlere Inflationsrate bei gleichzeitig niedrigsten Zinsen am Geldmarkt für den Normalsparer. Eine zweite Motivation ist dabei auch die (unausgesprochene) indirekte Staatsfinanzierung mittels niedrigster Kapitalmarktzinsen, die es vor allem den hoch verschuldeten Südstaaten erlaubt, ihren Schuldendienst zu leisten. Und drittens ist die Europäische Zentralbank mittendrin im weltweiten Kampf um eine niedrige heimische Währung, die den Export der Länder unterstützen soll. Für all das braucht es eine lockere Geldpolitik.

It doesnˋt matter, until it matters!

Die Europäische Zentralbank ist unter Druck

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Beate Sander: „Ich werde in diesem Monat sterben!“ Das letzte Interview

Markus Fugmann

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Beate Sander ist bekanntlich in dieser Woche verstorben. Dass ihr Leben zu Ende geht, war ihr völlig klar: „Ich werde in diesem Monat sterben“, sagte sie in ihrem letzten Interview mit einer bewundernswerten Haltung. Trotzdem ist die „Börsen-Oma“ bis zum letzten Tag ihrer Leidenschaft für die Märkte treu geblieben – und es ist diese Leidenschaft, die sie die Schmerzen und die Aussicht auf den Tod hat ertragen lassen.

Man spürt: Beate Sander hatte eine Berufung – und diese Berufung machte sie glücklich. Und in der Tat: wer eine Berufung in sich spürt, der verspürt Sinn in seinem Leben. Beate Sander aber war eine „Berufene“. Und das obwohl die ehemalige Realschullehrerrin erst im Alter von 59 Jahren ihre erste Aktie kaufte.

Ihre letzte Botschaft lautete für diejenigen, die ähnlich wie sie vor dem Tode stehen:

„Nehmt das so mutig und gelassen hin wie es möglich ist“.

Und Sander mit ihrem letzten Appell:

„Ich möchte alle Anleger noch mal ganz herzlich bitten: Weg vom Sparbuch, hin zu Aktien! Spart vernünftig und baut euch ein schönes Vermögen auf!“

Wer am Ende so souverän sein kann wie Beate Sander, muß ein großer Mensch sein!

 

Beate Sander war eine Berufene

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Olaf Scholz und der große Steuer-Irrsinn – Bundesrat rettet die Bürger?

Claudio Kummerfeld

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Was Olaf Scholz da verzapft hatte gegen Privatpersonen in Deutschland, die an der Börse handeln, war unfassbar. Ja, es war sogar der reine Irrsinn. Man könnte glatt meinen, Olaf Scholz verstehe gar nicht, was er da macht – schließlich betont er immer wieder, dass das Sparbuch sein persönlicher Favorit ist. Kennt er sich mit Aktien, Derivaten und Verlustverrechnungen überhaupt aus? Geht es nach seinen Beschlüssen, dann werden Privatpersonen ab Januar 2021 in die absurde Lage kommen, dass sie Steuern auf Kapitalerträge zahlen müssen, obwohl sie in diesem Jahr insgesamt mehr Verluste als Gewinne gemacht haben!

Zahlreiche Medienpublikationen berichteten unlängst über dieses Thema (siehe beispielsweise hier oder hier), aber auch wir bei FMW hatten uns schon mehrfach darüber ausgelassen, was für ein Irrsinn da von Olaf Scholz in die Welt gesetzt wurde. Oder können Sie sich vorstellen zum Beispiel als kleiner Selbständiger Einkommensteuer zu zahlen, obwohl sie gar kein Geld verdient haben? Nein, denn das wäre ja völlig sinnfrei – genau wie es jetzt bei Steuern auf Kapitalerträge aus Derivategeschäften kommen soll.

Laut dem neuem Gesetz von Olaf Scholz (Erweiterung des Einkommensteuergesetz § 20 Absatz 6 Satz 4) dürfen ab Januar 2021 Verluste aus Termingeschäften nur noch mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden. Noch wichtiger: Pro Jahr dürfen nur noch 10.000 Euro Verluste mit Gewinnen verrechnet werden. Macht man 15.000 Euro Verlust, kann man im Folgejahr die überschüssigen 5.000 Euro gegen die Gewinne des nächsten Jahres verrechnen. Nur dumm, wenn man jahrelang in Folge mehr Verluste als Gewinne macht. Die praktische Folge: Es kann passieren, dass der Anleger Steuern auf Gewinn-Trades zahlt, obwohl man insgesamt in einem Jahr mehr Verluste als Gewinne gemacht hat.

Rettet der Bundesrat die Bürger vor dem Irrsinn des Olaf Scholz?

Jetzt kann der Steuerbürger und Privatanleger nur hoffen, dass der Bundesrat am 9. Oktober den Steuer-Irrsinn des Olaf Scholz stoppen wird. Denn ein aktuelles Papier (hier einsehbar) zeigt die Empfehlungen der Fachausschüsse an den Bundesrat für die Sitzung am 9. Oktober. Man darf vermuten und hoffen, dass der Bundesrat diese Empfehlungen umsetzen wird? Und siehe da, genau zu dieser angedachten Änderung im Einkommensteuergesetz, die das Ministerium von Olaf Scholz umgesetzt sehen will, sagt die Empfehlung der Ausschüsse Zitat „In Absatz 6 werden die Sätze 5 und 6 gestrichen„. Und eben jene Sätze betreffen diese angedachte Begrenzung der Verlustverrechnung. Wir wollen an dieser Stelle nur einen kurzen Teil der Begründung zitieren, warum die Fachausschüsse dem Bundesrat diese Empfehlung geben. Zitat:

Der Bundesrat spricht sich für die Streichung der 2019 (BGBl. I 2019, 2875) geschaffenen neuen Verlustverrechnungsbeschränkungen im Bereich der Einkünfte aus Kapitalvermögen aus. Die administrative Umsetzung dieser Vorschriften ist verfassungsrechtlich bedenklich und stellt die Finanzverwaltung zudem vor nahezu unlösbare Aufgaben.

Mit der Neuausrichtung der Besteuerung ab dem Jahr 2009 wurde – höchstrichterlich bestätigt – das Grundprinzip einer symmetrischen Berücksichtigung von Gewinnen und Verlusten innerhalb der Kapitaleinkünfte eingeführt. Die neuen Vorschriften brechen mit diesem Grundprinzip. Die Verlustverrechnungsbeschränkungen sind so restriktiv, dass sie in der Fachliteratur als ein klarer Verstoß gegen das verfassungsrechtlich maßgebende Nettoprinzip bewertet werden.

Zum Thema finden Sie hier ein aktuelles Video des Börsenexperten Andre Stagge, bitte anschauen!

Bundesfinanzminister Olaf Scholz
Olaf Scholz. Foto: Olaf Kosinsky CC BY-SA 3.0 de

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