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Hedgefonds haben sich böse verzockt im Öl

Von Claudio Kummerfeld

So sieht es wohl aus, „böse verzockt“ darf man wohl sagen. Obwohl wir von keinem Hedgefonds konkrete Zahlen erfahren konnten, sind diese beiden Wörter die Zusammenfassung der derzeitigen Gemütslage. Wochenlang haben hochbezahlte Bankanalysten beschworen, dass im 2. Halbjahr 2015 (läuft ja schon seit 4 Wochen) der Ölpreis endlich kräftig anziehen werde.

Ölpreis seit Mai 2015

Dementsprechend positionierten sich Hedgefonds auf der Long-Seite (steigender Kurs) in Öl-Futures und Optionen auf das US-Öl „West Texas Intermediate“ (WTI). Laut aktuellen Daten der US-Aufsichtsbehörde für Terminmärkte CFTC hatten Hedgefonds vor gut 3 Monaten noch Netto Long-Positionen (also per saldo mehr long als short) im Öl von über 250 Millionen barrel. Daten von letzter Woche zeigen immer noch ein Volumen von 118 Millionen barrel. Das bedeutet de facto 118 Millionen Dollar Verlust, wenn der Ölpreis um 1 Dollar fällt. Und man bedenke, dass Hedgefonds i.d.R. große Teile ihrer im Markt eingesetzten Gelder bei Banken als Kredit aufnehmen, um mit diesem Hebel enorme Gewinne in Bezug auf ihr tatsächlich eingesetztes Eigenkapital zu erzielen. Hier wird also gerade verdammt viel Geld verbrannt.

Noch im Mai hielt sich der Ölpreis auf dem Niveau um die 60er-Marke, und die Hoffnung auf Anstiege Richtung 70 waren vorhanden, aber seitdem ging es nur bergab. Auch nach Abbau der Netto Long-Positionen auf 118 Millionen barrel ist der ständige Verlust gewaltig, wenn Öl fällt und fällt und fällt. Kreditgebende Banken und Investoren schauen sich das nicht lange an. Da mag man sagen „geschieht ihnen recht“. Traurig daran ist aber auch, dass immer noch Lehrer-Pensionsfonds, Versicherungen und sonstige Institutionelle Gelder zu Hedgefonds rüberschieben, um im Nullzinsumfeld überhaupt noch eine Rendite zu erzielen.

Die aktuelle Netto Long-Position von „nur“ 118 Million barrel gehalten von Hedgefonds ist der niedrigste Wert seit 5 Jahren. Daraus kann man schlussfolgern, dass die Fonds jetzt eine pessimistische Haltung eingenommen haben (so der Tenor in der Branche), wobei sie unterm Strich ja immer noch auf steigende Kurse setzen. In den letzten 7 Tagen seit Datenveröffentlichung der CFTC sollten die Long-Positionen weiter deutlich geschmolzen sein, weil die 50er-Marke endgültig unterschritten wurde. Wenn auch der letzte Hedgefondsmanager short geht, dürfte das den Abwärtsdruck noch verstärken.



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1 Kommentar

  1. Das Öl treibt die Weltwirtschaft an ?

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