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Hedgefonds verlieren Glauben an Trump-Rally – und kaufen Gold!

Nach der immensen Rally an der Wall Street, vor allem bei Bank-Aktien wie JP Morgan und Goldman Sachs, werden Hedgefonds nun deutlich vorsichtiger, wie Daten der Credit Suisse zeigen. Sie kaufen jetzt verstärkt Gold - liegen damit aber bisher daneben..

FMW-Redaktion

Nach der immensen Rally an der Wall Street, vor allem bei Bank-Aktien wie JP Morgan und Goldman Sachs, werden Hedgefonds nun deutlich vorsichtiger, wie Daten der Credit Suisse zeigen. Die schweizer Bank ist mit ihren prime brokerage accounts einer der wichtigsten Abwickler von Positionen der Hedgefonds und hat daher gute, wenngleich nicht völlig repräsentative Einblicke in die Positionierungen der Hedgefonds.

Nach dem Bullen-Lauf, der die Marktkapitalisierung der US-Märkte um 1,5 Billionen Dollar erhöht hat, nehmen die Hedgefonds nun offensichtlich einige Chips vom Tisch. Zwar sei die Positionierung der Hedgies vor allem in US-Bankaktien immer noch hoch, doch nun ca. 15% geringer als noch Ende Dezember, so die Credit Suisse. Am Jahresende 2016 war die „exposure“ der Hedgefonds bei Aktien wie Goldman Sachs noch nahe der Allzeithochs gewesen – in der Hoffnung vor allem auf baldige Deregulierungen der Trump-Administration.

Nun, da die Fed wahrscheinlich nächste Woche die Zinsen anheben wird, also die Abkehr von US-Finanzwerten – und das ist eher untypisch vor einer Zinsanhebung. Als die Fed im Dezember 2015 und dann im Dezember 2016 die Zinsen angehoben hatte, hatten die Hedgfonds ihre Positionierung in US-Bank-Aktien deutlich erhöht – weil Banken normalerweise von höheren Zinsen profitieren (Erhöhung der Margen durch die sogenannte Fristen-Transformation).

Die Reduzierungen sind vermutlich aus zwei Gründen erfolgt: erstens haben die US-Bankaktien durchschnittlich 24% gewonnen seit der Wahl Donald Trumps und damit die längste Gewinnstrecke seit dem Jahr 2013 absolviert – womit nun die Bewertungen nicht mehr eben günstig sind. Und zweitens haben die Hedgefonds paradoxerweise sehr wenige Hedges, also Absicherungen im Portfolio, etwa Credit Default Swaps oder Longpositionen auf eine steigende Volatilität (so etwa im VIX-Future). Alos versucht man, nachdem wie Jeff Gundlach gestern sagte, das „schnelle Geld“ bereits verdient ist, die Risiken zu minimieren.

Sorge bereitet den Hedgfonds offensichtlich auch die zunehmende Differenz zwischen „harten“ und „weichen“ Daten: so haben in den letzten Tagen Banken wie Goldman Sachs, aber auch einzelne Fed-Distrikte wie die Atlanta-Fed ihre Prognosen für das US-BIP gesenkt, vor allem weil die Konsumausgaben der Amerikaner enttäuschten, während gleichzeitig „weiche“ Stimmungs-Daten nach der Wahl Trumps weiter nach oben gehen. Man könnte also sagen: die Stimmung ist besser als die Lage und die Perspektive – und genau das macht die Hedgefonds vorsichtig. Daher wurden auch konjunktursensitive Aktien (consumer discretionary) verkauft, offenkundig zweifelt man daran, dass die Politik der Trump-Administration wirklich den Konsumenten hilft. Der derzeitige Abverkauf von Kupfer, zuvor noch der Liebling der Hedgefonds als Wette auf das große Investitionsprogramm Trumps, spiegelt sich dabei auch mit den Aussagen von Credit Suisse, wonach die Hedgies vor allem Kupfer stark verkauft haben.

Gekauft wurden dagagen Gold – so haben die Hedgfonds innerhalb kurzer Zeit ihre Positonen in Gold verdoppelt – was sich auch mit den CFTC-Daten deckt, die einen starken Anstieg der Gold-Long-Positionierung am Futures-Markt ausgewiesen hatten. Bislang war das keine gute Idee, der Goldpreis zeigt in den letzten Tagen Schwäche, vor allem seit die Fed ihre plötzliche hawkishe Wende hin zu einer Anhebung der Zinsen breits im März vollzogen hat.

Nun sind auch CTAs – Hedgefonds, die überwiegend Futures handeln – erstmals seit der Wahl Donald Trumps – Netto-short positioniert an den US-Märkten. Das erklärt wohl zumoindest zum Teil auch den Short-Sueeze nach der Rede Trumps vor dem US-Kongress am letzten Mittwoch – obwohl Trump einmal mehr nur Absichtsbekundungen und nichts Konkrretes zu bieten hatte.

In der Summe wird die Stimmung also skeptischer – das zeigen übrigens aktuell auch die US-Börsenbriefe, die zuletzt noch so bullisch waren wie seit 30 Jahren nicht mehr. Gut möglich also, dass die Skepsis nun dazu führt, dass die US-Märkte noch einmal eine Aufwärtswelle zeigen, die Skeptiker aus dem Markt werfen – um dann zu fallen, wenn keiner mehr so recht daran glaubt..



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1 Kommentar

  1. „Gekauft wurden dagegen Gold – so haben die Hedgfonds innerhalb kurzer Zeit ihre Positonen in Gold verdoppelt – was sich auch mit den CFTC-Daten deckt, die einen starken Anstieg der Gold-Long-Positionierung am Futures-Markt ausgewiesen hatten“.
    Interessiert die Märkte aber nicht im Geringsten, Gold stürzt gen Süden ohne Bremse ;)

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