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Helikoptergeld: Banken und Fonds wärmen das Thema schon mal an (3 Videos)

Redaktion

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FMW-Redaktion

Durch Mario Draghi´s Aussagen am 10. März und durch die Folgeaussagen seines Chefvolkswirts Peter Praet vom letzten Freitag ist das Thema Helikoptergeld in aller Munde. Geschenktes Geld fürs Volk, phantastisch oder? Die Finanzindustrie ist gar nicht so abgeneigt gegenüber dem Thema, benennt aber auch die Probleme.

Wir hatten am Montag schon berichtet, dass die Bundesbank strikt gegen diese Geldschenkung ist. Denn letztlich gäbe es dann ein dickes Minus in der EZB-Bilanz (welche ja indirekt auch den Staaten zuzurechnen ist). Der Nobelpreisträger Milton Friedman benannte diesen Vorschlag erstmals 1969 und brachte den Abwurf von Bargeld über den Bürgern ins Spiel – daher auch der Begriff Helikoptergeld. Seit der Aufwärmung durch die EZB haben u.a. die HSBC und die Citigroup das Thema in Investorenbriefen angesprochen. Andere Marktteilnehmer sprechen auch vor der Kamera offensiv zu dem Thema.

Dass die Finanzindustrie wohl grundsätzlich kein Problem mit Helikoptergeld haben dürfte, liegt auf der Hand. Mehr Geld im Umlauf bietet immer Chancen auf mehr Geschäft für Banken. Haben Unternehmen mehr Einnahmen durch mehr Konsum, steigen deren Bankeinlagen. Mehr Geld im Geldkreislauf = mehr Börsenhandel, mehr Emissionstätigkeit bei Wertpapieren uvm. Ray Dalio, der Chef des weltweit größten Hedgefonds Bridgewater, sagte schon vor einem Monat die Notenbanken hätten den Großteil ihrer Macht und Kraft verloren durch ihre fehlgeschlagenen QE´s und Zinssenkungen. Es sei nun an der Zeit als nächsten Schritt Geld „direkt bereitzustellen“. Auf deutsch: Helikoptergeld.

Michael Krautzberger, Anleihenexperte beim weltweit größten Vermögensverwalter Blackrock, äußerte vor Kurzem in einem Video-Interview von „Cash“ seine Anmerkungen zum Helikoptergeld. Dies sei eine umsetzbare aber radikale Idee. Zwei Vorteile hätte diese direkte Geldverteilung an die Bürger. Zum einen sei es erstens keine Staatsfinanzierung (sieht die CoBa etwas anders, weiter unten). Zweitens seien diese Geschenke ein „hoher Multiplikator“, weil das Geld in der Tasche der Bürger großteils direkt in den Konsum fließe. Kritisch sieht Krautzberger das Konzept, weil der Empfänger dieses Geschenkes dann in Zukunft weitere Schritte der EZB erwarte. Er ist der Meinung mit Sicht auf eine Dekade könne man die reale Umsetzung von Helikoptergeld nicht ausschließen.

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Die Commerzbank wärmte vor Kurzem das Thema auch schon mal an. Sie sieht die Probleme in der tatsächlichen Umsetzung, da einerseits dieses geschenkte Geld suggeriere man brauche für Geld nicht mehr arbeiten. Andererseits sei es praktisch nur umsetzbar, wenn die EZB Geld an die Staaten ausschütte, und die das Geld an die Bürger weiterreichen z.B. über Steuergutschriften. Denn da haben die Commerzbanker ja recht: Der Bürger hat kein Konto bei der EZB. Der Geldfluss über die Staaten wäre rein technisch verbotene Staatsfinanzierung. Aber da meinen wir: Das ist das geringste aller Probleme. Die Charta der EZB wurde ja von den Eurostaaten entworfen und abgesegnet – sie kann dann ja von den selben Staaten geändert werden.

Hier nochmal das Originalzitat von Mario Draghi vom 10. März zum Helikoptgergeld. Abgeneigt klang er nicht.

Die Überlegung könnte bei der EZB grundsätzlich sein: Tut sich in den nächsten 1-2 Jahren nicht wirklich etwas bei der Inflation, holen wir die Idee vom Helikoptergeld endgültig aus der Schublade. Die Regierungen der Mittelmeerländer, die ja auch alle im EZB-Rat vertreten sind, dürften damit kein großes Problem haben.

Eurozone Inflation
Hier der Aktuelle Verlauf der Eurozonen-Inflation. Ganz rechts sieht man das aktuelle Abrutschen in die Deflation. Der rote Strich bei 1,8% markiert das Ziel. Grafik: EZB

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Wolfgang Koch

    23. März 2016 17:45 at 17:45

    Ich konsumiere,also bin ich!Warum habe ich das schon seit einigen Jahren gedacht,ohne es je als realistisch einzustufen?Sind jetzt alle verrückt?Helikoptergeld,Money for nothing?Free Lunch everytime?Keiner arbeitet noch für irgendwas&alles ist noch in ausreichender Menge,woher auch immer, da?Mein IQ,vermutlich knapp über 100 reicht dazu nicht aus!Paradies für alle!Fangt nur nicht an,wg.Langeweile euch für Religion zu interessieren&Ungläubige zu erziehen!Die Draghiwelt macht mir erhebliche Sorgen!

  2. Avatar

    oscar

    23. März 2016 18:08 at 18:08

    spätestens hier sollte der „erwachsene“ ausgeschlafene bürger sorgenfalten bekommen. zeigt es doch eindeutig, wie absurd eine ktiminell, entfesselte finazwirtschaft im sog einer ständigen „wachstumslüge“ und dauernder profitsteigerungswahn in ein sandbank gewässer gefahren ist. unterzugehen droht es leider noch nicht. es erfindet sicher neue quellen um dem irrsinnigen treiben wieder wasser unter den kiel zu bringen. allerdings werden immer mehr geprellte bürger, die letzendlich doch alles zahlen werden müssen, dumm aus der (noch) zivilen wäsche schauen…. da werden auch perfide tricks mit den ach so herbeibeschworenen invasiven, flüchtlingsmassen keine fundamentale besserung in der funktion eines hochgebildeten fachkraft „vollverbrauchers“ bringen. denn jeder weiß es inzwischen, trotz verlogenem dauerbeschuß der medien und berufener münder, für die man sich mittlerweile schämt, dass es sich wieder einmal um eine umlage finanzierte steuergeldaktion handelt. selbstredend mit gutmensch tenor und darum sorglos, kritikfrei. da werden keine wirtschaftlich tragfähige, fundamente errichtet, sondern der totale, steuerbürger finanzierte verbrauch verordnent und ermöglicht. wie jämmerlich dieses billige, dreiste spiel. die zukünftigen generationen werden es spät kapieren, aber dann sehr dankbar aus den aufgerissenen äuglein schauen. prost zukunft….pervers daran…sie wissen es !!!

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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