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Europa

Herr Draghi, jetzt bitte komplett abtauchen: Diese Daten passen gar nicht in Ihr Konzept!

Gestern hatten wir Mario Draghi schon gewarnt bitte in Deckung zu gehen, weil die Großhandelspreise nicht so richtig in sein neues Inflationskonzept passen. Heute früh bitten wir aber darum ganz abzutauchen, weil die jetzt vom…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Gestern hatten wir Mario Draghi schon gewarnt bitte in Deckung zu gehen, weil die Großhandelspreise nicht so richtig in sein neues Inflationskonzept passen. Heute früh bitten wir aber darum ganz abzutauchen, weil die jetzt vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Detaildaten zur deutschen Inflation für Januar das neue EZB-Konzept zur „tatsächlichen“ Inflation komplett zerlegen.

Die EZB behauptet seit Kurzem, dass nur die Energiepreise kräftig steigen, aber eben nicht die sonstigen Preise (Ziel 2% oder knapp darunter). Daher könne man seine „geldpolitischen Maßnahmen“ noch nicht einstampfen. Aber heute zeigt sich: Jenseits der Gesamtinflation für Januar 2017 von 1,9% gegenüber Januar 2016 zeigen die nun veröffentlichten Detaildaten, dass eben nicht nur die Energiepreise so kräftig anziehen, sondern beispielsweise auch die Nahrungsmittel mit satten +3,0%. Verkehrskosten steigen um 4,1%, Alkohol und Tabak +2,1%, Hotelkosten +1,8%, Gesundheitskosten +1,7% usw. Alles exakt da, wo die EZB die Preise als Ziel sehen will, oder sogar noch deutlich darüber – jetzt schon im Januar!

Also, da hat man langsam ein Argumentationsproblem. Aber halt, jetzt gibt’s den zweiten Joker. Die EZB hatte jüngst ja auch verkündet es käme ihr auf eine nachhaltige Preisentwicklung an – die Preise müssen also mehrere Monate am Stück so gut anziehen? Da gewinnt man erneut Zeit. Hier die heutigen Daten im Original:


Die Verbraucherpreise in Deutschland lagen im Januar 2017 um 1,9 % höher als im Januar 2016. Die Inflationsraten − gemessen am Verbraucherpreisindex – zog damit zum Jahresbeginn weiter an. Im Dezember 2016 hatte sie bereits bei + 1,7 % gelegen. Eine Inflationsrate von + 1,9 % hatte es zuletzt im Juli 2013 gegeben. Im Vergleich zum Dezember 2016 sank der Verbraucherpreisindex im Januar 2017 um 0,6 %. Das Statistische Bundesamt (Destatis) bestätigt damit seine vorläufigen Gesamtergebnisse vom 30. Januar 2017.

Preistreibend wirkt seit Dezember 2016 die Preisentwicklung bei Energie. Im Januar 2017 lagen die Energiepreise insgesamt mit + 5,9 % deutlich über dem Vorjahresniveau. Der Preisanstieg bei Energie binnen Jahresfrist hat sich damit deutlich verstärkt, im Dezember 2016 hatte die Teuerungsrate hierfür noch bei + 2,5 % gelegen. Im Januar 2017 waren vor allem Mineralölprodukte teurer als ein Jahr zuvor (+ 18,1 %, davon leichtes Heizöl: + 42,5 %; Kraftstoffe: + 12,8 %). Auch für Strom mussten die Verbraucher mehr bezahlen (+ 1,4 %). Deutlich günstiger waren hingegen Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme (− 5,7 %) sowie Gas (− 3,3 %). Ohne Berücksichtigung der Energie hätte die Inflationsrate im Januar 2017 bei + 1,5 % gelegen, ohne Berücksichtigung der Mineralölprodukte nur bei + 1,3 %.

Auch die Preise für Nahrungsmittel lagen im Januar 2017 mit + 3,2 % deutlich höher als im Januar 2016. Der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln hat sich damit erneut verstärkt (Dezember 2016: + 2,5 %; November 2016: + 1,2 %). Erheblich teurer als ein Jahr zuvor waren im Januar 2017 vor allem Speisefette und Speiseöle (+ 12,8 %, darunter Butter: + 26,2 % und Olivenöl: + 5,3 %) sowie Gemüse (+ 10,7 %, darunter Gurken: + 69,5 % und Kopfsalat oder Eisbergsalat: + 59,2 %). Auch alle anderen Nahrungsmittelgruppen verteuerten sich im Vergleich zum Januar 2016, zum Beispiel Obst (+ 4,6 %), Molkereiprodukte und Eier (+ 2,7 %) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (+ 0,4 %).

Gemessen an der Gesamtteuerung erhöhten sich die Preise für Waren insgesamt, die Energie und Nahrungsmittel einschließen, im Januar 2017 gegenüber Januar 2016 mit + 2,7 % überdurchschnittlich. Zudem verteuerten sich binnen Jahresfrist einzelne Waren deutlich, zum Beispiel Zeitungen und Zeitschriften (+ 4,2 %) sowie Tabakwaren (+ 3,2 %). Einige Waren wurden dagegen auch billiger, unter anderem Geräte der Unterhaltungselektronik (− 4,6 %).

Im Vergleich zu den Waren erhöhten sich im Januar 2017 die Preise für Dienstleistungen mit + 1,2 % gegenüber dem Vorjahr schwächer. Entscheidend für die Preiserhöhung der Dienstleistungen waren die Nettokaltmieten (+ 1,6 % gegenüber Januar 2016), da private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Deutlicher verteuerten sich binnen Jahresfrist unter anderem Dienstleistungen für Verpflegung in Restaurants, Cafés und Straßenverkauf (+ 1,9 %) sowie für Versicherungen (+ 2,5 %). Verbraucherfreundlich war die Preisentwicklung hingegen bei Telekommunikations­dienstleistungen (− 1,1 %). Auch die Preise für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen sanken (− 6,3 %), was insbesondere aus der Umsetzung des Pflegestärkegesetzes II resultiert.

Bruttoinlandsprodukt

Das heute vermeldete Bruttoinlandsprodukt wurde leicht unter den Erwartungen gemeldet, auf Quartalsbetrachtung wie auch im Jahresvergleich. Zitat:


Die deutsche Wirtschaft hat ihren moderaten Wachstumskurs auch zum Jahresende 2016 fortgesetzt: Um 0,4 % war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2016 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – höher als im Vorquartal. Die konjunkturelle Lage in Deutschland war damit im Jahr 2016 durch ein solides und stetiges Wirtschaftswachstum gekennzeichnet (+ 0,7 % im ersten Quartal, + 0,5 % im zweiten Quartal und + 0,1 % im dritten Quartal). Für das gesamte Jahr 2016 ergibt sich daraus ein Anstieg von 1,9 % (kalenderbereinigt: + 1,8 %), teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mit. Das im Januar veröffentlichte vorläufige Jahresergebnis für das BIP wurde damit bestätigt.

Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich (preis-, saison- und kalenderbereinigt) aus dem Inland: Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben deutlich, die privaten Haushalte noch einmal leicht. Darüber hinaus entwickelten sich auch die Investitionen überwiegend positiv: Vor allem in Bauten wurde deutlich mehr investiert als im dritten Quartal 2016. Nach vorläufigen Berechnungen wurde das Wachstum dagegen von der außenwirtschaftlichen Entwicklung gebremst, weil die preisbereinigten Importe im Vergleich zum Vorquartal deutlich stärker zunahmen als die Exporte.

Auch im Vorjahresvergleich hat das Wirtschaftswachstum – gemessen an den Ursprungswerten – weiter zugelegt: Das preisbereinigte BIP stieg im vierten Quartal 2016 um 1,2 % (kalenderbereinigt: 1,7 %), nach + 1,5 % im dritten Quartal 2016 (kalenderbereinigt: 1,7 %) und + 3,2 % im zweiten Quartal 2016 (kalenderbereinigt: 1,8 %).

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Trigo

    14. Februar 2017 09:59 at 09:59

    Verbraucherpreisindex….paaa ….alles „Fake News“!!! Dragon hat „alternative Fakten“!!

  2. Avatar

    Helmut Josef Weber

    14. Februar 2017 10:40 at 10:40

    Geht die Inflation auf 4% zu, wird Dragji das mit dem Nachholbedarf (Glättung) den Inflationsrate 2014 bis heute schönrechnen.
    Ab 6% wird er den Leuten dann über Jahre versprechen, dass es nun bald besser geht.
    Spanien baut dagegen schon einmal bei den Rentnern einen Puffer ein.
    Habe zum 01.01.2017 7,6% Rentenerhöhung erhalten..

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  3. Avatar

    Gerd

    14. Februar 2017 11:15 at 11:15

    Insbesondere der Anstieg von Nahrungsmittelpreisen müsste diesem verbrecherisch handelnden Draghi aufzeigen, wie schwachsinnig sein Bestreben nach höherer Inflation ist.

    Starke Schneefälle haben z.Bsp. in Italien (sch… Klimawandel aber auch) zu enormen Ernteausfällen geführt. Gewächshäuser auch teilweise unter Schneemassen zerstört. Gemüse dort teilweise um 300% verteuert. Für einen Kopf Weißkohl würden angbl. bis zu 5Euro verlangt.
    Aber Herr Draghi wird sich bei den gestiegenen Inflationszahlungen wohl trotzdem stolz die Hände reiben und behaupten, seine Politik zeigt 1.Erfolge und wäre 2. goldrichtig.

    Das Ganze ist nur noch pervers.
    Danke Frau Merkel, dass Sie in Europa in allen Angelegenheiten Ihre Mächtigkeit in die Waagschale werfen, aber so eine Institution wie die EZB dulden.
    Obwohl, das passt ja genau ins destruktive Gesamtschema.

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Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone November: Deflation den vierten Monat in Folge!

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse wird zusammengepresst

Soeben hat Eurostat als Vorabschätzung die Verbraucherpreise der Eurozone für den Monat November veröffentlicht. Im Jahresvergleich ist es ein Wert von -0,3 Prozent nach ebenfalls -0,3 Prozent im Oktober. Erwartet für heute wurde eine Veränderung von -0,2 Prozent. Damit erlebt die Eurozone (basierend auf dem Modell des Harmonisierten Verbraucherpreisindex) den vierten Monat in Folge Deflation! Dies hängt natürlich auch mit der seit Juli geltenden Mehrwertsteuersenkung in Deutschland zusammen, welche in vier Wochen wieder rückgängig gemacht wird.

Man sieht: Die Preissteigerung bei Lebensmitteln bleibt relativ konstant mit +1,9 Prozent. Ebenfalls ändern sich die Verbraucherpreise im Negativen auch relativ konstant. Die Energiepreise sinken um 8,4 Prozent – das sind ähnlich hohe negative Werte wie in den Vormonaten. Wie gesagt, ab Januar könnte der Gesamtschnitt wieder Richtung Null-Linie tendieren mit den steigenden deutschen Mehrwertsteuersätzen.

Datenblatt zeigt aktuelle Verbraucherpreise in der Eurozone

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Europa

Verbraucherpreise im November: Dritter Monat in Folge Deflation

Claudio Kummerfeld

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Kartoffel mit Löffel und Münzen

Soeben hat das Statistische Bundesamt vorab die Verbraucherpreise für den Monat November veröffentlicht. Im Jahresvergleich sind sie mit -0,3 Prozent den dritten Monat in Folge deflationär (Vormonate jeweils -0,2 Prozent im Jahresvergleich). Erwartet für heute waren ein Minus von 0,1 Prozent. Die Inflationsrate ist unter anderem durch die seit 1. Juli 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung beeinflusst, wie die Statistiker in ihrer Headline-Mittelung erwähnen. Hier die Daten im Detail:

Datenblatt zeigt Veränderungen der Verbraucherpreise im Detail

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