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Heuchelei beschlossen: EU verbietet Binäre Optionen, CFD-Handel eingeschränkt, Forex-Hebel 30

Der CFD-Handel wird nicht verboten, aber dafür massiv eingeschränkt. Laut aktueller Veröffentlichung wird man im Forex-Trading den Hebel bei maximal 30 ansetzen. Für Hauptindizes wird der maximale Hebel bei 20 liegen, und im Krypto-Trading bei gerade…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Es ist beschlossene Sache. Die EU geht mit ihrer Regulierungsbehörde ESMA umfangreich vor gegen dubiose und angeblich dubiose Finanzprodukte. Wir hatten schon im Februar darüber berichtet. Im Rahmen einer groß angelegten Umfrage votierten 98% der Anleger gegen Restiktionen, vor allem im CFD-Handel. Aber was soll´s. Der Staat muss den Bürger eben vor sich selbst schützen, weil der ja offensichtlich zu dumm ist zu wissen, was gut und was nicht gut ist.

Binäre Optionen

Handel, Betrieb, Vermarktung und Verkauf von Binären Optionen werden in der EU komplett verboten. Also können Anbieter nicht mehr in der EU tätig sein, und ihre Produkte auch nicht an EU-Bürger vertreiben. Wenn sie in Offshore-Paradiesen sitzen, und EU-Bürger dort über ihre Kreditkarte Geld einzahlen und traden, wird das natürlich letztlich nie ganz zu verhindern sein.

Aber das Verbot von Binären Optionen ist das kleinste und harmloseste Übel der aktuellen Veröffentlichung. Kein halbwegs ernsthafter Trader würde jemals sowas handeln. Von daher wird wohl auch kaum jemand die Binären Optionen vermissen, die eh nur eine üble Gelddruckmaschine für die Anbieter waren.

CFD-Handel

Der CFD-Handel wird nicht verboten, aber dafür massiv eingeschränkt. Laut aktueller Veröffentlichung wird man im Forex-Trading den Hebel bei maximal 30 ansetzen. Für Hauptindizes wird der maximale Hebel bei 20 liegen, und im Krypto-Trading bei gerade mal 2. Dazu wird man einen maximalen Trading-Verlust von maximal 50% einbauen, auch wenn im Gesamtkonto noch genug Geld vorhanden ist. Das dürfte im Handelsalltag für viele Trader zum echten Problem werden! Hier die Maßnahmen im Detail. Zitat BaFin/ESMA:

1. Hebel-Obergrenzen (Leverage-Limits) zwischen 30:1 und 2:1 bei Eröffnung einer Position durch Kleinanleger, die von der Volatilität des Basiswerts abhängig sind:

– 30:1 für Hauptwährungspaare;
– 20:1 für andere Währungspaare, Gold und wichtige Indizes;
– 10:1 für Rohstoffe (außer Gold) und andere Aktienindizes;
– 5:1 für Einzelwertpapiere und andere Basiswerte;
– 2:1 für Kryptowährungen;

2. Margin-Glattstellungsvorschrift (Margin-Close-out) auf Einzelkontobasis. Dabei wird der Prozentsatz der Margin, bei dem CFD-Anbieter ein oder mehrere CFD eines Kleinanlegers glattstellen müssen, standardisiert (50 % der erforderlichen Mindest-Margin);

3. Negativsaldoschutz auf Einzelkontobasis. Durch diese Maßnahme wird eine einheitliche Verlustbegrenzung für Kleinanleger gewährleistet;

4. Anreizbeschränkung für CFD-Handel;

5. Standardisierte Risikowarnung, aus der u. a. der Prozentsatz der Kleinanlegerkonten des CFD-Anbieters hervorgeht, in denen Verluste verzeichnet werden

Die möglichen Folgen: Wir hatten wie auch einige Broker davor gewarnt: Erfahrene Trader, die absichtlich einen hohen Hebel suchen, könnten nun gezwungen sein auf Offshore-Broker beispielsweise in der Karibik auszuweichen, wo sie die Freiheit im CFD-Handel finden, die sie haben wollen. Dann steigt natürlich ihr Risiko in Sachen faire Ausführung und sichere Bankeinlagen. Das wäre eine Verdrängung von Anlegern hin zu möglicherweise extrem unseriösen Anbietern – diese Verdrängung wird aber verursacht durch die EU-Regulatoren, die offenbar den Bürger umerziehen wollen!

Ein Kniff zum Umgehen der Beschränkungen?

Im Verbotstext von ESMA und BaFin ist ständig zu lesen, dass das Verbot für „Kleinanleger“ gilt. So kann folgendes passieren, was (man munkelt…) einige Broker schon begonnen haben umzusetzen. Man versucht dann einfach in Zukunft neue Kunden nicht als Privatanleger, sondern bei Kontoeröffnung als Profi-Anleger einzustufen, welche ja nicht vom Verbot betroffen sind. Das könnte zukünftig Streit mit Aufsichtsbehörden bringen. Schummelei oder rechtmäßiges Umgehen von Beschränkungen? Da könnte es wohl auf die Einstufungsmechanismen ankommen, wie man einen Privatanleger in einem Profi-Anleger verwandelt!

Heuchelei

Warum sind diese Verbote und Beschränkungen Heuchelei? Die Behörden möchten doch sicher nur die dummen und ungebildeten armen EU-Bürger vor Verlusten an der Börse schützen? Nein, Freiheitsberaubung ist das zu großen Teilen beim CFD-Handel! Was schreibt die ESMA dazu? Zitat:

Analysen der zuständigen nationalen Behörden zum CFD-Handel in verschiedenen EU-Staaten zeigen, dass in 74 bis 89 % der Kleinanlegerkonten üblicherweise Anlageverluste verzeichnet werden, wobei der durchschnittliche Verlust pro Kunde zwischen 1 600 EUR und 29 000 EUR beträgt. Die Untersuchungen der zuständigen nationalen Behörden zu binären Optionen haben ebenfalls durchgängige Verluste in Kleinanlegerkonten aufgezeigt.

„Ach so“, möchten wir Kleingeister von FMW dazu sagen. Warum analysiert man dann nicht, wie viel Geld Privatanleger mit Optionsscheinen und Zertifikaten verlieren, die massenweise seit Jahrzehnten von BNP Paribas, Deutsche Bank, Commerzbank, HSBC und Co am Fließband emittiert werden? Richtig, dies sind Vollbanken, die über die Bankenlobby Verbote in diesem Bereich verhindern. Nicht mal diskutiert werden diese Produkte bei Aufsichtsbehörden, obwohl die Verluste hier genau so hoch sein dürften, und obwohl die Produkte wohl intransparenter als CFDs sind!

Und was ist mit Pferdewetten und Spielkasinos? Warum wird das nicht verboten, wo die Verluste der Zocker hier wohl fast bei 100% liegen? Ohhhh ja, hier kassiert der Staat nämlich fett ab. Darüber darf nicht geredet werden. Hier muss der Bürger natürlich nicht vor sich selbst geschützt werden!

Zeitlicher Ablauf

Die oben beschriebenen Verbote und Beschränkungen treten nicht sofort in Kraft. Hier der zeitliche Ablauf:

Die ESMA beabsichtigt, diese Maßnahmen in den kommenden Wochen in den EU-Amtssprachen zu erlassen. Anschließend wird die ESMA eine amtliche Mitteilung auf ihrer Website veröffentlichen. Daraufhin werden die Maßnahmen im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Die Maßnahmen in Bezug auf binäre Optionen treten einen Monat und die Maßnahmen in Bezug auf CFD zwei Monate nach dieser Veröffentlichung in Kraft.

CFD-Handel - Beispielbild für aktiven Börsenhandel
Beispielbild von aktivem Börsenhandel. Foto: Andyhill8/Wikipedia / Gemeinfrei

20 Kommentare

20 Comments

  1. Avatar

    Dedalus

    27. März 2018 14:31 at 14:31

    Und was nun? Hat jemand Vorschläge? Wozu hat man eine Umfrage gemacht, wenn man das Ergebnis doch überhauptnicht berücksichtigt? Wie kann es sein, dass ein paar Leute der Gesamtheit vorschreibt, was man machen darf und nicht. Kennt man noch das Wort Freiheit?

    • Avatar

      No

      28. März 2018 09:12 at 09:12

      Das ganze dient nur dazu Anleger in andere Segmente zu locken und Steuern einzutreiben. Die EU finanziert sich aus Steuern und Zöllen. Zunächst erstmal abwarten, bis die Beschlüsse in trockenen Tüchern stecken. Die Broker werden geeignete Gegenmassnahmen finden. Wer eh schon erfolgreich handelt, kann auf den Future umsteigen. Handelskonten in USA eröffnen fertig ist die Laube. Völlig kontraproduktiv was beschlossen werden soll.

    • Avatar

      Simeoli

      30. März 2018 20:30 at 20:30

      Da helfen wohl nur Sammelklagen.Freiheitsberaubung!!!!!!!Das ist eine absolute Bevormundung Frech Frech

  2. Avatar

    Sven

    27. März 2018 14:45 at 14:45

    Damit sind CFD’s in Europa wohl bald Vergangenheit. Ziel der Bankenlobby erreicht. Ich arbeite mit CFD’s bei einem Broker wo es noch nie in mehreren Jahren Probleme gab. Wovor soll ich jetzt geschützt werden?
    Dann gibt es wohl bald ein paar Europa Hasser mehr – mich eingeschlossen. Danke an die lobbyverseuchte ESMA und Bafin.

  3. Avatar

    Trader0815

    27. März 2018 14:47 at 14:47

    Nunja, letztendlich dürften die Beschlüsse der ESMA wohl kaum Auswirkungen auf seriöse Trader haben, da diese in der Regel nach striktem Moneymanagement handeln.

    Die Margin wäre am Beispiel des DAX eher unproblematisch. Ausgehend von einem Depot mit 10.000€, einem eingegangenen (Depot-)Risiko von 2% pro Trade und einem 20er Hebel würde es bei einem vernünftigen Stop von 20 Punkten folgendermaßen ausgehen:
    – Positionsgröße: 10 Kontrakte
    – Risiko von 200€ (pro Trade)
    – Margin: aktuell 6.000€

    Sollte ein „seriöser“ Trader es nun wirklich schaffen, sein Depot auf 6.000€ zu verkleinern, dann sollte er ohnehin etwas an der Positionsgröße ändern.

    Die Margin-Glattstellungsvorschrift tangiert hier ebenfalls nicht:
    Wenn ein Trader im obigen Beispiel mit einem einzigen Trade 3.000€ verliert, dann wird glattgestellt. Ergo wäre er 30% Risiko pro Trade eingegangen, was kein vernünftiger Trader je machen würde.

    Fazit:
    Eine wirkliche Beschränkung ergibt sich für erfahrene Trader somit nicht.

    Wenn man sich jedoch einige Neuankömmlinge im Tradingbereich ansieht, die mit geringem Kapital exorbitant hohe Positionsgrößen eingehen, dann wird man schnell erkennen, dass sich hierfür diese Regulierung als nützlich erweisen könnte.

    • Avatar

      TraderBS

      27. März 2018 16:27 at 16:27

      Für mich persönlich reicht auf den ersten Blick natürlich aus. Aber:
      – Wieviel Kundschaft verlieren die CFD-Broker? Gibt es denn noch genügend CFD-Broker, welche ihr Angebot fortführen können?
      – Ist die Close-Out-Regelung nun auf Positions- oder auf Kontobasis?

      Im Artikel bzw. bei der BaFin steht, dass diese nach ESMA auf Kontobasis sein soll. Stimmt das? Wenn ja, empfinde ich die Regulierung als positiv. Sollte jedoch der Close-Out auf Positionsbasis sein, muss man mit seinem Broker einen individuellen Hebel aushandeln können, damit man auch weitere Stops umsetzen kann!

      PS: Ich glaube, dass es auch ein wenig darum geht, dass das angesparte Kapital nicht aus Europa verschwindet!

  4. Avatar

    Bernd Scheider

    27. März 2018 14:47 at 14:47

    Meine Omi hat 500 K € . Die ist Profi CFD-Traderin jetzt ?

  5. Avatar

    Christoph

    27. März 2018 14:54 at 14:54

    Denke es geht hier auch um die noch immer geplante europäische transaktionssteuer. Bei cfds kann man die schwer eintreiben, da der Wert der Transaktion ja 0 ist zu Beginn.

  6. Avatar

    Harald Hummen

    27. März 2018 16:09 at 16:09

    Wer wurde denn hier noch nicht von denen betrogen?
    Ich frage mich nur was macht Europol ?

    • Avatar

      Sven

      27. März 2018 16:32 at 16:32

      Ich wurde nicht betrogen – sorry aber was soll diese Unterstellung?

  7. Avatar

    Franz

    27. März 2018 16:36 at 16:36

    Schlussendlich wählen noch mehr die AFD
    Die EU wird so noch schneller untergehen!
    Im Kasino wird weiter abgezockt und faire Dinge werden verboten-dass ist für mich kein Rechtsstaat mehr die EU soll ruhig den Bach runtergehen, wenn Sie es so machen!
    LG

  8. Avatar

    lernt euren job

    27. März 2018 17:23 at 17:23

    Als Nachricht getarnter Kommentar? Anders kann ich mir die wenigen relevanten Infos und die vielen persönlichen Meinungen nicht erklären. Selten ein so offen in eine Richtung berichtenden Artikel gelesen. Hetze

  9. Avatar

    Steven

    27. März 2018 20:29 at 20:29

    Wie sieht es bei Positionen aus, die man schon vor Monaten eingegangen ist (gekauft hat) und noch nicht geschlossen hat! In diesem Fall gelten auch die neuen Bestimmungen?

  10. Avatar

    Trader1234543

    28. März 2018 19:09 at 19:09

    die Banke sehen ihre Einnahmequellen (Zertifikate, Optionsscheine,…) davonschwimmen…

  11. Avatar

    Mara

    31. März 2018 16:30 at 16:30

    Die neuen Regeln dürften dann wohl ab dem Sommer 2018 in Kraft treten. Es ist wirklich ein Jammer mit anzusehen, dass diese Behörden immer vorgeben den Bürger beschützen zu wollen, jedoch in Wahrheit immer gegen die Bürger arbeiten und damit die Freiheit eines Jeden einschränken. Ganz zu Schweigen dass wir alle diese Aufseher mit unserem Geld bezahlen. Und wofür? Damit sie uns kontrollieren und Regeln aufzwingen die wir nicht wollen. Schönes Europa!

  12. Avatar

    No

    12. Dezember 2018 21:42 at 21:42

    So ein Schwachsinn zum guten ist es garantiert nicht weil viele dann zu eventuell unseriösen nicht EU Broker umziehen. Habe allerdings festgestellt das diese ja auch über einen EU Land laufen. Komisch verstehe den Sinn nicht.

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

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am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien

Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

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am

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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Aktien

JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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