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Heute: Größte Pleite eines Container-Reeders in der Geschichte!

Der weltweit achtgrößte Container-Reeder, die südkoreanische Hanjin-Shipping, hat Gläubigerschutz beantragt. Eine Mega-Pleite – Häfen verweigern die Einfahrt..

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Dass es vor allem um die Container-Schiffahrt nicht zum Besten steht, dürfte sich inzwischen herum gesprochen haben. Nun hat der weltweit achtgrößte Reeder (nach Transport-Volumen), die südkoreanische Hanjin-Shipping, Gläubigerschutz beantragt – das ist die bisher historisch größte Pleite in einem Sektor, der derzeit versucht, sich durch Zusammenschlüsse gesund zu schrumpfen.

Die Pleite von Hanjin hatte sich angedeutet, der Aktienkurs war seit 2012 um 93% eingebrochen, zwei Drittel des Kurs-Absturzes entfallen auf das Jahr 2016. Wie alle Player in diesem Markt ächzte Hanjin unter den niedrigen Frachtraten – und unter einer hohen Verschuldung: Ende letzten Jahres war der Schuldenberg so hoch, dass Hanjin 152 Jahre seiner derzeitigen Einnahmen (nicht Gewinn!) gebraucht hätte, um alleine die Schulden zu bezahlen (ohne Zinsen und Steuern).

Containerschiff Hamburger Hafen
Häufiger Gast auch im Hamburger Hafen – Schiffe von Hanjin
Containerschiffe im Hamburger Hafen. Foto: Gunnar Ries/Wikipedia (CC BY-SA 2.5)

Und so passiert, was immer passiert wenn geringe Liquidität und schlechte Einnahmen aufeinandertreffen: die Schulden wachsen einem über den Kopf. Hanjin muß bis Ende 2017 knapp eine Milliarde Dollar an Anleihen bedienen, und als klar war, dass der Staat Südkorea nicht als Retter in Erscheindung treten wird, hat man konsequenterweise Insolvenz angemeldet. Insgesamt stehen damit 4,7 Milliarden Dollar im Feuer, die Hanjin Shipping über Kredite oder Anleihen aufgenommen hatte.

Hauptgläubiger von Hanjin aber ist die Korea Development Bank, die jedoch staatlich kontrolliert wird – insofern landen die Verluste dann letzendlich doch beim Steuerzahler in Südkorea. Damit dieser Verlust aber nicht zu groß wird, und die Koreaner nach wie vor eine Macht im Reeder-Business bleiben, sollen nun die werthaltigen Teile von Hanjin laut Anordnung der „Financial Services Commission“ an den kleineren Rivalen Hyundai Merchant verkauft werden – die Aktien von Hyundai Merchant stiegen daraufhin um satte 28%.

In der Summe bedeutet das: das globale Überangebot an Schiffen wird eher nicht reduziert, vielmehr ändert sich nur der Eigentümer der Schiffe von Hanjin. Und so wird das Sterben der Containerschiffahrts-Branche nur weiter hinaus gezögert. Lösung: entweder der Container-Handel zieht wieder deutlich an – was jedoch mehr als unwahrscheinlich ist angesichts des Trends zur Automatisierung und Fertigung nicht mehr in Billiglohn-Ländern – oder die überflüssigen Schiffe werden veschrottet (derzeit der Fall in Indien, Pakistan und Bangladesch mit ihren riesigen „Schiff-Friedhöfen“).

Pikant: aus Insider-Kreisen heißt es, dass Häfen wie Shanghai, Valencia oder Savannah in den USA den Schiffen von Hanjin die Einfahrt verweigern – aus Angst, dass die anfallenden Hafen-Gebühren nicht bezahlt werden!

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Silent

    31. August 2016 22:33 at 22:33

    In Hamburg, bei der Fa. EUROGATE liegt momentan „Hanjin Europe“ er wird blockiert damit die fälligen Verbindlichkeiten bei der Fa. EUROGATE auch bezahlt werden!
    Diese liegen, so munkelt man, im zweistelligen Millionenbereich!

  2. Avatar

    Andreas Meyer

    1. September 2016 11:45 at 11:45

    Schöner Bericht und nett aufgearbeitet :) Ich werde immer mehr zum Stammleser hier also gerne weiter so. Das einzige was ich mir noch wünschen würde, wären weitere Angaben zu den Quellen, damit man sich auch noch tiefer reinfuchsen kann.

    Beste Grüße
    AM

  3. Avatar

    Fishman

    2. September 2016 10:40 at 10:40

    Das wird dann wohl auch irgendwie die Container Händler / Charterer treffen, die immer noch mit tollen Gewinnen gelockt haben.

  4. Avatar

    Shipyard

    2. September 2016 16:14 at 16:14

    Mich würde mal die Berechnungsgrundlage im Artikel interessieren:
    “ Ende letzten Jahres war der Schuldenberg so hoch, dass Hanjin 152 Jahre seiner derzeitigen Einnahmen (nicht Gewinn!) gebraucht hätte, um alleine die Schulden zu bezahlen (ohne Zinsen und Steuern).“
    Im Gesamtjahr 2015 verzeichnet Hanjin Einnahmen aus dem Container und Bulkgeschäft i.H.v. 6,8 Mrd. USD. Demzufolge hätte Hanjin also über 1 Billion USD an Schulden angehäuft. Wechselkursfehler? Vielleicht die Einnahmen in USD mit Schulden im Südkoreanischen Won verglichen?

  5. Avatar

    Underwriter

    4. September 2016 19:04 at 19:04

    Teuer kann das sicherlich noch für die Transport- und der Rückversicherer werden. Zwar gibt er wohl im Moment noch keine Schäden an der Ware aber in vielen Policen sind Beförderungsmehrkosten auf Grund einer versicherten Gefahr, hierzu zählt die Insolvenz eines Reeders, mitversichert. Es bleibt abzuwarten was hier letztendlich sich als Schaden realisiert.

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Indiz für die jüngste Zocker-Orgie in US-Aktien und Bitcoin – man schaue auf die Such-Trends

Claudio Kummerfeld

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Bunte Kurstafel

Markus Fugmann hatte die letzten Tage darüber berichtet, so auch heute früh (siehe hier). Vor allem über einen gigantischen großen Zocker-Blog auf Reddit (siehe hier) formiert sich quasi täglich neu eine gigantische Crowd aus gierigen Jung-Zockern, um sich auf einzelne US-Aktien zu stürzen. Besonders interessant waren die letzten Tage kräftige Kursanstiege Aktien wie „Gamestop“, bei denen es hohe Short-Volumina gab. Profi-Spekulanten wie Hedgefonds hatten große Wetten auf fallende Kurse aufgebaut. Steigt der Aktienkurs nun aber kräftig, kann der Verlust dieser Profis ins Unendliche steigen.

Und die Banken und Broker, die solchen Hedgefonds oft Kredite für ihre Spekulationen gewähren, könnten kalte Füße kriegen und mehr Sicherheiten verlangen – oder die Short-Positionen zwangsweise schließen, wodurch der Aufwärtssog der Aktien noch mehr verstärkt wird. Auf genau diese Bewegung hofften die Zocker wohl bei Gamestop und anderen Aktien. Man schaue in der folgenden Grafik, wie die Beliebtheit für den Google-Suchbegriff „Short Squeeze“ in den USA in den letzten fünf Jahren aussah. Erst in den letzten Tagen explodierte die Beliebtheit dieses Suchbegriffs extrem. Mit Short Squeeze bezeichnen Börsianer einen stark steigenden Aktienkurs, der durch das Schließen von Short-Positionen verursacht wird. Der Wert 100 in der Grafik steht für die höchste Beliebtheit des jeweiligen Suchbegriffs.

Im folgenden Chart sehen wie in den Google Trends für die letzten fünf Jahre die weltweite Beliebtheit des Suchbegriffs „Bitcoin“. Man sieht, dass bei der ersten großen Hausse Ende 2017 die maximale Beliebtheit von 100 Punkten erreicht wurde, und Anfang diesen Jahres nur ein Wert von 69 – jetzt nur noch 42 Punkte. Die Gier der Internet-Gemeinde nach dem Thema war damals also wohl noch größer als heute. Offenbar scheint sich ganz aktuell die „Meute“ auf die kleinen US-Aktien zu stürzen – weil die wohl von einer Meute Klein-Zocker leichter kräftig im Kurs zu bewegen sind?

Chart zeigt Beliebtheit der Suche nach Bitcoin

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Robuste Ergebnisse auf breiter Front

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die gemeldeten und heute Abend anstehenden Quartalszahlen sind heute ein wichtiges Thema.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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SAP in der Krise: Ist das eine Chance für uns? – Werbung

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Lieber Börsianer,

das war ganz harte Kost, die der europäische Software-Riese SAP am 26. Oktober für seine Aktionäre hatte. Die Cloud-Sparte blieb überraschend deutlich hinter den Erwartungen zurück. Einzelne Anwendungen wie die Software Concur (Verwaltung und Organisation von Geschäftsreisen) floppten völlig. Und noch mehr: Die Walldorfer kassierten auch gleich die Gewinnschätzungen für die nächsten Jahre, wie wir aus dem Quartalsbericht entnehmen mussten.

So kam es wie es kommen musste. Die Aktie des DAX-Schwergewichts kollabierte an jenem Tag binnen weniger Sekunden und verlor 20 % ihres ursprünglichen Marktwertes. Per saldo sank die SAP-Aktie von über 140 Euro unter 100 Euro ab. Milliarden Euro waren plötzlich durch den Schornstein.

Ungefähr im gleichen Zeitraum meldete die US-Konkurrenz bestes Zahlenwerk. Oracle und Salesforce nutzten die Dollarschwäche des vergangenen Jahres und griffen den deutschen Software-Riesen in seinem europäischen Heimatmarkt an. Die Analysten hängten wie üblich ihr Mäntelchen in den Wind und urteilten vernichtend über das Software-Unternehmen. Der Tenor: Eine Wachstumsgeschichte geht zu Ende. SAP bringt es nicht mehr.

In der Tat befindet sich die Walldorfer Software-Schmiede in einer veritablen Krise. So wird der Umsatz 2021 kaum noch wachsen, der Gewinn wird großer Wahrscheinlichkeit sogar rückläufig sein.

Das sind die Stärken der SAP

Aber gemach! SAP ist unverändert ein großartiges Unternehmen, dessen Software-Anwendungen weltweit in rund 25 Branchen genutzt werden. Bei Großunternehmen sind die Deutschen immer noch das Maß aller Dinge. 9 von 10 Playern nutzen mindestens eine kleine SAP-Anwendung. Die Kundenkartei der Walldorfer liest sich imposant. Dort finden Sie typische Traditionsunternehmen wie Chevron, Ford oder AT&T. Aber auch die…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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