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Heute Start des „Mini-Dax“: wird das eine Erfolgsgeschichte?

Von Markus Fugmann

Wer schon einmal den Dax-Future gehandelt hat, kann ein Lied davon singen: das geht an die Nerven. Der Grund ist einfach: der Dax-Future bringt 25 Euro pro Punkt, und da der deutsche Leitindex durchaus gelegentlich eine hohe Volatilität aufweist und häufiger in einer Handelsrange von 200 bis 300 Punkten handelt, geht es schon um Geld (bei 300 Punkten immerhin 7500 Euro).

Daher war der Dax-Future eher ein Future-Kontrakt für hartgesottene Zocker mit größerem Handelskonto – oder eben für Banken, die über den Dax-Future zum Beispiel Aktienportfolios abhedgen (indem sie Short-Positionen eingehen, um bei Rückschlägen am Markt abgesicherter zu sein). Vor einigen Wochen aber hat die Deutsche Börse angekündigt, einen „Mini-Dax“ einzuführen – also einen kleinen Bruder des Dax-Futures gewissermaßen (siehe dazu unseren Artikel „Eurex geht auf CFD-Trader zu: Ab 28.10. MiniDAX-Future mit 5 statt 25 Euro pro Punkt“). Dieser „Mini-Dax“ bringt nur 5 Euro pro Tag, ist also deutlich weniger heftig wie der große Kontrakt.

Für Trader ist das eine gute Nachricht, weil man die Position besser stückeln kann: etwa einen Kontrakt zu kaufen oder zu verkaufen, um dann noch einmal nachlegen zu können. Ob aber der „Mini-Dax“ wirklich für institutionelle Investoren wie Banken interessant sein wird, muß sich noch zeigen. Wahrscheinlich aber nicht: Denn dafür ist der Kontrakt schlicht zu „leicht“, bringt also zu wenig Volumen auf die Waage.

Der Start heute des „Mini-Dax“ war nun bislang eher mau: bis Mittag wurden lächerliche 600 Kontrakte gehandelt, das ist an der Untergrenze zur Wahrnehmbarkeit. Banken sind bislang noch nicht dabei – sie müssen intern erst das Setting dafür schaffen. Aber selbst wenn das passiert: der ganz große Erfolg wird der „Mini-Dax“ wohl nicht werden. Dazu sind vor allem die Privatinvestoren zu sehr gewöhnt an Optionsscheine oder Knock-out-Produkte, vor allem aber an CFDs.

Ganz anders in den USA: dort gibt es keine Zertifikate, auch CFDs sind nicht erlaubt. Daher gibt es kaum Alternativen etwa zum E-Mini-S&P (ES), der ein Vielfaches an gehandelten Kontrakten pro Tag aufweist als der Dax-Future. Nur der Bund-Future, also der Kontrakt auf die 10-jährige deutsche Staatsanleihe, kommt dem Volumen des S&P-Mini einigermaßen nahe. Aber es sind eben vorwiegend Banken, die den Bund-Future handeln am deutschen Markt.

Wer schon einmal im Bereich Brokerage gearbeitet hat, weiß: bei privatinvestoren in Deutschland sind Futures ein Nischenprodukt, mit insgesamt nur einigen Tausend Kunden in Deutschland. Es ist die Nachschußpflicht einerseits, vor allem aber die Gewöhnung an Dax-Produkte in Form von Zertifikaten und CFDs andererseits, die den „Mini-Dax“ nicht zum großen Schlager werden lassen dürften. Die Deutschen sind in dieser Hinsicht extrem Struktur-konservativ, bleiben bei dem, was sie schon immer getan haben. Und genau deshalb ist die Einführung des „Mini-Dax“ eine gute Idee, die aber ein wichtiges Manko hat: sie kommt einfach viele Jahre zu spät!



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