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Hier öffnet der IWF die Büchse der Pandora…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Mensch Mensch, was hat sich Frau Lagarde dabei nur gedacht. Na gut, wahrscheinlich wurde der IWF freundlich dazu aufgefordert ihre eigenen (strikten) Regeln extra für die Ukraine zu ändern, und das in einem entscheidenden Punkt. Mit den Folgen müssen sie und ihre Nachfolger, aber vor allem staatliche Gläubiger jetzt dauerhaft leben. Und die könnten gravierend sein.

IWF Christine-Lagarde
IWF-Präsidentin Christine Lagarde. Foto: MEDEF / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Der IWF öffnet die Büchse der Pandora

Am 8. Dezember verkündete der IWF überraschend, dass man seine bisherigen ach so strikten Regeln, auf denen man in Sachen Griechenland mehr als penibel beharrt, mal eben schnell ändert. Es geht um das bisherige Problem, dass der IWF neue Hilfskredite nur an Staaten ausschüttet, die bis dato ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber anderen Staaten (Rückzahlung von Anleihen etc) auch nachkommen. Und genau diese Regel hat man abgeschafft. Wie jeder Beobachter eindeutig sieht, ging es dem IWF bei der Änderung dieser Regel um die Ukraine, da sie aller Voraussicht nach ihre Schulden bei Russland am 21. Dezember nicht zurückzahlen wird. Damit wäre die Staatspleite offiziell, auch im Sinne der IWF-Statuten. Aber dank der jetzigen Regeländerung können die IWF-Hilfsmilliarden auch danach weiter kräftig sprudeln.

In dem IWF-Papier zu dieser Entscheidung liest sich das alles so förmlich und inhaltlich begründet. Schon 2013 habe sich der IWF Gedanken darüber gemacht, dass ein widerspenstiger Gläubiger die Umschuldung der Schulden eines Landes blockieren könnte, und wie man das ändern könnte. Der Gesamttext liest sich so, als sei man nach zwei Jahren Überlegen just ein paar Tage vor der möglichen Staatspleite der Ukraine wohl durch Zufall zu seinem Entschluss gekommen. Nein, der zeitliche Zusammenhang ist zu auffällig, als dass es ein Zufall sein kann! Der IWF stellt sich in einem Selbst-Interview hierzu die Frage und antwortet dazu, dass das wie gesagt schon seit zwei Jahren in Gange ist (also reiner Zufall der jetzige Zeitpunkt):

„IMF Survey: Why did the IMF enact this change now? Did it have anything to do with Ukraine’s recent difficulties in obtaining a restructuring of its debt to Russia? Bredenkamp: The need for this reform has been evident for some time now. IMF staff first raised concerns about the risks inherent in the institution’s policy on non-toleration of arrears to official bilateral creditors back in 1989, when IMF rules with regard to private creditors were amended. These concerns were reiterated in the May 2013 paper, before the Russian loan to Ukraine even existed.“

Der IWF nimmt in seiner Begründung für diese Änderung sogar direkt Bezug auf das Problem der Ukraine mit seinen Schulden bei Russland, ohne die beiden Staaten zu nennen. Aber wer den Originaltext genau liest, kann es nicht übersehen. Der IWF spricht hier von dem Problem von Schuldnern, die sich mit der Mehrheit ihrer Gläubiger auf eine Umschuldung einigen, wobei aber eine Minderheit der Gläubiger sich der Umstrukturierung von Schulden verweigert, so dass der Schuldner diesen Gläubiger nicht bedienen kann – folglich droht die Staatspleite. Das blockiere die Gesundung des Schuldners, daher wolle der IWF jetzt diese Änderung vornehmen – so darf man das Originalzitat verstehen. Selbst in seinem offiziellen Text schießt der IWF leider unzweideutig Richtung Russland, dem man wohl noch eins auswischen will. Traurig, dass sich der IWF derart politisch einspannen lässt, wo man doch eine global neutrale und rein auf Fakten entscheidende Institution sein will. Zitat:

„The second problem we highlighted with regard to the old policy was that it could give rise to situations in which official creditors holding a minority of the claims on a country could block or delay IMF support to that country, even when the majority was willing to restructure or refinance their claims. Knowing that they had this potential veto power over IMF financing, individual creditors could feel emboldened to “hold out” from any restructuring or refinancing agreements amongst other official creditors, in the hope that they could get better terms from the debtor. These holdout creditors could essentially attempt to “free-ride” on the negotiated settlement. When creditors act in this manner, it creates delay in resolving the debt crisis and could potentially result in a default, raising costs to all parties. Such coordination problems are particularly acute in a pre-default setting where time is of the essence and creditors know they have greater leverage on a debtor desperate to avoid default.“

Unter welchen genauen Voraussetzungen will der IWF auch in Zukunft Kredite vergeben, wenn ein Staat einem anderen Staat seine Kredite nicht zurückzahlt? Naja, irgendwas musste man dazu offiziell schreiben, so als erfinde man für solche Fälle ein neues Regelwerk. Das ist aber derart weich formuliert, dass man auch Nordkorea, Simbabwe und Griechenland eigentlich unbegrenzt Gelder überweisen könnte. Da ist z.B. davon die Rede, dass der Schuldner „good faith efforts“, also gutgläubige Bemühungen zeigen muss, sich mit seinen Gläubigern in Zukunft zu einigen, so dass man dort wieder pünktlich zurückzahlt. Welcher Schuldner würde das nicht von sich behaupten? Zu sagen man war „stets bemüht“, fällt niemandem schwer, denn das ist ja nur eine unverbindliche Floskel. Hier der Kriterienkatalog des IWF (kein Witz, es ist der Originaltext):

„If, however, there is no adequately-representative Paris Club agreement, and the debtor has been unable to reach agreement with one or more official bilateral creditors to clear its arrears, the IMF Board could nevertheless approve financing for that country if the following three criteria are satisfied:

(i) there is a need for prompt IMF support (that is, waiting until all creditors have reached an agreement with the debtor would be too costly);

(ii) the debtor is making good faith efforts to reach an agreement with the creditor(s); and

(iii) the decision to provide financing, given the circumstances, would not have an undue negative effect on the IMF’s ability to mobilize official financing packages in future cases.“

An die Spätfolgen hat wohl niemand gedacht

Nur eines hat der IWF dabei wohl nicht bedacht. Der halbe Planet ist beim IWF verschuldet mit sogenannten Hilfskrediten. Nehmen wir jetzt mal einen afrikanischen Staat, der beim IWF in der Kreide steht und nennen ihn XYZ. Dieser Staat hat auch bei der EU, den USA oder sonst einem anderen Staat Schulden. Bisher wusste man, dass man alles tun muss, egal wie, um diese Kredite fortlaufend zu bedienen, sonst gibt es kein neues Geld mehr vom IWF. Und wer vom IWF nichts mehr bekommt, erhält idR auch sonst wo kaum noch Kredite. Warum soll der Staat XYZ sich nach dieser Regeländerung noch anstrengen? Genau, warum? Wir wissen es auch nicht. Er kann sich zukünftig zurücklehnen und sich darauf berufen, dass der IWF trotzdem weiter zahlt, auch wenn man z.B. seine Kredite an EU-Förderfonds nicht wie erwartet zurückzahlt. Man ist dann zwar rein „Rating“-technisch in der Staatspleite, aber die geplanten IWF-Fördergelder fließen ja weiter, wie es wahrscheinlich bei der Ukraine geschehen wird.

So könnte es passieren, dass viele staatliche Gläubiger, die bisher Drittewelt-Ländern Kredite gaben, auf ihren Forderungen sitzen bleiben, weil die Schuldner jetzt trotz Zahlungsverweigerung die Chance haben auch weiterhin Gelder vom IWF zu erhalten. Die Zahlungsmoral bzw. die Notwendigkeit des Haushaltens geht über den Jordan – und viele staatliche Gläubiger könnten in Zukunft auf ihren Forderungen sitzen bleiben – das kann ganz konkret die Langfrist-Auswirkung dieser IWF-Entscheidung sein. Aber Hauptsache man hat erstmal Wladimir Putin eins ausgewischt.

Der IWF sieht nur Gewinner

Kein Witz: Der IWF sieht durch diese Regeländerung nur Gewinner, die Gläubiger, die Schuldner, und das internationale Finanzsystem. Was das bedeutet? Letztlich erreicht der IWF damit, dass Länder die durch Nicht-Rückzahlung von Schulden de facto insolvent sind, weiterhin frisches Geld erhalten. Somit ist das Finanzsystem in der Tat stabiler, da irgendwie auch bei Pleitestaaten weiterhin Geld zirkuliert (wo ist da der Haken?). Zitat IWF:

„In broad terms, all parties stand to gain from this reform. By strengthening incentives for collective action among official bilateral creditors and removing impediments to the IMF’s financing role, the reform will promote more efficient resolution of sovereign debt crises and generate significant benefits for creditors, debtors, and the international financial system more broadly.“





Quelle: IWF

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Gabriel Scheer

    16. Dezember 2015 15:37 at 15:37

    Ich bereits schon sagte, ständig bekommen die Russen eins auf den Kopp. Regeln werden im rahmen der geopolitischen Interessen angepasst. Ich selber bin kein Russe und stehe eher neutral zu den Russen. Aber hat sich schon jemand Gedanken gemacht was passiert wenn Russland geopolitisch fällt? (Sofern sich das Russland überhaupt gefallen lässt)
    Das westliche Imperium ist wie ein Parasit, irgendwann sind wir dran.

  2. Avatar

    oscar

    16. Dezember 2015 18:23 at 18:23

    früher oder später kracht es sowieso in diesem explosiv, verlogenem system….es werden andere schuldig gemacht, auch und immer wieder gern inszeniert. es wird gelogen betrogen und selber in perverser gier die taschen gefüllt. nach mir, uns, die sintflut….
    der westen ist kein imperium, sondern billige enklave eines der perfidesten lügennationen die die welt je hervorgebracht hat. auch beim auflösen des deutschen landes spielen dort die geigen. diese „kanzlerin“ ist die ausführende devot unverantwortliche „gutmensch“ marionette. ähnlich wie fr. legarde auch nur eine bestverdienende marionette ist ! diese liga wird nie die probleme haben, die sie denen aufbürdet, die sie fett nähren. das ist das problem…alle machen mit…ist doch alles in bester ordnung. hauptsache ich nicht….bisher hats ja irgendwie geklappt….wer fühlt sich eigentlich noch substanziell wohl?

  3. Avatar

    Tom

    16. Dezember 2015 20:15 at 20:15

    Die Büchse der Pandora sehe ich eher in der Möglichkeit der BRICS Staaten sich aus dem IWF zurückzuziehen.
    Alternative Zahlungssyteme haben sie Alternativen zum IWF auch und dann wären die Dollarschulden plötzlich in genau dieser Zwickmühle.

  4. Avatar

    Argonautiker

    16. Dezember 2015 21:29 at 21:29

    Nun, wenn man Regeln machen kann, dann schafft man es auch, die Regeln wieder so zu verändern, daß die Ukraine, weil, weshalb auch immer, Geld bekommt, obwohl sie Rußland nicht bezahlen, Griechenland oder Andere, aber, wegen welcher willkürlichen Regel auch immer, das doppelte zurückzahlen müssen. Schließlich muß man eventuell entstehende Ausstände seitens des neuen Freundes, der Ukraine, ja irgendwie ausgleichen. Geht nicht? Gibts nicht! Ungerecht? Who cares?

    Wer es fertig gebracht hat, daß man ihnen ungedecktes Geld abnimmt, und man ihnen werthaltiges Geld, inklusive Zinsen zurückbringt, für den wird so etwas kein Problem darstellen.

    Solange die Regierungen in ihrer Allgemeinheit mitspielen, und das zu Legalität erklären, weil sie selbst die gleichen Hütchenspieler Mentalität haben, und man sich immer nur „minderwertige“ Staaten nach und nach vornimmt, die man zum bösen, bösen, Schuldigen erklärt, und die Menschen das schlucken, daß es mit rechten Dingen zugeht, wenn man aus dem Nichts erzeugtes Geld, verleiht, und es die Pflicht der Kreditnehmer ist, werthaltiges Geld plus Zinsen zurückzugeben, dann wird man es auch für richtig empfinden, wenn man Kreditnehmer, die diesem System nicht mehr nachkommen können/wollen, öffentlich hinrichtet, indem man sie für zahlungsunfähig erklärt, und sich über deren Werte hermacht.

    Wenn man es geschafft hat, das die Allgemeinheit, das alles für legal hält, der braucht wahrlich nichts mehr zu fürchten, der hat es geschafft, das alle glauben das Unrecht Recht ist, und Recht Unrecht.

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Banken halten bei EZB 3,3 Billionen Euro – Daten zu Strafzinsen und Freibeträgen

Claudio Kummerfeld

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Türme von Banken in Frankfurt

Die einfache Sichtweise der „großen“ Experten in den Türmen der Notenbanken lautet: Je tiefer wir die Zinsen setzen, desto weniger attraktiv wird es für die Menschen Geld auf Bank- und Sparkonten zu parken. Sie werden dann immer mehr Geld in den Konsum pumpen. Aber egal wie viel sehr man auch an so einer Theorie festhält – die Realität sieht oft ganz anders aus. Die Bürger (vor allem die Deutschen) wollen gerade in Krisenzeiten offenkundig weiterhin Monat für Monat von ihrem Ersparten anständig was auf die hohe Kante packen – Vorsorgen für die schlechten Zeiten, sozusagen.

Und bei de facto Nullzinsen, die in den letzten Jahren in der Regel (nach Abzug der Inflation) reale Negativzinsen bedeuten, legen die Menschen einfach pro Monat noch mehr Geld auf die hohe Kante, sozusagen als Ausgleich für die fehlenden Zinsen. Und so steigen seit Jahren in der Eurozone die Bankguthaben immer weiter an. Das wird für die Banken immer mehr zu einem dramatischen Problem. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) wollte nicht nur, dass der (einfältige?) Bürger endlich sein Geld in den Konsum steckt. Nein, die EZB wollte auch erreichen, dass die (faulen?) Banken endlich mehr Geld als Kredit herausreichen an Privat- und Geschäftskunden, damit die Konjunktur angekurbelt wird – und dadurch letztlich die Inflation ansteigt – die letzten Jahre geschah aber letztlich das Gegenteil.

Banken vor immer größerem Problem

Aber egal wie fleißig die Banken auch sein mögen bei der Kreditvergabe – der Sparfleiß der Bürger ist stärker. Die Guthaben bei den Banken wachsen immer mehr. Und genau deswegen hatte sich die EZB eine Art Strafmechanismus ausgedacht, damit die Banken nun wirklich mal die Einlagen der Kunden vermehrt als Kredit rausreichen. Verrechnet man das von den Bankkunden eingezahlte Guthaben mit den ausgegebenen Krediten, dann haben praktisch alle Banken eine Überschussliquidität, die bei der EZB geparkt wird. Die EZB bestraft die Banken hierfür mit einem Negativzins von derzeit -0,5 Prozent (ab 2014 stufenweise eingeführt, damals noch bei -0,1 Prozent). Je mehr die Kunden sparen und je höher sich die Banken-Überschüsse auf ihren EZB-Konten auftürmten, desto mehr mussten sie als Strafzins an die EZB überweisen.

Dies wurde in den letzten Jahren immer mehr zu einem Problem für die Banken, die sowieso dank Nullzinsen ein ernsthaftes Problem mit ihrem wichtigsten Geschäft hatten, nämlich der Zinsmarge. Die EZB sah dieses Problem, und führte einen Freibetrag ein. Die Banken sollten für zu viel hinterlegte Einlagenüberschüsse also bestraft werden – aber nicht so sehr, dass sie in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Und so gibt es EZB-Strafzinsen für die Banken mit einem Freibetrag an Einlagen, der nicht mit einem Strafzins bedacht wird.

Gigantische Überschüsse, Strafzinsen und Freibetrag

Heute veröffentlichte Daten der Bundesbank zeigen die Dimension der Beträge. Demnach gab es im Dezember 2020 eine Überschussliquidität im Euroraum in Höhe von 3,35 Billionen Euro. Zwischen Einführung des Tiering-Systems (Freibeträge) im Oktober 2019 und Dezember 2020 betrug der Zinsaufwand der Banken im Euroraum für das Halten dieser Überschussliquidität bei der EZB 8,9 Milliarden Euro. Dieser Zinsaufwand (die Strafzinsen) fiel laut Bundesbank um 4,7 Milliarden Euro niedriger aus, als dies unter sonst gleichen Bedingungen ohne ein Tiering-System der Fall gewesen wäre. Gleichzeitig wurde mit zuletzt 2,498 Billionen Euro der größte Teil der Überschussliquidität weiterhin negativ verzinst.

Während die Überschussliquidität der Banken bei der EZB in den letzten Jahren immer weiter stieg (oberer Teil der Grafik), dachte die EZB wohl sie könnte dies verhindern, indem sie den Strafzins immer weiter anhebt. Es brachte aber nichts! Wer arg ins Detail gehen möchte, kann sich beim Klick an dieser Stelle in den Bundesbank-Bericht auf den Seiten 61-72 in das Thema vertiefen. Wer sich für die Rücklagen der Deutschen interessiert, der klicke bitte hier. Im Krisenjahr 2020 wurde von deutschen Haushalten 333,5 Milliarden Euro auf die hohe Kante gelegt, nach 220,3 Milliarden Euro in 2019. Diese Summe steigerte sich in den letzten Jahren immer weiter, obwohl das Zinsniveau für die Sparer immer weiter abrutschte.

Grafik zeigt Bundesbank-Daten zu Strafzinsen und Überschussliquidität

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BlackRock, Wall Street – und China: Kampf der Giganten

Wolfgang Müller

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Wird BlackRock zu mächtig? Während BlackRock immer größer und wichtiger wird, scheinen die USA insgesamt abzusteigen (siehe hierzu das Interview mit der USA-Korrespondentin der „Zeit“, Heike Buchter).

Der Kampf der beiden Supermächte USA und China um die wirtschaftliche und technologische Vorherrschaft elektrisiert viele Marktbeobachter. Klar ist es fast unmöglich Chinas weiteren Aufstieg zu verhindern, schließlich hat China mit seiner riesigen Anzahl an Menschen – Vergleich zu den USA: 1439 Millionen zu 332 Millionen – einen Riesenvorteil. Aber die USA haben neben ihren großen Techfirmen auch noch weitere Riesen, einer davon ist der Finanzdienstleister BlackRock, der letzte Woche gigantische Zahlen abgeliefert hat.

BlackRock: Der schwarze Felsen wird immer größer

Der weltweite Aktienmarkt klettert, wie schon so oft dargestellt, auch infolge der Aktionen der Notenbanken nach oben, auf zuletzt 106 Billionen Dollar. Maßgeblich beteiligt daran ist die Wall Street, deren Aktienmärkte allein schon ein Gewicht von über 40 Billionen Dollar aufweisen. Angesichts des Anteils der USA an der Weltbevölkerung (4,3 Prozent) und der Wirtschaftsleistung (kaufkraftbeteinigt etwa 16 Prozent) eigentlich viel zu groß. Aber ebenso dominant ist der Anteil der Vermögensverwaltung in den USA, wie allein die letzten Donnerstag veröffentlichten Zahlen von BlackRock aufweisen.

BlackRock ist mit 8,68 Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen (Stand: 31. Dezember 2020) der weltgrößte Vermögensverwalter. Die Kunden sind Privatanleger und Institutionen wie Banken, Pensionskassen, Stiftungen, Versicherer, Staatsfonds und Zentralbanken. So der zutreffende Eintrag bei Wikipedia.

Inmitten der Corona-Krise ist es der Firma von Larry Fink gelungen, einem sehr einflussreichen CEO, was demnächst auch die Regierung von Joe Biden erleben dürfte, das Volumen der verwalteten „Assets“ im Jahr 2020 um 17 Prozent oder 1,2 Billionen Dollar auf 8,68 Billionen Dollar zu steigern.

BlackRock profitierte nicht nur von der aktiven Fondsbranche, auch seine bekannte ETF-Sparte (iShares) ist um 185 Milliarden Dollar gewachsen.

Aus diesen ganzen Zahlen ergab sich ein Gewinn für das Jahr 2020 von 5,2 Milliarden Dollar, ein Anstieg von ebenfalls 17 Prozent. Dass die Fantasie der Investoren auch bei diesem Felsbrocken der Finanzwelt ins Kraut schießt, zeigt die Entwicklung der Aktie, die bis zur Veröffentlichung der Jahresbilanz um 44 Prozent gestiegen ist. Aufgrund der großen Marktmacht von BlackRock spürt der Gigant nicht einmal so sehr die Entwicklung in der Fondsbranche hin zu den kostengünstigen Exchange Traded Funds. Der Gewinn des Finanzdienstleisters war auch im vierten Quartal um 1,6 Milliarden Dollar angewachsen.

Noch ein paar Sätze zum Zweikampf zwischen den USA und China.

Liste der größten Firmen der Welt

Betrachtet man sich die aktuelle Liste der nach Marktkapitalisierung schwersten Unternehmen der Welt, so stellt man fest, dass sich unter den größten 20 Unternehmen allein 13 US-Unternehmen, unter ersten Zehn gleich deren sieben befinden. China ist mit Tencent, Alibaba vertreten.

Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Tesla, Facebook, Berkshire Hathaway, Visa, Walmart, Johnson &Johnson, JP Morgan, Procter&Gamble, MasterCard, von einem Finanzgiganten BlackRock ist dabei nichts zu sehen, nicht einmal unter den ersten Hundert.

Sicher wird es demnächst durch Regulation bei den Monopolfirmen einiges an Korrekturen geben. Auch befinden sich die Kurse einiger Firmen in Höhen, die nicht aufrechterhalten werden können – auch wenn einige glauben, Aktien könnten sich dauerhaft den Fundamentaldaten entziehen.

Was das Vermögen von Kundengeldern angeht, haben die USA noch weit die Nase vorn. Denn neben dem 8-Billionen-Dollar-Koloss BlackRock gibt es noch die Riesen Vanguard Group, State Street Global Advisors und Fidelity Investments, jedes Unternehmen verwaltet mehrere Billionen Dollar.

China hat ein großes Problem in seinem Aufwärtsstreben und das ist sein totalitäres System. Es wird sicherlich nicht das Vertrauen von Investoren steigern, wenn eine Regierung so rigoros an eine Firma wie Alibaba herangeht, kürzlich noch achtwertvollstes Unternehmen der Welt, dessen Gründer Jack Ma schon seit Wochen von der Bildfläche verschwunden ist. Da vertraut die westliche Welt schon eher auf einen ETF der Firma BlackRock, Sparte iShares, wie die jüngsten Zahlen beweisen. Der Produktionsstandort China boomt – aber der Finanzstandort?

BlackRock und die Wall Street

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Wirtschaft kommt laut Bundesbank recht gut durch den Lockdown, aber…

Claudio Kummerfeld

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Lockdown Schriftzug

Die Bundesbank hat vor wenigen Minuten ihren Monatsbericht für Januar veröffentlicht. Demnach kommt die deutsche Wirtschaft recht gut durch den Lockdown. Die Erholung der deutschen Wirtschaft ist laut Bundesbank im letzten Quartal 2020 durch das erhöhte Infektionsgeschehen und die wieder erheblich verschärften Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zwar ausgebremst worden. Aber es habe jedoch keinen größeren Rückschlag gegeben, da sich weniger durch die Maßnahmen betroffene Bereiche der Wirtschaft weiter erholten. Insbesondere die Industrie aber auch die Bauwirtschaft hätten nach den bis November vorliegenden Zahlen kräftig zugelegt.

Die Auftragseingänge in der Industrie hätten im November das Vorkrisenniveau vom Schlussquartal 2019 sogar deutlich überstiegen. Zudem seien die Einzelhandelsumsätze bis November noch erheblich gewachsen. Dies hätte ein Gegengewicht zu den Einbußen gebildet, die aufgrund der im Dezember angeordneten Schließungen im stationären Einzelhandel entstanden sein dürften. Die Unternehmensstimmung hellte sich im Dezember laut ifo Geschäftsklimaindex trotz des Wiederaufflammens der Pandemie auf. Diese ermutigenden Signale lassen laut aktueller Bundesbank-Aussage darauf hoffen, dass auch die zu Beginn des neuen Jahres verlängerten und weiter verschärften Einschränkungen die wirtschaftliche Erholung nicht allzu weit zurückwerfen.

Aber die Bundesbank versieht diese rosigen Aussagen mit einer kleinen Warnung, wie es nicht anders zu erwarten wäre. Bei dieser Krise sind ja „Risiko-Disclaimer“ fast schon unverzichtbar, da niemand eine Glaskugel hat und unzählige Variablen vorhersehen kann. Sollte das Infektionsgeschehen jedoch nicht erheblich nachlassen und die gegenwärtigen Beschränkungen der Wirtschaftstätigkeit länger anhalten oder noch weiter verschärft werden, so könne es gleichwohl noch zu einem spürbaren Rückschlag (für die Wirtschaftsleistung) kommen, so die Bundesbank.

Auch beim Thema Arbeitslosigkeit sieht die Bundesbank offenbar keine ernsthaften Probleme. So blieb der Arbeitsmarkt laut Aussage der Bundesbank trotz der wieder strikteren Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung bemerkenswert stabil. Zwar seien im November und Dezember vermehrt Anmeldungen zur Kurzarbeit eingegangen, diese entsprächen jedoch nur einem Bruchteil der Anzeigen aus dem vergangenen Frühjahr. Die aktuellen Anzeigen würden sich vor allem auf den von den angeordneten Schließungen betroffenen Hotel- und Gaststättenbereich sowie Teile des Handels beschränken. Die registrierte Arbeitslosigkeit sei im Dezember wie schon in den beiden Monaten zuvor spürbar zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitslosen sei um saisonbereinigt 37.000 gegenüber dem Vormonat gesunken, die entsprechende Arbeitslosenquote läge damit bei 6,1 Prozent.

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