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Hier öffnet der IWF die Büchse der Pandora…

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FMW-Redaktion

Mensch Mensch, was hat sich Frau Lagarde dabei nur gedacht. Na gut, wahrscheinlich wurde der IWF freundlich dazu aufgefordert ihre eigenen (strikten) Regeln extra für die Ukraine zu ändern, und das in einem entscheidenden Punkt. Mit den Folgen müssen sie und ihre Nachfolger, aber vor allem staatliche Gläubiger jetzt dauerhaft leben. Und die könnten gravierend sein.

IWF Christine-Lagarde
IWF-Präsidentin Christine Lagarde. Foto: MEDEF / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Der IWF öffnet die Büchse der Pandora

Am 8. Dezember verkündete der IWF überraschend, dass man seine bisherigen ach so strikten Regeln, auf denen man in Sachen Griechenland mehr als penibel beharrt, mal eben schnell ändert. Es geht um das bisherige Problem, dass der IWF neue Hilfskredite nur an Staaten ausschüttet, die bis dato ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber anderen Staaten (Rückzahlung von Anleihen etc) auch nachkommen. Und genau diese Regel hat man abgeschafft. Wie jeder Beobachter eindeutig sieht, ging es dem IWF bei der Änderung dieser Regel um die Ukraine, da sie aller Voraussicht nach ihre Schulden bei Russland am 21. Dezember nicht zurückzahlen wird. Damit wäre die Staatspleite offiziell, auch im Sinne der IWF-Statuten. Aber dank der jetzigen Regeländerung können die IWF-Hilfsmilliarden auch danach weiter kräftig sprudeln.

In dem IWF-Papier zu dieser Entscheidung liest sich das alles so förmlich und inhaltlich begründet. Schon 2013 habe sich der IWF Gedanken darüber gemacht, dass ein widerspenstiger Gläubiger die Umschuldung der Schulden eines Landes blockieren könnte, und wie man das ändern könnte. Der Gesamttext liest sich so, als sei man nach zwei Jahren Überlegen just ein paar Tage vor der möglichen Staatspleite der Ukraine wohl durch Zufall zu seinem Entschluss gekommen. Nein, der zeitliche Zusammenhang ist zu auffällig, als dass es ein Zufall sein kann! Der IWF stellt sich in einem Selbst-Interview hierzu die Frage und antwortet dazu, dass das wie gesagt schon seit zwei Jahren in Gange ist (also reiner Zufall der jetzige Zeitpunkt):

„IMF Survey: Why did the IMF enact this change now? Did it have anything to do with Ukraine’s recent difficulties in obtaining a restructuring of its debt to Russia? Bredenkamp: The need for this reform has been evident for some time now. IMF staff first raised concerns about the risks inherent in the institution’s policy on non-toleration of arrears to official bilateral creditors back in 1989, when IMF rules with regard to private creditors were amended. These concerns were reiterated in the May 2013 paper, before the Russian loan to Ukraine even existed.“

Der IWF nimmt in seiner Begründung für diese Änderung sogar direkt Bezug auf das Problem der Ukraine mit seinen Schulden bei Russland, ohne die beiden Staaten zu nennen. Aber wer den Originaltext genau liest, kann es nicht übersehen. Der IWF spricht hier von dem Problem von Schuldnern, die sich mit der Mehrheit ihrer Gläubiger auf eine Umschuldung einigen, wobei aber eine Minderheit der Gläubiger sich der Umstrukturierung von Schulden verweigert, so dass der Schuldner diesen Gläubiger nicht bedienen kann – folglich droht die Staatspleite. Das blockiere die Gesundung des Schuldners, daher wolle der IWF jetzt diese Änderung vornehmen – so darf man das Originalzitat verstehen. Selbst in seinem offiziellen Text schießt der IWF leider unzweideutig Richtung Russland, dem man wohl noch eins auswischen will. Traurig, dass sich der IWF derart politisch einspannen lässt, wo man doch eine global neutrale und rein auf Fakten entscheidende Institution sein will. Zitat:

„The second problem we highlighted with regard to the old policy was that it could give rise to situations in which official creditors holding a minority of the claims on a country could block or delay IMF support to that country, even when the majority was willing to restructure or refinance their claims. Knowing that they had this potential veto power over IMF financing, individual creditors could feel emboldened to “hold out” from any restructuring or refinancing agreements amongst other official creditors, in the hope that they could get better terms from the debtor. These holdout creditors could essentially attempt to “free-ride” on the negotiated settlement. When creditors act in this manner, it creates delay in resolving the debt crisis and could potentially result in a default, raising costs to all parties. Such coordination problems are particularly acute in a pre-default setting where time is of the essence and creditors know they have greater leverage on a debtor desperate to avoid default.“

Unter welchen genauen Voraussetzungen will der IWF auch in Zukunft Kredite vergeben, wenn ein Staat einem anderen Staat seine Kredite nicht zurückzahlt? Naja, irgendwas musste man dazu offiziell schreiben, so als erfinde man für solche Fälle ein neues Regelwerk. Das ist aber derart weich formuliert, dass man auch Nordkorea, Simbabwe und Griechenland eigentlich unbegrenzt Gelder überweisen könnte. Da ist z.B. davon die Rede, dass der Schuldner „good faith efforts“, also gutgläubige Bemühungen zeigen muss, sich mit seinen Gläubigern in Zukunft zu einigen, so dass man dort wieder pünktlich zurückzahlt. Welcher Schuldner würde das nicht von sich behaupten? Zu sagen man war „stets bemüht“, fällt niemandem schwer, denn das ist ja nur eine unverbindliche Floskel. Hier der Kriterienkatalog des IWF (kein Witz, es ist der Originaltext):

„If, however, there is no adequately-representative Paris Club agreement, and the debtor has been unable to reach agreement with one or more official bilateral creditors to clear its arrears, the IMF Board could nevertheless approve financing for that country if the following three criteria are satisfied:

(i) there is a need for prompt IMF support (that is, waiting until all creditors have reached an agreement with the debtor would be too costly);

(ii) the debtor is making good faith efforts to reach an agreement with the creditor(s); and

(iii) the decision to provide financing, given the circumstances, would not have an undue negative effect on the IMF’s ability to mobilize official financing packages in future cases.“

An die Spätfolgen hat wohl niemand gedacht

Nur eines hat der IWF dabei wohl nicht bedacht. Der halbe Planet ist beim IWF verschuldet mit sogenannten Hilfskrediten. Nehmen wir jetzt mal einen afrikanischen Staat, der beim IWF in der Kreide steht und nennen ihn XYZ. Dieser Staat hat auch bei der EU, den USA oder sonst einem anderen Staat Schulden. Bisher wusste man, dass man alles tun muss, egal wie, um diese Kredite fortlaufend zu bedienen, sonst gibt es kein neues Geld mehr vom IWF. Und wer vom IWF nichts mehr bekommt, erhält idR auch sonst wo kaum noch Kredite. Warum soll der Staat XYZ sich nach dieser Regeländerung noch anstrengen? Genau, warum? Wir wissen es auch nicht. Er kann sich zukünftig zurücklehnen und sich darauf berufen, dass der IWF trotzdem weiter zahlt, auch wenn man z.B. seine Kredite an EU-Förderfonds nicht wie erwartet zurückzahlt. Man ist dann zwar rein „Rating“-technisch in der Staatspleite, aber die geplanten IWF-Fördergelder fließen ja weiter, wie es wahrscheinlich bei der Ukraine geschehen wird.

So könnte es passieren, dass viele staatliche Gläubiger, die bisher Drittewelt-Ländern Kredite gaben, auf ihren Forderungen sitzen bleiben, weil die Schuldner jetzt trotz Zahlungsverweigerung die Chance haben auch weiterhin Gelder vom IWF zu erhalten. Die Zahlungsmoral bzw. die Notwendigkeit des Haushaltens geht über den Jordan – und viele staatliche Gläubiger könnten in Zukunft auf ihren Forderungen sitzen bleiben – das kann ganz konkret die Langfrist-Auswirkung dieser IWF-Entscheidung sein. Aber Hauptsache man hat erstmal Wladimir Putin eins ausgewischt.

Der IWF sieht nur Gewinner

Kein Witz: Der IWF sieht durch diese Regeländerung nur Gewinner, die Gläubiger, die Schuldner, und das internationale Finanzsystem. Was das bedeutet? Letztlich erreicht der IWF damit, dass Länder die durch Nicht-Rückzahlung von Schulden de facto insolvent sind, weiterhin frisches Geld erhalten. Somit ist das Finanzsystem in der Tat stabiler, da irgendwie auch bei Pleitestaaten weiterhin Geld zirkuliert (wo ist da der Haken?). Zitat IWF:

„In broad terms, all parties stand to gain from this reform. By strengthening incentives for collective action among official bilateral creditors and removing impediments to the IMF’s financing role, the reform will promote more efficient resolution of sovereign debt crises and generate significant benefits for creditors, debtors, and the international financial system more broadly.“





Quelle: IWF

5 Kommentare

5 Comments

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    Gabriel Scheer

    16. Dezember 2015 15:37 at 15:37

    Ich bereits schon sagte, ständig bekommen die Russen eins auf den Kopp. Regeln werden im rahmen der geopolitischen Interessen angepasst. Ich selber bin kein Russe und stehe eher neutral zu den Russen. Aber hat sich schon jemand Gedanken gemacht was passiert wenn Russland geopolitisch fällt? (Sofern sich das Russland überhaupt gefallen lässt)
    Das westliche Imperium ist wie ein Parasit, irgendwann sind wir dran.

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    oscar

    16. Dezember 2015 18:23 at 18:23

    früher oder später kracht es sowieso in diesem explosiv, verlogenem system….es werden andere schuldig gemacht, auch und immer wieder gern inszeniert. es wird gelogen betrogen und selber in perverser gier die taschen gefüllt. nach mir, uns, die sintflut….
    der westen ist kein imperium, sondern billige enklave eines der perfidesten lügennationen die die welt je hervorgebracht hat. auch beim auflösen des deutschen landes spielen dort die geigen. diese „kanzlerin“ ist die ausführende devot unverantwortliche „gutmensch“ marionette. ähnlich wie fr. legarde auch nur eine bestverdienende marionette ist ! diese liga wird nie die probleme haben, die sie denen aufbürdet, die sie fett nähren. das ist das problem…alle machen mit…ist doch alles in bester ordnung. hauptsache ich nicht….bisher hats ja irgendwie geklappt….wer fühlt sich eigentlich noch substanziell wohl?

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    Tom

    16. Dezember 2015 20:15 at 20:15

    Die Büchse der Pandora sehe ich eher in der Möglichkeit der BRICS Staaten sich aus dem IWF zurückzuziehen.
    Alternative Zahlungssyteme haben sie Alternativen zum IWF auch und dann wären die Dollarschulden plötzlich in genau dieser Zwickmühle.

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    Argonautiker

    16. Dezember 2015 21:29 at 21:29

    Nun, wenn man Regeln machen kann, dann schafft man es auch, die Regeln wieder so zu verändern, daß die Ukraine, weil, weshalb auch immer, Geld bekommt, obwohl sie Rußland nicht bezahlen, Griechenland oder Andere, aber, wegen welcher willkürlichen Regel auch immer, das doppelte zurückzahlen müssen. Schließlich muß man eventuell entstehende Ausstände seitens des neuen Freundes, der Ukraine, ja irgendwie ausgleichen. Geht nicht? Gibts nicht! Ungerecht? Who cares?

    Wer es fertig gebracht hat, daß man ihnen ungedecktes Geld abnimmt, und man ihnen werthaltiges Geld, inklusive Zinsen zurückbringt, für den wird so etwas kein Problem darstellen.

    Solange die Regierungen in ihrer Allgemeinheit mitspielen, und das zu Legalität erklären, weil sie selbst die gleichen Hütchenspieler Mentalität haben, und man sich immer nur „minderwertige“ Staaten nach und nach vornimmt, die man zum bösen, bösen, Schuldigen erklärt, und die Menschen das schlucken, daß es mit rechten Dingen zugeht, wenn man aus dem Nichts erzeugtes Geld, verleiht, und es die Pflicht der Kreditnehmer ist, werthaltiges Geld plus Zinsen zurückzugeben, dann wird man es auch für richtig empfinden, wenn man Kreditnehmer, die diesem System nicht mehr nachkommen können/wollen, öffentlich hinrichtet, indem man sie für zahlungsunfähig erklärt, und sich über deren Werte hermacht.

    Wenn man es geschafft hat, das die Allgemeinheit, das alles für legal hält, der braucht wahrlich nichts mehr zu fürchten, der hat es geschafft, das alle glauben das Unrecht Recht ist, und Recht Unrecht.

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Coronavirus: Lasst den Markt das Maskenproblem lösen!

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Im Kampf gegen das Coronavirus gibt es ein riesiges Maskenproblem

Schutzmasken stellen weltweit ein knappes Gut dar in Zeiten des Coronavirus. In zahlreichen Ländern können sich selbst Ärzte nicht mehr schützen, weil es keine Masken mehr gibt. Die Preise für verfügbare Masken schießen in die Höhe. eBay und Amazon verbieten den Verkauf. Landesweit empören sich Menschen und Politiker über die bösen Verkäufer, die aus der Krise mit angeblich überhöhten Preisen Profit schlagen wollen. Staaten beschlagnahmen daher lieber Masken, statt den Markt das Problem lösen zu lassen!

Ja, man bekommt ein ungutes Gefühl, wenn man hört, dass ehemals Centartikel inzwischen für mehrere Euro angeboten und auch verkauft werden. Und ja, es wäre natürlich schöner, wenn sich weltweit Krankenhäuser für Centbeträge mit beliebigen Mengen Schutzmasken  zum Schutz gegen das Coronavirus eindecken könnten. Doch die Wahrheit ist, dass die derzeit durch die Decke schießenden Preise für Masken letztendlich dafür sorgen werden, dass die Versorgungskrise schnellstmöglich gelöst wird. (taugt Südkorea grundsätzlich als Vorbild im Kampf gegen das Virus?)

Hohe Preise garantieren schnellstmögliche Deckung des Bedarfs

Gerade jetzt, in diesem Moment, arbeiten wahrscheinlich hunderttausende Menschen daran, schnellstmöglich eine größtmögliche Anzahl Schutzmasken herzustellen im Kampf gegen das Coronavirus. Dafür werden neue Maschinen angeschafft, bestehende Maschinenparks umgerüstet oder auch ganze Armeen von Arbeitern in Asien an die Nähmaschinen gesetzt. In manchen Fällen geschieht dies sicherlich, weil die Anbieter helfen wollen. Doch glauben Sie mir: Der Großteil tut es, weil es ein wahnsinnig profitables Geschäft ist, eine 5-Cent-Maske für einen Euro zu verkaufen. Und das ist phantastisch.

Der hohe Marktpreis der Masken führt zu einer rapiden Aufstockung der Produktionskapazitäten. Das führt zu einer schnellstmöglichen Deckung des kurzfristigen Bedarfs. Und anschließend führt es auch zu einer schnellstmöglichen Reduzierung der Preise, die aller Wahrscheinlichkeit nach weit unter das Niveau sinken werden, das vor dem Ausbruch des Coronavirus bestand. Und ja, dabei werden die Käufer in der Anfangsphase deutlichst mehr bezahlen müssen als vor einem Jahr. Doch dafür kann der Weltmarkt jetzt mit (fiktive Zahlen) 50 statt 5 Millionen Masken pro Tag versorgt werden. Und sobald der akute Bedarf, der um jeden (!) Preis so schnell wie möglich gedeckt werden muss, befriedigt wurde, werden die Käufer genauer auf den Preis achten und nicht jedes Angebot annehmen.

Große Produktionskapazitäten garantieren schnellstmöglich sinkende Preise

Und da derzeit die meisten Hersteller mit enormen Gewinnmargen operieren, werden sie sehr schnell Rabatte anbieten und sich gegenseitig unterbieten, wenn nicht mehr jede Tagesproduktion mühelos absetzbar ist. Auf einem freien Markt wird sich der Preis für eine Maske daher sehr schnell den Grenzkosten annähern – also den Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Maske entstehen. Am Ende haben zwar alle für die ersten dringend benötigten Masken mehr bezahlt als früher. Dafür wurde dieser erste dringende Bedarf aber auch schneller befriedigt als früher und kurze Zeit danach waren deutlich mehr Masken zu üblichen oder sogar niedrigeren Preisen verfügbar.

Sollte der Staat nun aber dazu übergehen, Bestände zu beschlagnahmen oder Preisobergrenzen einzuführen, dann wird dieser Marktmechanismus außer Kraft gesetzt. Welcher Zwischenhändler kauft auf eigene Gefahr Masken in Asien auf Vorkasse, wenn er Gefahr läuft, dass die Ware anschließend beschlagnahmt wird? Ebenso dumm ist die Idee von eBay und Amazon, in Zeiten des Coronavirus Angebote für Masken samt der dazugehörigen Accounts zu löschen. Jetzt sitzen tausende Anbieter auf Masken, die sie aber nicht mehr auf den beiden größten Marktplätzen Europas verkaufen können, nur weil die Preise gegen eBays und Amazons „Moralvorstellungen“ verstoßen. So finden Anbieter und Verkäufer nicht mehr zusammen und den Schaden haben beide Parteien. Diejenigen, die Masken benötigen, kriegen keine und diejenigen, die Masken haben, können sie nicht verkaufen.

Ohnehin scheint das Problem der Versorgung mit Schutzkleidung weniger ein Angebotsproblem zu sein, als vielmehr ein Bürokratieproblem in Deutschland. Wer auch im Angesicht der Notlage auf umfangreiche Zertifizierungen und für die asiatischen Anbieter untypische Lieferbedingungen wie Versand auf Rechnung besteht, der kriegt eben keine Ware. Zum Zuge kommt dann eben der Zwischenhändler, der das Risiko der Vorkasse trägt und sich dieses getragene Risiko mit einer üppigen Gewinnmarge bezahlen lässt.

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Achtung vor der zweiten Abwärtswelle am Aktienmarkt!

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Manuel Koch bespricht im folgenden Video die wirtschaftlichen Aussichten in Folge des Coronavirus. Die Regierungen stützen die Volkswirtschaften mit jeder Menge neue Schulden. Was bedeutet das für die Märkte? Im Interview bezieht der Profi Andre´ Stagge klar Position. Die aktuelle Erholung an den Aktienmärkten sei keine Bodenbildung. Die Kurse seien deutlich schneller gefallen als in den vorigen großen Börsenabstürzen. Daher sei es jetzt völlig normal, dass die Kurse erstmal etwas nach oben laufen. Im Sommer gehe da noch was auf der Abwärtsseite. Wer die nächsten Monate in Aktien investiere, werde keine Gewinne erzielen. Den April solle man eher nutzen um Aktienbestände abzubauen. Ab Ende des Jahres könne man überlegen günstiger in den Aktienmarkt einzusteigen.

Der Rentenmarkt wird von Andre´ Stagge sehr kritisch betrachtet. Man müsse die Haftungsfrage stellen bei den gigantischen Aufkäufen der Schulden durch die EZB. Die Anleihemärkte würden signalisieren, dass noch eine zweite Abwärtswelle bei Aktien anstehe! Liquidität sei ein entscheidender Punkt, weswegen die Notenbanken derzeit so aktiv seien. Maredo, Vapiano etc seien aktuell schon pleite. Man stehe am Anfang einer großen Pleitewelle. Und man könne nicht alle Zombieunternehmen retten. In den guten Jahren sei das große Schuldenproblem bei Unternehmen bereits entstanden. Auch im Video gibt es zwei konkrete Handelsempfehlungen der trading-house Börsenakademie. Die Aktie von Alphabet (Google) könne man jetzt zu aktuellen Kursen kaufen. Auch bei den Aktien von Volkswagen könne man aktuell einsteigen.

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Inflation massiv im Anmarsch? Konkrete Gegenargumente

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Erst Deflation, dann Inflation? Was passiert mit unserem Geld?

Es geht um das Thema Inflation! Abseits vom menschlichen Leid beim Coronavirus ist aus finanzieller Sicht derzeit am Interessantesten, ob die Aktienmärkte einen erneuten starken Absturz erleben werden. Aber direkt danach steht bei immer mehr Menschen gerade in Deutschland die Frage im Raum, ob demnächst die Inflation anfangen wird zu grassieren. Denn wir alle haben es vernommen. Ob EZB, Fed, Bank of England, Schweizerische Nationalbank uvm. Alle machen das selbe. Die Fluttore sind voll geöffnet, es wird Geld gedruckt bis zum Geht nicht mehr. Das muss doch zwangsläufig zur Inflation führen?

Inflation im Anmarsch? Die Pro-Argumente

Hannes Zipfel hatte Anfang der Woche beschrieben, dass die Inflation sehr schnell kommen könnte (hier nachzulesen). Auch Dirk Müller spricht derzeit von einem anstehenden Inflationsschock. Und wer die letzten Monate die Szenarien von Markus Krall verfolgt hat, der kann eigentlich nur sagen: Bisher läuft es genau so ab wie von ihm beschrieben. Also wird es nun bald auch zu einer extrem starken Inflation kommen? (hier das aktuelle Gespräch von Markus Krall mit Marc Friedrich). Es ist klar. Die Notenbanken drucken Geld, immer mehr Geld. Geld ohne Ende. Alles wird geflutet, damit die Volkswirtschaften das Coronavirus durchhalten können. Dadurch und durch die Neuverschuldungen der Staaten sollte nach allem menschlichen Ermessen die tatsächliche reale Geldmenge ansteigen. Und wie gesagt, viele als Crash-Propheten abwertend betitelte Kritiker sehen deshalb die Inflation oder sogar die Hyperinflation im Anflug. Eine drastisch ausgeweitete Geldmenge treffe nämlich auf ein derzeit schrumpfendes Warenangebot. Dadurch sei die Inflation zwangsläufig, um es so einfach zusammenzufassen. Wie die folgende Grafik zeigt, ist die Geldmenge der Fed ja schon stark am Ansteigen.

Doch zu viel Deflation derzeit, was die Inflation ausbremst?

Zwar betonen zahlreiche Beobachter wie zum Beispiel Markus Krall, dass es jetzt erst einmal eine Deflation gebe, die danach in eine Hyperinflation umschwenken werde. Aber wird die aktuelle Deflationsphase deutlicher ausgeprägter sein als gedacht, und auch länger anhalten? Wird dadurch die anschließende Phase der Inflation verzögert, abgemildert, oder entfällt sie sogar? Da wäre zum Beispiel das derzeit eingeschränkte Warenangebot, dass von einigen Kommentatoren angesprochen wird. Es sei neben der höheren Geldmenge halt der entscheidende Trigger um in Kürze die Inflation in Gang zu setzen. Aber ist das wirklich so?

Die Regale der Lebensmittelgeschäfte sind voll. Aber es werden derzeit zum Beispiel keine neuen Autos produziert, was für ein sinkendes Warenangebot spricht. Dennoch kann man auch der Meinung sein, dass bis vor wenigen Tagen die Autohersteller noch fleißig weiter produziert haben – obwohl die Autonachfrage schon seit Wochen eingebrochen sein sollte. Dadurch sind die Halden der Hersteller jetzt vermutlich gut gefüllt. Werden die durch das Coronavirus verursachten Beschränkungen hierzulande in einigen Wochen aufgehoben, was wird dann passieren? Es könnte sein, dass die Autohersteller dann versuchen werden ihre Halden abzubauen, und Autos mit starken Rabatten anbieten. Dies würde deflationär wirken.

Online-Rabattschlacht hat begonnen

Ein Indiz, dass dies passieren könnte, erlebt man aktuell im Einzelhandel für Bekleidung, Schuhe etc. Die Läden sind geschlossen. Die großen Ladenketten und auch die großen Online-Händler übertrumpfen sich derzeit Tag für Tag im Netz mit immer größeren Rabatten für Konsumenten, die nun zuhause hocken und online shoppen. Der Rabatt kann derzeit nicht groß genug sein. Es riecht nach Deflation, und nicht nach Inflation! Man nehme Zalando, Deichmann, Otto, DefShop, Adidas uvm. 20 Prozent auf alles, so lautet derzeit oft der Slogan. H&M bietet derzeit im „Mid-Season Sale“ online 70 Prozent Rabatt. Es ist simpel. Die Einzelhändler sitzen auf vollen Lagern, und machen nun den großen Online-Abverkauf. Wer nicht mit massiven Preisnachlässen am Start ist, wird seine Ware nicht los?

Das Szenario lautet: Die Menschen kaufen jetzt online zu stark reduzierten Preisen, und kaufen dann in den nächsten Monaten deutlich weniger zu dann wieder normalen Preisen – weil sie ja jetzt online viel und günstig geshoppt haben. Und sollten die Deutschen derzeit nicht geneigt sein zu hohen Rabatten online einzukaufen, dann bleiben die Lager der Ladenketten weiter voll – und die Rabattschlacht im stationären Einzelhandel wird im Mai oder Juni um so größer, wenn die Geschäfte wieder öffnen dürfen. Kommt es so? Das sollte dann wohl eher deflationär wirken! Auch erwähnt zum Beispiel Markus Krall dieser Tage, dass sich die Preise für Nudeln in Supermärkten schon verdreifacht hätten, was ein Auftaktsignal für die Inflation sei. An einer flächendeckenden Verdreifachung der Nudelpreise sind (so möchten wir es neutral formulieren) Zweifel angebracht.

Öl und Strom wirken deflationär

Außerdem möchten wir an unseren Artikel vom Montag erinnern. Wir hatten dort bereits auf die zuletzt brutal gefallenden Preise für Öl und Strom hingewiesen. Diese Faktoren sollten erst einmal stark deflationär wirken. Die Frage lautet: Wie stark und wie lange wirkt diese Situation bei Bekleidungsartikeln, Benzin und Strom deflationär, und wann und wie stark folgt darauf die Inflation, verursacht durch die höhere Geldmenge? Wichtig: Wir wollen hier und heute nicht bewerten, ob die Inflation nun anrollt, oder ob sie ausbleibt. Wir möchten lediglich anmerken: Es könnte weniger schlimm kommen als erwartet, weil die aktuell vorhandene Deflation in den besprochenen Bereichen erstmal stark dämpfend auf die Preisentwicklung für die Endverbraucher wirkt.

Auch der Tagesspiegel hat sich vor Kurzem mit dem Thema befasst, ob nun durch das Gelddrucken der EZB die Inflation in Euroland anstehe. Zu Wort kam dort auch der Chefanlagestratege der Commerzbank. Er ist der Meinung, dass derzeit kaum ein Unternehmen seine Preise erhöhen werde. Schließlich kauften Verbraucher allein schon aufgrund der geschlossenen Geschäfte derzeit sehr viel weniger. Wer seine Waren jetzt loswerden wolle, der werde sie eher günstiger anbieten. Auch dämpfe der zuletzt stark gefallene Ölpreis die Inflation. Denn dadurch werde Tanken und Heizen günstiger. Sollte der Ölpreis unter 30 Dollar pro Barrel bleiben, könne die Inflation im Mai sogar auf null Prozent zurückgehen.

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