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Hintergrund zum ifo-Index: Der Brexit interessiert nicht? Alles geht irgendwie nach oben

Der heute von uns um 10 Uhr vermeldete ifo-Index wurde nach einer Prognose von 106,4 mit einem Stand von 109,5 vermeldet. Das ist ein sehr guter Wert, zumal der höchste Seit mehr als zwei Jahren…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Der heute von uns um 10 Uhr vermeldete ifo-Index wurde nach einer Prognose von 106,4 mit einem Stand von 109,5 vermeldet. Das ist ein sehr guter Wert, zumal der höchste seit mehr als zwei Jahren. Was soll man dazu noch sagen? Sensationell? Neben dem Ist-Zustand sehen auch die Erwartungen gut aus. Nach 100,2 Prognose kam die Geschätserwartung mit 104,5 rein. Laut ifo-Chef Clemens Fuest wurde ein „so starker Anstieg des Erwartungsindikators“ zuletzt nach der Finanzkrise 2008 beobachtet, wo man von sehr tiefen Niveaus aus statistischer Sicht ja fast nur noch kräftig ansteigen konnte. Für den ifo-Index werden 7.000 Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, dem Bauhauptgewerbe, dem Großhandel und dem Einzelhandel befragt.

Der am meisten beachtete Geschäftsklima-Index sei laut ifo in allen Industriebereichen gestiegen. Auch im Groß- und Einzelhandel läuft blendend. Die Aussicht für die nächsten Monate sei gut. Beim Bauhauptgewerbe erreichte der Geschäftsklimaindex ein neues Rekordniveau. Die Einschätzungen der aktuellen Lage waren noch nie so gut. Für die kommenden Monate rechnen die Unternehmen sogar mit einer weiteren Verbesserung, so das ifo-Institut. Der Dienstleistungssektor entwickle sich ebenfalls sehr gut mit 32,2 nach 29,8 im August. In den kommen Monaten solle es weiter bergauf gehen, und die Branche wolle mehr Mitarbeiter einstellen.

Puuuh, da weiß man gar nicht mehr wo man halt machen soll vor lauter guten Nachrichten. ifo-Chef Clemens Fuest ist auch begeistert, und spricht heute von einem goldenen Herbst, den die deutsche Wirtschaft erwarte. Die Lage sowie die Aussichten in den nächsten sechs Monaten seien noch besser als bisher. Aber war da noch was? Was ist denn mit dem Brexit-Horror? Waren sich nicht alle „Experten“ noch vor Kurzem einig, dass der Brexit schon im Vorweg zu enormen Einbrüchen bei Handel & Investitionen sorgen würde, auch in Festland-Europa? Bisher ist bei den Entscheidern bei deutschen Unternehmen davon gar nichts zu spüren. In der Tat zeigen die Entwicklungen auch in graphischer Darstellung nach oben.

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Schaut man sich den obigen Langfristchart an, bewegen sich alle drei ifo-Kennzahlen seit 2012 ganz grob gesagt in einem Seitwärtstrend, aus dem sie jetzt nach oben ausbrechen können. Auch die vier Einzelgrafiken unten zeigen: Die einzelnen Teilbereiche sind alle im positiven Bereich, und steigen an. Nur im Einzelhandel gilt abseits von der aktuellen Lage, dass die Erwartungen bisher noch im negativen Bereich waren, sich jetzt aber der Null-Linie nach oben annähern. Die Dienstleistungen sehen im Chart auch blendend aus. Was bleibt uns da als Fazit zu sagen? Entweder wir glauben den im anerkannten ifo-Index dargestellten Entwicklungen. Oder man fragt sich, ob eine Umfrage bei 7.000 Unternehmen die Wirtschaftslage wirklich in ihrer Ganzheit widerspiegelt. Aber in der Tat, bei diesen 7.000  Unternehmen scheint es gut auszusehen, und der Brexit-Schock bei den Entscheidern scheint zumindest derzeit nicht vorhanden zu sein.

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Daten + Grafik: ifo-Institut

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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