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Anleihen

Historisch: Deutschland heute mit Anleihe-Emission für 10 Jahre für 0% Zinsen

Ein historischer Tag für Wolfgang Schäuble und sein Ministerium. Zum ersten Mal in der Geschichte kann die Bundesrepublik Deutschland 10jährige Schulden aufnehmen mit einem Kupon von 0%. Das bedeutet…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Ein historischer Tag für Wolfgang Schäuble und sein Ministerium. Zum ersten Mal in der Geschichte kann die Bundesrepublik Deutschland 10jährige Schulden aufnehmen mit einem Kupon von 0%. Das bedeutet konkret: Anleger kaufen in der Erstemission eine Anleihe, von der sie wissen, dass sie dafür Jahr für Jahr genau 0% Zinsen bekommen, also nichts. Der Umstand ist so merkwürdig, dass man ihn mehrmals in Gedanken durchspielen muss. Welcher klar denkende Anleger würde das nur tun, ist da die Frage? Doch die EZB hat jegliches klares Denken außer Kraft gesetzt und den normalen Markt zerstört.

Rein marktwirtschaftlich gesehen ist der Zins nichts anderes als eine Risikoprämie, die der Anleger für das Risiko kassiert, dass er vielleicht sein verliehenes Geld nicht zurückerhält. Je größer die Wahrscheinlichkeit ist, dass er sein zurückerhält, desto geringer die Risikoprämie, der er dafür kassiert. Also kann man im Fall Deutschland ab sofort sagen das Risiko, dass Deutschland als Staat bis zum Jahr 2026 pleite geht, liegt bei genau 0%? Bis dahin läuft nämlich die heute ausgegebene 10jährige Bundesanleihe (die wichtigste Laufzeit). Hier die offizielle Darstellung der Schuldenagentur von Wolfgang Schäuble, die die Schuldenaufnahme durchführt.

Bundesanleihe

Bundesanleihe 3

Immerhin, sensationell ist die Verzinsung von 2,5% (Ironie), wenn man dem deutschen Staat statt 10 Jahre für 30 Jahre Geld leiht. Das ist doch mal was. Die vorige begebene 10jährige Anleihe aus Januar brachte noch vom Start weg 0,5% Zinsen. Um historisch einen Vergleich zu haben: Der Rekord auf der Oberseite lag im Jahr 1981 bei 10,75%. Die weniger bedeutenden Laufzeiten hatten die 0% schon längst erreicht. So rutschte die 5jährige Laufzeit bereits letztes Jahr auf 0%. Aber jetzt die mit Abstand wichtigste Laufzeit 10 Jahre bei 0%, das ist eine Zäsur. Bedanken dürfen sich die Anleger bei der EZB.

Da kaum ein Kleinsparer in Deutschland direkt in die (ach so langweiligen?) deutschen Bundesanleihen investiert, wird er/sie diesen Effekt der Nullzinsen wohl nach und nach erst dann merken, wenn er von seiner Lebensversicherung oder seinem Rentenfonds auf einmal Benachrichtigungen erhält, dass die erwarteten Renditen nochmal deutlich absinken. Wie gesagt: Ein Dank an die EZB. Aber wie sagte Mario Draghi so schön und deutlich? Hört doch endlich auf zu jammern ihr Deutschen! Ihr könnte doch Aktien kaufen!



Daten/Grafik: Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    leser

    13. Juli 2016 12:44 at 12:44

    Ein Raub des Staates durch die Hintertür und (bislang) völlig straffrei. Zuerst schaffe ich Gesetze, die Institutionelle (Lebensversicherung, betriebliche Altersvorsorge, Versorgungswerke) verpflichten, diesen Mist zu kaufen. Dann eine Zentralbank, die dafür sorgt, dass der Zins negativ wird. Und wenn alles gut geht, tilge ich die Anleihen mit neuen Krediten und Papiergeld mit enorm verminderter Kaufkraft. Wo bleibt der Generalstaatsanwalt wenn man ihn braucht? Und Herr Maas könnte sich hier auch mal sinnvoll beschäftigen, statt auf Facebook nach bösen Rechten zu suchen.

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Aktien

Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

Claudio Kummerfeld

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Andre Stagge

Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden ausführlichen Video fünf Positionen in seinem eigenen Investmentdepot. Aber er spricht auch über wichtige Themen in einem größeren Zusammenhang. Zum Beispiel geht er der Frage nach, ob in 2021 die große Inflation ansteht. Auch schaut er auf die mögliche weitere Entwicklung des Bitcoin, und bespricht die interessante Thematik, welche Auswirkung nachhaltig steigende Anleiherenditen in den USA auf die Märkte haben.

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Allgemein

EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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Allgemein

Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

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Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

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Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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