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Hochfrequenzhandelsfirma Virtu mit IPO: nur einen Tag Verlust in sechs Jahren

Von Markus Fugmann

In den USA war der Börsengang von Virtu Financial gestern das bestimmende Thema. Die Aktie von Virtu schoss gleich nach Börsenbeginn nach oben und beendete den Handelstag mit einem Plus von 18%. Das Unternehmen wollte beretis 2014 an die Börse – dann kam das Buch „Bad Boys“ von Michael Lewis, das den Hochfrequenzhandel beschuldgte, die Märkte zu manipulieren. Virtu mußte – weil sich die Stimmung der Öffentlichkeit im Gefolge der Thesen von Lewis gegen den Hochfrequenzhandel drehte – den Börsengang absagen.

Gestern aber war es dann so weit. Das IPO war 15-fach überzeichnet, die Nachfrage also überragend. Eine der zentralen Aussagen von Virtu im Vorfeld war, dass man in sechs Jahren nur an einem einizgen Tag (!) Verluste eingefahren habe. Ein performance, die jedem Daytrader die Tränen in die Augen treibt. Der CEO von Virtu Financial, Doug Cifu, antwortete in einem CNBC-Fernsehinterview auf die Frage, wie das Unternehmen das zustande gebracht habe, lakonisch: „we win more than we loose“:

Das klingt jedoch ein bißchen nach Bernie Madoff, der bekanntermaßen auch nur Gewinne machte, bevor der Betrug aufgeflogen war. Aber selbst wenn die Behauptung stimmt, dass Virtu nur an einem einzigen Tag in sechs Jahren Verluste machte, stellt sich die Frage, wer die Gewinne von Virtu mit Verlusten bezahlt hat.

Wie auch immer: CEO Doug Cifu bezeichnet als einen entscheidenden Grund für den Erfolg des Unternehmens die Firmenkultur. Und diese Firmenkultur scheint doch recht militaristisch zu sein, wie die „Neue Züricher Zeitung“ zu berichten weiß:

„Viola selbst ist ein Mann des Militärs, langjähriges Kadermitglied bei Börsenbetreibern und zudem ein gestandener Händler. Regelmässig werden die Mitarbeiter, so wird in den US-Medien kolportiert, während Schulungen in Militärstrategie unterrichtet und zu historischen Denkmälern geführt“.

Da bleibt nur zu hoffen, dass das militärisch geprägte Engagement von Virtu im Hochfrenquenzhandel nicht ähnlich endet wie das Engagement der USA im Irak: in einem Desaster. Je mehr Hochfrequenzhändler nämlich auf den Markt kommen, umso weniger kann dieser Markt faktisch funktionieren – schon gar nicht, nur an einem einzigen Tag in sechs Jahren Verluste zu machen.



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