Folgen Sie uns

Allgemein

Hochinteressant: Warum 85.000 US-Studenten ihre Schulden erlassen bekommen

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Ein hochinteressanter Fall, der die Grundsatzfrage aufwirft, wie viel kommerzielle „Durchdringung“ im Bildungsbereich wirklich gesund ist. In den USA hat jetzt die staatliche Bildungsbehörde 85.000 Studenten von ihren Studentendarlehen befreit. Dies kann als Präzedenzfall eine große Wende für das profitorientierte US-Hochschulsystem sein.

George Bush junior US-Studenten
Das „No Child left behind“-Programm von Präsident Obama´s Vorgänger George Bush Junior half der breiten Bevölkerung wohl doch nicht so richtig? Foto Gemeinfrei

Das „US Department of Education“ verkündete gestern in einer offiziellen Mitteilung, dass man nach einer gemeinsamen Ermittlung mit dem Generalstaatsanwalt von Kalifornien 85.000 Studenten der privaten Hochschulfirma „Corinthian College’s“, die inzwischen geschlossen wurde, ihre Schulden erlässt, die sie aufnehmen mussten um die horrenden Studiengebühren bezahlen zu können. Der Grund hierfür ist hochinteressant.

Corinthian´s hatte aktiv um Studenten geworben, und hatte es dabei besonders auf benachteiligte, leicht beeinflussbare oder verzweifelte Menschen abgesehen, die einen höheren Bildungsabschluss erreichen wollten. So habe man sich an Alleinerziehende, Veteranen, Menschen mit geringem Einkommen oder auch gezielt Menschen mit geringem Selbstwertgefühl gewandt. Diesen Personen habe man bewusst Versprechungen und Hoffnungen gemacht, die völlig überzogen und weit entfernt jeglicher Realität waren.

So habe man den Studenten versprochen 100% der Absolventen im Bereich „Automobil-Technologie“ würden nach erfolgreichen Abschluss bei Corinthian´s einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft erhalten. Tatsächlich so die Behörde lag die Quote bei 0%. Studenten im Bereich Buchhaltung hätte man eine Vermittlungsquote von 90% versprochen – die tatsächliche Ergolgsquote lag bei unter 15%. Als Fazit der Ermittlungen kann man also sagen, dass Menschen mit wenig Chancen am Arbeitsmarkt, die nach einem Strohhalm suchten um durch ein höheres Bildungsniveau an eine besser bezahlte Arbeit zu kommen, mit illusorischen Versprechungen von einem privaten Bildungsträger in überteuerte Studiengänge gelockt wurden, die einerseits zur Überschuldung der meisten Studenten führten, und andererseits auch fast niemanden in Arbeit brachten.

Laut Ermittlungsergebnis hat diese „Bildungsfirma“ die Studenten damit belogen was ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt angeht, die sie mit einem Abschluss haben könnten. An zwei Standorten der Firma war dieses Gebaren so eindeutig, dass die Bildungsbehörde 85.000 Personen, die sich noch online anmelden müssen, die Möglichkeit zum Schuldenerlass gewährt. Diese Entscheidung könnte als Präzedenzfall für private Bildungsträger in den USA angesehen werden. Was ist überzogene Werbung, und was ist eine Lüge bzw. Irreführung ? Bei „100% Jobgarantie nach dem Studium“ kann man schon von einer Lüge bzw. Irreführung sprechen, so meinen wir. Ach ja, die Einrichtungen von Corinthian´s werden inzwischen von einer nicht profitorientierten Einrichtung weiterbetrieben.


Hier ein Teil der Original-Veröffentlichung der US

After analyzing several years of job placement rates reported by Corinthian College’s Wyotech and Everest programs, along with evidence provided by California Attorney General Kamala Harris, today, the U.S. Department of Education is announcing the results from the joint investigation which concluded the programs misrepresented their placement rates to enrolled and prospective students. The findings from this investigation apply to Everest and Wyotech locations in California, as well as Everest University online programs based in Florida, and add to the existing findings concerning programs at Heald College – which were also a part of the joint investigation with Attorney General Harris’s office.

„I commend Attorney General Kamala Harris and her team for their collaboration with our team to help defrauded Corinthian students receive the relief they are entitled to,“ said U.S. Secretary of Education Arne Duncan. „The results of our joint investigation will allow us to get relief to more students, more efficiently. Helping wronged students is much easier when everyone – Congress, state attorneys general, accreditors, authorizers and the Department – does their part to protect students and works together. Our team welcomes help from anyone who wants to follow her lead.“

The Department’s findings apply to Corinthian campuses that served approximately 85,000 Wyotech and Everest students. Earlier this year, the Department created an expedited debt relief process for Heald students who attended programs with misstated placement rates. The Department will refer these findings to Joseph Smith, the special master in charge of borrower defense, who will work to make these findings actionable under the borrower defense process. In the meantime, the Department’s investigation of the Corinthian schools will continue.

„Corinthian preyed on vulnerable students who are now buried under mountains of student debt,“ said Attorney General Harris. „Today’s joint investigation findings will expand the pool of Corinthian students eligible for streamlined student loan relief options, helping them rebuild their lives and pursue a brighter future. I thank the Department of Education for joining my office to keep Corinthian accountable for their actions and providing debt relief to students who were misled.“

Holding Corinthian Colleges Accountable

In August 2012, after receiving of complaints about Corinthian’s placement rates and other compliance issues, the Office of Federal Student Aid placed all eligibility actions involving mergers, adding new programs, locations or to increase scope of Title IV participation for the institution on hold. In 2013, Attorney General Harris filed a lawsuit against Corinthian Colleges, Inc. for false advertising and deceptive marketing targeting vulnerable, low-income students and misrepresenting job placement rates to potential and current students, investors and accrediting agencies.

In January 2014, the Department placed Corinthian on heightened cash monitoring after it repeatedly failed to comply with federal regulations. Since day one, the Department has acted to hold Corinthian accountable and ensured students pursuing their education had the opportunity to pursue their career and educational goals with minimal disruption. In addition to placing the company on heightened cash management, the Department also required the company to sell or close all of its programs, keep students informed of their options and establishing an independent monitor to oversee the company’s wind down.

The majority of Corinthian’s campuses were purchased by the nonprofit Zenith Education Group, which voluntarily agreed to implement a series of conduct provisions, which included the hiring of an independent monitor to ensure the program operates up to the Department’s standards, an across the board tuition cut, and the elimination of poor-performing programs. In February 2015, the Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) and the Department secured more than $480 million in forgiveness for borrowers who took out Corinthian College’s high-cost private student loans. In April 2015, shortly after receiving a $30 million fine for misrepresentation its job placement rates for the Heald brand, Corinthian announced that it permanently shutting down.



Quelle: U.S. Department of Education

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    joah

    18. November 2015 20:01 at 20:01

    „So habe man den Studenten versprochen …“ – gähhhn

    Ein Versprechen kann man brechen, bei einem Vertrag wird es teuer. Wer vernünftig behandelt werden will, schließt darüber einen Vertrag ab und definiert Penale bei Bruch von Vereinbarungen. Nur törichte Menschen werden betrogen, kluge nicht.

    • Avatar

      Macke

      19. November 2015 02:42 at 02:42

      Ja genau, und Betrug ist eben strafbar, unabhängig davon wie klug der Betrogene nun ist
      ps. Wenn Du schon so klug bist, dann schreibe das Sysnonym für Vertragsstrafe beim nächsten Mal aber bitte so: Pönale.

    • Avatar

      noah

      19. November 2015 10:38 at 10:38

      Hört sich so an, als ob du zu den „Klugen“ gehörtest und die „Törichten“ es verdient hätten, betrogen zu werden – im Zeitalter des zunehmenden Libertarismus (als Steigerung des Neoliberalismus) gibt es eben keine Empathie und keinen Sinn fürs Gemeinwohl mehr. Ellenbogen sind dsa wichtigste Wekzeug…

  2. Avatar

    Wolfgang Schneider

    18. November 2015 22:29 at 22:29

    Mein lieber Joah – selten habe ich so dummes Zeug gehört wie von Dir. Mein erster Arbeitgeber nach der Uni hatte mich 1996 über das Arbeitsamt aufgegabelt und verschwiegen, daß er 5 Wochen vor Abschluß des Arbeitsvertrags mit mir einen Offenbarungseid gemacht hatte. Nachdem ich vom Arbeitsgericht einen vollstreckbaren Titel hatte, teilte mir der Gerichtsvollzieher mit, der Mann sei als Stütze-Empfänger „nicht pfändbar“. Der gute Mann – inzwischen verstorben – schuldet mir bis heute tausende DM an Gehalt. Von diesen Herrschaften hatten wie im Osten Deutschlands nach 1990 viele. Zu viele.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

weiterlesen

Allgemein

Free Lunch-Sozialismus in der Coronakrise auf dem Vormarsch

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Im Sozialismus der Moderne soll das Geld vom Himmel regnen

In den USA gibt es das Sprichwort, dass es keinen Free Lunch gibt. Sinngemäß übersetzt: Für alles muss irgendwie letztlich doch von irgendwem bezahlt werden. Wer ideologisch voll auf Sozialismus getrimmt ist, sieht das aber wohl grundsätzlich anders. Ökonomisch glauben zum Beispiel die Verfechter der Modern Money Theorie (MMT – hier dazu ein interessanter Text), dass man einfach als Staat unbegrenzt Geld druckt beziehungsweise immer weiter Schulden aufnimmt, und damit alle Probleme lösen kann. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die derzeitigen Staatenlenker und Notenbanker in Europa auch MMT-Verfechter sind?

Sozialismus: MMT und das Wunder-Märchenland

Wer eh schon an MMT als Wundermittel zur Lösung aller Probleme denkt, und dem Sozialismus zugeneigt ist, der kann auf folgende Idee kommen. Hey, die Europäische Zentralbank (EZB) kauft doch seit Jahren mit Billionen selbst gedruckter Euros die Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf. Und die Mitgliedsstaaten als Eigentümer der EZB könnten doch dafür sorgen, dass die EZB einfach als Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet. Man druck Geld, kauft die eigenen Schulden, und erlässt sich dann selbst die Schulden. Ein in sich geschlossener Kreislauf von Geld, das vom Himmel regnet und alle Probleme löst.

Was für ein Märchen-Wunderland. Aber halt. Wenn die EZB die Schulden der Länder erlässt, hat sie selbst ja Verluste in ihren Büchern. Und die Verluste würden buchhalterisch auf die Mitgliedsstaaten umgelegt, womit sie nach gerade erst erlassenen Schulden wieder neue Schulden hätten. Tja, eben doch kein Free Lunch? Außerdem können die Staaten der EZB dank ihrer Unabhängigkeit keine Anweisungen erteilen. Aber halt, war da nicht gerade erst was in Sachen EZB und Schuldenerlass?

EZB soll auf Rückzahlungen von Anleihen verzichten

Erst letzte Woche berichteten wir über die Forderung der in der italienischen Regierung sitzenden Fünf-Sterne-Bewegung Richtung EZB. Sie solle doch bitte gegenüber Italien auf die Rückzahlung der gehaltenen Anleihen verzichten, die im Zuge der Coronakrise aufgenommen wurden. Mal ehrlich: Selbst wenn die EZB das machen würde, müsste man das für alle Euro-Länder tun, und gleich danach wäre der Ruf laut nach Erlass aller gehaltenen Forderungen in den Büchern der EZB. Heute nun fordert Riccardo Fraccaro, ein Staatssekretär und enger Berater des italienischen Minsterpräsidenten Conte laut Berichten das selbe.

Auch er ist von der Fünf-Sterne-Bewegung. Die EZB könne so viel Geld drucken wie sie wolle. Die Geldpolitik müsse die expansive Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten in jeder möglichen Weise unterstützen, zum Beispiel per Schuldenerlass, oder über eine ewige Laufzeitverlängerung. Tja, Sozialismus pur, möchte man sagen. Erst Schulden machen, dann nicht zurückzahlen wollen. Woher das Geld kommt, dass es keinen Free Lunch gibt? Dass irgendwann bei maßlosem Gelddrucken Inflation und Hyperinflation anstehen, und dass man Schulden auch zurückzahlen muss – egal.

Der „plan“-mäßige Weg in den Sozialismus

Bernd Riexinger als Parteichef der Linken verkündet eine klare, ganz offene Forderung, die letztlich nichts anders ist als der direkte Weg in den Sozialismus. Das Wort Enteignung klingt natürlich verführerisch für alle Menschen, die kein Wohneigentum besitzen, sondern mieten. Wer würde sich nicht gerne vom „Joch“ des bösen Vermieters lösen, an den man jeden Monat einen beträchtlichen Teil seines Einkommens abführen muss? Dass der Vermieter für die Erstellung der Immobilie vielleicht einen Kredit aufgenommen hat, und dass laufende Kreditraten, Instandhaltungen, städtische Leitungsverlegungen an der Straße uvm sehr viel Geld kosten, das erwähnt Bernd Riexinger nicht.

Denn diese Kosten trägt der Vermieter, welche letztlich durch die monatlichen Mietzahlungen finanziert werden. Im Sozialismus sagt man sich wohl: Der böse Vermieter kassiert pro Monat 800 Euro Miete, und hat also auch 800 Euro Gewinn für sich selbst. Dass nach Kreditkosten, Instandhaltung, Müllabfuhr, Gärtner, Hausmeister uvm bei vielen Vermietern kaum oder nur wenig übrig bleibt, passt da natürlich nicht ins Bild. Dass Ersteller von Immobilien teuer erkaufte Grundstücke über höhere Wohnungsmieten refinanzieren müssen – egal. Für Bernd Riexinger ist es ganz einfach. Alles verstaatlichen, so scheint die Devise zu sein.

Am besten alle Wohnungen und auch alle Grundstücke in Staatseigentum überführen, dann hat man alle Probleme Wohnungsmarkt gelöst? Die tatsächliche und nachhaltige Lösung des Problems wäre es, dass Staat und vor allem private Vermieter die Zahl neuer Wohnungen so derart stark erhöhen, dass mehr Angebot als Nachfrage vorhanden ist. Dann fallen die Wohnungsmieten von ganz alleine – Angebot und Nachfrage! Berlin (man lebt eh auf Kosten der anderen Bundesländer über den Länderfinanzausgleich) müsste deutlich mehr Bauland zur Verfügung stellen, und das möglichst günstig, mit möglichst wenig Bürokratie. Aber nein, man bestraft lieber die bestehenden Vermieter.

Vermieter enteignen, weil sie nicht so agieren wie gewünscht

Diese Woche trat beim Berliner Mietendeckel die zweite Stufe in Kraft. Daraufhin kündigten große Vermieter in Berlin an neue Investitionen auf dem Berliner Wohnungsmarkt stoppen zu wollen. Die Lösung im Sozialismus lautet bei so etwas: Funktioniert unsere Maßnahme nicht wie gewünscht, setzen wir eben eine noch größere Maßnahme oben drauf. So fordert Bernd Riexinger daher eindeutig die Enteignung der Vermieter. Natürlich ist das verfassungsrechtlich ein noch weiterer Weg als der Mietendeckel.

Aber hey, der wurde ja auch bereits umgesetzt in Berlin. Der Staat soll es halt selbst richten. Selbst bei einer Enteignung (spielen wir das Szenario mal durch) müsste die Stadt Berlin die Wohnungseigentümer entschädigen. Dadurch würde die Verschuldung der Stadt Berlin deutlich ansteigen. Aber halt… wenn wir eh schon beim Thema EZB sind… die EZB könnte doch diese neuen Berliner Anleihen einfach aufkaufen, und auf ihre Rückzahlung verzichten? Wäre doch echt super? Ein Free Lunch im Märchenland des Sozialismus.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Dass sich die Wohnungskrise in Berlin durch den Mietendeckel eher noch verschärft hat, das darf man als Verfechter des Sozialismus natürlich sofort den bösen Vermietern anlasten? Denn die wollen bei sinkenden Mieteinnahmen und staatlichem Eingriff in die Vertragsfreiheit keine neuen Wohnungen mehr in Berlin bauen? Welch ein Wunder, wer hätte damit rechnen können? Das ist ja gleich noch ein Argument für die Verstaatlichung der gesamten Wohnungsindustrie. Lassen wir einfach alles den Staat machen. Wohnungen bauen und vermieten, und das schön günstig. Aber warum macht die Stadt Berlin das nicht schon längst in großem Stil?

Niemand hindern sie daran. Man sieht, sie kann es nicht. Dabei regieren die Linken in Berlin doch, und sind nicht in einer Opposition, wo sie hilflose Zuschauer sind. Nein, man drangsaliert lieber die private Wohnungswirtschaft. Dabei könnte man parallel zu den Privaten durch ein massives Überangebot an neuen staatlich gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass auch bei den privaten Vermietern durch freie Marktmechanismen die Mietforderungen sinken. Denn wie gesagt, wenn mehr Wohnungen als Wohnungsssuchende vorhanden sind, werden die Vermieter zwangsläufig ihre Mietforderungen senken.

weiterlesen

Allgemein

Konsumklima stürzt ab, Aussichten am Arbeitsmarkt besser – wie kann das sein?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Menschen in Schlange mit Einkaufswagen

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat heute ihre Meldung für das Konsumklima in Deutschland (Verbraucherstimmung) veröffentlicht. Dem normalen Menschenverstand folgend sinkt das GfK-Konsumklima. Für Dezember zeigt man einen Wert von -6,7 Punkten, und damit 3,5 Punkte weniger als im November. Es ist logisch, dass die Stimmung der Konsumenten sinkt, wenn der zweite Lockdown voll in Gange ist – sei es auch nur ein sanfter Lockdown mit geschlossener Gastronomie. Der Lockdown light habe die Verbraucherstimmung im November laut GfK spürbar gedämpft. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung müssen – wie schon im Vormonat – Einbußen hinnehmen. Hier ein Auszug aus der Meldung der GfK:

„Zwar bleiben die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet, doch die erneute Schließung von Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe treffen – ebenso wie der noch immer am Boden liegende Tourismus – das Konsumklima schwer“ erklärt Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte. „Damit haben sich auch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen. Die als Folge der zunehmenden Verunsicherung erneut gestiegene Sparneigung hat ebenfalls zum Rückgang des Konsumklimas beigetragen.“

Stimmung am Arbeitsmarkt verbessert sich

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute sein aktuellstes Barometer für den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Demnach verbessert sich die Stimmungslage sogar. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer (besteht aus zwei Komponenten, aktueller Beschäftigung und Entwicklung der Arbeitslosigkeit) ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator im leicht positiven Bereich. Warum? Nun, dazu gibt die IAB eine klare Aussage. Die Beschäftigung werde im zweiten Lockdown nicht noch einmal einbrechen. Wichtig hierfür seien die (staatlichen) Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise. Die Perspektive auf einen Impfstoff mache die Unternehmen zuversichtlicher.

Das verstärke noch einmal ihre Bereitschaft, die Beschäftigten zu halten. Dennoch belaste die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung, und die sich durch die Corona-Krise beschleunigenden Transformationsprozesse in der Wirtschaft würden große Herausforderungen darstellen. Und relativ günstige Aussichten zeigt das IAB-Arbeitsmarktbarometer für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Die entsprechende Komponente hielt sich auf dem Vormonatsstand von 102,1 Punkten. Zu beachten sei, dass der Befragungszeitraum schon in der ersten Novemberhälfte endete, als eine Verlängerung des Lockdowns noch nicht absehbar war.

Also: Die staatlichen Arbeitsmarkt-Forscher sehen die Stimmung deswegen verbessert, weil auf der einen Seite die Befragung schon endete, bevor eine Lockdown-Verlängerung absehbar war – und weil auf der anderen Seite die Wirtschaft vom Staat mit Rettungsgeldern geflutet wird, sodass Entlassungen nicht notwendig sind.

Arbeitsmarkt-Barometer der IAB steigt

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage