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Homeoffice: Corona, das Büro und die Gewerbeimmobilien

Die überwiegende Mehrheit aller Manager glaubt einer Umfrage zufolge, dass die verstärkte Nutzung von Homeoffice bleiben wird. Für den Markt für Gewerbeimmobilien könnte das einen Einbruch bedeuten

Es war (und ist) ein Instrument in einer Pandemie, um einen Wirtschaftsbetrieb auch bei quarantäneähnlichen Zuständen weiter am Laufen zu halten: das Homeoffice, die Arbeit in häuslichen Ersatzräumen. Jetzt haben die Unternehmen durch die Coronakrise realisiert, wie kostensparend diese Art der Arbeitsbewältigung sein kann. Erste Unternehmen haben bereits ihre Vorstellungen für die Zukunft artikuliert, sehr zu Lasten der herkömmlichen Büro-Welt.

Homeoffice: „Rund 30 Prozent Bürofläche werde wahrscheinlich längerfristig nicht mehr gebraucht.“

Die Zahlen des größten Versicherungskonzerns Europas zeigten die Folgen der Corona-Pandemie und waren für manche Ökonomen doch eine Überraschung. Das erste Halbjahr 2020 brachte einen Gewinneinbruch um 20 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Zusammen mit der bereits im Frühjahr zurückgenommenen Jahresprognose von etwa 12 Milliarden Euro bedeutet dies den ersten Gewinnrückgang seit neun Jahren. Dass der bisherige Einbruch nicht viel stärker ausgefallen ist, war dem Umstand zu verdanken, dass ab März 90 Prozent aller Arbeiten im Homoffice erledigt wurden und sämtliche Dienstreisen abgesagt wurden. Die Allianz befindet sich derzeit im Umbau, der durch die aktuelle Lage deutlich beschleunigt wird. Der Allianz-Vorstand Christof Mascher wurde in einem Interview mit dem Handelsblatt konkret:

„Die Standorte müssen überprüft werden, es geht vor allem um die Ausstattung. Rund 30 Prozent Bürofläche werde wahrscheinlich längerfristig nicht mehr gebraucht.“ Auch bei den Reisekosten ließen sich dauerhaft 50 Prozent einsparen.

Das habe auch Konsequenzen in der Planung neuer Projekte. Bei einem Konzern mit 150.000 Mitarbeitern sind diese Aussagen schon ein Paukenschlag. Der Manager geht davon aus, dass auf lange Frist 40 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice arbeiten werden.

Homeoffice auch bei vielen anderen Konzernen

Dass dies beileibe kein Thema nur für die Versicherungslandschaft ist, beweisen auch die Absichtserklärungen anderer Unternehmen. Beim Industriegiganten Siemens dürften die Mitarbeiter künftig drei Tage das Homeoffice nutzen. Natürlich erst recht bei vielen Banken, wobei man hier einschränkend erwähnen muss, dass das Homebanking auch Nachteile aufweist, insbesondere im Sicherheitsbereich. Aber was macht da erst die US-Tech-Industrie? Ein Bekannter von mir, Programmierer bei Salesforce in Kalifornien, kennt schon seit Monaten nichts anderes mehr, als die Arbeit von zu Hause. Selbst der Chef von Facebook, Mark Zuckerberg, erwähnte bereits im Mai, dass in zehn Jahren jeder zweite Beschäftigte seiner Firma im Homeoffice arbeiten könnte.

In Deutschland geht der Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Bain & Company, Walter Sinn, davon aus, dass künftig 20 bis 30 Prozent der Büroarbeitsplätze in Deutschland wegfallen könnten. Immerhin drei bis fünf Millionen Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz aus dem Firmenbüro ins traute Heim verlagern. Schöne neue Familienwelt.

Bestätigt wird die Projektion auch aus einer Auswertung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für die Industrie.

Die Büroimmobilien

Bisher war es bei Großkonzernen Usus, in Zentralen oder in Großbüros die Arbeit zu bewältigen. Daher nochmals zur Allianz, wo in der Zentrale im Münchener Norden 8000 Mitarbeiter auf fast 400.000 Quadratmeter Büroflächen ihr Werk verrichtet haben. Es wurde schon öfters angemerkt, dass die Digitalisierung zu einer Umorientierung in der Arbeitswelt führen wird, Homeoffice, Homebanking, sogar Homeschooling, mancher Unternehmer spricht schon von seinem Immobilien-Footprint, ein ökologischer Fußabdruck für die Bürofläche. Die überwiegende Mehrheit aller Manager glaubt einer Umfrage zufolge, dass die verstärkte Nutzung von Homeoffice bleiben wird.

Für den Markt für Gewerbeimmobilien könnte das einen spürbaren Einbruch generieren.

Fazit

Was wird aus unseren Innenstädten? Hat der Trend zum Online-Shopping schon seine Spuren im Einzelhandel hinterlassen – Stichwort Karstadt, Kaufhof -, so ergibt sich aus den Erfahrungen mit Corona ein weiterer Trend: Wieso so große Büroflächen in teuren Stadtlagen mieten, wenn viele Arbeiten auch zuhause erledigt werden können? Sicher gibt es auch einige deutliche Nachteile in punkto Sicherheit, aber auch soziale Aspekte, aber die vielen Ankündigungen von Firmen und deren Kostenrechner deuten darauf hin, dass dies kein kurzfristiger Trend sein wird. Und was passiert mit der Gewerbeimmobilien-Branche, wenn Mietverträge nicht verlängert werden?

Der Trend zum Homeoffice ist dauerhaft



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1 Kommentar

  1. Ja gut nun wirklich ein Problem ist das ja nicht in wirtschaftlicher Hinsicht! Mehr eine politische Vorgabe, die im Hinblick auf die Änderungen der wirtschaft und Lebensweise der Menschen halt auch Anpassungen erfahren muss.

    Die Lösung heisst Umnutzung! Auf der einen Seite haben wie Büroflächen (oftmals an guten Lagen) die niemand mehr benötigt auf der anderen Seite haben wir viel zuwenig Wohnraum (insbesondere bezahlbaren) anstatt das Büroimmobilien Lehrstehen, sollten diese ungebutzt werden zu Wohnraum, und zwar zu bezahlbarem Wohnraum.

    Damit profitieren alle, die Büroflächen werden plötzlich einen Mehrwert erfahren, da Wohnraum teurer als Gewerberaum gehandelt wird, selbst bei „günstigen „ Wohnraum. Durch das zusätzliche (das grosse zusätzliche) Angebot könnte es komplett eine Entspannung geben auf dem Mietmarkt, also auch Druck vom bestehenden Immobilienmarkt nehmen….

    Insofern ist das alles ja weniger ein Gesellschaftliches Problem als vielmehr ein Politischer Wille…..

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