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HSH Nordbank: Tolle Zahlen für die Kernbank, heute letzter Tag für Interessenten

FMW-Redaktion

Die HSH Nordbank hatte gestern ihre Zahlen für 2016 präsentiert. Als wäre man eine normale Bank, sprach man fast nur über die „normale“ Tätigkeit der Bank, wie gut das Neugeschäft laufe mit einem Vorsteuergewinn von 639 Millionen Euro, netto 69 Millionen Euro und einer harten Kernkapitalquote von 14,1% (Vorjahr 12,3%). Respekt, das klingt doch alles gut. Bankchef Ermisch sagt dazu in der Präsentations-Headline der HSH, dass die Zitat „starke Kernbank Wachstumspotenzial hat“ und Basis sei für den komplexen Eigentümerwechsel im Jahr 2018.

Das, was eigentlich wirklich wichtig ist, sieht man auch in der offiziellen Veröffentlichung erst weit weit hinten im Text. Denn die „Kernbank“ kann auch noch so gut laufen, es sind Peanuts, wie ein Ex-Deutsche Bank-Mann es wohl sagen würde. Natürlich steht die Kernbank gut da, denn der Schrott wurde ja in die Abbau-Bank verschoben. Und um die geht es, nur um die. Heute ist der letzte Tag, wo private Bieter ihr Interesse für den Kauf der HSH Nordbank anmelden können.

Die NordLB aus Hannover ist abgesprungen. Sie hat heute endgültig bestätigt, dass sie die HSH Nordbank nicht kaufen will. Das ist schon mal ein herber Rückschlag. Aber es soll einige andere Interessenten geben. Ab morgen prüfen Hamburg und Schleswig-Holstein, wen man als ernsthaften Interessenten ansieht, und ihm dann auch Zugang zu internen Zahlen der HSH gibt, zur Prüfung der Bücher (Due Dilligence). 14,6 Milliarden Euro an Schrottkrediten liegen immer noch bei der HSH, das kann man hin und her buchen, wie man es will. Der Fakt ändert sich nicht. Die EU aber besteht darauf, dass die gesunde Kernbank mit der Schrottbank als Paket verhökert wird.

Welcher Idiot würde sowas kaufen? Richtig, niemand! Aber da gibt es ja noch die 10 Milliarden Euro-Haftung der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein. HSH-Chef Ermisch ließ gestern durchblicken, dass in den nächsten Jahren diese Garantie voll gezogen wird. Hinzu kommt noch, dass die beiden Bundesländer zuletzt zusätzlich faule Kredite aus der gesunden HSH herausgekauft hatten um den Verkauf noch attraktiver zu machen. Also werden Hamburg und Schleswig-Holstein insgesamt eine Summe von 10 bis vielleicht 12 oder 13 Milliarden Euro verlieren? Nur so eine grobe Schätzung von uns, einfach mal so in den Raum geworfen!

Was soll´s… denn eine Planung, eine Reaktion auf diese Summe, die auf die beiden Länder zurollt, gibt es in den Landesregierungen anscheinend nicht. Gestern hörte man erneut Kritik dazu von den Oppositionsparteien auf Landesebene – verständlich, so meinen wir. Denn man sollte sich schon jetzt mal verdammt kräftig damit auseinandersetzen, wie man darauf reagieren will. Denn diese Summen erhöhen die Schuldenlasten der Bürger in HH + SH ganz real, in Euro. Enorme Kürzungen im Sozialwesen, Städtebau, Straßenbau, städtisches Personal etc wären denkbar. Aber dazu bisher kein Wort von den beiden Landesregierungen. Vielleicht nach dem Motto „wenn die Haftungen in reale Schulden umgewandelt werden, regiert eh schon jemand anders in ein paar Jahren“? Dann hat eben dieses arme Schwein die Suppe auszulöffeln.

Laut EU muss die HSH als Ganzes bis Februar 2018 verkauft sein, sonst wird sie zwangsabgewickelt, und die Schulden gehen auf die Bundesländer HH + SH über. Ob Abwicklung oder Verkauf – was für die beiden der bessere Deal ist, das ist unmöglich abzuschätzen. So oder so werden es wohl ähnlich hohe Summen weit über 10 Milliarden Euro. Wer sich bis heute um Mitternacht meldet mit einem unverbindlichen aber konkreten Interesse, erhält dann bald Einblick in die Bücher.

Ein etwas technisches Zitat der HSH zur Abbaubank von gestern:

NPE sinkt auf € 14,6 Mrd., Kernbank davon nur € 1 Mrd. – Gute Coverage Ratios. Die leistungsgestörten Engagements der HSH Nordbank (Non-Performing Exposure) sind mit 13,6 Mrd. Euro fast vollständig in der Abbaubank gebündelt und geben den Blick frei auf die weitestgehend unbelastete Kernbank, die nur noch NPE von 1 Mrd. Euro aufweist. Im Zuge der ebenso umfassenden wie konservativen Dotierung für die Risikovorsorge ergeben sich konzernweit komfortable Abdeckungsquoten (Coverage Ratios) für dieses leistungsgestörte Portfolio, ermittelt aus dem Verhältnis von NPE zu der darauf gebildeten Risikovorsorge. Allein für die leistungsgestörten Schifffahrtsengagements in der Gesamtbank von 9,0 Mrd. Euro besteht eine Risikovorsorge von 5,4 Mrd. Euro und folglich eine hohe Abdeckungsquote von 60 Prozent. Bezogen auf alle NPEs im Konzern ist diese Quote immer noch bei guten 48 Prozent, hier korrespondieren 14,6 Mrd. Euro mit 7,1 Mrd. Euro Risikovorsorge.



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