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Hyperinflation und die Weltmärkte: Über einen lustigen Irrtum und das Wunder aus Venezuela

FMW-Redaktion

Vor einigen Tagen gab es aufregende Meldungen: die Marktkapitalisierung der globalen Aktienmärkte sei auf dem Weg zur geradezu magischen Marke von 100 Billionen Dollar! Aber stimmt das wirklich?

Zunächst einmal kann man festhalten, dass die Marktkapitalisierung der globalen Aktienmärkte seit dem Jahr 2009 ununterbrochen ansteigt. Nimmt man auch die Anleihemärkte in die Berechnung mit auf, ist die Gesamtbewertung so hoch wie seit dem Jahr 1900 nicht mehr. Goldman Sachs jedenfalls zeigte sich kürzlich besorgt und mahnte, dass die Sache so enden könne wie in den 1920er-Jahren mit der Großen Depression:

„The current valuation percentile is most comparable to the late 20s, which ended in the Great Depression“.

Während etwa die Aktienmärkte zur Zeit der Tech-Blase in den 1990er-Jahren noch etwas höher bewertet waren, waren damals die Anleihemärkte noch deutlich günstiger – was das Risiko eines massiven Rückschlags erhöht. Doch zurück zur Marktkapitalisierung der globalen Aktienmärkte, die von Juni 2017 von 74 Billionen Dollar auf nun 93 Billionen Dollar gestiegen sein soll. Mithin ein massiver Anstieg in so kurzer Zeit, wie war das nur möglich? Im Chart wäre das eine extrem steile Kerze, die der Erklärung bedarf!

Und die Erklärung ist, oh Wunder: diesen Anstieg der globalen Marktkapitalisierung hat es in der Realität gar nicht gegeben bzw. er fiel deutlich geringer aus als zunächst behauptet! Der Grund dafür ist ein ziemlich witziger Irrtum von einigen angelsäsischen Finanzagenturen, die gewissermaßen das Opfer eines Phänomens wurden, das ebenfalls zuletzt aus den 1920er-Jahren bekannt ist: die Hyperinflation!

Wo von Hyperinfaltion die Rede ist, kann Venezuela nicht weit sein! Der Aktienmarkt des Landes ist formal der am Besten laufende der Welt mit einem Anstieg von sage und schreibe 4000% (vor allem seit September)! Da kann etwa die Wall Street nur neidisch sein, auch der Bitcoin-Preis, der wie eine Rakete anzog in diesem Jahr, weist eine nicht annähernd strahlende Performance aus!

Das Problem ist nur: dieser Anstieg von 4000% erfolgte auf Basis der offiziellen Währung Venezuelas, des Bolivars – also jener Währung, die aufgrund der grassierenden Hyperinflation in Venezuela im freien Fall ist. Aufgrund dieser Kalkulation mit der offiziellen Währung nämlich hätte Venezuelas Aktienmarkt mit 19,5 Billionen Dollar nach den USA und noch vor China die höchste Marktkapitalisierung weltweit:

Um jedoch zu einer realistischen Größe zu gelangen, muß man also den realistischen Wert der bolivianischen Währung heranziehen, also jenen Kurs, der auf dem Schwarzmarkt gezahlt wird (dargestellt zum Beispiel bei https://dolartoday.com/).

Und die Moral von der Geschichte? Wer von einer Hyperinflation ausgeht, sollte für Aktienmärkte besonders optimistisch sein!


Die höchste jemals gedruckte deutsche Banknote (15. Februar 1924): 100 Billionen Mark



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3 Kommentare

  1. >>>Die höchste jemals gedruckte deutsche Banknote (15. Februar 1924): 100 Billionen Mark<<<
    Der Schein kommt wieder,nur mit Eurozeichen….ha ha ha
    Ist euch der Butterpreis noch zu wenig?

  2. „Wer von einer Hyperinflation ausgeht, sollte für Aktienmärkte besonders optimistisch sein!“

    Tolles Zitat! Das muss ich mir merken. Zeigt gut den Wahnsinn, auf den es sich zubewegen wird.

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