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Hypo Alpe Adria-Drama fast beendet: Gläubiger gewinnen

FMW-Redaktion

Schon beim Fall Argentinien zeigte sich: Die Gläubiger, die lange aushalten konnten, und stur auf ihren Forderungen beharrten, waren die großen Gewinner wenn es darum ging, die Anleiheforderungen vom Staat einzutreiben. Bei der österreichischen Horror-Bank Hypo Alpe Adria, die derzeit über das Vehikel HETA abgewickelt wird, hatte die Gläubigergemeinde das Einigungsangebot aus März mit 82% abgelehnt, und bekam zuletzt eine Nachbesserung angeboten. Diese wird aller Wahrscheinlichkeit nach jetzt angenommen werden.

Und so erschien heute früh das definitive Angebot des Kärntner Ausgleichszahlungsfonds. Das Bundesland Kärnten hatte damals für die Anleihen der Hypo Alpe Adria gehaftet, und sitzt nun mit im Boot. Man wird selbst richtig tief in die Tasche greifen, um eine 100%ige Haftung zu vermeiden. So hat der Fonds heute ein Angebot veröffentlicht, in dem das Zahlungsangebot des Bundeslandes + des Bundes enthalten ist. In einem Konstrukt aus Abkauf von Anleihen + Umwandlung in eine Nullkuponanleihe resultiert unterm Strich letztlich ein Resultat, dass den Gläubigern bis zu 90% Rückzahlung ihrer Ansprüche einbringt.

Die Gläubiger sind vielfach europäische Banken, zum Beispiel aus Deutschland. Die wurden schon vor Monaten von der EZB dazu gezwungen ihre Forderungen gegenüber der HETA mit 50% Verlust abzuschreiben, da die Lage lange unklar war. Jetzt können sie die Differenz von 50% rauf auf 90% wieder aus ihren stillen Reserven heben. Also ein Buchgewinn für viele Banken! Inhaber „normaler“ Anleihen gehen mit 90% effektiver Rückzahlung nach Hause, Inhaber von Nachranganleihen mit 45%. Das aktuelle Angebot läuft bis 7. Oktober, und bedarf einer 2/3-Zustimmung der Gläubiger. Unsere Prognose: Die werden es annehmen! Denn in den offiziellen Angebotsunterlagen ist auch mehrfach das Drohszenario „Insolvenz“ genannt. Kommt es nämlich zu keiner Annahme der Gläubiger, könnten oder müssten sie letztlich das Bundesland Kärnten in die 100%ige Haftung nehmen, wodurch Kärnten letztlich in die Insolvenz schlittern würde.

Die Folge wäre ein jahrelanger zäher Rechtsstreit über zu verwertende Vermögenswerte des Landes Kärnten. Dann doch lieber jetzt sofort die 90%-Quote annehmen, und man zieht einen Schlussstrich unter die Angelegenheit. Das Fazit: Gewinnen tun die Gläubiger. Für ihre Zinsen sind sie ein Ausfallrisiko eingegangen, welches jetzt durch staatliche Stützungsmaßnahmen fast komplett aufgefangen wurde. Verlierer ist der Staat Österreich, das Land Kärnten und natürlich der Steuerzahler. Man zahlt die Gläubiger aus, im Sinne der Staatsraison. Eine Staatspleite oder besser gesagt Pleite eines Bundeslandes würde sich auf den internationalen Kapitalmarkt nicht so gut machen, wenn es um zukünftige Schuldenaufnahmen geht. Auch geht es hier wohl um die generelle Verlässlichkeit Österreichs in Finanzfragen. Es hätte schon komisch ausgehen, wenn mitten in Europa ein Staatsorgan wie ein Bundesland von seiner Bundesregierung im Stich gelassen worden wäre.



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