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Deutsche Börse, ICE und LSE: Der Kampf und das Derivate-Clearing

Redaktion

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FMW-Redaktion

Gestern schaltete sich die Intercontinental Exchange (ICE) aus Atlanta in den Kampf um die London Stock Exchange (LSE) ein. Man werde evtl. ein Kaufangebot abgeben. Damit versucht man die Deutsche Börse an einer Fusion mit der LSE zu hindern. Wie wir schon letzte Woche erläuterten, würde die Fusion mit der LSE für die Deutsche Börse eher eine Art freiwillige Selbstabschaffung bedeuten, da letztlich wohl alle Leitungsfunktionen und Hauptgeschäfte nach London abwandern würden.

Aus Sicht der Kartellwächter dürfte oberflächlich entscheidend sein, welcher Börsenbetreiber wie viel Volumen am europäischen Aktienhandel kontrolliert. Die Deutsche Börse ist wohl hauptsächlich daran interessiert einen gigantischen europäischen Aktienhandelsplatz zu schaffen, aber auch ihr Geschäft im Clearing (Abwicklung) von Derivaten zu stärken. Und genau das ist für die ICE der entscheidende Punkt. Sie ist ein Terminbörsenbetreiber, der sich 2012 die New York Stock Exchange einverleibte.

Kurz danach machte man klar, dass man an der NYSE-Tochter Euronext gar kein Interesse hatte – also wurde die Euronext wieder in die Freiheit entlassen. Die Euronext-Terminmarkttocher LIFFE in London behielt man aber in der ICE-Familie – sie firmiert heute als „ICE Futures Europe“. Bei einem Kauf der LSE wäre ihre Clearingtochter das Juwel für die ICE. Denn mit den zunehmenden Regulierungsaktivitäten der Staaten für Derivategeschäfte werden Clearingstellen immer wichtiger als Cash Cow. Wer immer mehr Volumen abwickelt, kassiert auch immer mehr Gebühren. Und die Größe ist entscheidend.

Unternehmen die Derivate handeln, suchen sich die großen, am besten die größten Clearer. Die Deutsche Börse ist mit ihrer Tochter bereits ein großer Player in Europa. Ebenso ist die LSE mit ihrer 57%igen Tochter „LCH.Clearnet“ aktiv, an der ICE und Deutsche Börse ein enormes Interesse haben. Man könnte seine jeweils eigenen Clearinggeschäfte mit der LCH.Clearnet zusammenlegen und somit der große europäische Derivate-Abwickler werden. LCH.Clearnet ist weit vorne beim Abwickeln von Zinsswaps, Kreditausfallversicherungen, Rohstoffen, Anleihen und Währungen. Der Clearer tritt als „Zentrale Gegenpartei“ im Handel auf.

Bisher war es so, dass Banken und Broker als Gegenpartei für außerbörsliche Derivate-Transaktionen auftraten und so größere Gewinne einstreichen zu können. Die Politik drängt aber seit der Finanzkrise darauf immer mehr der außerbörslichen Transaktionen über „Zentrale Gegenparteien“ abwickeln zu lassen, die für mehr Transparenz sorgen und den einzelnen Handelsakteuren Risiken abnehmen sollen. Sie übernehmen dann das Risiko, falls eine der beiden Vertragsparteien einer Transaktion ihrer Verpflichtung nicht nachkommt.

Es ist durchaus möglich, dass die ICE letztlich nur scharf ist auf den Mehrheitsanteil der LSE an der LCH.Clearnet. Vielleicht reicht man die LSE nach einen Kauf genau so weiter wie einst die Aktienbörsen der Euronext? Gut möglich, denn das Clearinggeschäft ist bei de ICE deutlich im Vordergrund. Bankkunden von LCH.Clearnet haben zwar Klauseln in ihren Verträgen, das sie kündigen können, wenn der Clearer den Besitzer wechselt. Aber egal ob Deutsche Börse oder ICE: In beiden Fällen würde eine gigantische Clearingstelle entstehen, an der man als Kunde kaum noch vorbeikommt.

Warum also so eine Klausel ziehen? Die schiere Größe macht die Abwicklung für die Kunden einfacher. Steigende Preise mangels Konkurrenz sind wenig wahrscheinlich, da sich im Finanzmarkt schnell etwas ändern kann. Das sieht man in den letzten Jahren bei den Aktienbörsen. Gefielen den Banken die hohen Transaktionskosten der Börsen nicht, gründeten sie eben eigene Börsenplattformen für große Aktientransaktionen. Würde ein Clearer seine marktbeherrschende Stellung ausnutzen und Preise erhöhen, könnten große Banken relativ schnell ein neues eigenes Clearinghaus aus dem Boden stampfen.

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Hans-Werner Sinn: Warum die Inflation ausbleibt, und wann sie kommt

Claudio Kummerfeld

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Der ehemalige Chef des ifo-Instituts, hoch angesehene und bekannteste Ökonom Deutschlands Hans-Werner Sinn (hier jüngst im Gespräch mit Marc Friedrich) hat aktuell der Mission Money ein ausführliches Interview gegeben. Ein echter zweiter Lockdown müsse in Deutschland vermieden werden, so der Appell von ihm.

Die deutsche Wirtschaft wird laut Hans-Werner Sinn die zweite Corona-Welle überleben. Aber es werde eine große Pleitewelle geben. In einem ersten Schritt würden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz gehen, die bis jetzt dank ausgesetzter Insolvenzpflichten viel neue Schulden angehäuft hätten. Und erst in einem zweiten Schritt würde es dann die Banken hart treffen, weil die ja in Folge der Insolvenzen die Kreditausfälle zu verkraften hätten.

Hans-Werner Sinn mit Schwerpunktthema Inflation

Ein zentral wichtiges Thema im folgenden ausführlichen Interview ist die möglicherweise anstehende Inflation in Europa und Deutschland. Hans-Werner Sinn äußert sich hierzu ausführlich. Vor Corona habe die Geldmenge der EZB 3,2 Billionen Euro betragen, seitdem sei bis heute 1 Billion Euro dazugekommen. Bis Sommer 2021 werde die Summe auf 5,4 Billionen Euro anwachsen. Es entstehe ein gigantischer Geldüberhang.

Hans-Werner Sinn erklärt ausführlich seine große Sorge vor der anstehenden Inflation. Zunächst erklärt er ausführlich, warum es bislang trotz Geldschwemme keine Inflation in Form von Preisexplosionen gebe (ab Minute 23 im Video). Seine Ausführungen dazu sind hochinteressant. Das zusätzlich geschaffene oder besser gesagt in den letzten Monaten nicht ausgegebene Geld sei nicht aktiv, weil es herumliege. Bei den Bürgern auf den Sparkonten oder im Tresor. Bei den Banken liege es laut Hans-Werner Sinn herum zum Beispiel auf deren Zentralbankkonten. Es werde nicht vollständig als Kredit an Wirtschaft oder Verbraucher herausgereicht. Daher wirke die gestiegene Geldmenge nicht inflationär. Denn in Krisenzeiten würden sich die Menschen nicht trauen Geld auszugeben.

Aber nach der Krise, wenn es zum Beispiel einen Impfstoff gegen Corona gebe und die Wirtschaft wieder boomt, dann steige auch wieder der Optimismus bei den Menschen. Gewerkschaften würden höhere Löhne verlangen, die Unternehmen würden die Preise anheben usw. Die Inflation könne dann sehr leicht über das 2 Prozent-Ziel der EZB ansteigen. Dann müsse die EZB die Zügel anziehen. Aber dann stehe man vor einem gewaltigen Problem. Hierzu wollen wir die wirklich sehr interessanten und aufschlussreichen Ausführungen von Hans-Werner Sinn nicht vorwegnehmen. Schauen Sie bitte das Video! Nur so viel. Er erläutert auch dann möglicherweise anstehende Folgeeffekte wie dann platzende Luftbuchungen und ein Bankensterben.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: https://www.hanswernersinn.de/de/Bildarchiv

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Lockdown: Was läuft falsch bei den Corona-Maßnahmen?

Markus Fugmann

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Heute dürften in Deutschland und Frankreich neue Beschränkungen und Corona-Maßnahmen bis hin zum Lockdown verkündet werden. Im Grunde reagieren die durch die starken Anstiege alarmierten Regierungen in Europa alle ähnlich. Nach Informationen des Informations-Mediums für Intellektuelle, also bild.de, dürfen ab 04.November in Deutschland sich maxiximal zehn Menschen treffen, die wiederum maximal aus zwei Haushalten stammen dürfen.

Lockdown, Corona-Maßnahmen und Anreizkonflikte

Viele Menschen gehen davon aus, dass die Corona-Maßnahmen schon gerechtfertigt seien – auf der anderen Seite gibt es jene, die das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen latent verharmlosen – und nicht selten eine Verschwörung der Eliten vermuten zur Entmündigung der Bürger. Symbol dafür ist ihnen der Lockdown.

Nun müssen die Regierungen die Bevölkerung schützen – aber sind die getroffenen Maßnahmen gerechtfertigt? Professor Christian Rieck macht auf zwei zentrale Probleme der Maßnahmen deutlich, die häufig entweder zu „Überreaktionen“ oder zu „Unterreaktionen führen.  Es gebe viele „Anreizkonflikte“, die zu problematischen Reaktionen der Betroffenen führen, so Rieck.

In folgendem Video erklärt er, was er damit meint:

 

Lockdown und Corona-Maßnahmen - sind sie gerechtfertigt?

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Daniel Stelter: Die Zeitbombe tickt für Deutschland! Was jetzt passieren muß

Markus Fugmann

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Daniel Stelter zählt fraglos zu den besten Köpfen in Deutschland: Er zeigt immer wieder, dass das scheinbar so reiche Land in Wirklichkeit gar nicht so reich ist – und vor allem ab dem Jahr 2030, wenn die Babybommer in Rente gehen, die demografischen Probleme faktisch zu einer Unfinanzierbarkeit der Rentenversprechen führen.

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe Deutschlands

Was also tun? Als Pionier das Klima retten, wie Bundesregierung und EU propgaieren durch eine „Klimaplanwirtschaft„? Überall mehr Staat angesichts der massiven Einbrüche der Wirtschaft in der Coronakrise? Daniel Stelter plädiert für das Gegenteil: für einen funktionierenden Kapitalismus – denn die weiter ausgreifenden Versuche des Staates, die Wirtschaft zu lenken, wird die Wirtschaftstätigkeit bremsen statt zu beschleunigen.

Kürzlich hat Thorsten Polleit in seinem Buch  „Der Antikapitalist: Ein Weltverbesserer der keiner ist“ genau darauf aufmerksam gemacht: der Kapitalismus ist nicht unser Problem, sondern die Lösung – wenn man ihn denn funktionieren lassen würde. Aber der Ruf nach staatlicher Lenkung wird gerade in der Coronakrise immer lauter, immer tiefer mischt sich die „Obrigkeit“ in die Wirtschaft ein (etwa indem man die Insolvantragspflicht aussetzt und damit Zombie-Firmen weiter durchschleppt). Man kauft Zeit durch staatliche Rettungsmaßnahmen, ohne diese Zeit für Reformen zu nutzen. Alle reden „vom Verteilen und Besteuern“, statt die Wohlstandmehrung im Fokus zu haben – so formuliert es Daniel Stelter.

Fakt ist: „Die Lasten steigen, während unsere Wirtschaftskraft sinkt“, so der Ökonom. Also müsste die Struktur geändert werden – etwa bei der tickende Zeitbombe, der Rente. Hier schlägt Daniel Stelter einen Staatsfonds im Stile Norwegens vor, bei dem der Staat jedem Bürger unter 65 Jahren 25.000 Euro schenkt, die dann in die Finanzmärkte investiert werden. Auch in der EU müsste sich einiges ändern – und hier hat Stelter einen ungewöhnlichen Vorschlag: Deutschland und die andere Euro-Länder sollten sich auf Kosten der EZB entschulden können!

In folgendem Video fasst Stelter das zusammen, was für Deutschland und die Lösung seiner Probleme jetzt zwingend notwendig wäre:

 

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe in Deutschland

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