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ifo-Index überraschend gestiegen – Top-Analyst meldet Zweifel an!

Laut ifo-Index herrscht gute Laune im Einzelhandel

Wir hatten heute Vormittag um 10 Uhr berichtet. Der ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste deutsche Konjunkturindikator, war überraschend gestiegen von 90,7 Punkte im November auf 92,1 Punkte für Dezember (Prognose war 90,0). Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, meldet in einem aktuellen Kommentar Zweifel an bei diesem Anstieg des ifo-Index.

Es ist kein Geheimnis, dass die Industrie in Deutschland relativ ordentlich da steht. Vor allem die Nachfrage aus China ist ein Segen für die hiesigen Exporteure. Aber vor allem die Dienstleistungen machen der Volkswirtschaft schwer zu schaffen, wenn der Einzelhandel zu großen Teilen wochenlang geschlossen bleibt. Wie kann es also sein, dass gerade jetzt der ifo-Index sogar ansteigt?

Merkwürdiger Optimismus im ifo-Index bei den Dienstleistungen

Dr. Jörg Krämer verweist zunächst auch auf die zwar guten Daten aus der Industrie. Er erwähnt auch, dass die ebenfalls deutliche Erholung des ifo-Index für das Dienstleistungsgewerbe auf den ersten Blick dem Lockdown widerspreche. Allerdings befrage das ifo-Institut schwerpunktmäßig unternehmensnahe Dienstleister. Die aufgehellten Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate könne man mit der Hoffnung erklären, dass die bald beginnenden Impfungen die Pandemie eindämmen werden. Aber unklar sei, warum die Unternehmen auch ihre aktuelle Geschäftslage deutlich besser einschätzen würden, so Dr. Krämer.

Merkwürdig sei, dass sich laut ifo-Institut auch im Einzelhandel die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage verbessert haben soll, so Dr. Jörg Krämer. Dies lasse sich kaum damit erklären, dass 80 Prozent der Unternehmen noch vor Bekanntgabe des Lockdowns am vergangenen Samstag die Umfrage des ifo-Instituts beantwortet hatten. Denn im Vorfeld der Entscheidung habe sich schon abgezeichnet, dass auch die meisten Einzelhändler schließen müssen. Er setze daher ein großes Fragezeichen hinter das verbesserte Geschäftsklima im Einzelhandel.

Die Commerzbank hat die Folgen des Lockdowns für einzelne Branchen analysiert und mittels der Anteile der Branchen an der gesamten Wertschöpfung auf das Bruttoinlandsprodukt hochgerechnet. Demnach senke jeder Monat mit einem harten Lockdown das Niveau des quartalsweisen Bruttoinlandsprodukts um schätzungsweise 1,25 Prozent. Man erwarte nach wie vor, dass das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal gegenüber dem dritten um 1 Prozent sinken dürfte. Da ein Großteil des ersten Quartals ebenfalls vom Lockdown betroffen sein sollte, rechne man auch für das erste Quartal mit einem Minus (-0,5%). Richtig sei aber auch, dass die vom ifo-Geschäftsklima angezeigte Stärke im verarbeitenden Gewerbe das Hauptargument dafür sei, dass die Rezession im Winterhalbjahr viel milder ausfallen dürfte als die im Frühjahr 2020.

Positive Aussichten für nächstes Jahr

Aber wo viel Schatten ist, da erkennt man auch Licht am Ende des Tunnels? Dr. Jörg Krämer erwähnt auch positive Aussichten dank aufgesparter Geldbeträge bei den Konsumenten, die nach der Krise umfangreich in den Konsum fließen könnten (steht die Inflation ins Haus?). Zitat Dr. Jörg Krämer:

Nach der winterlichen Corona-Rezession sollte sich die Wirtschaft jedoch kräftig erholen. Erstens dürfte die Zahl der Neuinfektionen wie in diesem Frühjahr mit den wärmeren Temperaturen zurückgehen. Zweitens sorgen die Impfungen für mehr Zuversicht bei den Bürgern. Drittens haben viele Menschen wegen der beiden Lockdowns beträchtliche Ersparnisse gebildet. Diese belaufen sich bisher auf 4,5% des jährlichen verfügbaren Einkommens. Geben die Konsumenten ab dem Frühjahr nur einen Teil davon aus, schiebt das die Konjunktur kräftig an. Für den Durchschnitt des kommenden Jahres erwarten wir für das Bruttoinlandsprodukt ein Plus von 4,5%.



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