Europa

ifo Index vorzeitig veröffentlicht – Absturz, stärkster Rückgang seit 1991

Praktisch alle Sektoren in Deutschland stürzen ab - vor allem der Dienstleistungssektor

Das ifo Institut hat soeben per Pressemitteilung vorzeitig den ifo Index (Geschäftsklimaindex) für Deutschland veröffentlicht (was man bereits gestern ebenfalls mit einer Pressemitteilung angekündigt hatte). Und das Ergebnis ist so, wie man es eigentlich erwarten konnte, ja erwarten mußte: der ifo Geschäftsklimaindex stürzt so stark ab zum Vormonat wie seit dem Jahr 1991 nicht mehr – „die deutsche Wirtschaft stürzt in die Rezession“ wie der Verfasser der Pressemitteilung, ifo-Chef Clemens Fuest, griffig formuliert. Die Zahlen aus dem Vormonat hatten noch die Hoffnung auf eine Erholung der deutschen Konjunktur geschürt – aber das ist buchstblich Schnee von gestern!

Den ifo Index gibt es seit dem Jahr 1972 in regelmäßiger Veröffentlichung (hier Informationen zur Erhebung des Index).

Praktisch alle Sektoren in Deutschland stürzen ab – nur der Bausektor ist noch vergleichsweise optimistisch (der bekanntlich vor dem Coronavirus in einem scheinbar nie endenden Boom war). Besonders drastisch der Dienstleistungssektor (größer Rückgang seit Erfassung der Zahlen aus diesem Sektor) – kein Wunder angesichts des weitgehenden „shutdowns“ des öffentlichen Lebens in Deutschland, der besonders die meist ohnehin Margen-schwache Gastronomie hart trifft.

Lesen Sie hier die durchaus dramatische Pressemitteilung des ifo im Wortlaut:

„Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich massiv verschlechtert. Der vorläufige ifo Geschäftsklimaindex ist im März auf 87,7 Punkte eingebrochen, nach 96,0 Punkten im Februar. Dies ist der stärkste Rückgang seit 1991 und der niedrigste Wert seit August 2009. Insbesondere die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate verfinsterten sich wie nie zuvor. Auch die Einschätzungen zur aktuellen Lage sind deutlich gefallen. Die deutsche Wirtschaft stürzt in die Rezession.

In die vorläufige Auswertung gingen etwa 90 Prozent der üblichen Zahl der Antworten ein. Der Befragungszeitraum lag zwischen dem 2. und 18. März.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Geschäftsklimaindex auf den niedrigsten Stand seit August 2009 gefallen. Einen stärkeren Rückgang gab es im vereinigten Deutschland noch nie. Der Rückgang der Erwartungen ist mit Blick auf 70 Jahre Umfragen in der Industrie historisch einmalig. Der Indikator der aktuellen Lage sank weniger stark. In allen Industriezweigen ist der Geschäftsklimaindex gefallen, teilweise recht deutlich. Viele Unternehmen haben Produktionskürzungen angekündigt und ihre Exportpläne gekappt.

Im Dienstleistungssektor ist der Geschäftsklimaindikator so stark gefallen wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 2005. Dies gilt sowohl für die Einschätzung der Geschäftslage als auch für die Erwartungen.

Im Handel ist der Geschäftsklimaindikator eingebrochen. Die Erwartungen stürzten auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Auch die aktuelle Lage schätzten die Unternehmen merklich weniger gut ein. Groß- und Einzelhandel sind gleichermaßen stark negativ getroffen.

Im Bauhauptgewerbe ist der Index vergleichsweise moderat gesunken. Die aktuelle Lage wird gegenwärtig noch sehr gut eingeschätzt. Der Ausblick hat sich jedoch deutlich verschlechtert.“

Der Absturz des ifo Index ist historisch, allerdings liegt der aktuelle Wert noch deutlich über den Tiefs aus der Finanzkrise (hier die Historie der Index-Stände).

Wie dürfte es nun weiter gehen? Dazu schreibt das ifo Institut in einer separaten Pressemitteilung:

„Die Bekämpfung des Coronavirus stürzt Deutschland in die Rezession. „Prognosen darüber, wie tief die Rezession ausfällt, sind derzeit mit extrem hoher Unsicherheit behaftet. Deshalb ist es sinnvoll, verschiedene Szenarien in den Blick zu nehmen. Das ifo Institut betrachtet ein sehr günstigstes Szenario mit minus 1,5 Prozent Wirtschaftsleistung für das Jahr 2020. Dabei sind aber nur kleinere Einschränkungen in der Industrie berücksichtigt. In einem zweiten Szenario, das größere Produktionseinschränkungen unterstellt, schrumpft die Wirtschaftsleistung um 6 Prozent“, sagte ifo-Präsident Clemens Fuest am Donnerstag in München.“

Clemens Fuets verkündet die Zahlen des ifo Index



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3 Kommentare

  1. Welch eine Überraschung. Jetzt ist es nicht mehr zu leugnen, die Rezession steht vor der Tür. Die nächsten Jahre werden hart.

  2. Ich habe auf die Rezession schon die letzten 2 Jahre gewartet, und gerade aufgrund des Virus glaube ich, dass die wesentlich kürzer und schmerzloser sein wird. Auf der ganzen Welt wird eben noch viel hemmungsloser Geld in die Märkte gepumpt, und es wird für immer dort bleiben und es gibt wie schon immer im FIAT System (Außnahme BRD) verdeckte Inflation. Und es is noch immer jut gegangen. Wird es diesmal auch, und diesmal ist die Hilfe und das retten der UN durch den Staat noch viel einfacher, da aktzeptierter, denn wer stört sich schon daran, dass die UN und Selbstständigen Kredit vom Staat bekommen, wenn sie aufgrund des Virus schließen müssen.
    In ein paar Wochen alles wie vorher, nur dass die Staaten ein paar mehr Billionen Schulden aufgenommen haben, und teilweise weitergereicht haben.
    Zudem konnte man günstigst einkaufen gehen, es wird aufgrund der Unsicherheit der Lieferketten sogar evtl. wieder mehr in Europa investiert und wenn wir Glück haben, haben die Staaten gelernt und werden mal etwas Geld, hoffentlich sogar dauerhaft, in unser Gesundheitssystem investieren.

  3. Evtl. wird der nächste Monat nochmal ein Stück tiefer, ab dann rechne ich damit, gehts schon wieder aufwärts

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