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Europa

Immobilien Bauboom zu Ende – Offizielle Daten zeigen deutlichen Rückgang

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Man muss fairerweise sagen: Der Bauboom der letzten Jahre in Deutschland war gigantisch. Die Preise für Immobilien boomten. Jahrelang gab es ständig gigantische Wachstumsraten am Bau! Das konnte ja nicht ewig so weitergehen. Letzten Donnerstag zeigte bereits der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Baubranche für den Monat August ein weiteres Abrutschen in den negativen Bereich – ein extrem negatives Signal! Von Juli auf August sank er von 49,5 auf 46,3 Indexpunkte. Alle Werte unter 50 zeigen eine rückläufige Tätigkeit.

Heute hat das Statistische Bundesamt für den Monat Juni die offiziellen Daten für den Umsatz im Bauhauptgewerbe veröffentlicht. Also schauen wir hier zwei Monate in der Rückschau auf die Daten der Branche – während der PMI die aktuelle Lage zeigt. Der Umsatz geht im Juni im Jahresvergleich um 3,3% zurück. So schwach wie der PMI letzte Woche für August war – darf man dann davon ausgehen, dass die tatsächlichen Umsätze im Juli und August noch schlechtere Daten bringen als heute für den Monat Juni? War es das mit dem Boom bei Immobilien? Der Bauboom jedenfalls ist erst einmal zu Ende, wenn man auf diese Daten schaut.

Ein Blick in die Detaildaten zeigt, dass gerade die Teilbereiche der Baubranche noch stärker im Minus liegen als der Schnitt, bei denen es um den Bau von Immobilien geht. Der Bau von Gebäuden ist um 4,3% rückläufig. Dachdeckerei zeigt ein Minus von 4,2%. Dagegen sieht man zum Beispiel ein Plus von 2,6% im Bereich „Leitungstiefbau und Kläranlagenbau“. Schaut man auf den Vergleich eines größeren Zeitraums, nämlich Januar-Juni 2019 in Relation zu Januar-Juni 2018, dann ist der gesamte Umsatz im Bauhauptgewerbe noch satt im Plus mit 8,3%. Es ist also eine negative Entwicklung, die jetzt gerade aktuell beginnt.

Immobilien Baugewerbe Umsätze Juni

16 Kommentare

16 Comments

  1. Avatar

    Will_DM_wieder

    10. September 2019 11:51 at 11:51

    Seit über 30 Jahren schau ich regelmäßig vom Hügel in einer süddeutschen Großstadt über die Stadt und zähle die Baukräne (nur Wohnungsbau). Es waren im Schnitt in den letzten 10 Jahren immer etwa 3x so viele wie in den ganzen Jahren vor 2007.

    Was heißt das? Doch nichts anderes, als dass wir 10 Jahre lang eine 3x so starke Bautätigkeit hatten als normal. Und das heißt auch, dass inzwischen die Bauvorhaben der NÄCHSTEN 20 JAHRE vorgezogen wurden! Finanziert mit Luftgeld aus dem Nichts! Also frisch gedrucktem im Bankkeller (fractional reserve).

    Alle diese Häuslebauer und -käufer werden logischerweise die nächsten 20 Jahre als Kunden für die gesamte Bauwirtschaft ausfallen. Mein Beileid an alle am Bau tätigen. Bedankt Euch bei einem Draghi. Diesmal wird das Loch nicht wie normal 2 Jahre lang sein, sondern satte 20 Jahre!

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      tm

      10. September 2019 15:57 at 15:57

      „ass wir 10 Jahre lang eine 3x so starke Bautätigkeit hatten als normal.“

      Oder vor 2007 eine Bautätigkeit 67% unter Normalniveau – was immer das sein soll.

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        Will_DM_wieder

        10. September 2019 16:25 at 16:25

        tm: kann ein Zustand „Normalniveau“ sein, der schon nach 10 Jahren an die Wand fährt?

  2. Pingback: Meldungen vom 10. September 2019 – Teil 2 | das-bewegt-die-welt.de

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    Prognosti

    10. September 2019 12:35 at 12:35

    @Will DM wieder, Ja nicht nur in der Baubranche wurden die die nächsten Jahre vorgezogen,mit der Verschuldung u.den Nullzinsen werden auch die Altersrenten stark dezimiert.Ich bin gespannt ,wie lange es geht, bis die Erben dieser Verschuldungsorgie auf die Strasse gehen.

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    Stina

    10. September 2019 14:35 at 14:35

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    Michael

    10. September 2019 17:27 at 17:27

    Betrachtet man einmal die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Auftragseingang, sieht die Sache allerdings etwas anders aus:

    Im Vorjahresvergleich war der kalenderbereinigte reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im Juni 2019 um 4,4 % höher als im Juni 2018. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 stieg der Auftragseingang real um 5,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

    Höchster Auftragseingang in einem Juni seit 25 Jahren

    Im Juni 2019 lagen die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe in Betrieben von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen nominal mit rund 7,6 Milliarden Euro 2,9 % höher als im Juni 2018. Einen höheren Auftragseingang in einem Juni hatte es zuletzt vor 25 Jahren gegeben (1994: 7,9 Milliarden Euro). Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stiegen die Auftragseingänge in den ersten sechs Monaten 2019 nominal um 10,8 %.

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      Will_DM_wieder

      10. September 2019 18:20 at 18:20

      1) Den Zahlen einer Behörde, auf die Politiker „einwirken“ können und diese möglicherweise nur politisch korrekte Zahlen ausspuckt, traue ich schon lange nicht mehr.

      2) Unaufgeschlüsselte Zahlen sind wertlos. Wie sehen die Zahlen beim rein privaten Wohnungsbau aus? Wieviel von den Bauleistungen entfällt auf mit Steuergeldern errichtete Gebäude für die vielen Personen, die sich seit 2015 ohne Aufenthaltstitel (also illegal) im Lande aufhalten?

      3) Ein Zins von 0,5% für 10 Jahre zeigt, dass unter den Verschuldungswilligen die Verschuldungsfähigen ausgegangen sind, denn die haben alle schon eine Hypo an der Backe.

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        Michael

        11. September 2019 11:24 at 11:24

        @Will_DM_wieder, bis ins letzte Detail aufgeschlüsselte Zahlen finden Sie ebenfalls bei Destatis. Da Sie dieser Behörde jedoch nicht trauen, weil die Zahlen manipuliert sein könnten, hilft Ihnen das auch nicht weiter. Andere Quellen können sich dahingehend auch nur auf die Daten der Bundesbehörde berufen. Somit werden Skeptiker wie Sie wohl niemals die wahren Fakten eruieren können und immer im Nebel der puren Spekulation herumstochern müssen.

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    Immobilionär

    10. September 2019 18:23 at 18:23

    @Michael, bitte die Nachlaufzeit beachten.Der Auftragseingang/ Baubeginn kommt einige Monate nach Projektentscheid.

    • Avatar

      Michael

      11. September 2019 10:41 at 10:41

      @Immobilionär, das waren die Zahlen zum Auftragseingang, nicht zum Projektentscheid. Ich wollte damit auch nur meine Meinung bekunden, dass ich die Lage auf dem Bau nicht so dramatisch sehe, nur weil einmal ein Monat mit Rückgängen zu verzeichnen ist.

      Ich weiß zudem nicht, ob es einen Einfluss auf die Umsätze hatte, dass der Juni 2019 drei Arbeitstage weniger hatte als Juni 2018?

  7. Avatar

    Sumsi mit Po

    10. September 2019 18:34 at 18:34

    Rezession, Zusammenbruch, Arbeitsmarkt am Boden, Bauboom zu Ende, Deutschland am Ende, Europa am Ende, Planet Erde am Ende… Wer hier regelmäßig mitliest, muss schon ein sonniges Gemüt haben, um nicht in Depressionen zu verfallen. Ich muss jedes Mal an einen Song der Rolling Stones denken:

    I see a red door
    And I want it painted black
    No colors any more
    I want them to turn black

    I see the girls walk by
    Dressed in their summer clothes
    I have to turn my head
    Until my darkness goes

    • Avatar

      Will_DM_wieder

      10. September 2019 19:21 at 19:21

      Ist es denn wirklich übertrieben, nach dieser unglaublichen Gelddruckerparty und jahrenlangen Zinsen so tief wie seit 5000 (!) Jahren nicht mehr, als Kater ein Negativereignis zu erwarten ebenfalls in einer Dimension, wie seit 5000 Jahren nicht mehr passiert?

      • Avatar

        Hesterberg

        11. September 2019 11:05 at 11:05

        @Will_DM_wieder
        Das ist keineswegs übertrieben, es ist realistisch!

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    Torsten

    11. September 2019 00:04 at 00:04

    Schön wenn der Bauboom etwas nachlässt, ich komme nicht mehr hinterher mit Aufträgen.
    Und alles was gebaut wurde muss auch gewartet und in Ordnung gehalten werden.
    Keine Chance auf Faulenzen. :((

    Gilt aber nur für Leute die echte Arbeit verrichten.

  9. Avatar

    Immobilionär

    11. September 2019 12:04 at 12:04

    @Michael,ich bin gleicher Meinung, der Immobilienmarkt ist sehr träge, ( immobil) Wenn z.B.in Berlin aus bekannten Gründen gar Nichts mehr geplant würde, würde sich das erst in 2 bis 3Jahren auswirken.
    Das ist auch mit der Konjunktur so, wenn der GröPaz die Konjunktur gebremst hat ,wird sich das erst später auswirken. So ist auch eine Ankurbelung nur zeitverzögert möglich, d,h irgendwelche Massnahmen entfachen höchstens ein Strohfeuer.

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Europa

ZEW Index etwas besser als erwartet – Exporterwartungen verbessert

Redaktion

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am

Von

Jeden Monat wird der ZEW Index vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erhoben. Der Index gilt daher als ein wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die gerade veröffentlichten Daten sind wie folgt ausgefallen:

Der ZEW-Index (Konjunkturerwartungen Januar) ist mit +61,8 Punkten etwas besser ausgefallen als erwartet (Prognose war +60,0; Vormonat war +55,0).

Die Einschätzung der aktuellen Lage aber liegt bei -66,4 (Prognose war -68,5; Vormonat war -66,5) – damit sehen wir weiterhin eine starke Divergenz zwischen Erwartung und der Einschätzung der aktuellen Lage.

Laut ZEW sind es vor allem die verbesserten Exporterwartungen, die den Index nach oben gezogen haben!

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Europa

Autozulassungen in EU: Dezember-Zahlen glänzen, vor allem in Deutschland – warum wohl…

Claudio Kummerfeld

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Autos auf Parkplatz

Was für ein Schritt nach vorne. Wie der europäische Automobilverband ACEA heute früh meldet, haben die Autozulassungen im Dezember einen kräftigen Satz nach oben gemacht mit 1.031.070 PkW. Im November waren es noch 897.692 gewesen. Im Jahresvergleich zu Dezember 2019 ist es nur noch ein Minus von 3,3 Prozent! Und dieser Vergleich zum Vorjahr ist wohl der Entscheidende bei den Autozulassungen. Damit scheint die Krise optisch überwunden zu sein, nachdem der Autoabsatz in den letzten Monaten dank Corona brutal zusammengebrochen war.

Gesenkte Mehrwertsteuer half Deutschland im Dezember bei den Autozulassungen

Vor allem die Autozulassungen in Deutschland stechen positiv hervor. Von Dezember 2019 zu Dezember 2020 sehen wir sogar einen Zuwachs von 9,9 Prozent, von 283.380 auf 311.394 PkW. Gerade für Deutschland ist die Lösung dieses Rätsels sehr einfach. Im Dezember galt noch letztmalig die reduzierte Mehrwertsteuer. Gerade Käufer von hochpreisigen Produkten konnten somit nochmal auf den letzten Drücker nette Summen bei der Mehrwertsteuer sparen. Und so haben wohl zahlreiche Kunden ihre für 2021 geplanten Autokäufe noch schnell in den Dezember 2020 vorgezogen, und haben die Absatzzahlen nach oben gedrückt. Vermutlich dürften in Deutschland dann die Zahlen in den ersten Monaten 2021 mau ausfallen, weil diese Käufer dann fehlen?

Italien und Frankreich haben mangels Sondereffekten im Dezember nicht so geglänzt wie Deutschland. Hier waren die Autozulassungen im Jahresvergleich rückläufig mit -14,9 Prozent und -11,8 Prozent. Schauen wir mal auf den Gesamtjahresvergleich von 2019 auf 2020. Da lag die Gesamt-EU mit 23,7 Prozent im Minus. Deutschland lag bei -19,1 Prozent, Italien bei -27,9 Prozent, und Frankreich bei -25,5 Prozent.

Grafik zeigt Autozulassungen in der EU im Dezember 2020 und Gesamtjahr

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Europa

Gastgewerbe: So stark fiel der Umsatz im letzten Jahr

Claudio Kummerfeld

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Leere Stühle bei der Außengastronomie eines Restraurants

Das Gastgewerbe (Hotels, Restaurants, Catering) ist neben Reisebüros, Fluggesellschaften und anderen wohl mit am Schlimmsten betroffen von der Coronakrise. Heute hat das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung veröffentlicht, wie stark die Umsätze im Gastgewerbe im Gesamtjahr 2020 eingebrochen sind. Es ist ein Rückgang von 38 Prozent gegenüber 2019.

Für den Monat November liegen gesicherte Zahlen vor. Dazu drei Vergleiche: Im November 2020 fiel der Umsatz im Gastgewerbe gegenüber Oktober 2020 um 52,3 Prozent. Der Umsatz lag 67,4 Prozent unter dem Niveau vom Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahresmonat November 2019 war der Gastgewerbeumsatz 67,9 Prozent geringer.

Die Grafik ist aufschlussreich. Man sieht den ersten Absturz aus dem Frühjahr, von einem Normalwert bei 105,4 runter auf 26,2 Indexpunkte. dann im Jahresverlauf nach dem ersten Lockdown die Erholung auf 82,8 Punkte im August. Und dann folgt der zweite Absturz bei den Umsätzen im Gastgewerbe ab Oktober, runter auf 34,4 Punkte im November.

Grafik zeigt Verlauf der Umsätze im Gastgewerbe seit dem Jahr 2013

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