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Immobilien in Deutschland: Boom total! Oder doch nicht? Ansichtssache?

Immobilien Beispielhaus Deutschland

Der Boom bei Immobilien sollte eigentlich ein Ende haben. So sehen es zumindest die „Experten“ (dazu finden Sie hier unseren Artikel vom 23. September). Aber die Preise für Immobilien, die scheinen immer weiter zu haussieren. Laut dem aktuellsten Europace Hauspreisindex stiegen die Hauspreise in Deutschland im August um 9,56% gegenüber August 2018. Und laut den aktuellsten Aussagen der deutschen Statistiker sind die deutschen Baupreise für Wohngebäude im August um 4,1% gestiegen im Jahresvergleich.

Preise für deutsche Immobilien im europäischen Vergleich

Vermutlich (sicher ist das noch nicht) könnte der Immobilienmarkt just in diesen Wochen seinen Peak (Hochpunkt) erreichen. Wir merken das in den Zahlen aber noch nicht, weil wir die Daten für Oktober erst in den Monaten November und Dezember erhalten, oder auf Quartalsbasis erst im Januar. Das ist halt das Problem mit der Statistik. Richtig exakt weiß man es erst später. Aber kommen wir nun zu den Fakten auf Vergleichsbasis mit anderen europäischen Ländern. Laut den offiziellen Statistikern von Eurostat und ihren aktuellsten Daten sind die Hauspreise in der EU im letzten Quartal im Jahresvergleich um 4,2% gestiegen. Das ist natürlich ein Durchschnittswert.

In Deutschland lag die Steigerung bei 5,2%, also über dem Schnitt. Aber schaut man sich die Daten genauer an, gibt es doch drastische Abweichungen. Im übelst hart getroffenen Italien (Regierungschaos, Industriekrise, Bankenkrise) scheint der Markt für Immobilien schon voll im Eimer zu sein. Während wir hierzulande wie gesagt 5,2% zulegen, sind die Hauspreise in Italien um 0,2% rückläufig. Im 1. Quartal war es im Jahresvergleich bereits ein Minus von 0,9% in Italien. Gleichzeitig gibt es bei Immobilien offenbar in folgenden Ländern einen noch viel stärkeren Boom als in Deutschland. Kroatien, Ungarn und Portugal legen am stärksten zu um 10,4%, 14% und 10,1%. Auffällig ist, dass auch andere osteuropäische Länder massiv boomen wie zum Beispiel Polen und Tschechien mit +8,2% und +8,7%. In insgesamt 16 EU-Ländern steigen die Hauspreise derzeit schneller als in Deutschland.

Was lernen wir daraus?

Ein Mega-Boom bei Immobilien in Deutschland, das ist also wohl Ansichtssache. Einige Länder wie Spanien, Irland etc haben eh ganz andere Erfahrungswerte in Sachen Boom und Krise! Für den „normalen“ Verbraucher, der dank quasi Nullzinsen jetzt richtig schön günstig ein Häuschen kaufen möchte, für den sollte diese Warnung gelten: Bitte denken Sie dran… Sie haben zwar traumhaft günstige Finanzierungskonditionen, sie sparen also sehr viel bei den Zinsen. Aber gleichzeitig explodieren Ihre Kosten für das Baugrundstück sowie die Gewerke, die ihr Haus bauen. Ob sich die Niedrigzinsen für Sie also insgesamt rechnen, ist sehr schwer zu sagen. Am Ende kann der Boom bei Preisen für Immobilien wohl sogar dazu führen, dass viele Häuslebauer effektiv drauf zahlen, während sie sich über die niedrigen Zinsen freuen.

Immobilien - Hauspreise in Europa



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5 Kommentare

  1. Hohe Zinsen und niedrige Preise oder niedrige Zinsen und Hohe Preise. Da dürfte unterm Strich das gleiche rauskommen.

    Mal abgesehen von Spekulanten und den Mondpreisen in München dürfte das für den Normalo keine Rolle spielen. Wer vor ein paar Jahren dachte das wird nicht mehr lange so weiter dürfte immer noch in die Röhre gucken.

    1. @Übelkeit, ich denke nicht, dass die tieferen Zinsen den Anstieg der Baukosten auch nur im Ansatz egalisieren können. Ich habe das Ganze mal auf einem Finanzierungsrechner durchgespielt. Ausgangsbasis ist das Jahr 2005, in dem wir unser Haus gebaut haben. Vergleichsbasis ist 2019, hier wurde in unserem Baugebiet das letzte Grundstück verkauft und bebaut. Obwohl unser Grundstück 20% größer ist, das Haus ebenfalls 20%, dazu in wesentlich besserer und teurerer ökologischer Bauweise, habe ich nur die aktuellen Daten ohne diese Unterschiede verwendet. So, als wären die Größen und die Bauweise identisch. Das Eigenkapital beträgt jeweils 100.000 EUR, Dauer bis zur vollständigen Tilgung und somit Zinsbindung 15 Jahre.

      Fall 1:
      Kreditbedarf: 250.000,-
      Zinssatz: 4,5%
      Zinsen: 94.000,-
      Gesamtbelastung: 344.000,-
      Monatliche Rate: 1.917,-

      Fall 2:
      Kreditbedarf: 400.000,-
      Zinssatz: 1,0%
      Zinsen: 31.000,-
      Gesamtbelastung: 431.000,-
      Monatliche Rate: 2.394,-

      Die Gesamtbelastung ist um etwa 25% höher, die monatlichen Belastungen somit ebenso.

  2. @Michael: Jetzt müssen sie aber noch die Inflation in den Kontext setzen.

    Sie vergleichen 2005 mit 2019 also 14Jahre mit 25%Steigerung ohne Inflationsausgleich bzw. Gehaltssteigerung => das ist weniger als 2% Inflation, das finde ich gar nicht mal so ein schlechtes Angebot…meine Meinung

    1. @Z0P0, angesichts der genannten Steigerungsraten aus dem Artikel sollte man seine Investitionen in Immobilien dennoch genau abwägen. Ja nach Region und Einkommenssituation ergeben sich inzwischen sehr differenzierte Situationen.

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