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Immobilien-Boom im Zenit? Anstieg der Auftragseingänge optische Täuschung

Hausbau

Hat der Immobilien-Boom seinen Zenit erreicht? Letzte Woche fragte ich bereits, ob die immer weiter steigenden Baupreise, Immobilienpreise und nun auch die sehr schnell steigenden Bauzinsen in Summe nicht mehr tragbar sind für die Häuslebauer. Und letzte Woche zeigten die veröffentlichten Baugenehmigungen im Februar einen Rückgang von 6,6 Prozent im Jahresvergleich, und bei Einfamilienhäusern sogar einen Rückgang von 16,3 Prozent. Ist das ein erstes konkretes Anzeichen für das Ende des Booms?

Immobilien-Boom im Zenit? Auftragseingänge legen auf den ersten Blick weiter zu – in Wirklichkeit spürbarer Rückgang

Heute nun kann man sich erneut fragen, ob der Immobilien-Boom an einem Punkt angekommen ist, wo es nicht mehr weiter geht. Wissen tun wir es auch nicht – schlauer ist man immer erst hinterher. Aber ein weiterer Indikator zeigt aktuell rückläufige Zahlen. Das Statistische Bundesamt hat nämlich heute früh Daten für die Auftragseingänge im Baugewerbe veröffentlicht. Im Februar steigen sie im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,6 Prozent – aber nur nominell. Es ist eine optische Täuschung, dass der Bauboom weiter läuft. Denn real und kalenderbereinigt sinken die Auftragseingänge im Baugewerbe um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, und von Januar auf Februar, also auf eine sehr kurzfristige Sicht, sinken die Auftragseingänge real, saison- und kalenderbereinigt sogar um 2,7 Prozent.

Woher kommt diese große Diskrepanz der Auftragseingänge im Baugewerbe zwischen dem nominalen Wert und dem realen und kalenderbereinigten Wert? Die Statistiker dazu kurz und knapp: Der nominale Anstieg ist auf die deutlich gestiegenen Baupreise zurückzuführen. Der Anstieg der Auftragseingänge ist also eher eine optische Täuschung, und tatsächlich ist es wirklich ein Rückgang.

Umsatz im Baugewerbe auch zu hoch

Dass die Baugenehmigungen und Auftragseingänge im Baugewerbe jetzt rückläufig sind, aber die Umsätze dennoch weiter steigen, ist nachvollziehbar. Denn gerade beim Bau bedarf es nun mal eines monatelangen Vorlaufs an Planung, Materialbeschaffung, Beauftragung von Gewerken uvm. Bei den derzeitigen Problemen in den Lieferketten für Baustoffe dürfte die Verzögerung zwischen Unterschrift bei der Bank für den Hausbau und tatsächlicher Erstellung des Hauses noch viel größer geworden sein. Es ist also denkbar, dass der Immobilien-Boom – wenn man nur auf die Umsätze schaut – noch eine ganze Weile weiter gehen kann, während die neuen Aufträge und Genehmigungen rückläufig sind.

Wie heutige Zahlen der Statistiker auch zeigen, gibt es im Umsatz des Bauhauptgewerbes zwar einen Anstieg – der fällt aufgrund von Sondereffekten aber auch optisch höher aus. Der nominale Umsatz im Bauhauptgewerbe stieg im Februar 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat nämlich um 26,5 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro. Bei der hohen Umsatzsteigerung sind laut den Statistikern zwei Effekte besonders zu berücksichtigen: ein schwächerer Umsatz im Februar 2021 (also ein geringer Ausgangspunkt für die Berechnung), bedingt durch das Auslaufen der temporären Mehrwertsteuersenkung zum Jahresende 2020, sowie die stark gestiegenen Baupreise. Real stieg der Umsatz im Februar 2022 um 11,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Auftragseingänge im Baugewerbe als Indikator für Immobilien-Boom



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