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Die Regierung verbietet die Wahrheit Immobilien-Krise: China zensiert Zahlen

China mag Zahlen kontrollieren, die Realität des Marktes aber nicht

China zensiert Immobilien-Markt
Foto: Bloomberg

Peking zensiert die Immobilien-Krise: Wegen des Schocks um China Vanke verbot die Regierung die Veröffentlichung der Verkaufszahlen. Doch die Preisdaten belegen die tiefe Spaltung des Marktes und die Vernichtung von Vermögen.

Immobilien-Krise: China zensiert Zahlen

Die Immobilien-Krise zwingt Peking zur Zensur der Zahlen. Der Staat greift zur „nuklearen Option“, um die schmerzhafte Realität zu verbergen. Die Regierung versucht, die Lage hinter einem Vorhang aus Zensur und selektiver Datenfreigabe zu kontrollieren. Die Krise im chinesischen Immobiliensektor ist so tiefgreifend und die Auswirkungen auf das gesamte Finanzsystem so gravierend, dass die Veröffentlichung zentraler Marktindikatoren kurzerhand verboten wurde. Dies markiert einen historischen Tiefpunkt in der Markttransparenz der zweitgrößten Volkswirtschaft.

Immobilienmarkt: Die Regierung verbietet die Wahrheit

Auf Anweisung des Housing Bureau des Ministeriums für Wohnen und Stadtentwicklung (MoHURD) am 1. Dezember setzten Chinas wichtigste private Datenanbieter, die China Real Estate Information Corp. (CRIC) und die China Index Academy (CIA), die öffentliche Freigabe der monatlichen Verkaufszahlen der 100 größten Immobilienentwickler aus. Dies geschah, obwohl die Veröffentlichung der November-Daten fällig war. Analysten waren sich einig, dass die ungefilterten Zahlen einen noch dramatischeren Rückgang gezeigt hätten als der Einbruch von minus 41,9 Prozent im Oktober 2025, was eine Panikwelle hätte auslösen können.

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Die Konsequenz dieses Daten-Blackouts ist klar: Investoren und die breite Öffentlichkeit sind im Unklaren über das tatsächliche Verkaufsvolumen des Sektors. Schätzungen, die dennoch durchsickern, belegen die Schwere der Lage. Branchenberichte deuten auf einen Wertverlust von 36 Prozent bei den Top-100-Entwicklern im November hin, während Morgan Stanley für 25 große Bauträger sogar einen Rückgang von 42 Prozent im Jahresvergleich kalkuliert.

Goldman Sachs China-Chefökonomin Hui Shan warnte eindringlich: „Die Verschlechterung der Immobilienzahlen ist real und besorgniserregend.“

Immobilien in China: Metropolen stabil, Provinzen stürzen ab

Obwohl die Verkaufszahlen unter Verschluss bleiben, publizierte die CIA Preisdaten, die die Spaltung des Marktes eindrücklich belegen. Hier zeigt sich die ganze Härte der Krise, welche vor allem die ärmeren Regionen trifft. Der Gebrauchtimmobilienmarkt in den 100 größten Städten verzeichnete im November einen durchschnittlichen Preisverfall von 0,94 Prozent gegenüber dem Vormonat und 7,95 Prozent im Jahresvergleich.

In den Tier-1-Städten, also Städte wie Shanghai, Beijing, Shenzhen und Guangzhou, fielen die Preise für Gebrauchtimmobilien um 1,2 Prozent monatlich und 5,6 Prozent im Jahresvergleich. In den Tier-2-Städten, also etwa Chengdu, Chongqing oder Xiamen, sanken die Preise um 1,0 Prozent monatlich und 8,2 Prozent jährlich. Die dritt- und viertklassigen Städte, also die ärmeren Provinzen, verzeichneten Rückgänge von 0,8 Prozent monatlich und 7,5 Prozent jährlich.

Im Gegensatz dazu stiegen die Neubau-Preise dank gezielter Stimuli und hochpreisiger Projekte. In den Tier-1-Städten stiegen die Preise monatlich um 0,8 Prozent und jährlich um 6,7 Prozent. In den Tier-2-Städten gab es kleinere Zuwächse, während die unteren Kategorien leichte Rückgänge erlebten. Der durchschnittliche Neubau-Preis in den 100 Städten stieg monatlich um 0,37 Prozent. Diese wohlhabenden Metropolen repräsentieren allerdings nur einen Minderanteil der Gesamtbevölkerung. Die weiten, ärmeren Provinzen kämpfen dagegen mit massiver Überkapazität und treiben den breiten Marktrückgang voran.

Vanke: Staatsgarantien sollen Giganten retten

Die Entscheidung zum Daten-Blackout folgte unmittelbar auf den nächstens Schock im Markt: China Vanke, ehemals Branchenführer und das Symbol für Solidität, geriet massiv ins Wanken. Das Unternehmen, dessen Verkaufszahlen seit dem Höchststand 2021 um mehr als 80 Prozent eingebrochen sind, ersuchte Ende November erstmals um eine Fristverlängerung für die Rückzahlung einer 2-Milliarden-Yuan (ca. 260 Millionen Euro) Onshore-Anleihe.

Mit der Forderung nach Aufschub ändert sich die Lage fundamental. Vanke, das mit einer Gesamtverschuldung von 364 Milliarden Yuan (ca. 47,3 Milliarden Euro) kämpft, ist nun gezwungen, auf seinen größten Aktionär zu setzen. Dabei handelt es sich um das Staatsunternehmen Shenzhen Metro, den Betreiber der Shenzhener U-Bahn. Die staatliche Bürgschaft soll eine drohende Zahlungsunfähigkeit abwenden. Die Marktreaktion war brutal: Vankes Aktien fielen am 2. Dezember um bis zu 6,3 Prozent. Rating-Agenturen wie S&P und Fitch stuften Vanke massiv herab.

Experten warnen davor, dass Vankes Schicksal ein Vorbote weiterer Entwickler-Pleiten ist. Fitch Ratings prognostiziert, dass die Neubauverkäufe in Bezug auf die Fläche um weitere 15 bis 20 Prozent sinken, bevor eine Stabilisierung eintreten mag. Die Krise entlarvt eine tiefe politische Gefahr. UBS schätzt, dass bis 2027 über 2,4 Millionen Wohnungen zwangsversteigert sein werden. Diese Zahl steht für die Vernichtung von Wohlstand der chinesischen Mittelklasse. Sie stellt zudem die Erfüllung des unausgesprochenen Gesellschaftsvertrages in Frage. Dieser Vertrag sah vor, dass die Partei für wirtschaftlichen Wohlstand sorgt, während die Bevölkerung im Gegenzug die politische Alleinherrschaft duldet. Ein anhaltender Verlust von Vermögen durch Immobilien stürzt die Partei in eine große politische und ökonomische Gefahr.

Zensur in Shanghai: 70.000 Accounts gesperrt

Pekings Reaktion auf die sich vertiefende Krise ist neben dem Datenentzug die gezielte Eindämmung von Pessimismus im Internet. Im Rahmen einer „Spezialkampagne“ entfernten die Zensurbehörden in Shanghai in weniger als drei Wochen mehr als 40.000 Beiträge und sperrten über 70.000 Accounts, die „verzerrte“ oder „pessimistische“ Inhalte zum Wohnungsmarkt verbreitet hatten. Die Behörden drängen auf ein „sauberes, gesundes und solides“ Online-Umfeld für Immobiliendiskussionen.

In der sich zuspitzenden Krise greift die Partei auf vertraute Muster zurück. Schlechte Daten verschwinden einfach durch Zensur. Diese selektive Datenpolitik erweist sich jedoch als kontraproduktiv. Sie verspielt weiteres Vertrauen der Käufer und Investoren. Fehlende Transparenz verstärkt die Unsicherheit und verlängert die Krise. Die Regierung versucht, die Kontrolle über das Narrativ zu behalten. Doch die mangelnde Offenlegung der Verkaufszahlen behindert die Markterholung nachhaltig.

Die Krise zeigt einmal mehr. Ein autoritärer Staat wie China mag Zahlen kontrollieren, die Realität des Marktes bestimmt er damit nicht.



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