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Europa

Immobilien: Risiko für Käufer immer größer – Vulkan brodelt immer stärker

Claudio Kummerfeld

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am

Immobilien - Beispielbild Einfamilienhaus

Die große Sause bei Immobilien ist vorbei – so sagen es jüngst zumindest Wirtschaftsforscher. Der Abschwung hat begonnen, so jüngste Aussagen der „Experten“ (hier Aussagen vom 23. September). Das haben ihnen zumindest nach Umfragen die Führungskräfte aus der Branche erzählt. Und ja, nach Jahren des massiven Anstiegs der Preise für Immobilien aller Art muss die Hausse wohl auch irgendwann mal zu Ende gehen. Wer ganz im Hoch einsteigt als Spekulant oder Eigennutzer von Immobilien, hat das Nachsehen, wenn die Preise nach seinem Kauf fallen.

Preisboom bei Immobilien ungebremst

Aber während die Branche angeblich oder womöglich tatsächlich schon im Abschwung begriffen ist (mit im Negativ-Sog der Rezession in der Industrie?), steigen die Preise für Immobilien immer weiter an. Und das in einem unglaublichen Ausmaß! Europace zeigte jüngst erst für Juni einen um 5,2% steigenden Hauspreisindex im Jahresvergleich. Und heute haben wir vom Statistischen Bundesamt frische offizielle Daten für den Monat August erhalten. Die Baupreise für Wohngebäude steigen im Jahresvergleich um 4,1%. Im Mai 2019 (Zahlen werden alle 3 Monate veröffentlicht) hatte der Preisanstieg im Jahresvergleich bei 4,7% gelegen. Man kann es auch so ausdrücken: Je tiefer die Zinsen bei EZB und Banken, desto verführerischer sind Baukredite für die Konsumenten. Dass sie zwar Zinsen sparen, aber die Immobilien selbst immer teurer kaufen müssen, das mag manchem Käufer wohl kaum auffallen.

Immobilien Baupreise Wohngebäude

Umsätze im Baugewerbe steigen immer weiter an

Hier zeigt sich wohl ein Doppeleffekt. Steigende Preise + steigende Bauaktivität sorgen dafür, dass nach ebenfalls heute veröffentlichten offiziellen Daten die Umsätze im Baugewerbe weiter deutlich ansteigen. Im Juli ist es ein Anstieg von 5,6% im Jahresvergleich! In den ersten sieben Monaten 2019 stieg der Umsatz im Bauhauptgewerbe im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 7,7%. Dies zeigt auch in einem größeren Bild, wie stark die Branche offenbar immer noch im Aufwind zu sein scheint.

Haben die Experten dennoch recht? Sind wir jetzt direkt am Peak, also am Höhepunkt des Booms für Immobilien? Die Preise steigen noch weiter drastisch an, während die Rezession in der Industrie den Bau schon in Mitleidenschaft zieht? Schließlich zeigen die heutigen Daten ja Zahlen für Juli und August. Es kann also durchaus sein, dass die Experten recht behalten, und im September und Oktober Umsätze und Preise für Immobilien schon den Schwung verloren haben. Das werden wir dann in ein, zwei Monaten besser wissen. Wer jetzt Immobilien kauft, könnte womöglich exakt im Peak einer jahrelangen durch die EZB angefeuerten Hausse gekauft haben!

Hier noch weitere Aussagen der staatlichen Statistiker zum Umsatz im Baugewerbe:

Alle Wirtschaftszweige des Bauhauptgewerbes verbuchten Umsatzzuwächse im Vorjahresvergleich. Im Tiefbau stiegen die Umsätze im Juli 2019 gegenüber Juli 2018 um 4,7 % und im Hochbau um 2,4 %. Die Umsätze im Leitungstiefbau und Kläranlagenbau stiegen mit +13,4 % sowie im Wirtschaftszweig „Sonstige spezialisierte Tätigkeiten a.n.g.“ (zum Beispiel Schornstein-, Feuerungs- und Industrieofenbau) mit +13,0 % am stärksten. Den geringsten Umsatzzuwachs verzeichnete der Wirtschaftszweig „Sonstiger Tiefbau“ (zum Beispiel Wasserbau) mit +1,8 % gegenüber Juli 2018.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Hesterberg

    10. Oktober 2019 11:24 at 11:24

    Den meisten und gerade jungen Käufern fehlt die Vorstellungskraft, die Immobilienpreise könnten um 30 oder 40 Prozent einbrechen. Und noch weniger vorstellen können sie sich, die stark gesunkenen Preise könnten dann 10 oder 15 Jahre auf dem dann deutlich tieferen Niveau verharren. Wenn sie wenigstens wie früher üppige Zinszahlungen steuerwirksam einsetzen könnten, aber selbst damit können sie sich nicht mehr trösten. Dummerweise ist das ganze Eigenkapital nun in den eigenen vier Wänden gebunden und man hat keines mehr, um nach einem Aktiencrash günstig einzukaufen und seinen Einsatz innerhalb von wenigen Jahren steuerfrei zu verdoppeln. Dumm gelaufen!

    • Avatar

      Shong09

      10. Oktober 2019 12:52 at 12:52

      Oder man kauft eben einfach mit 50% Abschlag und hat einen gewissen Puffer. Zudem sind die Preise halb so wild, es kommt eher darauf an, ob der Rubel rollt und wo das Zinsniveau bzw die Geldmenge liegt.
      Zinskosten gibts übrigens bei Bonität quasi nicht mehr, fast alles nur noch Tilgung

    • Avatar

      Realist

      10. Oktober 2019 19:24 at 19:24

      Wie kann man in D Aktiengewinne steuerfrei vereinnahmen? Die Abgeltungssteuer von 25% plus Soli plus Pfaffenunterhalt gilt doch zeitlich unbegrenzt.

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      Drudenfuß

      10. Oktober 2019 22:26 at 22:26

      Das geht noch weiter: Wenn es kracht, kracht es richtig, dann reißt es den Euro um, und wir bekommen eine Währungsreform. Bei den Währungsreformen 1923 und 1948 wurden die Immobilienbesitzer per Zwangshypothek zur Kasse gebeten.
      Das kommt mit Sicherheit wieder, denn alle Papierwerte lösen sich dan in Luft auf, und der Staat hat keine andere Möglichkeit, als sich bei den Immobolienbesitzern zu bedienen.
      Wer anonym gekauftes Gold hat, grinst.

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        Realist

        11. Oktober 2019 11:09 at 11:09

        Nein, nicht die Besitzer (=die Bewohner, meist Mieter), sondern die Eigentümer (das sind die, die im Grundbuch stehen), an die wollen die Räuber dann ran. Juristisch ist es ja nichts anderes als Raub, wenn einem ein zuvor rechtmäßig vollständig erworbenes Eigentum unter Androhung von Gewalt auch nur zum Teil wieder weggenommen wird, damit man es ein zweites Mal bezahlen muss. Auch wenn dies „ganz demokratisch“ beschlossen wird, bleibt es Raub.

  2. Avatar

    Übelkeit

    11. Oktober 2019 10:28 at 10:28

    Erst einmal werden die Preise weiter steigen. Das Helikoptergeld, ähm Bedingungslose Grundeinkommen fehlt noch. Solange und erst recht wenn diese Bazzoka ausgepackt wird werden die Preise weiter steigen.

  3. Pingback: Meldungen vom 11.Oktober 2019 | das-bewegt-die-welt.de

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Europa

Kurzarbeit sinkt langsamer – Industrie mit 19 Prozent immer noch stark betroffen

Claudio Kummerfeld

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Arbeit in einem Metallbetrieb

Die Kurzarbeit in Deutschland geht zwar weiter zurück, aber nur noch sehr langsam. Das ifo-Institut liegt mit seinen Schätzungen die letzten Monate ziemlich gut, von daher kann man auch die heutigen Zahlen ernst nehmen. Laut ifo sinkt die Kurzarbeit im Oktober um 450.000 auf 3,3 Millionen betroffene Beschäftigte. Zuvor betrug der Rückgang rund eine Million Beschäftigte pro Monat. Damit seien nun noch 10 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kurzarbeit, nach 11 Prozent im September. Aber in der Industrie halte sich die Kurzarbeit laut ifo besonders hartnäckig mit einem Anteil von immer noch 19 Prozent oder 1,3 Millionen Menschen. Hier weitere interessante Detailaussagen von ifo im Wortlaut:

„Vor allem bei Metall, Elektro und Maschinenbau hat es praktisch keinen Rückgang gegeben. Bei den Autoherstellern und ihren Zulieferern sehen wir eine leichte Verbesserung auf schlechtem Niveau“, fügt Link hinzu. Die Metallbranche liegt mit 29 Prozent der Beschäftigten (330.000) ganz vorn, zusammen mit dem Maschinenbau mit ebenfalls 29 Prozent (320.000). Die Elektrobranche folgt mit 23 Prozent (185.000) vor dem Fahrzeugbau mit 21 Prozent (240.000).

Bei den Dienstleistern ist die Kurzarbeit nur von 12 auf 11 Prozent der Beschäftigten gesunken. Spitzenreiter ist hier weiterhin das Gastgewerbe mit 26 Prozent der Beschäftigten oder 290.000 Menschen. Aber auch bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, wie Zeitarbeit, Reisebüros und Reiseveranstalter sowie Messeveranstalter, sind es 17 Prozent oder 390.000 Menschen.

ifo Detaildaten zur Kurzarbeit im Oktober

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Europa

ifo Index schwächer, erster Rückgang seit sechs Monaten

„Die Unternehmen blicken deutlich skeptischer auf die Entwicklung in den kommenden Monaten“

Markus Fugmann

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Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für Oktober veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 92,7 (Prognose war 93,0; Vormonat August war 93,4) – der erste Rückgang nach fünf Monaten Anstieg in Folge

– aktuelle Lage 90,3 (Prognose war 89,9 ; Vormonat war 89,2)

– Erwartungen: 95,0 (Prognose war 96,5; Vormonat war 97,7)

Dazu ifo in einer Pressemitteilung:

„Die Stimmung unter den Unternehmenslenkern hat sich eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Oktober auf 92,7 Punkte gesunken, nach 93,2 Punkten[1] im September. Dies ist der erste Rückgang nach fünf Anstiegen in Folge. Die Unternehmen blicken deutlich skeptischer auf die Entwicklung in den kommenden Monaten. Ihre aktuelle Situation beurteilten sie hingegen etwas besser als im Vormonat. Angesichts steigender Infektionszahlen nehmen die Sorgen der deutschen Wirtschaft zu.

Im Verarbeitenden Gewerbe liegt der Geschäftsklimaindikator erstmals seit Juni 2019 wieder im positiven Bereich. Deutlich mehr Firmen waren mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Die Unternehmen konnten ihre Kapazitätsauslastung im letzten Quartal deutlich von 75,3 auf 79,8 Prozent steigern. Der zuletzt aufgekommene Optimismus mit Blick auf die kommenden Monate hat aber einen merklichen Rückschlag erhalten.

Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima hingegen merklich verschlechtert. Die Dienstleister waren weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Lage. Zudem ist der Optimismus der Vormonate zur weiteren Geschäftsentwicklung wieder verschwunden.

Im Handel ist Geschäftsklimaindikator leicht gesunken. Während die Händler pessimistischer auf die kommenden Monate schauen, waren sie mit den laufenden Geschäften zufriedener.

Auch im Bauhauptgewerbe ist die Aufwärtsbewegung des Geschäftsklimas gestoppt. Die Unternehmen korrigierten ihre sehr guten Einschätzungen zur aktuellen Lage deutlich nach unten. Auch ihre Erwartungen fielen etwas pessimistischer aus.“

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Schwache Dienstleister, starkes Gewerbe

„Dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für Oktober) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Wirtschaft:

Gesamtindex: 54,5 (Prognose war 53,2; Vormonat war 54,7)

Verarbeitendes Gewerbe: 58,0 (Prognose war 55,1; Vormonat war 56,4)

Dienstleistung: 48,9 (Prognose war 49,2; Vormonat war 50,6)

Damit bestätigt sich der Trend der letzten Zeit: Dienstleistung leidet, Gewerbe bleibt robust (noch?)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 47,3 schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war 48,0)

(Hinweis: das ifo Institut hat soeben mitgeteilt, dass die ifo Umfrage erst am Montag veröffentlicht wird, im Videoausblick hatte ich gesagt, dass die Zahlen heute um 10Uhr veröffentlicht werden).

Dazu kommentiert Phil Smith von Markit, das die Daten erhebt: „dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

„Die deutsche Wirtschaft hält sich angesichts der zweiten Corona-Infektionswelle erfreulicherweise ziemlich wacker, wie der Oktober-Flash zeigt.
Obwohl einige Dienstleistungsunternehmen unter den neuen Restriktionen und der zunehmenden Unsicherheit im Zusammenhang mit der ‘zweiten Welle’ leiden, hielten sich die Geschäftseinbußen hier insgesamt noch in Grenzen. Gleichzeitig hat die boomende Industrie der Konjunktur ordentlich Auftrieb verliehen. Folglich sieht es zunehmend nach einer Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten aus. Das verarbeitende Gewerbe ist bisher weniger stark von den neuen Restriktionen betroffen als der Servicesektor und hat zudem enorm vom wieder
florierenden Welthandel profitiert. Da sich immer mehr Industrieunternehmen dem Wachstumsniveau von vor der CoronavirusPandemie nähern oder es sogar schon erreicht haben, wird ein dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger. So sind die Erwartungen der Hersteller im Oktober auch erstmals seit siebenMonaten wieder leicht gesunken. Dennoch, Sorgenkind Nummer eins bleibt der Dienstleistungssektor.”

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