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Immobilienblasen: Die gefährdetsten Städte – Vancouver, London – und München!

Diesmal aber ist ganz sicher alles anders – so das Mantra jeder Blase..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Laut einer Studie der UBS (Global Real Estate Bubble Index) sind Vancouver und London die Städte mit den überbewrtesteb Hauspreisen der Welt. An fünfter Stelle folgt aber dann schon München, das im Vergleich zum Vorjahr, als die Stadt noch nicht unter den Blasen-Top-10 war, mächtig aufgeholt hat! Vor Münchnen liegen noch Stockholm und Sydney auf den Plätzen drei und vier.

muenchen_panorama
Fröhliche Blasenbildung in der bayerischen Hauptstadt München
Foto: David Kostner, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en

Was macht die Blasengefährdung aus? Dazu die UBS:

„House prices in the near-bubble cities have increased on average by almost 50 percent since 2011, compared with less than 15 percent in other financial centers (..) A change in macroeconomic momentum, a shift in investor sentiment or a major supply increase could trigger a rapid decline in house prices. Investors in overvalued markets should not expect real price appreciation in the medium to long run.”

Seit 2011 sind also in den gefährdetsten Städten die Preise um 50% gestiegen – und es braucht nicht viel, um dieses Kartenhaus zum Einsturz zu bringen. Nun sind aber gerade in den beiden Top-Blasen Städten Vancouver und London die Preise zuletzt stark rückläufig gewesen – in London wegen dem Brexit-Votum, in Vancouver, weil die dortigen Behörden eine Extra-Steuer eingeführt haben für ausländische Käufer (meist Chinesen, die Immobilienkäufe in Vancouver als Kapital-Flucht aus dem Yuan nutzten).

Und das bedeutet: die zwei größten Blasen sind bereits angestochen – und das ist kein gutes Omen für andere Städte im Blasen-Terrain! Man sollte daher etwa als Immobilien-Interessent in München die Warnung der UBS sehr ernst nehmen: „Investors in overvalued markets should not expect real price appreciation in the medium to long run“.

Was hat zu den Blasen geführt? Laut UBS ein Mix aus zu großem Optimismus, Gelder aus dem Ausland, und vor allem die ultralaxe Geldpolitik der Notenbanken haben die nicht nachhaltigen Preisexplosionen ermöglicht.

Gleichwohl ist der Optimismus nach wie vor groß, dass man mit einem Immobilienkauf in einer deutsche Großstadt wie München nichts falsch machen könne – Betongold eben. Aber wie Daniel Stelter in seinem beeindruckenden Artikel „Die Sandwich Generation“ klar gezeigt hat, stehen schon aufgrund der Alterung der Gesellschaft etwa in Deutschland absehbar immer mehr potentielle Immobilien-Verkäufer immer weniger potentiellen Immobilienkäufern gegenüber! Dass in einem solchen Umfeld dann Preise eher fallen als steigen, ist elementarste Logik der Ökonomie.

Für München formuliert die UBS das so:

„Germany’s economic boom and very expansionary monetary policy ended 20 years of real house price stagnation in 2010. Subsequently, Munich property prices rose by double digits and have increasingly lost touch with economic fundamentals. Affordability has also worsened in recent years. It now takes a skilled-service worker seven work years, an all-time high, to buy a 60m2 flat.“

Noch nie war also das Verhältnis zwischen Einkommen und Kaufpreis etwa in München so extrem wie derzeit! Das kann, das wird nicht immer so bleiben. Aber diesmal – so das Mantra jeder Blase in der Vergangenheit, diesmal ist alles anders!

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    m.d

    28. September 2016 14:05 at 14:05

    • Avatar

      Michael

      6. Dezember 2017 23:48 at 23:48

      Dieses Video ist nicht verfügbar, ansehen lohnt sich, klasse Link!

  2. Avatar

    Alexander Tecins

    28. September 2016 16:27 at 16:27

    Interessant ist das bereits die Abwanderung derer beginnt, welche vor
    ca. 8-10 Jahren nach München gekommen sind, aus HH/F/D/B etc.,
    des weiteren mag keiner die „Lebensart“ der Münchner, möchte da keinem
    zu nahe treten. So wie sie kamen, nach und nach werden sie gehen,
    auf einmal heißt es o…mei…o..mei , dann sind sie aber alle weg.
    Der Münchner geht eh nicht, d.h. er wird von der Preissteigerung nicht viel
    abbekommen, müsste sich ja teuer wieder hier einkaufen im Paradies .

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      28. September 2016 16:33 at 16:33

      @Alexander Tecins, waaaas, keiner mag die „Lebensart“ der Münchner? Damit treffen Sie mich als Münchner natürlich schwer; wobei aus der Ferne finden viele München gut, aber das Leben in München ist halt sehr hektisch und schnell (viel schneller als Berlin oder Hamburg), dazu öffentl. Verkehrsmittel immer gerappelt voll, und überhaupt zu wenig Platz (mit Abstand dichtbesiedeldste Stadt Deutschlands). Aber sonst „is scho schee“ – je weiter man weg ist.. oder man sitzt zufällig im Biergarten, da läßt sich wirklich aushalten. Das ist auch der einzige Ort, wo in München wirklich Toleranz herrscht (zumindest nach der dritten Maß…)

      • Avatar

        Alexander Tecins

        28. September 2016 16:43 at 16:43

        Da wir als „Zugezogene“ , sogenannte „Eigeblockte“ hier in München
        leben (müssen) können wir dem was sie schreiben Herr Fugmann
        aus Hamburg nur komplett beistimmen , aber was da jetzt toll sein soll
        an dem was sie schreiben müssen sie uns erklären . Grüsse

    • Avatar

      Michael

      6. Dezember 2017 23:41 at 23:41

      @Alexander Tecins, HH/F/D/B etc. darf sich gerne aus München verabschieden. Dann finden wieder viele „Eingeborene“ Wohnraum und können in ihre Heimat zurücksiedeln. Die „Lebensart“ wird nach der Invasion dann vielleicht wieder bayerisch gemütlich, und alle mögen sie wieder.
      O mei, o mei, koa Preißn, koa Gschrei ;)

  3. Avatar

    gerd

    28. September 2016 19:19 at 19:19

    Vielleicht weiß der Münchner auf Rügen, ah nee, das war glaube ich Wolfgang Fierek, der Münchner in Hamburg also, vielleicht weiß der noch, dass es in München (offiziell) ein Leerstandsverbot für Wohnraum gibt.
    Das heißt, alle Wohnungen sind belegt – wären aber auch ohne Verordnung ohnehin bewohnt – weil sie eben gebraucht werden.

    Ich glaube, eine Blase kann nur da platzen, wo eigentlich zuviel von irgendwas da ist, was eigentlich gar keiner haben will.

    Die Expertenanalysen warum die Preise so steigen, sind ja „geschönt“. Die Gründe sind zwar auch richtig, aber wie so oft in Deutschland, wird aus politischer Korrektness nur lückenhaft berichtet.
    In München gibt es knapp 40% Einwohner mit Migrationshinterund. Das sind rund 575000 Bürger von 1,5Mio. Und die leben nicht im Zelt, sondern die haben aufgrund ihres Bedarfs (Nachfrage und Angebot) natürlich die Preise hoch getrieben.
    Dafür müssen Hunderttausende Arbeiter jeden Tag reinpendeln. Und weil die Mieten nicht mehr tragbar sind, müssen weniger Begüterte wie Rentner und
    Finanzmarktwelt-Akteure die Stadt verlassen und aufs platte Land oder nache Hamburg umziehen.

    • Avatar

      gerd

      28. September 2016 19:30 at 19:30

      Nachtrag:
      Vor gut drei Jahren hatte München noch ungefähr 1,3Mio Einwohner
      und jetzt die genannten 1,5 Mio. Wo soll da eine Blase sein?
      Höchstens bei den Einwohnern.
      Aber nicht weil es zu viel Wohnraum gibt.
      Das war mal Anfang der 90ger Jahre nach der wiedervereinigung im Osten so.
      Da wurde gebaut auf Teufel komm raus. Oder auch vor 10 Jahren in Spanien.

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      Michael

      7. Dezember 2017 01:08 at 01:08

      Stellt sich die Frage, was in der Hauptstadt unterhalb des Weißwurstäquators, im Zentrum des national-christlich-sozialen Königreiches, im traditionell schwarz-braunen Refugium als Migrationshintergrund bezeichnet wird. Sind es Franken, Württemberger oder Badenser ;) Noch übler, sind es Ostdeutsche oder Preißn aus West- und Norddeutschland? Oder gar Ösis aus dem angrenzenden Osten? Oder sind es einfach wieder mal die bösen, bösen Typen alpin-süd-süd-west-süd-östlicher Abstammung?
      Oder sind es einfach geldgeile, moralfreie Abzocker aus der Bau- und Vermieterbranche, die die Preise hochgetrieben haben?
      Wie auch immer, in München waren die Immobilienpreise und Vermieter auch vor 40 Jahren ohne Migrationshintergrund schon außerirdisch unterwegs, relativ betrachtet eher noch höher. Ein Studienkollege von mir hat damals einmalig 100,- DM Belohnung vom Vermieter erhalten, weil er hinter einer Wand unter der Dachschräge ein paar weitere Quadratmeter „Nutz“fläche in einer Höhe von max. 50 cm gefunden hatte. Kurz darauf musste er ausziehen, weil der Vermieter diese Fläche in die Wohnung „integrieren“ wollte, angeblich umgebaut und die Miete in dem Zusammenhang gleich einmal um 10% erhöht hat.
      Sind es also die Migranten oder die Vermieter, die die Preise hochgetrieben haben?

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Asien

Coronavirus beendet australischen Weltrekord des „ewigen“ Wachstums

Ein unglaublicher Rekord wird zu Ende gehen, Down Under erlebt nach fast 30 Jahren wieder einmal eine Schrumpfung seiner Wirtschaft – das Coronavirus aber erfasst alle Ecken dieser Welt

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Es war eigentlich schon im letzten Jahr absehbar, als der Hunger nach Rohstoffen in China abebbte: Ein unglaublicher Rekord wird zu Ende gehen, Australien erlebt nach fast 30 Jahren wieder einmal eine Schrumpfung seiner Wirtschaft – das Coronavirus aber erfasst alle Ecken dieser Welt.

Konjunkturwunder in Australien vor dem Coronavirus

Rezession, was ist das?  Das dürften sich viele Erwachsene in Australien in diesen Tagen denken, wenn das Land in den Strudel vieler Länder gerät, die ihre Konjunkturaussichten infolge des Coronavirus in ungeahnte Tiefen absenken. Denn selbst gestandene Dreißiger dürften sich nicht mehr an die ersten beiden Quartale des Jahres 1991 zurückerinnern, als es zuletzt eine wirtschaftliche Schrumpfung auf dem fünften Kontinent gab – und auch noch eine sehr milde. Australien hatte schon im Jahre 2017 den bisherigen Rekordhalter, die Niederlande, als Wachstumswunder abgelöst, die eine Phase von 103 Quartalen Wachstum geschafft hatten. Jetzt ist es das Coronavirus, das mit seinen Bekämpfungsmaßnahmen ein Wirtschaften im üblichen Sinn unmöglich macht.

Die kommende Rezession

Egal wie erfolgreich ein Land im Kampf gegen das Coronavirus auch vorankommt: Covid-19 verschont keine Volkswirtschaft. Deshalb sind die Prognosen des Internationalen Währungsfonds für das Ausmaß der Rezession für Australien gar nicht so viel besser als für Deutschland: 6,7 zu 7 Prozent. Anders als in der letzen Schrumpfung im Gefolge der Subprime-Krise, als das deutsche BIP um 5,7 Prozent abstürzte, währenddessen Australien sogar noch ein zweiprozentiges Wachstum generieren konnte. Dafür gibt es natürlich ein paar handfeste Gründe. Australien ist ein Rohstoff-Reservoir ohnegleichen und für China der große Lieferant in seinem jahrzehntelangen Giga-Wachstum gewesen.

Man konnte in allen Bereichen liefern: Energie, Kohle, Erze, Metalle, alles was China für seinen Bauboom benötigte. Demzufolge kamen die ersten Wachstumssorgen schon 2019 auf, als Chinas Wirtschaft Gang für Gang zurückschaltete. Der globale Lockdown wegen des Coronavirus brachte dann den Kollaps der Rohstoffmärkte. Australischen Statistiken zufolge gingen im letzen Jahr 34 Prozent der Exporte des Landes noch nach China, gefolgt an zweiter Stelle von Japan mit 16 Prozent.

Aber damit könnte der fünfte Kontinent schon wieder etwas vorzeitigen Auftrieb bekommen, schließlich ist man im Reich der Mitte schon heftig damit beschäftigt die Produktion wieder hochzufahren, zumindest in die Nähe vorheriger Produktionskennziffern.

Das Rohstoffland Australien befindet sich in seinen Hoffnungen auf höhere Rohstoffumsätze und -preise in bester Gesellschaft, insbesondere in der der Ölstaaten. Kein Wunder, wenn der weltweite Flugverkehr zu zwei Drittel lahmgelegt wurde, Ozeanriesen und Kreuzfahrtschiffe in den Häfen stehen und 1,3 Milliarden Kfz weniger bewegt werden.

Coronavirus bereits unter Kontrolle?

In Sachen Coronavirus blicken viele Länder auf Down Under, um die Hintergründe zu erfahren, warum Australien nicht nur so wenig Coronainfizierte zu verzeichnen hat, sondern auch einen enorm raschen Rückgang dieser Zahlen erreichen konnte. Hier die letzten Zahlen der John-Hopkins-Universität:

Australien:

Insgesamt 6738 Infizierte, 88 Tote, 5626 Genesene und nur noch 1024 aktive Fälle.

Die Zahl der täglichen neue Infektionen mit dem Coronavirus kann man hingegen schon an Händen abzählen. Wieso hat der G20-Staat die Corona-Pandemie bisher so gut in den Griff bekommen? Man reagierte ähnlich wie andere südostasiatische Staaten mit einer frühen Eindämmung der Infektionsausbreitung. Konsequent durchgeführte Quarantänemaßnahmen und natürlich die besondere Lage des Inselstaates haben zu dieser Situation beigetragen. Ein großer Unterschied zu der Vorgehensweise der großen Bruderstaaten USA und Großbritannien, die sehr zögerlich mit ihren Maßnahmen vorgingen.

Auch in punkto elektronischer Überwachung der mit dem Coronavirus Infizierten ist Australien vielen Ländern voraus. Am letzten Wochenende hat man als erster westlicher Staat eine Corona-Warn-App eingeführt. Anscheinend mit großem Erfolg, denn schon in den ersten Stunden sei die App mehr als eine Million Mal heruntergeladen worden, so Australiens Gesundheitsminister Greg Hunt.

In einem Land mit 26 Millionen Einwohnern aber einer Fläche von 7,7 Mio Quadratkilometern (Deutschland 357.000) könnte man sich da schon etwas aus dem Weg gehen.

Australiens bisherige Bilanz im Kampf gegen das Coronavirus:

Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in Australien

Die noch am Coronavirus Erkrankten in Australien

Fazit

Sollte es in Down Under mehr als zwei Quartale wirtschaftlich abwärts gehen, hat ein fast 30 Jahre währender Wachtumszyklus sein Ende gefunden. Wie ungewöhnlich lang diese Periode gewesen ist, zeigt die Statistik der typischen Konjunkturzyklen. Normalerweise dauern Wirtschaftsaufschwünge um die sechs bis zehn 10 Jahre.

Der gerade zu Ende gegangene Zyklus in den USA war der längste seiner Geschichte, verlängert durch eine opulente Steuerreform und der Hilfe der Notenbank auf knapp 11 Jahre.

Rezessionen hingegen sind sehr viel kurzlebiger, so etwa 1,5 Jahre im Durchschnitt, mit Ausnahme der großen Depression von 1929 bis 1933 in den USA, die 43 Monate lang gedauert hatte.

Auch Deutschland hatte bereits sieben Rezessionen seit den 1960-er-Jahren erleben müssen, die tiefste während der Finanzkrise 2008/2009 mit gut minus fünf Prozent. Aktuell wäre man wahrscheinlich heilfroh, wenn es 2020 durch das Coronavirus mit einem solchen Minus sein Bewenden hätte..

Wegen des Coronavirus endet in Australien eine Rekordzeit ohne Rezession

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Coronakrise: Vorteil China gegenüber den USA am Automarkt

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Der Lockdown aufgrund der Coronakrise reißt riesige Löcher in die Staatsfinanzen der verschiedenen Volkswirtschaften  in der Welt, in die Bilanzen von vielen Unternehmen –  aber auch in die Budgets von Verbrauchern. Dabei ist der Konsum der ganz entscheidende Faktor in den Bruttoinlandsprodukten der Länder, nicht nur in den USA mit ihren aberwitzigen 70 Prozent, sondern auch in Deutschland (über 50 Prozent). Dabei kommt ein Produkt unter die Räder, von denen es in verschiedenen Modellen schon 1,3 Milliarden auf der Erde gibt – das Automobil. Ganz besonders betroffen sind die USA.

Vor der Coronakrise: Alles auf Pump

Klar werden auch in Deutschland Automobile geleast, auf Kredit gekauft, bestimmt über die Hälfte aller Neufahrzeuge. Nicht so wie in den 1970-ern, wo noch 70 Prozent der Privat-Pkw in bar bezahlt wurden. Damit kommt auf die deutsche Automobilindustrie in der Coronakrise ein zweifaches Problem zu: Erstens ein wochenlanger Produktionsausfall durch den Lockdown, auch infolge der Störung der Lieferketten. Fast noch schlimmer aber ist, zweitens,  die massive Verschlechterung der Solvenz vieler Leasing- und Kreditvertragskunden. So hat Daimler erst vorgestern bekanntgegeben, 400 Millionen Euro an Risikovorsorge für geplatzte Finanzierungungsverträge zurückstellen zu wollen. Der Autoverkauf läuft sehr stark über die Autobanken, die Automobilindustrie hat einen gewichtigen Anteil an der weltweiten privaten Schuldenwirtschaft.

Das Land der unbegrenzten Schulden

In den USA, wo die Beleihung von Kreditkarten zum Alltag gehört, wurde das Thema Autofahren auf Pump fast schon ins Exzessive getrieben. Man spart nicht auf ein eigenes Auto, sondern schließt einen Leasingvertrag ab, den man wiederum aus dem Gehaltskonto zu Monatsende abstottert. Aufgrund der niedrigen Zinsen hangelte man sich sogar immer höher in der Wagenklasse.

Da erkennt man sofort, aus welcher Richtung in Bälde ein richtiger Gegenwind wehen wird: Wie viele Amerikaner haben sich seit gut einem Monat arbeitslos gemeldet? Insgesamt über 26 Millionen US-Bürger! Fatalerweise standen viele von ihnen mit ihren Autokrediten schon Ende 2019 mit 1,3 Billionen Dollar in den Miesen, laut einem Bericht der US-Notenbank.

Diese Problematik gibt es natürlich auch in Deutschland, selbst die bayerische Nobelmarke BMW musste schon zu Zeiten der Finanzkrise zwei Milliarden Euro an Kreditausfällen abschreiben. Glücklicherweise gibt es noch den chinesischen Markt. Volkswagen hat trotz Coronakrise nicht nur alle seiner 23 Werke in China wieder in Betrieb genommen, das Land (war) mit 40 Prozent der Autoverkäufe auch der ganz große Treiber für den 11-Marken-Konzern.

Vorteil China in der Coronakrise

Bis vor Kurzem wollte man noch, auch auf Druck von Donald Trump, die Produktion von Kfz- und Autoteilen in den USA weiter erhöhen. Jetzt hört man die ersten Stimmen, die von Fernost als stärker zu präferierendem Ziel in der Zukunft sprechen. Hinzu kommt ein Vorteil, der in einer Schuldenkrise noch gewisse Vorteile besitzt: Der chinesische Markt hat schon einen über 20 Monate andauernden Schrumpfungsprozess hinter sich, nach einer enormen Phase der Überkapazitäten. Und noch eines zählt augenblicklich: Die Chinesen agieren noch wie die Deutschen im alten Jahrhundert – sie bezahlen ihre Vehikel zumeist bar, beziehungsweise nicht so sehr auf Kredit.

Die Coronakrise wird sich in den USA am stärksten auswirken

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Coronakrise: Warum China nicht mehr Wachstumsmotor sein wird!

China ein Doppelproblem: Verschuldung und Arbeitslosigkeit im Innern – und als Exportland eine fehlende Nachfrage der durch die Coronakrise lahmgelegten Rest der Welt

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Die Wirtschaftswelt blickt in der Coronakrise wieder einmal auf China: Die weltweite Pandemie um Covid-19 hat im Reich der Mitte ihren Anfang genommen und dort scheint man das Problem auch zuerst wieder in den Griff zu bekommen. Schon nach der Finanzkrise 2009 hatte China die globale Ökonomie mit riesigen Infrastrukturprogrammen wieder auf die Beine gebracht. Doch dieses Mal könnte es viel, viel schwieriger werden.

China, der stotternde Wachstumsmotor der Welt und die Coronakrise

In der heutigen Nacht wurden die Wachstumszahlen für das erste Quartal des Jahres 2020 veröffentlicht, das Virusquartal für die Volkswirtschaft China – und es wurde das schlechteste seit Jahrzehnten. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts betrug auf Jahresvergleich minus 6,8 Prozent, es war der erste Rückgang des Wirtschaftswachstums seit Beginn der offiziellen Quartalsveröffentlichungen im Jahr 1992. Die von Reuters befragten Analysten hatten mit minus 6,5 Prozent gerechnet. Doch auch im zweiten Quartal wird das Wachstum noch sehr bescheiden ausfallen, wie chinesische Volkswirte prognostizieren. Ein Hauptgrund dafür ist die stotternde Nachfrage aus dem Ausland wegen der Coronakrise. Chinas Industrie hat zwar die Produktion nach dem wochenlangen Shutdown wieder aufgenommen, aber man produziert sehr viel auf Lager, da die Nachfrage aus dem Ausland fehlt. Covid-19 hat die meisten Exportländer im Griff – und das ist der große Unterschied zur Finanzkrise und der raschen Erholung von damals – heute fehlen viele Kunden und damit die Nachfrage.

Chinas überragende Bedeutung für die Weltwirtschaft

Das Land mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern steht zwar nominal nur für etwa 16 Prozent des Weltsozialprodukts – aber für weitaus mehr, wenn man seinen Anteil am Wachstum der Welt betrachtet. Noch im letzten Jahr hatte dieser Anteil 46,3 Prozent am weltweiten Wirtschaftswachstum betragen, im Jahr 2012 sogar sagenhafte 76 Prozent, wie Daten des IWF zeigen. China hatte nach 2010 mit einem Stimulus von 500 Milliarden Dollar (dies entsprach 13 Prozent der Wirtschaftsleistung) die eigene Wirtschaft angekurbelt und der Welt zu einem Aufschwung aus der Krise verholfen. Dies wird – kurzfristig in der Coronakrise – und auch langfristig nicht mehr so möglich sein, zunächst einmal stehen große Teile der Weltökonomie still.

Chinas interne Probleme

Mit Spannung erwartete man aktuell auf Daten zur Arbeitslosigkeit, wobei man hierzu gleich einmal einwenden muss, dass es kaum eine Wirtschaftszahl eines großen Landes gibt, die so sehr von den Regierungsstellen beeinflusst wird. Über viele Jahre hinweg hatte diese Zahl fast eine Konstante um die 4 Prozent dargestellt. Im Februar musste selbst China einen Anstieg auf 6,2 Prozent vermelden, aktuell wurde heute Nacht ein Rückgang auf 5,9 Prozent verkündet.

Dies ist die offizielle Rate. Michael Pettis, ein Finanzprofessor an der Peking University, kommt auf andere Daten, denn China nimmt die 293 Millionen Wanderarbeiter, die einen großen Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung ausmachen, gar nicht erst in seine Statistik mit auf. Er schätzt, dass mindestens 10 Prozent dieser Arbeiter ihren Arbeitsplatz infolge der Auswirkungen der Coronakrise, vorrangig im Dienstleistungssektor, verloren haben. Seiner Meinung nach ist die Arbeitslosigkeit doppelt so hoch wie von der chinesischen Regierung angegeben.

Damit kommen wir zum zweiten Problem für die chinesische Volkswirtschaft. Diese hohe Arbeitslosigkeit wird Folgen für den Konsum haben. Auch im Reich der Mitte könnte es massive Probleme mit der Verbrauchernachfrage geben. Wie in anderen Ländern auch, werden die Bürger dauerhaft mehr sparen und weniger ausgeben. Interessanterweise hat man auch in China bereits begonnen, Gutscheine (Helikoptergeld) an die Bevölkerung zu verschenken. Bei Nachforschungen über deren Verwendung wurde festgestellt, dass es vor allem Lebensmittel und Zigaretten waren, für das dieses Geld ausgegeben wurde. Nicht etwa für Autokäufe, die im Januar um 90 Prozent, im Februar um circa 80 Prozent und im März um 40 Prozent wegen der Coronakrise eingebrochen waren. Außerdem hat auch Chinas Wirtschaft ein Problem, welches in vielen Ländern Sorgen bereitet.

Auch das „Institute for International Finance“ schätzt die chinesische Gesamtverschuldung auf 310 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt. Ein Faktor, der künftige Stützungsmaßnahmen limitiert, wie etwa eine größere Bazooka.

Vor Kurzem hatte man in China noch versucht, die vielen faulen Kredite der staatseigenen Firmen zu reduzieren, um das Problem der Stabilität nicht ausufern zu lassen. Nach Ansicht von Finanzexperten könnte China mit weiteren großen Fiskalpaketen noch abwarten, bis sich die globalen Nachfragebedingungen für die Produktion verbessert haben. Außerdem braucht das Land für die Herstellung von Gütern aus der Elektronik- und Automobilbranche viele Vorleistungen aus anderen Teilen der Welt – und dort ist in der Coronakrise derzeit zumeist „Ebbe“ angesagt.

Fazit: China fällt in der Coronakrise als Wachstumsmotor aus

Auch in der Volksrepublik China scheint eine Phase großen Wirtschaftswachstums zu Ende zu gehen. Nach regelmäßigen jährlichen Wachstumsraten von über 10 Prozent bis vor zehn Jahren, war die Quote auch größenbedingt gefallen, auf zuletzt 6 Prozent vor der Coronakrise. Überbordende Investitionen in die heimische Infrastruktur mit einer horrenden Verschuldung hauptsächlich staatsseigener Firmen haben die zweitgrößte Wirtschaft der Welt schon vor der Pandemie belastet. Wie oben dargestellt, war China der große Treiber für das globale Wachstum. Doch jetzt hat China ein Doppelproblem: Verschuldung und Arbeitslosigkeit im Innern und als Exportland eine fehlende Nachfrage der durch die Coronakrise lahmgelegten Rest der Welt. Globalisierung mag keine (trumpschen) Handelskriege – und sie verträgt erst recht keine pandemische Entwicklung. Aus der jetzigen dramatischen Entwicklung eines globalen Lockdowns kommt man nur gemeinsam wieder heraus, dies wird auch in China schmerzlich zu spüren sein.

In der Coronakrise wird China als Wachstumsmotor ausfallen

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