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Immobilienkredite: Rechenbeispiel zeigt den Grund für den Boom

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Günstige Immobilienkredite heizen Bauboom an

Die letzten Monate haben wir mehrmals über den gigantischen Boom bei Immobilien in den USA berichtet, was natürlich auch für die Immobilienkredite einen Boom bedeutet. Die Branchenverbände der Hypothekenfinanzierer in den USA sagen es ganz eindeutig, dass das niedrige Zinsniveau die Käufer in Massen antreibt, neue Häuser zu kaufen. Und in Deutschland? Da sieht das Bild kaum anders aus. Offenbar sind die Jahr für Jahr deutlich steigenden Preise (hier die aktuellsten Daten) für Immobilien kein echtes Problem.

Monatliche Belastung für Immobilienkredite halbiert

Denn die dramatisch gesunkenen Zinsen wirken sich für die Käufer von Häusern und Wohnungen auch hierzulande dramatisch positiv aus. Dazu gibt es ganz aktuelle Informationen des Finanzierungsexperten „Dr. Klein“. In der Datenanalyse zum Immobilienmarkt für September betitelt Dr. Klein seine Veröffentlichung mit den Worten „Von wegen Krise: Baudarlehen erreichen neue Rekordhöhe“. In einigen Gegenden scheine die Pandemie den Markt beflügelt zu haben – das Bedürfnis nach Sicherheit und Planbarkeit sei verbreiteter denn je.

Entsprechend seien die Deutschen bereit, immer mehr Geld für ihr Eigenheim aufzunehmen. Die durchschnittliche Darlehenssumme beträgt im September rund 292.000 Euro – ein neuer Höchstwert, so Dr. Klein (im September 2019 waren es noch 259.000 Euro). Hochinteressant finden wir die folgende Beispielrechnung anhand einer bestimmten Darlehenssumme und Tilgung, und dazu ein Vergleich mit den selben Parametern vor zehn Jahren. Zitat:

Möglich werden diese hohen Baufinanzierungssummen unter anderem durch die niedrigen Zinsen. Die Standardrate stagniert auf dem Allzeittief von 379 Euro für ein Darlehen über 150.000 Euro mit zwei Prozent Tilgung, 80 Prozent Beleihungsauslauf und zehn Jahren Zinsbindung. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren hat diese Musterrechnung eine Rate von knapp 700 Euro im Monat ergeben.

Vor zehn Jahren 700 Euro Belastung pro Monat für den Häuslebauer, und jetzt nur noch 379 Euro. Wer will da nicht zugreifen, und sich ein kleines Häuschen oder eine kleine Eigentumswohnung zulegen für gerade mal 379 Euro pro Monat? Der Run auf Immobilienkredite ist bei dieser Beispielrechnung mehr als verständlich. Selbst bei etwas teureren Häusern oder Wohnungen ist die monatliche Rate immer noch sehr gering. Während also auf der einen Seite Millionen Arbeitnehmer und Selbständige dank Corona vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, bringen die aktuellen Kapitalmarkt-Lockerungen für Menschen mit weiterhin geregeltem Einkommen traumhafte Konditionen für den Aufbau von Wohneigentum, was diese Bevölkerungskreise auch verständlicherweise ausnutzen.

13 Kommentare

13 Comments

  1. Pingback: Aktuelles vom 08.10.2020 | das-bewegt-die-welt.de

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    Paola

    9. Oktober 2020 19:57 at 19:57

    Wo in Deutschland bekommt man Bitteschön für 150.000 Euro ein Haus???

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      Savestrax

      10. Oktober 2020 11:16 at 11:16

      Eben

      Das fehlt hier ganz klar in der Rechnung.

      Wenn ich im Vergleich zu vor zehn Jahren doppelt soviel Kredit aufnehmen muss weil die Preise so stark gestiegen sind, bin ich auch wieder bei 700.

      Nicht zu vergessen die längere Gesamtlaufzeit, die durch niedrigere Zinsen bei ähnlicher anfänglicher Tilgung entsteht. Dadurch wird der Kredit auch wieder teurer. Das vergessen nämlich viele beim Abschluss.

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    Immobilionär

    10. Oktober 2020 11:46 at 11:46

    @Paola, war doch nur ein Rechenbeispiel, es könnte ja auch eine Wohnung sein oder ein Haus für den doppelten Preis. In diesem Fall müssten sie einfach die Beträge verdoppeln und si könnten dann die entsprechenden Kosten mit der Miete eines gleichwertigen Objektes vergleichen.
    Wenn das nicht möglich ist, sollten sie eher Mieterin bleiben und sich ein Leben lang über die Vermieter beschweren.

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    Musikfan

    10. Oktober 2020 11:54 at 11:54

    @Paola, wenn sie dieses einfache Beispiel nicht verstehen, sollten Sie die Sängerkarriere wieder aufnehmen
    und weiter ansparen.

    • Avatar

      Michael

      11. Oktober 2020 14:54 at 14:54

      @Musikfan, das ist noch lange kein Grund, gleich sarkastisch und persönlich zu werden. Das Rechenbeispiel ist zudem tatsächlich etwas reißerisch gewählt und erwähnt viele andere, wesentlich entscheidendere Faktoren nicht im Ansatz. Und es klingt tatsächlich auf den ersten Blick gerade so, als könnte man sich für 379 EUR p.m. ein kleines Häuschen kaufen oder entsprechend für 738 EUR p.m. ein fast schon richtiges Haus für die o.g. durchschnittliche Darlehenssumme von 292.000 EUR.

      Ohne einen Eigenkapitalanteil von 25% werden Sie wohl ohnehin keinen Kredit erhalten. Somit hätte das Objekt einen Wert von 380.000 EUR. Also wohl immer noch kein richtiges Haus oder aber in einer sehr, sehr ländlichen Gegend liegend. In Bayern liegt die durchschnittliche Darlehenssumme übrigens bei 375.000 EUR und der EK-Anteil bei 30%, was einem Immobilienwert von etwa 536.000 EUR entspricht. Klingt schon eher realistisch (für eine Doppelhaushälfte mit 350 qm Grundstück). Diese hohe EK-Summe ist der Grund, dass sich immer weniger jüngere Leute für eine Eigenheim interessieren, obwohl sie viel mehr Zeit für die Tilgung zur Verfügung hätten.

      Aber egal, rechnen wir mit den viel zu niedrigen Zahlen aus dem Beispiel weiter: Um ein Eigenkapital von etwa 100.000 EUR anzusparen, benötigt es bei einen Nettomedianeinkommen von knapp 1.900 EUR wohl mindestens 15 Jahre, was auch gut zum Durchschnittsalter der Ersterwerber von über 40 Jahren passt (in Städten über 100.000 Einwohner sind es über 45 Jahre).

      Bei den monatlichen Raten im genannten Beispiel ist nach den 10 Jahren Zinsbindung eine Tilgung von gerade mal 20% erfolgt, die Darlehensdauer bei gleichbleibend niedrigem Zinssatz beträgt über 40 Jahre. Da wäre der Ersterwerber dann 80 bis 85 Jahre alt. Um es bis zum Rentenalter zu schaffen, müsste er schon mehr als 1.000 EUR p.m. hinlegen (bei einem Netto-Medianeinkommen von 1.900 EUR).

      Nicht auszudenken, wenn nach den 10 Jahren Zinsbindung bei den zwei Anschlussfinanzierungen die Zinsen wieder gestiegen sind! Angenommen, nur um jeweils 0,75%. Dann wären monatlich bereits etwa 1.200 EUR nötig, um zum Renteneintrittsalter schuldenfrei zu sein. Die Rate entspricht natürlich dem Äquivalent der Kaltmiete, da Nebenkosten nicht enthalten sind. Reparaturen und Erhaltungsaufwand sollten in den knapp 30 Jahren besser auch nicht anfallen.

      Aus den genannten Gründen werden Ersterwerber immer älter und stagniert die Wohneigentumsquote in DE seit 10 Jahren und liegt an vorletzter Stelle in Europa, nur in der Schweiz sieht es noch übler aus. Man kann also nicht im Ansatz von einem Run auf Immobilienkredite sprechen! Dass die Baudarlehen neue Rekordhöhen erreichen, liegt an den utopisch steigenden Preisen und den höheren Kreditsummen, die benötigt werden. Es werden jedoch nicht mehr, sondern nur höhere, Kredite in Anspruch genommen.

      https://de.statista.com/statistik/daten/studie/155734/umfrage/wohneigentumsquoten-in-europa/
      https://bankenverband.de/blog/eigentumsquote-deutschland-stagniert/

      Der Artikel und vor allem das Rechenbeispiel sind also in der dargestellten Form mehr als irreführend, was Sie und Ihr kongenialer Partner offensichtlich nicht erkannt haben. Stellt sich die Frage, wer genau das Beispiel nicht verstanden hat…

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    Immobilionär

    11. Oktober 2020 15:58 at 15:58

    @ Michael, warum stellen sie das Beispiel von Kummerfeld so negativ dar, leben denn nicht gerade sie in einem abbezahlten Haus ? ( frühere Posts), und Spass verstehen Sie anscheinend auch nicht. Vergleichen sie doch einmal das entsprechende Finanzierungsbeispiel mit der Miete ,die für ein gleiches Objekt bezahlt werden müsste.Der Beitrag von H.Kummerfeld ist absolut einleuchtend und realistisch.In diesem Bereich , mit 40jähriger Erfahrung als Mieter und Vermieter lasse ich mir Nichts vormachen.Betongoldi Roberto würde mir sicher beipflichten

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      Michael

      11. Oktober 2020 23:04 at 23:04

      @Immobilionär, Chapeau! Sie beginnen, zu verstehen. Persönliche und sarkastische Kommentare sind wahrlich kein Spaß auf einer seriösen Plattform wie FMW, aber sei es drum.

      Gerade deshalb, weil ich in einem inzwischen abbezahlten Eigenheim lebe, das ich vor 15 Jahren neu gebaut habe, erlaube ich mir, meine echten und wahren Erfahrungen zu Nebenkosten, Anschlussfinanzierungen und Wertermittlungen zu veröffentlichen. Fakten also, denen völlig abwegige Theorien, Berechnungen und Schlussfolgerungen von Träumern und Blendern im Übermaß gegenüber stehen. Nicht zuletzt von Dr. Klein Immobilien, die im Internet eine idealisierte Parallel-Finanzierungswelt zur echten Welt verbreiten, wie ich, nebenbei bemerkt, aus Erfahrung zu berichten weiß.

      Wie dem auch sei, zurück zur Realität: Ein Nachbar, der parallel zu mir gebaut hat, hat sein Eigenheim vor einigen Wochen für 600.000 EUR verkauft. Gebaut hatte er vor 15 Jahren für 350.000 EUR. Damals finanziert zu anfänglich etwa 3,85%, mit Anschlussfinanzierungen zu durchschnittlich 1%. Der neue Eigentümer kauft nun ein 15 Jahre altes Haus (!!!) für 600.000 EUR + Maklerkosten + Notarkosten + Grunderwerbssteuer. Der Zinssatz liegt am Minimum, Anschlussfinanzierungen können nicht mehr relevant günstiger (eher nur noch deutlich teuerer) werden. Tilgungsraten bleiben derweil, was sie sind, nämlich absolut.

      Ob der neue Nachbar in 15 Jahren über seine dann 30 Jahre alte Bude, die er dann noch weitere 15 Jahre abbezahlen muss, so glücklich ist, wie Beton-Roberto, kann ich nicht beurteilen. Die Meinung dieser „Koryphäe“ interessiert mich ohnehin nicht die Bohne. Er hat als Spekulant oder Glückskind die Situation in Berlin vor 30 Jahren zu nutzen gewusst. Es sei ihm von Herzen vergönnt, zur aktuellen Situation hat er seitdem nicht das Geringste beitragen können. Sie als Mieter-Vermieter in Persona wissen da sicher besser Bescheid.

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    Michael

    11. Oktober 2020 22:30 at 22:30

    @Immobilionär, Chapeau! Sie beginnen, zu verstehen. Persönliche und sarkastische Kommentare sind wahrlich kein Spaß auf einer seriösen Plattform wie FMW, aber sei es drum.

    Gerade deshalb, weil ich in einem inzwischen abbezahlten Eigenheim lebe, das ich vor 15 Jahren neu gebaut habe, erlaube ich mir, meine echten und wahren Erfahrungen zu Nebenkosten, Anschlussfinanzierungen und Wertermittlungen zu veröffentlichen. Fakten also, denen völlig abwegige Theorien, Berechnungen und Schlussfolgerungen von Träumern und Blendern im Übermaß gegenüber stehen. Nicht zuletzt von Dr. Klein Immobilien, die im Internet eine idealisierte Parallel-Finanzierungswelt zur echten Welt verbreiten, wie ich, nebenbei bemerkt, aus Erfahrung zu berichten weiß.

    Wie dem auch sei, zurück zur Realität: Ein Nachbar, der parallel zu mir gebaut hat, hat sein Eigenheim vor einigen Wochen für 600.000 EUR verkauft. Gebaut hatte er vor 15 Jahren für 350.000 EUR. Damals finanziert zu anfänglich etwa 3,85%, mit Anschlussfinanzierungen zu durchschnittlich 1%. Der neue Eigentümer kauft nun ein 15 Jahre altes Haus (!!!) für 600.000 EUR + Maklerkosten + Notarkosten + Grunderwerbssteuer. Der Zinssatz liegt am Minimum, Anschlussfinanzierungen können nicht mehr relevant günstiger (eher deutlich teuerer) werden. Tilgungsraten bleiben derweil, was sie sind, nämlich absolut.

    Ob der neue Nachbar in 15 Jahren über seine dann 30 Jahre alte Bude, die er dann noch weitere 15 Jahre abbezahlen muss, so glücklich ist, wie Beton-Roberto, kann ich nicht beurteilen. Die Meinung dieser „Koryphäe“ interessiert mich ohnehin nicht die Bohne. Sie als Mieter-und-Vermieter in Persona wissen da sicher besser Bescheid.

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    Immobilionär

    12. Oktober 2020 09:28 at 09:28

    @Michael ,da schreibt wirklich ein Profi. Vom wichtigsten dem Grundstückspreis natürlich kein Wort.Ich habe ein 50jähriges Haus, das mit einer einzigen Renovation vor 30Jahren immer noch sehr gut vermietbar ist und nur das Grundstück ( 850m2 ) alleine heute den doppelten Wert hat wie die ganze Liegenschaft beim Kauf vor 30 Jahren. Wenn für sie ein 15jähriges Haus eine alte Bude ( Wegwerfartikel passt zu links/ grün ) ist und sie immer das Neueste möchten, müssten sie einmal vergleichen was das zur Miete kosten würde.
    P. S Noch zuzufügen, eine Renovation, Böden Wände,Küche Bad ist zum Preis eines Mittelklasse Autos zu machen.

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      Michael

      12. Oktober 2020 11:51 at 11:51

      @Immobilionär, Montag morgens gleich mal die Links-Grünen-Keule auspacken, und dabei fleißig Unwahrheiten verbreiten. Ich habe kein Wort von einen 15 Jahre alten Haus als alte Bude geschrieben!

      Was das Grundstück betrifft, mag die Wertentwicklung seit 1990 enorm gewesen sein, was bei 850 m² schwer zu Buche schlägt. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob diese Entwicklung, zumindest in den überteuerten Trendregionen, so ungebremst weitergeht. Der neue Nachbar musste bereits etwa 550 EUR/m² hinlegen. Allerdings sind es auch nur 423 m² (Doppelhaushälfte). Ob das Grundstück in 30 Jahren dann 900.000 EUR wert sein wird (2128 EUR/m²), wage ich doch schwer zu bezweifeln.

      Aber darum geht es ja gar nicht. Und auch nicht um Ihr Haus, von dem nie die Rede war. Es geht darum, dass die Zahlen von 379 bzw. 738 EUR p.m. für einen Hauskauf zu verniedlichend sind und in der Realität wohl das 1,5- bis 2-fache anzusetzen ist. Dass die Wohneigentumsquote seit 10 Jahren stagniert und meiner Ansicht nach deshalb kein sonderlicher Run auf Immobilienkredite zu verzeichnen ist. Die werden einfach immer höher, aber nicht wirklich mehr.

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    Immobilionär

    12. Oktober 2020 19:37 at 19:37

    @ Michael ,Sie haben Recht ,ich habe die 15 jährige Bude mit der 30 jährige verwechselt. Aber nichtsdestotrotz sehen sie die Immo-Situation m.M.zu schwarz.Eine Preissteigering von knapp 100% in 10Jahren ergibt eine jährliche Steigerung von ca. 7% . Im Vergleich zu 500% und fast 1000% zu den Ami-Indices ist das wenig und zudem erachte ich Immobilien als den realsten aller Realwerte, da Alles physisch vorhanden ist und keine Optionen und Termingeschäfte mit Hebelwirkung gemacht werden können.Zudem wird der überbaubare Boden immer weniger und darum rar.Eine 30 jährige Wohnung/ Haus ist nach einer sanften Renovation immer noch eine schöne Sache und gut vermietbar.

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    Hypokonder

    12. Oktober 2020 21:02 at 21:02

    Was noch zu bemerken wäre ,dass die Hypokredite als relativ sichere Kredite im Vergleich zu überschuldeten Ländern ,die knappe 1,2% Zins bezahlen, zu hoch sind . Sie müssten tiefer sein und somit könnte mehr zur Tilgung der Schuld beigetragen werden.Warum müssen überhaupt Hypotheken getilgt werden während bei den genannten Staaten meistens keine Tilgung vorgesehen ist, obwohl man weiss,dass auch die Schuld nie bezahlt werden kann.
    Fazit: Für die Banken sind Hypotheken ein gutes Geschäft auf Kosten der Besitzer und Mieter.Sogenannt neben den Nullzinsen für Sparer eine weitere Volksenteignung .

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Zinsen und Banken – „Verwahrentgeld“ auf dem Vormarsch

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Wer glaubt, sich der finanziellen Repression so leicht entziehen zu können, irrt vermutlich: Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen für Bankeinlagen, auch „Verwahrentgelt“ genannt. Hat man auch seine Reservegeldhaltung zurückgeschraubt, wird man von der Anhebung der Gebühren betroffen.

Negative Zinsen: Immer mehr Banken..

Still und leise erhöht sich die Zahl der Kreditinstitute, die von ihren Kunden Strafzinsen oder so genanntes Verwahrentgelt für ihre Einlagen verlangen. War bisher eine Summe von 100.000 Euro davon nicht betroffen, so ist das nicht mehr allzu oft der Fall. Allerdings dürfen die Banken nicht so einfach negative Zinsen erheben, sondern sie brauchen zunächst die Einwilligung ihrer Kunden. Ja wohin ausweichen, wenn es immer mehr Banken gibt, die aufgrund der Zinsssituation auf diese Einnahmequelle zurückgreifen?

Das Verbraucherportal Biallo (ebenso Verivox) hat 1300 Banken untersucht und festgestellt, dass 214 Kreditinstitute in bestimmten Fällen Verwahrentgelt verlangen – 20 mehr als vor Monatsfrist, seit Jahresanfang haben sich 150 Geldinstitute zu diesem Schritt entschieden.

Gab es zunächst überall den Freibetrag von 100.000 Euro, so wird dieser schrittweise abgesenkt, auf 50.000, 10.000 oder sogar auf 0 Euro, auch von Volksbanken. Bisher beläuft sich der Minuszins auf 0,5 Prozent, aber es gibt bereits eine Sparkasse, die bei minus 0,75 Prozent angekommen ist.

Die Ursache für das Verhalten der Banken ist schon ein paar Jahre alt.

Bereits im Jahre 2014 hat die Europäische Zentralbank begonnen Negativzinsen von den Geschäftsbanken zu verlangen und diesen Zinssatz für kurzfristige Einlagen im vergangenen Jahr auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Aus den letzten Äußerungen seitens der Notenbanker ist nicht zu erwarten, dass die Zinsen angehoben, sondern die Geldpolitik eher noch gelockert wird. Damit dürfte der Trend zum Verwahrentgelt noch zunehmen.

Jetzt auch Direktbanken

Bisher lehnten sich manche Bankkunden locker zurück, angesichts der neuen Konkurrenz für die alten Geldinstitute – filiallose Direktbanken. Doch ausgerechnet die Handybank N26 verkündete jüngst, Strafzinsen für das Girokonto einführen zu wollen. Zunächst erst ab 50.000 Euro, aber dieses Vorhaben steht im krassen Widerspruch zu dem vor Jahresfrist geäußerten Versprechen auf Negativzinsen zu verzichten. Wird dies eine Welle auslösen, bei der Konkurrenz wie ING, DKB, Consorsbank, Flatex u.a., die als Ausweichsort gesehen wurden, um den Gebühren von Genossenschaftsbanken und Sparkassen zu entgehen? Ein bisschen Verwahrentgelt, was soll’s?

Eine ganze Menge, sollte sich dieser Trend durchsetzen. Schließlich liegen derzeit gigantische 2,489 Billionen Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten. Für diese Summe nur 0,5 Prozent einbehalten – und schon wäre man bei einer zweistelligen Milliardensumme.

Wie lautet seit Langem eine Empfehlung der Vermögensberater für die Reservegeldhaltung der Konsumenten? Man solle auf dem Girokonto eine Notreserve halten, die etwa drei Monatsgehälter beträgt. Und zwar nicht nur für ein paar Wochen, sondern länger und für etwaige größere Anschaffungen.

Die Neigung des Deutschen zur großen Geldhaltung mit ihrem obersten Befürworter, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, hat zu einem gewaltigen Depotvolumen geführt.

Die oben genannte Verfügungsmasse liegt im Wert höher als alle deutschen Aktien zusammen und sogar doppelt so hoch wie die Bewertung des deutschen Leitindex, Dax. Damit sieht man auch, dass ein Crash am deutschen Aktienmarkt wesentlich weniger Vermögensschäden hervorrufen würde, als bei den Amerikanern, wo allein die über 28 Billionen Dollar des S&P 500 einen weit höheren Wert repräsentieren, als das gesamte Bruttoinlandsprodukt der USA.

Fazit

Die finanzielle Repression schlägt hierzulande weiter zu. Nach und nach werden die Freibeträge für die Geldkonten abgesenkt.

Da die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik eher noch lockert – bei der Sitzung im Dezember? – aber bestimmt nicht die Zinsen erhöht, dürfte die Zahl der Banken, die negative Zinsen weiterreichen, noch größer werden.

Keine Zinsen mehr am Anleihemarkt, Strafzinsen auf dem Geldkonto, wozu führt das? Nicht schon wieder das Akronym „TINA“..

Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen auf Einlagen

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Gold, Dollar, Öl, Aktienmärkte: Was passiert nach der US-Wahl?

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Das Thema, wie sich die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen auf den Gold auswirken werden, wird viel diskutiert und ist mit Unsicherheit behaftet. Wenn die Ergebnisse zu einem stärkeren Dollar führen, bedeutet dies einen niedrigeren Preis für Gold, und ein schwächerer Dollar bedeutet (in der Regel) einen höheren Goldpreis. Das Wahljahr verursacht mit Sicherheit viel Volatilität, und die Anleger erwägen derzeit drei mögliche Szenarien für den Goldpreis nach dem Wahltag.

In einem dieser Szenarien muss der US-Wahltag für einen Anstieg des bei Gold dazu führen, dass Biden Präsident wird, da viele glauben, dass der Dollar dann fallen wird (aufgrund des größeren Stimulus). Und im Gegenteil, bei einem sinkenden Goldpreis wird der Wahltag mit der Wiederwahl von Trump enden müssen, was zu einem stärkeren Dollar führen sollte. Die Ergebnisse der Wahlen im Jahr 2020 könnten jedoch genau den gegenteiligen Effekt haben – und das ist es, was die Marktsituation noch spannender macht.

Der Ölpreis ist vom Wahlergebnis genauso abhängig wie so ziemlich alle anderen Rohstoffe. Und laut Goldman Sachs müssten die US-Wahlen Biden als neuen POTUS hervorbringen, damit wir einen Anstieg des Ölpreises erwarten können (weil dann die Produktions-Kosten für Öl steigen würden). Aber selbst wenn das Gegenteil der Fall sein sollte, drückte der Investmentbankgigant sein Vertrauen in einen steigenden Ölpreis aus – Wahlergebnisse beiseite.

Und wie wird sich die US-Wahl auf den Aktienmarkt auswirken? David Jones, chief market strategist bei capital.com, blickt auf den S&P 500, auf Gold, den Dollar (Euro-Dollar) und schließlich auf den Ölpreis – und analysiert, welche Auswirkungen ein Sieg von Biden oder von Trump haben würde:

 

 

 

 

Was passiert nach der US-Wahl mit Gold?

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Brexit: Wem schadet er mehr, der EU oder den Briten?

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Angesichts des Anschwellens der Coronazahlen und der großen Spannung vor den US-Wahlen, sind die Verhandlung um den Brexit der Briten ein wenig in den Hintergrund gerückt. In dieser Woche läuft wieder einmal ein Ultimatum aus. Kommt es noch zu einer Einigung vor dem endgültigen Datum, dem 31. Dezember? Und gibt es schon Fakten zu den Frühschäden des Austritts der Briten?

Brexit: Was für Folgen hätte ein No-Deal?

Darüber wird schon seit dem Referendum über den Brexit von 2016 gemutmaßt. Fakt ist bereits, dass bis zum Ende des letzten Jahres Ende 2019 die Investitionen bereits um mehr als 15 Prozent hinter dem Durchschnitt der Vorjahre zurückgeblieben sind. Doch sollte es bis zum 31. Dezember keinerlei Vereinbarung geben, wird dies in jedem Fall wirtschaftliche Auswirkungen auf beiden Seiten haben. Wie waren die bisherigen Wirtschaftsbeziehungen?

Der Export von Gütern und Dienstleistungen der Briten in die EU betrug bislang etwa 14 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes, im Falle der EU in Richtung GB betrug der Anteil nur ganze drei Prozent.

Von Seiten deutscher Unternehmen hat man die lange Zeit seit dem Referendum nicht untätig verstreichen lassen. So ist der Export von Deutschland auf die Insel von 2016 bis vor Kurzem von 7,5 auf 5,6 Prozent gefallen. Gerade in letzter Zeit haben die hiesigen Unternehmen registriert, mit welcher Verbissenheit Boris Johnson den harten, kompromisslosen Brexit vorantreibt. Es ist wie zumeist an der Börse: Was man lange hat kommen sehen, wird versucht zu antizipieren, um den schweren Folgen entgegenzuwirken. Schocks entstehen immer durch das Unerwartete aus heiterem Himmel oder gar durch den berühmten „Schwarzen Schwan“. Klar wird ein harter Brexit beide Seite treffen, mancher Ökonom rechnet für Großbritannien mit einem Rückgang des Trendwachstums um 1,5 Prozent.

Aber wird es keinerlei Vereinbarungen auf dem so bedeutsamen Finanzsektor oder im Güter- und Reiseverkehr geben oder gar beim Handel mit Medikamenten? Zu Zeiten von Corona, wo dem schwedisch-britischen Pharmakonzern AstraZeneca mit seiner Impfstoffentwicklung eine entscheidende Rolle zukommen könnte? Die Pandemie jedenfalls kommt für Großbritannien mit seinem Austrittsvorhaben praktisch zur Unzeit.

Die aktuelle Coronakrise

Was die Covid -19-Infektionen betrifft, hat Großbritannien bereits eine schwere Zeit hinter sich. Nachdem man es zunächst mit einer Herdenimmunisierung versuchte, rückte Boris Johnson entsetzt davon ab, als ihm Wissenschaftler die mögliche Zahl an Todesopfern nahegelegt hatte. Trotz der Wende steht die Nation mit 894.000 Infektionen und fast 45.000 Corona-Toten (an oder mit Corona), der höchsten Zahl an Opfern in Europa derzeit in den Statistiken. Dies findet auch in den Wirtschaftszahlen der zweitgrößten Ökonomie Europas seinen Widerhall.

In den Monaten April bis Juni brach die Wirtschaft Großbritanniens um -20,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein. Das war der schlimmste Absturz seit Beginn der britischen Quartalsstatistik im Jahr 1955. Das Land war damit das Schlusslicht Europas, noch vor Spanien, welches den Negativrekord mit einem Einbruch um 18,5 Prozent erleiden musste. Durch die Coronakrise wird Großbritannien wirtschaftlich auf den Stand von 2003 zurückgeworfen.

Das einst so stolze britische Pfund

Das Pfund Sterling, einst der Stolz der Briten und die älteste noch bestehende Währung, hat längerfristig schon eine Entwicklung erlebt, die durch den Brexit noch deutlich beschleunigt werden könnte. Bis in die Hälfte des letzten Jahrhunderts hinein, war das Pfund die globale Leitwährung, die Hälfte der weltweiten Währungsreserven bestand aus der britischen Währung und die Bank of England hatte weltweit sehr großen Einfluss. Dann begann der Abstieg, Mitte der 1970-er-Jahre hatte die britische Währung nur noch einen Anteil von vier Prozent an den globalen Währungsreserven, dabei ist es bis heute geblieben.

Und der Außenwert des GDP?

Das britische Pfund kostete vergangene Woche nur noch 1,10 Euro. Vor gut vier Jahren und dem überraschenden Brexit-Referendum im Juni 2016 musste man noch über 1,30 Euro dafür bezahlen. Auch eine Folge des ewigen Hickhacks um den Sonderweg der britischen Regierung.

Fazit

Aus den bisherigen Fakten ist zu schlussfolgern, dass der ungeregelte Brexit den Briten mehr schaden sollte, als der EU. Aber haben sich die Unternehmen in der langen Zeit der Austrittsverhandlungen nicht schon auf das Austrittsszenario vorbereitet, die Börsen das Ergebnis eingearbeitet? Wann hat denn je ein absehbares Ergebnis Investoren wirklich beim Eintritt noch geschockt – Einzelfälle ausgeschlossen? Aber will Boris Johnson wirklich auf Biegen und Brechen den No-Deal-Austritt Großbritanniens durchziehen, auch wenn sich die Pandemie in der zweiten Welle noch verstärken sollte? Wo Zusammenarbeit in Europa gefragt ist, weiland sich Chinas Aufschwung weiter fortsetzt und auch den USA mit ihrer „America-First-Politik“ ein geschwächtes Europa gar nicht so ungelegen käme?

Es sind für gewöhnlich immer die externen Schocks, die Gewitter aus heiterem Himmel, die für Ungemach sorgen. Aber das Pokern des Boris Johnson – wem hängt das mittlerweile nicht schon zum Halse heraus?

Wem wird der Brexit mehr schaden?

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