Immobilien

Preise, Baugenehmigungen, Branchen-Aussage Immobilienmarkt im Knappheits-Modus – aktueller Blick

Der deutsche Immobilienmarkt zeigt steigende Preise und viel zu wenig Neubau von Wohnungen. Ein Blick auf die aktuelle Gemengelage.

Wohngebäude in Hamburg. Foto: Finanzmarktwelt.de

Seit inzwischen 1 1/2 Jahren steigen die Immobilienpreise in Deutschland kontinuierlich an. Auch im Juli ging es weiter bergauf, so zeigte es am Freitag der Europace Hauspreisindex, der monatlich frische Daten liefert. Insgesamt ist es binnen 1 1/2 Jahren im Schnitt ein Preisanstieg am deutschen Immobilienmarkt von 4,86 %. Das ist nicht die Welt, aber man sieht wie gesagt seit Anfang 2024 einen kontinuierlichen Anstieg.

Immobilienmarkt: Knappheit und Zinsen

Knappheit treibt Preise, ein normaler marktwirtschaftlicher Mechanismus. Wenn man auf der einen Seite sieht, wie wenig in Deutschland neu gebaut wird, und wenn man auf der anderen Seite sieht, wie viele Menschen kontinuierlich neu nach Deutschland kommen und verständlicherweise nach Wohnraum suchen – dann sind steigende Preise am Immobilienmarkt fast schon unausweichlich, wie auch kräftig steigende Wohnungsmieten.

Die Grafik zeigt es ganz klar: Ab Sommer 2022 erhöhte die EZB ihren Einlagenzins binnen eines Jahres dramatisch schnell von -0,5 % auf +4,0 % (rote Linie). Exakt ab diesem Zeitpunkt begann der Immobilienmarkt in Deutschland ins Wanken zu geraten. Die Preise fielen (blaue Linie). Durch die neue Zinssenkungsphase, die seit einem Jahr läuft, gibt es wieder Preisauftrieb (negative Korrelation zwischen Zinsen und Immobilienpreisen). Die zu geringe Bautätigkeit und die ständig steigende Nachfrage nach Wohnraum hierzulande dürfte dazu noch einen massiven Stützpfeiler für den Immobilienmarkt darstellen.

Grafik zeigt Preisentwicklung am Immobilienmarkt und EZB-Zinsen

Stagnation bei Baugenehmigungen

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Heute hat das Statistische Bundesamt neue Daten zu den Baugenehmigungen veröffentlicht. Demnach wurde im Juni der Bau von 19.000 Wohnungen genehmigt. Das sind 7,9 % oder 1.400 Baugenehmigungen mehr als im Juni 2024. Im gesamten 1. Halbjahr 2025 wurden 110.000 Wohnungen genehmigt. Das waren 2,9 % oder 3.100 Wohnungen mehr als im 1. Halbjahr 2024, als die Zahl genehmigter Wohnungen auf den niedrigsten Stand für eine erste Jahreshälfte seit 2010 gesunken war. Erleichterung für den Immobilienmarkt? Nein, denn es ist eine winzige Erholung auf sehr niedrigem Niveau, wie man es sehr gut in der Grafik sehen kann, die bis zum Jahr 2010 zurückreicht.

Im gesamten 1. Halbjahr 2025 wurden 4,3 % oder 3.700 mehr Neubauwohnungen in Wohngebäuden genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Dabei stieg die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um 14,1 % auf 21.300. Bei den Zweifamilienhäusern sank die Zahl um 8,3 % (-500) auf 6.000 genehmigte Wohnungen. In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, wurden im 1. Halbjahr 2025 insgesamt 57.300 neue Wohnungen genehmigt. Damit blieb die Zahl genehmigter Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern nahezu unverändert (+0,1 % oder 31 Wohnungen) gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Diese letzte Zahl ist wohl entscheidend für den deutschen Immobilienmarkt. Denn die Masse der Nachfrager dürfte eine Wohnung suchen, also in Mehrfamilienhäusern. Und da stagniert der Zubau!

Verband mit aktueller Stellungnahme

Auf den ersten Blick positiv, auf den zweiten enttäuschend“, so beschreibt der Branchenverband ZIA die heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen zu den Baugenehmigungen. Von einer Trendwende könne keine Rede sein. Der aktuelle Anstieg beruhe in erster Linie auf dem Zuwachs bei Einfamilienhäusern. Aber bei den so dringend benötigten Mehrfamilienhäusern gebe es kaum Veränderung. Der Bau-Turbo für den Immobilienmarkt hierzulande, der bis Herbst 2025 beschlossen sein soll, sei ein wichtiger Schritt – aber er allein werde den Wohnungsbau nicht in Schwung bringen. Kritisch sieht der ZIA den geplanten Zustimmungsvorbehalt der Kommunen und die zeitliche Befristung des Bau-Turbos. Man benötige schnellere Verfahren ohne neue Hürden und langfristige Planungssicherheit. Die Befristung sollte gestrichen werden, so der Verband.

Um den Wohnungsbau nachhaltig anzukurbeln, fordert der ZIA die Absenkung der Baustandards, um günstiger bauen zu können, optimierte KfW-Förderbedingungen, steuerliche Anreizmodelle und einen Abbau der „Staatsquote“ z.B. durch Aussetzung/Senkung der Grunderwerbsteuer.



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1 Kommentar

  1. Das ist ne Vollkatastrophe außer für Immobilienbesitzer.

    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1452146/umfrage/entwicklung-des-wohnungsmangels-in-deutschland/

    Ich kann bis heute nicht kapieren, dass man dieses Ding, das auf die merklsche Regierungszeit zurück geht, nicht endlich als echten und den Skandal des Jahrzehnts wahrnimmt. Ich denke, wenn man millionen Menschen mehr und dauerhaft aufnehmen will, muss man sich auch um Wohnungsbau kümmern (mindestens!). Und ja, das sehe ich z.T. bzw. in dem Falle sogar zum größeren Teil als direkte Aufgabe des Staats, ob er fördert, hebelt, genehmigt oder eben selbst Sozialwohnungen baut (was mE nicht das schlechteste wäre und die meiste Kontrolle garantiert).

    Krise ist schon der richtige Begriff aber irgendwie finde ich den zu schwach. Man hat diese Krise ja auch sehenden Auges herbei gewartet.

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